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Mortal Fighters

Originaltitel: Dei Seung Chui Keung__Herstellungsland: Hongkong__Erscheinungsjahr: 2001__Regie: Stephen Tung Wai__Darsteller: Ken Chang, Cheung Chi Yiu, Jacqueline Li, Yeung Jun Ngai, Patricia Ja Lee, Paul Rapovski, Stephen Tung Wai, Scott Adkins u.a.
Mortal Fighters Cover

“Mortal Fighters” wirbt nicht nur textlich mit “Ong Bak”, er klaut sogar ein Bild aus dem Tony-Jaa-Kicker.

In der Tradition von „Ong Bak“! Knallharte Martial-Arts-Action im Stil von „Mortal Combat“ (genauso geschrieben). So tönt es von der DVD zu „Mortal Fighters“ und eigentlich möchte man nur zurücktönen: Geht’s noch? Aber hey, so ist sie, die Werbung. Vielleicht sollte sich Michael Moore mal dieser bitterbösen Institution annehmen? Dann könnte er hier auf seine polemische Art und Weise aufdecken, dass „Mortal Fighters“ mit „Mortal Kombat“ eigentlich nur den Turniermodus gemein hat, man ergo auch mit „DOA“ oder „Bloodsport“ hätte werben können und dass die Parallelen zu „Ong Bak“ eigentlich nur auf Storyebene gesucht werden können, die hier wie dort einfach nur rotzenhohl und vollkommen egal ist …

Ein paar Kicker versammeln sich hier nämlich zu einem Fighting-Event an einem entlegenen Ort und hauen sich gegenseitig auf die Omme. Das beginnt im „Takeshi’s Castle“-Stil vollkommen irre mit einer Massenschlägerei, die nur 16 Mann überstehen dürfen. Danach folgt noch so eine komplett bekloppte „Wer als erstes im Ziel ist, kommt weiter“-Einlage und man fühlt sich fast schon ein wenig veralbert. Denn wenn ich „Takeshi’s Castle“ will, schaue ich „Takeshi’s Castle“.

Dann beginnt endlich die eigentliche Prügelei im Turniermodus… Nur leider sind es jetzt nur noch acht Teilnehmer und der Film ist noch keine 30 Minuten alt. Also lanciert man eilig eine Story um eine intrigante Internet-TV-Chefin, die den Event für ihre Zwecke ausnutzt und voll böse gaaaaaaanz viel Geld verdienen will – wie kann sie nur!?!? Ein Bruderzwist wird eingewoben, junge Liebe, Betrügereien, Schiebereien, Erzfeindschaften und dann, endlich, wird wieder gekickt. Zum Glück bis zum Ende der Chose.

Schaut in “Mortal Fighters” mit Scott Adkins rein

Dabei wird man erstaunlich gut unterhalten! Ok, zunächst einmal ist man geschockt, denn „Mortal Fighters“ sieht aus, wie er klingt: Megabillig! Drehort dürfte ein altes Bergwerk gewesen sein, in dem man hier und da ein paar Plattformen zum auf die Omme-Hauen installierte. Dann gibt es da noch eine Halle, in die man viele Fernseher und Computer stellte – Zack, fertig, ein TV Studio. Mittendrin hässliche Menschen mit hässlichen Frisuren und potthässlichen Klamotten. Ein Blick auf das Produktionsjahr offenbart: Nein, das ist kein 80er-Jahre Schinken, obwohl er genauso aussieht!

Dann liest man den Namen des Regisseurs: Stephen Tung Wai… Da war doch was? Achja, er war Regisseur von „Contract Killer“ mit Jet Li und gilt als einer der versiertesten Actionchoreographen Hongkongs! Und ja, soviel scheint er von den diversen Filmsets nicht an Erfahrung mitgebracht zu haben. Wobei man hier auch fair bleiben sollte, denn mehr als einen Appel und ein Ei wird man dem guten Tung von Produzentenseite nicht gesponsert haben. Bedenkt man dies, ist „Mortal Fighters“ dann sogar wieder ganz solide in Look und Umsetzung geraten.

Mortal Fighters

Guter? Böser? Das weiß man in “Mortal Fighters” nie sooo genau.

