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Ragman – Trick or Treat

Originaltitel: Trick or Treat__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1986__Regie: Charles Martin Smith__Darsteller: Marc Price, Tony Fields, Lisa Orgolini, Doug Savant, Elaine Joyce, Glen Morgan, Gene Simmons, Ozzy Osbourne, Elise Richards, Richard Pachorek, Clare Torao, Alice Nunn, Larry Sprinkle u.a.
Ragman

In der Heavy-Metal-Horrorkomödie „Ragman“ treibt ein untoter Rockstar sein Unwesen

Heavy Metal und Horrorfilme haben nicht nur oft Überschneidungen beim Zielpublikum, sondern auch in der Ikonographie. Kein Wunder, dass das Filmgenre und die Musik sich immer wieder aufeinander bezogen, sehr prominent in den 1980ern, unter anderem mit „Trick or Treat“ alias „Ragman“.

Der Ragman ist allerdings nicht etwa die Killerfigur, die man hier (vergeblich) zur neuen Ikone aufbauen wollte, sondern der Spitzname von Protagonist Eddie Weinbauer (Marc Price). Der ist Außenseiter an seiner Highschool, himmelt Leslie Graham (Lisa Orgolini) aus der Clique der Cool Kids an und hat neben seiner Nerdkumpel Roger Mockus (Glen Morgan) vor allem seine Liebe zu Heavy Metal. Dafür wird er von den Jocks unter der Führung von Tim Haney (Doug Savant) immer wieder getriezt. Marc ist also der im Genre beliebte Typus des gemobbten Außenseiters, wenn auch nicht ganz so arm dran wie die Titelfigur von „Carrie“ oder Stanley Coppersmith aus „Evilspeak“. Dass seine Jugendbutze sich in einem offensichtlich fensterlosen Dachzimmer befindet, macht allerdings einen eher semigesunden Eindruck. Auch wenn „Ragman“ in erster Linie auf der Seite von Heavy-Metal-Fans steht, so sendet er manchmal (unabsichtlich) gemischte Signale aus.

Eddies großes Idol ist der Rockstar Sammi Curr (Tony Fields), ein Alumnus seiner eigenen Highschool. Eigentlich will Sammi dort auch ein Konzert geben, wird jedoch von empörten Sittenwächtern davon abgehalten. Als der Musiker dann auch noch bei einem Hotelbrand ums Leben kommt, ist Eddie am Boden zerstört. Von dem Radio-DJ Nuke (Gene Simmons) erhält er eine Pressung von Sammis letztem Album, ein Einzelstück. Die Minirolle von Gene Simmons ist eine der beiden prominenten Gastauftritte des Films. Ursprünglich war der KISS-Frontmann für den Schurkenpart angefragt worden, lehnte jedoch wegen des Drehbuchs ab. Denn, wie wir alle wissen, spielte Simmons in den 1980ern nur Schurkenrollen in Drehbuchmeisterwerken wie „Runaway“, „Gesucht: Tot oder lebendig“ und „Lance – Stirb niemals jung“.

Als Eddie die Platte rückwärts abspielt, passiert etwas Außergewöhnliches: Sein Idol spricht aus dem Jenseits mit ihm und gibt ihm Tipps, wie er mit den Bullys fertig wird. Als Sammis Eingriffe immer extremer werden, will Eddie abbrechen, aber der untote Rockstar denkt gar nicht daran…

Schaut euch den Trailer zu „Ragman“ an

Dass der Killer aus dem Jenseits nur zwei Jahre nach „Nightmare on Elm Street“ die Leinwände unsicher machte, war wohl kaum ein Zufall. „Ragman“ ging dabei schon mal den Pfad der späteren „Nightmare“-Sequels und ist nicht im klassischen Sinne gruselig, sondern Fun-Horror. Dummerweise taugt Sammi Curr nur bedingt als Heavy-Metal-Freddy, auch wenn er auf dem Poster in Marcs Zimmer ordentlich böse gucken kann. Doch seine Sprüche sind nur mittelgut und seine Kills wenig variantenreich, denn die Opfer werden via Stromstoß aus seinen Händen oder seiner Gitarre in die ewigen Jagdgründe geschickt. Vor allem handelt es sich dabei, entgegen den Erwartungen, nur in wenigen Fällen um die bösen Jocks, sondern irgendwelche willkürlichen Leute. Etwa wenn Sammi irgendwann in reanimierter Form während der Halloween-Party in der Highschool auf der Bühne spielt und Teile des Publikums entweder zu Tode schockt oder sogar zur Explosion bringt. Bei einer Szene, in der er Tims Freundin erst via Walkman verführt und dann krankenhausreif schockt, taucht er einmal kurz als Gummimonster auf. Ohne Erklärung und das einzige Mal im Film. Allerdings ist die Logik, wann und wie er erscheinen kann, ob bei vorwärts oder rückwärts gespielter Musik, usw., eh ziemlich löchrig.

