Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Northmen – A Viking Saga

Originaltitel: Northmen – A Viking Saga__Herstellungsland: Deutschland, Schweiz, Südafrika__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Claudio Fäh__Darsteller: Ryan Kwanten, James Norton, Charlie Murphy, Ed Skrein, Tom Hopper, Leo Gregory, Ken Duken, Anatole Taubman, Johan Hegg, Danny Keogh, Joe Vaz u.a.
Northmen

Wikingerjagd in Schottland: “Northmen – A Viking Saga”

873 nach Christus geraten einige Wikinger vor der Küste Schottlands in einen gewaltigen Sturm und kentern. Nur wenige überleben die Naturgewalten und werden an Land gespült. Fernab des eigentlichen Zieles: Dem Kloster Lindisfarne, welches vor Gold und Schätzen förmlich überfließen soll. Die Wikinger benötigen diese Reichtümer, da sie sich damit in ihrer Heimat von einem Bann freikaufen wollen.

Doch in Schottland befinden sich die daheim geächteten Wikinger erst recht in Feindesland. Kaum haben sie den Küstenabschnitt, an dem sie gestrandet sind, verlassen, werden sie auch schon angegriffen. Doch die rauflustigen Nordmänner um Anführer Asbjörn schlagen die Schotten schnell in die Flucht und machen sogar eine interessante Beute: Lady Inghean, die Prinzessin des örtlichen Königs. Man beschließt, sie ihrem Vater gegen ein Lösegeld auszuhändigen, um mit dem Geld in Richtung Süden aufzubrechen und bei den dort siedelnden Wikingern Zuflucht zu suchen.

Doch der schottische König zeigt sich wenig verhandlungsbereit und hetzt den Wikingern seine besten Söldner auf den Hals: Die Wölfe. Diese machen gnadenlos Jagd auf die Nordmänner, die in einem kampfkunstkundigen Mönch unverhofft Hilfe finden und mit Lady Inghean eine seherisch begabte, den Wikingern durchaus zugetane Geisel in den Händen haben. Gemeinsam stellt man sich der heranrasenden Gefahr…

„Northmen – A Viking Saga“ macht schnell klar, dass es ihm nicht darum geht, die Wikinger und deren Sitten und Gebräuche in den Fokus zu rücken. Wen diese Aspekte rund um die Nordmänner interessieren, der ist mit der Serie „Vikings“ definitiv besser beraten. „Northmen“ geht es vielmehr um Bewegung, um Tempo und wuchtige Actioneinlagen vor grandioser Naturkulisse. Dementsprechend simpel hält das Drehbuch die eigentliche Handlung. Rasend schnell wird die Ausgangssituation etabliert und werden die Fronten verortet. Die ausgestoßenen, rauflustigen Wikinger hier und die finsteren, gnadenlosen Häscher des Königs da. Und sobald diese Parteien das erste Mal aufeinandertreffen, startet die große Jagd durch und gönnt sich „Northmen“ kaum noch Ruhepausen.

Northmen

Nach einem schweren Sturm kentert das Schiff der Wikinger.

Die Charakterzeichnung tritt dabei weitgehend in den Hintergrund. Gerade von den Wikingern erfährt man wirklich nur das Allernötigste, während die aufgelesenen Charaktere (die Prinzessin und der Mönch) erstaunlich viel Background erhalten. Das wird vor allem für den Anführer der Wikinger ein ziemlich großes Problem. Ich muss zugeben, ich fand Tom Hopper bereits in der Serie „Black Sails“ psychisch beeindruckend, aber ansonsten leider total blass und nichtssagend. In der Serie wurde das durch einige Twists um seine Figur ausgeglichen, in „Northmen“ ist für derartige Momente keine Zeit. Die Folge ist ein unfassbar blasser, bubihafter Held, der im eigentlichen Sinne auch nie heldenhaft sein darf. Während etwa seine Kameraden die Wölfe im Dutzend killen, sieht ausgerechnet Anführer Asbjörn immer extrem schlecht aus in der Action.

