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Super Bodyguard aka Iron Protector

Originaltitel: Chao Ji Bao Biao__Herstellungsland: China__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Yue Song__Darsteller: Yue Song, Xing Yu, Li Yufei, Collin Chou, Michael Chan Wai-Man, Shang Tielong, Xu Dongmei, Jiang Baocheng, Li Changhai u.a.
Super Bodyguard DVD Cover

Der “Super Bodyguard” firmiert auch gerne mal unter dem Alternativtitel “Iron Protector”.

Mit „The King of the Streets“ hatte sich Regisseur und Hauptdarsteller Yue Song einen Traum erfüllt: Einen eigenen Actionfilm auf die Beine zu stellen und in selbigem zu präsentieren, was er in Sachen Martial Arts auf dem Kasten hat. Und obwohl Yue Song in seinem rohen Regiedebüt ausgiebig Kauleisten verbog, blieben die Angebote für weitere Filme aus. Also setzte er sich wieder auf den Hintern und entwickelte für sich eine neue Bühne: Den Actionfilm „Super Bodyguard“…

Der einfach und dörflich aufgewachsene Wu-Lin kommt eines Tages in die große Stadt. Hier will er seinem Freund Jiang mitteilen, dass der gemeinsame Meister, der sie einst im Kung Fu unterrichtete, unlängst verstorben sei. Jiang tangiert das aber nicht sonderlich, wurde er seiner Meinung nach doch immer von dem Meister zugunsten Wu-Lins benachteiligt. So fällt das Wiedersehen der beiden jungen Männer auch eher frostig aus. Zumindest bietet Jiang Wu-Lin eine Stelle in seiner Firma an.

Jiang vermittelt Bodyguards und ein Mann wie Wu-Lin käme ihm da als Arbeitnehmer gerade recht. Doch bevor Wu-Lin auch nur in die Verlegenheit kommt, über diese Offerte nachzudenken, wird er bereits von Mr. Li, einem reichen Geschäftsmann, als Bodyguard engagiert. Dem hatte Wu-Lin bei seiner Ankunft in der Stadt nämlich eher beiläufig mit seinen Martial-Arts-Künsten aus der Patsche geholfen.

Nun soll Wu-Lin Fei-Fei, die Tochter Lis, beschützen. Die gibt sich zwar besonders störrisch, doch der kampfstarke Wu-Lin rettet ihr oft genug die Haut, um Fei-Feis Anerkennung und Liebe zu ernten. Derweil baut sich am Horizont ein starker Gegner auf, der Wu-Lin mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontieren wird und auch Jiang gegen ihn aufbringt…

Schaut in “Super Bodyguard” hinein und genießt ein paar derbe Kloppereien

Die vier Jahre Pause zwischen „The King of the Streets“ und „Super Bodyguard“ haben Yue Song als Filmschaffenden wahrlich geholfen. In so gut wie allen filmischen Sparten konnte er deutlich zulegen. Egal ob der wirklich augenschmeichelnde Hochglanzlook, die coolen Überblenden, die bessere Schauspielführung, die gute Musik oder die derb brachiale Action: „Super Bodyguard“ macht auf den ersten Blick verdammt viel her. Leider hält diese Begeisterung nicht lange vor, denn das Zweitwerk von Yue Song hat ein riesengroßes Problem: Seine Story.

Der Streifen wirkt komplett inkonsistent. Reiht eine Episode an die nächste, ohne einen rechten Zusammenhang zu generieren. Die ganze Einleitung um Jiang und Wu-Lin ist letzten Endes vollkommen egal. Die Dynamik zwischen beiden Figuren schlichtweg rätselhaft. Sind die nun Freunde? Oder Rivalen? Und wenn ja, warum? Sind diese Fragen nicht geklärt, steigt der Bodyguard-Part. Der funktioniert noch am besten und hätte als Story-Rückrat vollkommen ausgereicht. Auch wenn nie klar wird, wer Fei-Fei aus welchem Grund ans Leben will. Welche Rolle ihr Vater dabei spielt und wie das alles mit den bisher präsentierten Story-Bestandteilen zusammenpasst.

Und schon steigt die nächste Handlung. Diese führt in Wu-Lins Vergangenheit. Hat nichts mit dem Meister und nichts mit Jiang zu tun. Dafür soll ein Zusammenhang mit Fei-Fei beziehungsweise ihrem Vater bestehen. Soll. Zumindest findet so mit Collin Chou („Special ID“) der berühmteste Name im Cast seinen Eingang in den Film und wird großräumig verschenkt. Warum auch immer.

Super Bodyguard Action mit und von Yue Song

Yue Song haut auch in seinem zweiten Film ordentlich auf die Lumpen ein.