Für die Rolle des Bösewichts gewann man den Schauspieler und Tänzer Tony Fields („A Chorus Line“), der 1995 im Alter von nur 36 Jahren an AIDS verstarb. Hier sind sein Make-Up und sein Outfit die halbe Miete, aber beim erwähnten Aula-Bühnenauftritt kann er auch sein tänzerisches Können zeigen. Auch sonst ist er als Schurke in guter Form, wenn auch erst in der zweiten Filmhälfte so richtig präsent. Marc Price („Sonderkommando Südkorea“) absolviert die Hauptrolle solide, Lisa Orgolini („Born to Ride“) überzeugt als Girl Next Door. Der Rest vom Fest spielt auf klischeehaftem Eighties-Teen-Horror-Niveau. Darunter ist auch Glen Morgan als Nerdkumpel, der gemeinsam mit seinem „Final Destination“-Co-Erfinder James Wong ungenannt am Drehbuch mitschrieb, nachdem die beiden zuvor schon Penelope Spheeris‘ Jugenddrama „The Boys Next Door“ verfasst hatten. Und dann ist da noch der Highlight-Gastauftritt von Ozzy Osbourne als konservativer Prediger, der im Fernsehen gegen den achso bösen Heavy Metal wettert.

Denn „Ragman“ greift mit Freude die Satanic Panic auf, mit der in den 1980ern Horrorfilme und Heavy Metal (neben anderen Lieblingsopfern wie Dungeons & Dragons) angefeindet wurden. Natürlich mag es kontraproduktiv wirken, dass die Bedrohung tatsächlich ein teuflischer Musiker ist, doch Marc distanziert sich, sobald Sammi zu weit geht. Noch dazu werden manche Themen der Zeit im Dialog verhandelt. So stellt Roger die These auf, dass der Mythos von den versteckten Botschaften einfach nur ein Marketingtrick der Musikindustrie war, um Jugendliche zum Verkratzen ihrer Platten durch das Rückwärtsspielen und damit zum Neukauf zu bewegen. Zumal „Ragman“ die Gegenseite zu Eddie karikaturhaft zeichnet: Die albern-bigotten Tugendwächter im Fernsehen, die mobbenden Cool Kids in der Schule, die es für witzig halten Eddie nackt in die Turnhalle zu schubsen oder mit Gewicht im Rucksack in den Pool zu schubsen.

Leslie ragt natürlich als positives Gegenbeispiel heraus, auch wenn Eddie erst glaubt, dass sie als Lockvogel für die Bullys dient. Dadurch könnte sie auch in Sammis Visier geraten, doch „Ragman“ lässt wenig Zweifel daran, dass das hier keine tragische „Carrie“-Geschichte ist. Sondern flotter Spaßhorror, in dem ein paar Arschkrampen ihr Fett wegbekommen, der Heavy-Metal-Fan sich gegen sein mörderisches Idol stemmen muss und am Ende das Traummädel abbekommt. Doch Regisseur Charles Martin Smith („Double Force“) und die drei genannten Drehbuchautoren Rhet Topham („976-EVIL“), Michael S. Murphey („Rebellen des Grauens“) und Joel Soisson („Lower Level“) spulen die Geschichte immerhin flott ab und bekommen zumindest ein paar handwerklich recht spannende Passagen hin, etwa wenn Eddies Mutter in sein Zimmer kommen will, in dem Sammi ihr etwas antun könnte, oder sich Eddie und Leslie sich des untoten Rockers erwehren müssen. Dazu gibt es themen- und zielgruppengerechte Mucke von der Band Fastway, die gut ins Ohr geht. Die großen Bands der Ära und des Genres wie Judas Priest kommen dann nur als Poster in Eddies Zimmer vor, hätten in Sachen Tantiemen aber wahrscheinlich auch das Budget gesprengt

Dass sich „Ragman“ erst später einen gewissen Kultstatus erarbeitete und keine großen Wellen schlug, ist durchaus verständlich. Dem Bösewicht geht das Ikonische eines Freddy Krüger ab, die Kills sind wenig hart, wenig kreativ und treffen oft auch nur irgendwen anstatt sorgsam aufgebauter Opferfiguren. Den Zeitgeist und den Konflikt zwischen jugendlichen Metalfans und schrillen Sittenwächtern verarbeitet „Ragman“ aber als Fun-Horror mit Tempo und Charme, vorhersehbar, aber kurzweilig. Und der Cameo von Ozzy, der ist größer als der Film an sich.

NSM Records hat „Ragman“ auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. Als Bonusmaterial gibt es Trailer, eine Bildergalerie und Filmographien, auf der Blu-Ray zusätzlich noch ein Special zu Heavy Metal und Horrorfilmen.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: NSM Records__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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