Als Drehbuchautor und Produzent half Jesse V. Johnson seinem Weggefährten Luke LaFontaine bei der Realisierung von dessen Regiedebüt „Mexicali“. Darin legt sich Ex-Elitesoldat Bren Foster mit einem Kartell in Mexiko an, als er erst Zeuge eines Mordes wird und anschließend den Sohn des Bosses in Notwehr tötet. B-Action mit Westernatmosphäre und Tania Raymonde, Louis Mandylor und Kris Van Damme in Nebenrollen.
| Originaltitel: Mexicali__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Luke LaFontaine__Produktion: Jesse V. Johnson u.a.__Darsteller: Bren Foster, Tania Raymonde, Plutarco Haza, Kris Van Damme, Louis Mandylor, Daniel Montilla, Jessica Medina, Luis Fernandez-Gil, Edgar de Santiago u.a. |

Als Produzent und Drehbuchautor unterstützte Jesse V. Johnson seinen Weggefährten Luke LaFontaine bei dessen Regiedebüt „Mexicali“, in dem sich Bren Foster mit einem Kartell anlegt
Als Stuntman, Schauspieler, Fight Choreographer und Stunt Coordinator hatte Luke LaFontaine mit Regisseur Jesse V. Johnson an einer Reihe von Filmen wie „Savage Dog“, „Hell Hath No Fury“ und „Thieves Highway“ zusammengearbeitet. Der im B-Bereich etablierte Johnson griff LaFontaine wiederum als Drehbuchautor und Produzent für dessen Regiedebüt „Mexicali“ unter die Arme.
Wie schon bei den meisten seiner eigenen Filme setzt Johnson als Autor auch hier auf gut abgehangene Genretopoi. Wieder einmal geht es um den ehemaligen Elitekämpfer, der einfach nur seine Ruhe will, der sich auch aufgrund seiner Vergangenheit nach Mexiko zurückgezogen hat, ein moderner Cowboy. In diesem Falle heißt er Joe (Bren Foster) und ist mit Estrella (Tania Raymonde) zusammen, die eine Avocadofarm betreibt. Die Farm schwächelt jedoch finanziell, weshalb Joe Kohle mit Untergrundkämpfen dazu verdient. Eine Abfolge von Fights zum Auftakt führt nicht nur die Fähigkeiten des Hauptdarstellers vor und erinnert an wenig an dessen Passionsprojekt „Life After Fighting“, sondern zeigt auch verschiedene Kampfstile und die Attitüde des Helden: Vor einem Grappler verbeugt er sich nach einem ehrenhaften Fight, einen Windhund, der ihn nach vermeintlicher Aufgabe umhauen will, prügelt er windelweich.
Ebenso bekannt wie der Topos des früheren Gunslingers, der sich ins Zivilleben zurückziehen will, ist jener der Outlaws, die mit eiserner Hand regieren. Aus den mexikanischen Bandidos des Western sind in der modernen Actionvariante die Drogenkartelle geworden, so auch hier. Als Joe und der junge Farmhelfer Marco (Daniel Montilla) einen Kartellmord auf offener Straße beobachten, werden sie von den Killern verfolgt und gestellt. In dem Moment kicken Joes alte Instinkte ein, der die Killer seinerseits erledigt und deren Leichen fachgerecht entsorgt – darunter auch den Sohn des Kartellchefs. Mexiko ist auch hier ein Land der Gesetzlosen, in dem das Recht des Stärkeren regiert, von klassischen Western bis hin zu modernem High-End-Thrillerkino wie „Sicario“ ein gängiges Motiv.
Allerdings wirkt die Vertuschung nur bedingt. Bald tauchen der Henchmen-Chef Baptiste (Plutarco Haza) und der Schläger Ruthie (Kris Van Damme) auf und schnüffeln herum. Als sich Joe und Estrella zur Flucht entschließen, ist es allerdings schon zu spät…
Schaut euch den Trailer zu „Mexicali“ an
Man sieht es schon: Originalität gehört nicht unbedingt zu den Stärken von „Mexicali“. So läuft alles auf den guten alten Privatkrieg zwischen dem Ex-Black-Ops-Spezi und den Kartellmördern hinaus, wobei der Held mal Jäger und mal Gejagter ist. Da Joe zwischendurch mal seine Wunden lecken und/oder den Gegenangriff vorbereiten muss, ist „Mexicali“ auch nicht zeitlich und räumlich verdichtet wie der artverwandte „Close Range“, sondern zieht sich über einen längeren Zeitraum hin. Manchmal schwächelt das Script, etwa wenn Joe wieder in die Untergrundfightszene einsteigt und man erst nach den Wemmsereien erfährt, dass er die Siegprämie für Waffenkäufe nutzen will. Auch der Sinneswandel bzw. die wahren Motive mancher Figur erscheinen etwas kryptisch bis unmotiviert, gerade bei einer später geschlossenen Allianz. An anderer Stelle können Drehbuch und Regie aus Altbekanntem handwerklich etwas herauskitzeln. Etwa wenn Baptiste bei seinem Besuch der Farm zum Essen bei Joe und Estrella bleibt und sich die Gesprächspartner am Tisch belauern: Der bohrende Baptiste auf der einen Seite, der barsche Joe und die ums Nichtreizen des Kartellmannes bemühte Estrella auf der anderen.