Dieser schwache Eindruck vom Helden wird noch dadurch verstärkt, dass er als Antipoden mit Ed Skrein („Game of Thrones“) ein echtes Tier von einem Mann entgegengeworfen bekommt, der mit seiner bedrohlichen Mimik und Gestik beinahe übermächtig wirkt und auch ordentlich wüten darf. Da schaut sogar Bond-Bösewicht-Handlanger Anatole Taubmann („Ein Quantum Trost“) als Bruder von Skreins Charakter fasziniert zu. Doch was Hopper nicht zu liefern vermag, erledigen seine Co-Stars, darunter Ken Duken als supercooler Bogenschütze und mehrmaliger Showstealer: Sie entwerfen wirklich kernige Wikinger, die lieber aufrecht kämpfend sterben als irgendwelche Fluchtgedanken zu hegen. Auch Ryan Kwanten („True Blood“) weiß als kampfstarker Mönch absolut zu überzeugen und Charlie Murphy darf als Lady Inghean eine erstaunlich herbe Frauenfigur entwerfen, die man auch nicht zum simplen Love Interest des Helden herabwürdigt.

Northmen

Die Wikinger wachsen im Feindgebiet über sich hinaus.

Das absolute Highlight des Filmes stellt seine Inszenierung dar. Regisseur Claudio Fäh („Sniper: Reloaded“) schwelgt in großartigen Naturpanoramen. In edlen und megalangen Kamerafahrten fliegt er durch die wundervollen Landschaften, was in seiner Wirkung mehr als nur einmal an vergleichbare Szenen in „Herr der Ringe“ erinnert. Nur dass Fäh diese Momente noch deutlich mehr auskostet als weiland Peter Jackson. Mittels Farbfiltern und Farbkorrekturen trotzt er dem Drehort Südafrika Bilder ab, die tatsächlich rau und kalt genug wirken, um Schottland eindrucksvoll zu ersetzen.

Auch die Ausstattung des Filmes wirkt trotz kleinerer Freiheiten, etwa bei den schräg designten Helmen der Wölfe, absolut stimmig, hochwertig und glaubwürdig. Zudem blitzen einem in dem Film mal nicht alle 5 Sekunden strahlend weiße Zahnreihen an. Vielmehr sind die Darsteller allesamt mal sichtlich verdreckt und übersät von „Makeln“ wie Narben und Wunden. In der Action dreht Claudio Fäh ordentlich auf. Mittels sehr schneller Montage switcht er rasend schnell zwischen den Schauplätzen hin und her, wodurch die Schwertkämpfe immer druckvoll, schnell und kein Stück statisch wirken. Zudem behält man als Zuschauer immer den Überblick und Fäh blendet auch nicht aus, dass damalige Konfrontationen immer ein wenig blutiger endeten: Aufspießungen, Durchbohrungen und ähnliche blutzollförderliche Aktionen sind dementsprechend an der Tagesordnung. Und dass die Wikinger seines Streifens gerne mal Fallen stellen, sorgt für eine gewisse Abwechslung im Hack ‘n’ Slay…

Northmen

Der Kampfsport-Mönch haut gerne auf die Pauke.

„Northmen – A Viking Saga“ ist ein durch und durch unterhaltsamer, geradliniger und im Ton angenehm altmodischer Abenteuerfilm vor spektakulärer Naturkulisse geworden, der auf Story und Charakterzeichnung ebenso pfeift wie auf eine historisch genaue Aufbereitung des Lebens der Wikinger. Stattdessen drückt Claudio Fäh bei seinem äußerst kompetent umgesetzten Streifen lieber ordentlich auf die Tube. Spätestens ab der Filmhälfte, wenn die Konfrontationen zwischen den Wikingern und den Wölfen immer direkter werden, zieht die Spannungskurve ordentlich an. Ein Augenschmaus ist die technische Umsetzung des Filmes. Die wenigen CGIs im Film funktionieren ordentlich, die Action ist rasant montiert und topp choreografiert, die Kamerafahrten durch die Naturkulissen sind schlichtweg begeisternd und der gute Score, der auch mal Heavy Metall Riffs durchblitzen lässt, funktioniert. Leider funktioniert ausgerechnet der Held von „Northmen“ so gar nicht, während seine Antipoden und seine Mitstreiter vormachen, wie kernige Charaktere auszusehen haben. Das verhindert, dass der Film so richtig einschlägt.

Die in Bild und Ton starken Heimkinoveröffentlichungen auf DVD und Blu-ray erscheinen am 3. März 2015. Sie kommen aus dem Hause Ascot Elite und sind mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Nette Specials zum Film erlauben eine Beschäftigung mit selbigem über das Filmerlebnis hinaus.

In diesem Sinne:
freeman

PS.: Auf Seite zwei (Blätterfunktion ganz unten!) stellen wir euch ein paar weitere Historienabenteuer vor!

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