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The Transporter Refueled

Originaltitel: The Transporter Refueled__Herstellungsland: Frankreich, China__Erscheinungsjahr: 2015__ Regie: Camille Delamarre__Drehbuch und Produktion: Luc Besson__Darsteller: Ed Skrein, Loan Chabanol, Lenn Kudrjawizki, Tatiana Pajkovic, Radivoje Bukvic, Mikael Buxton, Cédric Chevalme, Robbie Nock, Ray Stevenson, Anatole Taubman u.a.
The Transporter Refueled

Ed Skrein übernimmt den Staffelstab von Jason Statham im neuen “The Transporter”-Abenteuer.

Frank Martin ist der Transporter. Regelgetreu erfüllt er seine Transportaufträge zuverlässig und mit höchster Präzision. Seinen neuesten Auftrag erteilt ihm eine junge Dame. Er solle sie und zwei Pakete zu einer präzisen Uhrzeit vor einer Bank abholen. Doch die Dame bricht den Vertrag. Anstelle von zwei Paketen taucht sie mit zwei weiteren Damen auf. Frank will den Auftrag sofort abbrechen. Doch die Damen präsentieren ihm ein Video, dass Frank umdenken lässt: Sie haben seinen Vater. Gefesselt. Und sie drohen, ihn umzubringen, wenn Frank den Auftrag nicht erfüllt.

Frank fügt sich in sein Schicksal und rettet die Frauen vor der heranrasenden Polizei. Die Grazien haben nämlich die Bank, vor der Frank warten sollte, ordentlich erleichtert. Im Versteck der insgesamt vier jungen Damen wird Frank angewiesen, ihnen zu helfen, den fiesen russischen Zuhälter Karasov auszuschalten. Wieder lassen sie Frank keine Wahl, denn sie haben seinem Vater ein gefährliches Gift gespritzt, das ihn töten wird, wenn ihm kein Antidot verabreicht wird. Dieses gibt es freilich erst, wenn Karasov am Boden liegt. Wieder willigt Frank ein…

Vor der Presseaufführung zu „The Transporter Refueled“ fragte ein Kollege offenherzig in die Runde, ob sich schon irgendwer mit dem Film und dessen Existenz auseinandergesetzt habe. Irgendwie kam man sofort ins Grübeln. Klar, die „Transporter“-Filme waren hübscher, hirnloser Spaß, die ihren Hauptdarsteller mühelos in die Position eines aufstrebenden Action-Stars beförderten. In gewisser Weise begründeten sie auch das Luc Besson’sche Fließband-Actionkino, das mit fantastischen Schauwerten und mageren Storys rund um den Erdball funktionierte und dem französischem Actionkino einen tadellosen Leumund verpasste. Doch schon eine TV-Serie über den Transporter funktionierte nicht so wirklich. Wie kam man also auf die Idee, eine neue „Transporter“-Trilogie auf den Weg zu schicken? Zumal mit einem neuen Hauptdarsteller? Ob man wirklich auf einen finanziellen Reibach gehofft hat?

The Transporter Refueled

Ed Skrein als neuer Frank Martin…

Schwer zu sagen. Das Ergebnis der Bemühungen jedenfalls will nicht wirklich überzeugen. Zu belanglos ist der Neustart geraten. Was auch an der arg dünnen Story liegt. Diese wäre gerne geheimnisvoll und nicht so leicht zu durchschauen, setzt am Ende gar auf eine Art Twist, wirkliche Spannung kommt aber nie auf. Zudem präsentiert sie den passivsten Frank Martin überhaupt. Beständig wird der Transporter zum Zuschauer degradiert. Zum Spielball der anderen Strippenzieher gemacht. Und so gut wie nie geht er in die Offensive. Das ist nicht unser Frank Martin… Und er sieht auch noch ganz anders aus. Weder sieht er aus wie Jason Statham noch wie Chris Vance aus der TV-Reihe.

Er sieht aus wie der Böse aus „Northmen – A Viking Saga“. Der Darsteller heißt Ed Skrein. Und hat eigentlich ein interessantes Gesicht. Doch er agiert so stoisch und so steif, dass man keine Beziehung zu der Figur aufbaut. Man schaut größtenteils desinteressiert zu und schüttelt den Kopf, wenn Skrein ikonische Szenen der Vorgänger nachspielen muss und dabei versucht, nicht wie Jason Statham rüber zu kommen. Im weiteren Verlauf gehen der Figur aufgrund des wenig einnehmenden Spiels des Hauptdarstellers auch die letzten Ecken und Kanten verloren, die man ihm aufgrund seines Äußeren durchaus noch zugesprochen hatte. Kurzum: Dieser neue Frank Martin ist ein Langweiler, der nicht einmal ein paar coole Sprüche ablassen darf.