Das Budget war sichtlich klein, weshalb die wenigen Locations wie das Wohnzimmer des Farmhauses, dessen Vorplatz oder die Underground-Fight-Arena in einer Scheune immer wieder genutzt werden. Doch LaFontaine bekommt im Rahmen der B-Möglichkeiten eine ganze nette Neo-Western-Atmosphäre hin und der Film füllt seine stereotypen Figuren mit ein bisschen Leben. Estrella etwa ist gläubige Katholikin, weshalb ihre Beziehung zu Joe ohne Trauschein ein (offenes) Geheimnis bleiben soll. Die Liebste ist außerdem erfreulich patent gezeichnet und erhält von Joe Lektionen im Messerkampf, die der Film sie aber leider so gut wie gar nicht anwenden lässt, nachdem er dies erst so groß vorbereitet. Ruthie hingegen ist der Kartellschläger, der von dem Wunsch angetrieben wird zu sehen, wer der bessere Fighter ist – er oder Joe. Das ist alles keine hohe Drehbuchkunst, aber gibt dem Film mehr Leben als manch anderer B-Produktion.
Bren Foster („Beast“), der relativ spät noch seinen kleinen Actionstar-Durchbruch hinlegte, zeigt mal wieder seine beeindruckende Fitness und Schnelligkeit in den Kampfszenen, schauspielerisch schlägt er sich ganz solide als altgedienter Krieger. Tania Raymonde, mit der schon in „Deep Blue Sea 3“ zusammenspielte, ist recht gut als Frau in der Männerwelt. Plutarco Haza („Verstecken ist vergebens“) schlägt sich wacker als Kartellmann, muss aber oft gegen die Inkongruenzen des Scripts anspielen, während Actionstar-Sohnemann Kris Van Damme alias Kristopher Van Varenberg („Born to Kill“) zwar eine beeindruckende Physis mitbringt, darstellerisch aber wenig reißt. Louis Mandylor schaut kurz als Fight-Promoter Sue vorbei, womit seine Figur den gleichen Namen wie in Johnsons „The Debt Collector“-Filmen trägt, aber es wird nicht genau klar, ob es auch der gleiche Kerl sein soll.
Natürlich ist das geneigte Publikum für die Action da und in der Beziehung liefert „Mexicali“ weitestgehend ab. Die Shoot-Outs entspinnen sich bisweilen – ganz im Sinne des Titels – aus Mexican Standoffs, liefern ein paar blutige Einschüsse, sind manchmal etwas statisch und nichts Besonderes. Deutlich dynamischer wird es dann, wenn es in den Nahkampf geht. Die Choreographie bringt Fosters Agilität und Schnelligkeit zum Ausdruck, vom schnell eingesprungenen Drehkick bis zum Grappling darf er sein Können in verschiedenen Disziplinen zeigen. Noch zackiger wird es, wenn die Kontrahenten Messer und Macheten benutzen – diese Fights sind mit besonders großer Expertise in choreographiert und inszeniert, die Highlights von „Mexicali“. Schade nur, dass man dem Helden keinen würdigen Final Fight gegen einen besonders herausragenden Gegner spendiert, auch wenn es im Shown immerhin ein Macheten-Fight-Rematch gibt, das ansatzweise in die Richtung geht.
Für ein B-Actionhighlight fehlt „Mexicali“ letzten Endes das wirklich Memorable. Der Standardplot wird immerhin recht routiniert abgespult, mal mit ein paar einprägsamen Details, mal mit schlechter Nachvollziehbarkeit in Figurenmotivation. Look und Atmosphäre gehen im Rahmen der Möglichkeiten okay, die Action ist gut verteilt und kompetent gemacht, aber die wirklich einprägsamen Highlights, auch wenn Bren Fosters Können und die Choreographie das Ganze schon veredeln.
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Retro Gold 63 veröffentlicht „Mexicali“ in Deutschland in limitierten Mediabooks mit UHD und Blu-Ray, ungekürzt und ungeprüft. Als Bonusmaterial gibt es Videointerviews mit Bren Foster, Jesse V. Johnson und Lex Casciato. Eine Covervariante präsentiert den Film als „Mexican Karate Tiger“ und orientiert sich am Design des Ascot-Videos von „Karate Tiger“.
© Nils Bothmann (McClane)
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