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Normal

Originaltitel: Normal__Herstellungsland: USA, Kanada__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Ben Wheatley__Darsteller: Bob Odenkirkm, Lena Headey, Henry Winkler, Brendan Fletcher, Summer H. Howell, Jess McLeod. Billy MacLellan, David Lawrence Brown, Peter Shinkoda, Ryan Allen u.a.
Normal mit Bob Odenkirk

Alles andere als normal? „Normal“ mit Bob Odenkirk.

Bob Odenkirk hat dank „Nobody“ und dessen Fortsetzung Actionluft geschnuppert. Und offensichtlich gefiel ihm, was er da roch. Entsprechend schrieb er sich gemeinsam mit „John Wick“-Drehbuchautor Derek Kolstad selbst eine Rolle in einem neuen Actioner auf den Leib.

Der Sheriff des kleinen Städtchens Normal ist unter äußerst kuriosen Umständen aus dem Leben geschieden. Ulysses Richardson ist es gelungen, den Job als Übergangsgesetzeshüter zu ergattern. Ulysses hat einige private Probleme und genießt darum den arg unaufgeregten Job in Normal sehr. Denn Normal ist mehr als nur normal. Es ist ein stinklangweiliges Kaff. Immerhin hat Normal einige spleenige Bewohner in petto. So frönen hier erstaunlich viele Leute einem seltsamen Waffenfetisch.

Doch wie so oft ist nicht alles so, wie es auf den ersten Blick scheint. Als nämlich eines Tages die städtische Bank von zwei Räubern überfallen wird und Ulysses eingreifen will, nehmen ihn plötzlich seine eigenen Kollegen genauso unter Feuer wie sie es mit den Bankräubern tun. Unser Aushilfssheriff schaltet sofort in den Überlebensmodus und fördert im Zuge dessen einige erstaunliche Geheimnisse von „Normal“ zutage.

Schaut in den Film hinein

Bob Odenkirk ist mal wieder total normal

Ein wenig wiederholt „Normal“ schon das Erfolgsrezept von „Nobody“. Nur dass diesmal eben alle Charaktere rund um Bob Odenkirk zunächst scheinbar total normal wirken und dann irgendwann ganz andere Seiten präsentieren. Und das funktioniert als Story-Aufhänger ganz gut, ohne irgendwelche Originalitätsbäume auszureißen. Der Story-Prämisse folgend, zelebriert Regisseur Ben Wheatley („Meg 2“) zunächst lang und breit die Normalität der Stadt Normal.

Einzig ein kurzer Moment direkt zu Beginn des Streifens teast kurz an, wohin die Reise gehen könnte. Hier werden bereits Gliedmaßen abgetrennt und ein Kopf abgeschlagen. Ganz so normal wird „Normal“ also offensichtlich nicht werden. Doch danach lässt sich der Actionfilm eine Menge Zeit, seinen Hauptcharakter Ulysses zu etablieren. Gemeinsam mit ihm lernen wir die Stadt und ihre Einwohner kennen. Es schwingt ein warmer, allerdings nie zu offensiver Humor über den Bildern. Etwa wenn ein Elch beim Farbenklau erwischt wird. Auch der eine oder andere Spruch funktioniert gut und Ulysses Kollegen haben definitiv amtlich einen an der Klatsche.

Ulysses mit dem Bürgermeister

Bob Odenkirk (links) und Henry Winkler (mitte) sorgen für netten Humor im Film.

Deren Zeichnung und eben der vor dem Auge des Zuschauers immer mehr mit Leben gefüllte Ulysses, der auch ein paar wundervoll warmherzige/emotionale Momente abbekommt, halten im Film, können aber auch nicht verschleiern, dass der Anfang sehr langsam anmutet. Die eine oder andere kleinere Actionszene hätte der ersten Hälfte des Streifens gut gestanden.

Ungefähr auf der Filmmitte legen dann Regie und Drehbuch den Schalter um. Ab sofort kracht und knallt es in gleich mehreren, feinen Actionszenen. Actionszenen, die dem Fan einiges zu bieten haben. Mit einem Granatwerfer werden Menschen zum Platzen gebracht und Karren gesprengt sowie durch die Luft geschleudert, so dass sie auf Gegnern von Ulysses landen und sie plattmachen. Körperteile werden abgeschossen, Dynamitstangen geworfen und Stricknadeln zum Killen verwendet.

Bob Odenkirk in "Normal"

Ulysses packt die Samthandschuhe weg.