Auch und vor allem in der soliden, komplett wireworkfreien, sehr geerdeten und straighten Kampfchoreographie, die Tung hier und da mit einigen Kameraspielereien enorm aufwertet. Zunächst fällt auf, dass er die Aktionen nie aus der Totalen filmt, vermutlich um die karge Umgebung auszublenden. Stattdessen ist er relativ nah dran an den Figuren, ohne in den Bourne-Modus zu verfallen oder Unübersichtlichkeit zu generieren.

Stattdessen ist man immer ganz nah dran, wenn die Kämpfer ihre Kombinationen ablassen. Was die Actioneinlagen durchaus druckvoll und auch rasant erscheinen lässt, wozu der gekonnte Schnitt seinen Anteil beiträgt. Besonders witzig ist ein Gimmick geraten, bei dem Tungs Streifen bei besonderen Einschlägen von Hieben und Tritten kurzzeitig im Freeze Frame erstarrt.

Mortal Fighters

Gleichberechtigung war in Asien schon immer Pflicht. In “Mortal Fighters” bekommen auch Frauen Fratzengeballertes!

Leider bleibt man insgesamt ein wenig zu harmlos. Es gibt keine Toten, kein Blut, keine gebrochenen Knochen. Das ganze Event läuft viel zu fair ab. Dies schadet vor allem den beiden Hauptfiguren Fang und Kin. Beide sollen eigentlich die Hauptgegner des Filmes stellen. Leider kann man beide aufgrund ihrer enormen Ähnlichkeit kaum auseinanderhalten. Zudem ist keiner der beiden so richtig fies oder so richtig gut. Beide sind einfach… egal. Die Folge: Ziemlich geringes Involvement beim Zuschauer im Endkampf.

Darstellerisch sieht es allgemein recht finster aus. Da ist man fast froh, dass in dem Film nicht viel geredet wird und die Kicker weitgehend nur auf der Insel sind, um zu kicken. Machen sie dann doch mal das Maul auf, wird es meist arg belanglos, um nicht zu sagen: hohl. Sobald sie aber kicken dürfen, sind alle Mann in ihrem Element und machen einen mehr als nur soliden Job.

Mortal Fighters mit Scott Adkins

Hätte dem Film in einer größeren Rolle, vielleicht gar als Schurke, gut getan: Scott Adkins.

Hierbei ist vor allem das Mitwirken von Scott Adkins („Pay Day“) von größerem Interesse, aber leider spielt er keine allzu große Rolle für den Film. In den Burly Brawls zu Beginn geht er unter und im Turniermodus übersteht er leider nicht mal die Viertelfinals. Allerdings schlägt er sich beachtlich: Ein schneller Kick hier, ein Salto da. Scott hatte es halt schon immer drauf! Leider wird er von der teils wirklich unterirdischen und enorm atmosphärezerstörenden Synchro ziemlich verwurstet. Er klingt wie ein alter Mann, der seine Stimme verstellt, um wie 30 zu wirken. Hammerschlecht…

“Mortal Fighters”: Dufte Fights, hinnehmbarer Rest

Was bleibt, ist ein Streifen, bei dem man zunächst einmal alle Erwartungen herunterschrauben sollte. Stuntmaestro Stephen Tung liefert keine Optikbombe, sondern einen liebenswert altmodisch aussehenden Billigkicker, in dem die Fights aber dennoch Laune machen und die ganze Handlungschose letztendlich erstaunlich unterhaltsam geraten ist.

Andere Darsteller, ein konsequenter durchgezogener Turniermodus, mehr Härten, viel mehr Geld, eine prägnantere Rolle für Scott Adkins und das Ding hätte richtig gut werden können. So bleibt ein solides Spektakel, das mit den auf dem Cover bemühten „Ong Bak“ und „Mortal Kombat“ eigentlich nur eines gemein hat: Ist das Hirn draußen, das Bier offen und wurden die Beine hochgelegt, kann man hier ganz gut bespaßt werden. Wer aber echtes Spektakel will, der sollte zu den Originalen greifen…

4 von 10

Die DVD aus dem Hause Savoy ist mit einer FSK 16 uncut, grottigst synchronisiert und technisch teils wahrlich miserabel, was aber den 80s Look noch mal betont und dem Film beinahe schon zu Gute kommt. Beinahe…

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Savoy__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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