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Outpost 37 – Die letzte Hoffnung der Menschheit

Originaltitel: Outpost 37__Herstellungsland: Großbritannien, Südafrika__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Jabbar Raisani__Darsteller: Adrian Paul, Reiley McClendon, Rick Ravanello, Sven Ruygrok, Matthew Holmes, Douglas Tait, Joe Reegan, Brandon Auret, Darron Meyer, Scott E. Miller, Nic Rasenti u.a.
Outpost 37

Die Erde nach einer außerirdischen Invasion ist Thema in “Outpost 37”

2021 startet eine außerirdische Macht die Invasion unseres blauen Planeten. In der Folge schaffen die Erdenbewohner die UN ab und ersetzen sie durch die USDF. Diese koordiniert die menschlichen Kräfte und sorgt für erbitterten Widerstand. Nur ein Jahr später ziehen die Außerirdischen wieder ab. Allerdings lassen sie einige Vertreter ihrer Art auf der Erde zurück, die weiterhin gegen die Menschen kämpfen. Diese errichten als Reaktion darauf sogenannte Outposts, von denen aus sie die Heavies genannten Aliens jagen und vernichten.

„Outpost 37“ steigt mit seiner Handlung an einem solchen Außenposten im Iran ein. Hier hat ein kleines Drehteam die Erlaubnis erhalten, den Alltag in einem der Außenposten zu filmen. Selbige werden von den Regierungen längst vernachlässigt. Man fürchtet keine neue Invasion mehr und die wenigen verbliebenen Heavies machen niemandem mehr Kopfzerbrechen, was auch daran liegt, dass die Aliens von jedweden Nachschüben abgeschnitten sind. Dementsprechend langweilig verlaufen die Routinen im „Outpost 37“.

Doch parallel geschnittene Texttafeln und Interviews deuten an, dass die beiden Dokumentarfilmer vor Ort mehr erleben werden, als gelangweilte Soldaten beim Waffenputzen und Ziegenschießen abzufilmen. Und tatsächlich häufen sich von Tag zu Tag die seltsamen Vorkommnisse und die Heavies verstärken ihre Angriffsbemühungen auf den Außenposten sichtlich. Doch was bezwecken sie damit?

Outpost 37

Spears, Chef von Außenposten 37

„Outpost 37“ ist eine Fake-Dokumentation, die durchaus geschickt Spannung aufbaut und die Handlung zunehmend verdichtet. Wo zunächst Soldatenstreiche und schlechte Witze unter Kameraden die Szenerie beherrschen, häufen sich schnell die eigenartigen Ereignisse. Dabei versteht es „Outpost 37“ trefflich, sich von Moment zu Moment mehr zu steigern. Greifen beispielsweise zunächst nur Menschen den Außenposten scheinbar unmotiviert an, geraten die Soldaten bald mit den ersten, schwer bewaffneten Heavies aneinander. Die Attacken häufen sich und werden deutlich intensiver, bis die Soldaten selbst in die Offensive gehen und ihr Heil im Angriff suchen.

Entsprechend dieser Eskalation mischen sich auch zunehmend mehr Science Fiction Elemente und damit auch CGIs in den dokumentarischen Ansatz. Was dann irgendwann die Regeln des Dokumentarfilmes komplett aufbricht und soweit führt, dass man auch aufgrund der tollen Kameraführung schnell den Eindruck hat, die Fake-Doku sei unbemerkt zu einem Spielfilm mutiert (siehe auch „District 9“). Einzig direkte Ansprachen an den Kameramann erinnern den Zuschauer immer wieder daran, dass er die Erlebnisse sozusagen aus erster Hand live mit erlebt.

Die technische Seite ist eine Stärke des Streifens. Die beiden Kameramänner, die vor Ort filmen, scheinen ihr Handwerk echt zu beherrschen. Abseits der hektischen Szenen wackelt die Kamera nicht und gibt es keine blöden technischen Aussetzer oder Tonsprünge, die man sonst nutzt, um das Fake-Doku / Found Footage Material “authentischer” zu machen. Alles wirkt sehr gediegen und hochwertig inszeniert. Was an den ursprünglichen Ansatz des Filmes gemahnt, sind die wenigen Schnitte, die ebenso wenigen verschiedenen Perspektiven und freilich die Einbeziehung der Charaktere hinter der Kamera in die Handlung. In der Action wird die Inszenierung deutlich hektischer. Allerdings nie auf dem Niveau anderer Fake-Dokus oder Found Footage Filme. Man behält den Überblick und ertappt sich immer wieder dabei, wie man den Kameramann antreiben will, die Position zu verändern, um mehr sehen zu können. Aber warum sollte der beispielsweise aus der Deckung gehen? Das wäre ja filminhärent gar nicht logisch. Hier umschifft der Film gekonnt einige Fallstricke des Genres. Außerdem bleiben die nervigen Ansagen an die Kameramänner komplett aus. Nicht ein einziges Mal sollen sie nicht filmen oder die Kamera herunternehmen. Das einzige, was wirklich verwundert, ist, wie allgegenwärtig die beiden Filmer sind. Weil sie wirklich alles wichtige in den Kasten bekommen. Zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Outpost 37