Das hatte man wohl schon im Vorfeld befürchtet. Also beschloss man, Frank Martin aufzubrechen. Luc Besson („Lucy“) und seine Drehbuch-Partner bauten darum eine „Indiana Jones 3“-Routine in die Handlung ein. Sprich: Frank Martin trifft auf seinen Vater, der ihn dann auch konsequent nur als Junior bezeichnet. Ray Stevenson („Big Game“) darf als Frank Martin Sr. eine köstliche Agentenparodie geben und pumpt als mit dem weiblichen Feind fraternisierender Schwerenöter ordentlich Charme in „The Transporter Refueled“. Leider sind dagegen seine Szenen mit Skrein total langweilig und witzbefreit geraten. Die Chemie zwischen den beiden stimmt nicht und so geht der gesamte „Indiana Jones 3“-Ansatz irgendwann komplett vor die Hunde. Witzigerweise weiß man trotz des Hinzukommens von Frank Martin Senior am Endes des Filmes nicht einen Deut mehr über Frank Martin Junior. Auch eine Kunst…

The Transporter Refueled

Crash Boom Bang

Ein weiteres großes Problem ist, dass der Bösewicht nicht funktioniert. Er hat zwar erstaunlich viel Screentime abbekommen, darf aber zu keiner Sekunde tun, was Bösewichter normalerweise so tun. Weder geht Gefahr von dieser Figur aus noch trägt sie wirklich etwas Entscheidendes zur Handlung bei.

Nun werden einige Leser vermutlich bereits genervt mit den Augen rollen und sich fragen, was der Rezensent, also ich, hier soviel von der Story labert. Es geht doch um die Action bei einem „Transporter“-Film. Leider, leider hakt es aber auch in dieser Abteilung. Das hat mehrere Gründe: Zum einen hat Ed Skrein keinen Kampfsporthintergrund. Das merkt man den Fights an. Denn im Vergleich zu den Statham-Krachern wurde hier doch deutlich an der Spektakel-Stellschraube gedreht. Allerdings in die falsche Richtung. Skrein wurde eine recht effektive Abfolge von Moves auf den Körper geschneidert, weshalb Frank Martin nun eher wie ein Liam Neeson in „96 Hours“ rüberkommt und weniger wie der Statham’sche Frank Martin, der alle möglichen Gegenstände und auch coole Kicks in seine Fights einbinden durfte. Dadurch wirken die Skrein-Fights knochentrocken, lassen aber Wow-Momente missen. Im Grunde gibt es nur eine wirklich coole Szene, die sich um ein Auto im Leerlauf und den davor herlaufenden, um sich schlagenden Frank Martin dreht.

Derweil weiß die eine echte Verfolgungsjagd im Film gut zu unterhalten. Hier machen die „Transporter“-Macher nämlich einen Schritt in die richtige Richtung: Zurück! Weg von blöden CGIs und hin zu echten Stunts, die ordentlich scheppern dürfen und einiges an Blechschäden zur Folge haben. Dass der dabei zum Einsatz kommende Audi wie in einem feuchten Traum eines jeden Audi-Marketingmitarbeiters in Szene gesetzt wird, dürfte so manchem übel aufstoßen. Hier ist „The Transporter Refueled“ in seinem Product Placement wirklich deutlich drüber…

Ein großes Mehr an Action gibt es leider gar nicht. Frank Martin darf nur in einer weiteren großen Szene ordentlich zuschlagen, aber die großen Schauwerte bleiben vollkommen aus. Ziemlich enttäuschend verläuft dann der Showdown. Geringes Gegneraufkommen, eine kopflose und ziellos versandende Ballerei, bei der beinahe beiläufig alle wichtigen Figuren ins Gras beißen, und der schnarchige Finalkampf lassen einem bei Einsetzen des Abspannes fast schon gelangweilt mit den Schultern zucken.

The Transporter Refueled

Frank Martin teilt ordentlich aus.

Das macht man auch in Bezug auf das große Ganze. Es fehlt einfach am Willen, mal was Neues zu wagen. Im Grunde ist „The Transporter Refueled“ einfach nur „Transporter 4“. Alles ist gleich: Der Look, das Setting, die Story, die Figuren, nicht einmal der Score erlaubt sich Innovationen und lässt stattdessen das altbekannte „Transporter“-Thema wieder und wieder ertönen.

Am Ende bleiben einige schöne Bilder von den bekanntesten Städten der französischen Mittelmeerküste, die Regisseur Camille Delamarre („Brick Mansions“) sauber auf Film bannt und damit Urlaubsgelüste im Zuschauer weckt. Auch seine Action inszeniert er ordentlich und geht dabei weg vom kurzatmigen, teilweise zu schnell geschnittenen Stil der letzten Besson-Produktionen. Wackelkamera und Schnittgewusel muss man hier nicht befürchten. Allerdings will die Action selbst nicht kicken. Es gibt zwar einige nette Einlagen zu bestaunen, allerdings fehlt es an Höhepunkten. An wirklich spektakulären Momenten. Selbst eine Fahrt durch einen Flughafen-Terminal endet wirkungslos in der Belanglosigkeit. Obendrein bekommen Drehbuch und Regisseur die Story und die Figuren nicht wirklich in den Griff, verärgern zudem gegen Ende immer mehr mit plumpem Sexismus, der die weiblichen Heldinnen von eigentlich taffen Frauen zu willfährigen Betthäschen degradiert. Das größte Problem aber ist, dass Ed Skrein einfach kein Jason Statham ist. Statham ist der „Transporter“. Skrein wirkt dagegen wie ein Hipster, der seiner Frau die Handtasche trägt. Im Großen und Ganzen ergibt das einen durchaus unterhaltsamen Actionfilm, der allerdings fürs Kino zu uncool daherkommt und viel zu oft von Audi-Werbung unterbrochen wird…

„The Transporter Refueled“ ist ab dem 3. September in den deutschen Kinos zu sehen.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab dem 3. September 2015 in den deutschen Kinos

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