Apropos „warum“: Warum trägt unser Held die ganze Zeit 50 Kilo schwere Eisenschuhe und wird von Jiang darum beneidet? Was hat es mit den oft erwähnten eisernen Fäusten und eisernen Füßen wirklich auf sich? Und warum haben die manche und andere nicht? Was macht die 108 besonderen Kicks so besonders? Und wieso sieht man davon maximal 10? Warum, warum, warum? Ich kann es euch nicht verraten. Selbst wenn ich spoilern wollte, ich müsste raten…

In der Folge bleibt eigentlich nur eine Erkenntnis: Obschon „The King of the Streets“ alles andere als erzählerisch ausgereift war, wird er vom „Super Bodyguard“ doch heftigst unterboten. Erlaubte sich Yue Song in seinem Regiedebüt sogar kleinere sozialkritische Momente, ist die Handlung seines „Super Bodyguard“ wirklich nicht mehr als – recht schlecht bindender – Kitt zwischen den Actionszenen. Auf die verwendet Yue Song dann sichtlich mehr Energie und haut mit seinem Stuntteam ordentlich einen raus.

In diversen actionreichen Sequenzen bekommt Yue Song infolgedessen die Möglichkeit, seine Arme und beschwerten Beine fliegen zu lassen. Dabei liegt der Fokus deutlich darauf, den Impact der Martial-Arts-Momente zu bebildern. In jedweder Geschwindigkeit (von Echtzeit bis Super-Slow-Motion) schlagen hier die Schwinger ein und verursachen beim Zuschauer diverse Male Phantomschmerzen. Hier wirkt nichts in irgendeiner Weise abgebremst. Einige deftige Outtake-Momente bezeugen die blutigen und knochenbrechenden Folgen des „Realismus“-Ansatzes.

Dabei fokussiert Regisseur Yue Song natürlich überdeutlich auf seinen Hauptdarsteller Yue Song und lässt diesen mit teilweise beeindruckender Geschwindigkeit auf seine Gegner eindreschen. Dem realistischeren und raueren Ansatz geschuldet, gibt es kaum Scott-Adkins- oder Tony-Jaa-High-Flyer-Momente zu bestaunen. Die Choreografie ist aber dennoch beeindruckend, da Yue Song als Wu-Lin vornehmlich auf mehrere Gegner gleichzeitig trifft und das entstehende Chaos immer einen sehr geordneten/absichtsvollen Eindruck macht.

Absolutes Highlight ist der geniale Burly Brawl im Finale, bei dem Wu-Lin gefühlte 50 Leute gleichzeitig verarztet und ganz nebenbei „Matrix Reloaded“ zeigt, wie man so etwas ohne fette Rechenpower in Szene setzt. In der Szene wird allerdings auch offensichtlich, dass der Mime auch mal im Wirework-Geschirr hängt…

Super Bodyguard Burly Brawl Action

Yue Song zeigt, wie ein Burly Brawl zu funktionieren hat.

Allgemein wird der im Umfeld des Filmes kolportierte „No Tricks“-Ansatz häufiger mal gebrochen. Allerdings zumeist auf Seiten der Gegner von Yue Songs Wu-Lin, die mittels Drähten beschleunigt meterweit durch die Gegend segeln dürfen. Yue Song verzichtete dagegen meist auf derartige Hilfen. Aber eben nur meist. Zudem fällt auf, dass sein „Super Bodyguard“ erstaunlich stark auf viele Schnitte setzt. Im Grunde hätte man erwartet, dass er den Choreografien Raum zum Atmen lassen würde, wie er es in „The King of the Streets“ getan hat. Um eben zu zeigen, was er auf dem Kasten hat. Stattdessen dominiert ein filmisch relativ abgehackt wirkendes Bild.

Allerdings ist das bei der dynamisch in Szene gesetzten und amtlich reinhauenden Action wahrlich Meckern auf hohem Niveau. Das Ziel waren flotte, keinerlei Funken Langeweile aufkommen lassende Massen-Kloppereien mit derbem Impact und genau das bekommt man auch geboten. Zudem in abwechslungsreichen Locations (Wald, Lagerhalle, Gebäude der Fieswichte, Nebenstraßen).

Irre Fights in einem komplett (w)irren Plott lassen “Super Bodyguard” nicht wirklich zünden

Was am Ende bleibt, ist erneut eine filmische Visitenkarte für das Martial-Arts-Können des Hauptdarstellers Yue Song. Und obschon auch der Regisseur Yue Song in diversen Abteilungen ordentlich zulegen konnte, will „Super Bodyguard“ als filmisches Werk nicht so wirklich funktionieren. Vor allem die heillos zerfahrene Story ist schon ein ziemlicher Abfuck, der dem mit 90 Minuten eigentlich recht straffen Film sogar Momente der Langeweile beschert. Nicht, weil nichts passieren würde, sondern weil man weder bei der Story noch bei den Figuren und deren Motiven wirklich durchsteigt. So kann man nur hoffen, dass Yue Song bald mal einem fähigen Regisseur mit ordentlichem Drehbuch in die Arme läuft. Oder er beispielsweise als Choreograph oder Actionregisseur durchstarten kann. Diese Posten sollten ihm doch deutlich mehr liegen. Das beweist auch der „Super Bodyguard“, der eben genau wegen seiner Action und entgegen meines Gemeckers noch folgende Bewertung erhält:

5 von 10

Über eine deutsche Veröffentlichung ist mir bislang nichts bekannt. In den USA erschien der Film von dem Label Well Go USA unter dem Alternativtitel „Iron Protector“ auf DVD und Blu-ray. Zumindest letztere ist Codefree. Bei den DVDs des Labels ist das normalerweise auch Standard, kann hier aber nicht verbindlich belegt werden.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

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