Das bereits dezimierte Team von “Outpost 37”

Auch die zunehmend wichtiger werdenden Special Effects funktionieren blendend. Löst man die Invasionsbilder noch relativ billig, indem man äußerst gelungen ein paar Raumschiffe in Nachrichtenbilder voller Chaos hineinkopiert, werden die Effekte zunehmend komplexer und sehen wirklich topp aus. Vor allem für einen Film der Preisklasse von „Outpost 37“, der nicht mehr kosten durfte als 5 Millionen. Was man dem Film seltenst ansieht. Ein Highlight sind freilich die Heavies. Designt und umgesetzt von Könner Steve Wang (Regisseur von „Drive“ und Kreaturen-Designer bei „Guyver“) sind die riesigen Kolosse echt ehrfurchtgebietend geraten und in verschiedenen individuellen Ausprägungen zu erleben. Umgesetzt als Man in a Suit wurden sie nur in bestimmten Aspekten mit CGIs gepimpt und funktionieren wirklich prächtig. Man hätte sich ganze Armeen der Viecher gewünscht, aber das Budget…

Actiontechnisch geht es in „Outpost 37“ ordentlich zur Sache. Der Munitionsverbrauch ist enorm und die Umsetzung erinnert an Vietnam-Streifen wie den Dudikoff-Kracher „Platoon Leader“, in denen ein Stützpunkt gegen gesichtslose, anstürmende Feinde gesichert werden muss. Dementsprechend wird viel über Barrikaden hinweg geballert und dahinter in Deckung gegangen. Feindberührung im eigentlichen Sinne kommt erst im späteren Verlauf auf. Dafür ist die Action durchweg hübsch blutig geraten. Da gehen Körperteile verloren, werden manche Gegner in Stücke geballert und spritzt der rote Lebenssaft. Das ist alles sauber via Handgemachtem und leichten CGI-“Verschönerungen“ umgesetzt. Einzig man hätte sich mehr direkte Konfrontationen mit den Heavies gewünscht, die mit ihren coolen Lasern für ordentlich Budenzauber sorgen.

Outpost 37

Was er wohl sieht?

Die Darsteller des Streifens rekrutieren sich rundweg aus höchst unverbrauchten Gesichtern, die größtenteils einen richtig tollen Job machen. Der eine oder andere wirkt zwar etwas blass, dafür haut manch anderer ordentlich einen raus. Highlights bilden dahingehend der australische Arzt Wilks (gespielt von Scott E. Miller) und der Chef des Außenpostens Spears (gespielt von dem megakernigen Rick Ravanello). Das nicht alle zu glänzen vermögen, liegt vor allem an der dünnen Figurenzeichnung, was auch daran liegt, dass der Film letzten Endes auf ein zu großes Ensemble fokussiert und dabei notgedrungen so manches hinten runter fallen muss. Der bekannteste Name im Cast gehört im Übrigen Adrian Paul („Nine Miles Down“), dessen Charakter man allerdings nur einmal via Funk zu hören!!! bekommt.

„Outpost 37“ macht es dem Zuschauer insgesamt nicht leicht: Sein Spannungsaufbau funktioniert. Die Kombination des Dokumentarfilm-Ansatzes mit den zunehmenden fiktionalen Elementen, die die Doku immer mehr in Richtung actionreicher Sci-Fi kippen lassen, klappt einwandfrei. Zudem machen die Darsteller Laune, die technischen Werte stimmen und Südafrika doubelt irre überzeugend den Iran. Gleichzeitig spürt man, dass hier einige Leute wirklich mit viel Herzblut bei der Sache waren. Und dennoch geht man nicht vollends befriedigt aus dem Film. Zwar mutet die Erklärung der Vorgänge filminhärent logisch an und die finale, ausschließlich verbal dargereichte Pointe sitzt, aber irgendwie hat man sich beständig mehr erwartet. Hat man die ganze Zeit geglaubt, dass „Outpost“ noch viel größer wird. Dass er einen geschickt anfüttern will, um dann schlussendlich zu explodieren. Doch leider bleibt das aus. Die eigenen Erwartungen an den Film, die freilich durch selbigen noch angeheizt werden, machen einem final einen Strich durch die Rechnung. Denn das, was sich der Zuschauer wünscht, kann ein Film dieser Größenordnung gar nicht liefern. Aber man hat es ihm zugetraut – das ist einerseits ein echtes Lob, andererseits wird dem Film genau das auch zum Verhängnis…

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt am 27. Februar 2015 von Entertainment One und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Einige nette Extras erlauben Einblicke hinter die Kulissen des Filmes, Bild- und Tonqualität sind über alle Zweifel erhaben und ausgerechnet die Menüoberfläche ködert einen mit einer nicht im Film vorkommenden Szene ebenfalls ganz unangenehm…

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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