Zahlreiche Einwohner von Normal werden von Kugeln durchschlagen, von Messern aufgeschlitzt oder von Hausschildern brutal zermatscht. Sich selbstständig machende Schrotflinten lassen Köpfe zerplatzen und immer wieder spritzt Blut aus den unterschiedlichsten Wunden. Die Actiondesigner Emmanuel Manzanares („Bad Boys: Ride or Die“), Vlad Rimburg („Gangs of London“) und Dan Iaboni („Nobody“) hatten unter der Regie von Actionregisseur Clayton J. Barber („Creed 3“) sichtlichen Spaß.

Sie setzen vornehmlich auf fein choreographierte Balleraction, die zumindest ab und an in kleinere Keilereien/Fights kippen darf. Dabei wird viel auf handgemachte Effekte gesetzt, was ein paar sehr brutal wirkende Momente generiert. Wie in „Nobody“ schlägt sich Bob Odenkirk sowohl im Geballer als auch im Gefighte ordentlich. Wenngleich sein Ulysses ein wenig hüftsteifer und weniger actionversiert rüberkommt, als sein „Nobody“-Charakter. Was freilich sehr gut zur gesamten Rolle passt. Abseits der Action spielt Odenkirk verdammt sympathisch auf und wächst einem als Held sofort ans Herz.

Bob Odenkirk als Ulysses in Normal

Ulysses stellt sich schützend vor die Bankräuber.

Die Schauspieler um ihn herum liefern solide ab, bleiben aber rundweg weitgehend Nebenfiguren. „Normal“ hat sichtlich keine Lust auf einen weiteren Star neben Odenkirk. So wirken Namen wie Lena Headey („300“), „Henry Winkler („Scream“), Peter Shinkoda („Prisoner of War“) oder Brendan Fletcher („Rampage“) schon ein wenig verschenkt, holen aus ihren dünnen Rollen aber einiges raus. Was fehlt, ist ein eindrücklicher Bösewicht. Manche Figuren, die man als ebenjene wahrnehmen könnte, verschwinden teils ultraplötzlich aus dem Film. Andere gefühlt als Oberschurken aufgebaute Figuren verfangen nicht oder werden auch vom Film einfach fallengelassen.

In optischer Hinsicht überzeugt das als Städtchen Normal gereichte Setting vollauf. Wheatley arbeitet mit eher kalten Farben, was zur winterlichen Jahreszeit im Film passt. Das Finish spielt fast vollkommen bei Nacht, ohne dass die Dunkelheit zu viele Nicklichkeiten schlucken würde. Immer etwas fake schaut der Schnee im Film aus – obschon sich ein ganzer Abspannblock scheinbar nur aus Schnee-Special-Effect-Experten zusammensetzt. Der Fake-Schnee stört nun aber auch nicht derart, dass man aus der Illusion gerissen werden würde. Musikalisch gefallen ein paar der ausgewählten Musikstücke vor allem deshalb, weil sie das Gesehene entweder konterkarieren oder gut kommentieren. Der eigentliche Score hätte aber gerne deutlich mehr reinhauen dürfen.

Vielleicht etwas zu „Normal“?

Wenn der bedächtig und ruhig aufgebaute „Normal“ nach etwa 45 Minuten den Turboknopf drückt und fortan von einer Actionszene zur nächsten hechtet, hat der Actionfan definitiv seinen Spaß. Vor allem, weil „Normal“ auch Lust auf knalligere Szenen hat, in denen Karren und Menschlein herzhaft zerplatzen dürfen. Das einzige Problem: „Normal“ etabliert einen gewissen „Pegel“ und vermag sich nicht mehr zu steigern.

Das mündet in einen leider etwas unterwältigenden Showdown, von dem man sich definitiv eine gewisse Steigerung erwartet hätte. Auch hier spritzt das Blut und fangen sich alle Beteiligten harsche Kopf- und Körpertreffer, aber es fehlt der letzte Funke, etwa in Form einer finalen übergroßen Explosion oder in Gestalt eines unverhältnismäßig derben Kills, der alle anderen in den Schatten stellt.

Und genau dieses Gefühl, dass der letzte Funke fehlt, gilt für den gesamten Film. „Normal“ hat nette Figuren, einen guten Humor und mehr als nur brauchbare Action, aber irgendetwas fehlt einfach. Man wird für knapp 90 Minuten wirklich gut und vor allem sympathisch sowie durchaus kurzweilig unterhalten – aber würde ich „Normal“ nun uneingeschränkt als Actionhighlight empfehlen? Eher nein.

06 von 10

Der Actioner läuft seit dem 16. April 2026 in den deutschen Kinos. Er kommt von LEONINE und hat ungeschnitten eine Freigabe ab 18 erhalten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: LEONINE Studios__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, seit 16.04.2026 im Kino

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