| Originaltitel: Dolly__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Rod Blackhurst__Darsteller: Fabianne Therese, Seann William Scott, Ethan Suplee, Michalina Scorzelli, Kate Cobb, Max the Impaler, Russ Tiller u.a. |

Seann William Scot gerät in „Dolly“ an einen fiesen Killer.
Macy ist glücklich. Sie hat in Chase einen tollen Mann gefunden und sie liebt dessen hinreißende Tochter. Als Chase sie einlädt, mit ihm seinen Lieblingsort aus Kinderzeiten zu besuchen, ahnt sie, dass er ihr einen Antrag machen will. Das lässt einerseits Zweifel in ihr aufkommen, weil sie sich nicht als Ehefrau sieht. Andererseits liebt sie Chase und will es darauf ankommen lassen.
Auf dem Weg zu Chases Lieblingsort kommen die beiden Verliebten an einer seltsamen Stelle im Wald vorbei. Hier sind überall Puppen aufgereiht und an Bäume genagelt. Beide vermuten dahinter eine Art Kunstinstallation, denken sich nichts dabei und gehen weiter. Gerade als Chase seinen Antrag machen will, ertönt die Musik einer Spieluhr bei den Puppen. Er beschließt, nachzusehen, was da los ist.
Als er ewig nicht zurückkehrt, beginnt Macy nach ihm zu suchen. Schnell begegnet sie einer eigentümlich gekleideten Person, deren Gesicht hinter einer gewaltigen Porzellan-Puppenmaske verborgen ist. Als die Gestalt Macy bemerkt, greift sie sie an. Als Macy wieder zu sich kommt, ist sie selbst wie eine Puppe gekleidet und liegt in einem Zimmer, das wie ein Raum eines Puppenhauses ausgestaltet ist. Wenig später zwingt die eigenartige Gestalt Macy, ihr Baby zu spielen. Für die junge Frau beginnt eine Zeit des puren Terrors.
Abgefucktes mit Seann William Scott
Regisseur Rod Blackhurst hatte mit „Here Alone“ (2016) einen gut aufgenommenen Independent Streifen auf den Weg gebracht. Im gleichen Jahr sorgte er mit der Netflix Dokumentation „Amanda Knox“ für Aufsehen. Alles keine Garantie, um einfach an Geld für die nächsten Streifen zu kommen. Entsprechend drehte er 2022 den Kurzfilm „Babygirl“ als Proof of Concept für einen neuen Langfilm. Trotzdem dauerte es noch einmal drei Jahre, bevor er mit dem nun „Dolly“ betitelten Horrorhappen loslegen konnte. Geholfen haben dürfte, dass sein 2014 gedrehter Kurzfilm „Night Swim“ 2024 in einen solide laufenden Kinofilm mündete.
Wem da nun die Ohren schlackern, der sei entwarnt. Mit dem dümmlichen PG-13 Werk aus der Blumhouse-Schmiede hat „Dolly“ wirklich rein gar nichts zu tun. Vielmehr orientierte sich Rod Blackhurst an einem echten Klassiker des amerikanischen Terrorkinos: „Texas Chainsaw Massacre“. Das Ziel war ein echter Sicko. Und dahingehend liefert „Dolly“.
Die wenigen normalen Szenen im Film drehen sich um Macy und Chase. In einer relativ kurzen Exposition werden uns die beiden rudimentär vorgestellt. Parallel geschnitten wird es schon seltsam. Eine Gestalt wippt auf einem blutverschmierten Bett mit einem kopflosen Torso in den Armen auf und ab. Danach entfernt sie wahllos einen Finger der Leiche und schmeißt in der nächsten Szene den Körper in ein offenes, von zig Puppen gesäumtes Grab.
Wenig später geraten Macy und Chase an die Gestalt. Wenn die Chase mit Leichtigkeit an der Gurgel packt und in die Luft stemmt, weiß man, dass mit ihr definitiv nicht zu spaßen ist. Richtig weird wird es, wenn Macy dann im Haus der Gestalt aufwacht. Dieses sieht von außen schon herrlich seltsam aus. Tatsächlich fast wie ein Puppenhaus. Innen bergen die verschiedenen Stockwerke ihren jeweils eigenen Terror.
Der Keller kommt in erdig braunen Farben daher und hat einige üble Bilder zu bieten. Da erspäht man schonmal auf Puppenkörper genähte Menschenköpfe. Ein Stockwerk höher passieren die wahren Abscheulichkeiten. In einer runtergerockten Küche wird ekelhaftes Essen dargeboten, werden Brüste zum Stillen gereicht und wird Macy schonmal rüde mit einer Windel versehen. In diesem Stockwerk werden zudem Schädel zermantscht und Leben beendet. Und hier fühlt sich der Film selbst richtig dreckig an und weckt das Bedürfnis nach einer ausgedehnten Dusche beim Zuschauer. Die Hommage an das „Texas Chainsaw Massacre“ ist hier ganz bei sich.
Im oberen Stockwerk wird das Dunkle, Versiffte und Dreckige der unteren Stockwerke komplett konterkariert. Hier „wohnen“ die Menschen, die die Babys der eigenartigen Gestalt geben sollen. Sie leben in liebevoll ausgestatteten Puppenstübchen mit Blümchentapete, kindgerechten Möbeln und zahllosen Puppen. Eine Idylle, die Regie und Drehbuch freilich nicht davon abhält, auch hier höchst Absonderliches passieren zu lassen.
In mehreren Kapiteln haut „Dolly“ auf die Kacke. Enthüllt kleine Hints zum Hintergrund der eigenartigen Gestalt, lässt am liebsten aber den Ekel regieren. Immer wieder präsentiert „Dolly“ Szenen, die wahrlich anwidern. Und die der Film mit deftigen Splatter-Effekten genüsslich steigert. Da werden Unterkiefer geknackt, Schädel ein- und abgeschlagen, Messer in alle Körperteile getrieben, Brustwarzen abgebissen und Gesichter zerschnitten. Dabei verkommt der Film aber nicht zur reinen Schlachtplatte, sondern setzt das Geschmodder highlightartig ein. Die schmierige und eklige Atmosphäre ist hier der Star.
Apropos: Macy wird von einer intensiv aufspielenden Fabianne Therese („The Aggression Scale“) gespielt. Der drückt man durchweg die Daumen, obschon man eigentlich kaum etwas über sie weiß. Ihr Liebster wird von Seann William Scott („Becky 2“) gegeben, der zuletzt einige Male mit seiner Rollenwahl zu überraschen wusste. Mit seiner Figur meint es „Dolly“ gar nicht gut und trotzdem zieht der Mime seinen Stiefel absolut sauber durch.
Die Dolly genannte Gestalt wird von der Wrestlerin Max the Impaler mit all ihrer von Gott gegebenen Wucht zum Leben erweckt. Wenn Dolly Fahrt aufnimmt, duldet das keinen Widerspruch. Doch auch die ruhigeren Szenen um die immer nervös zuckende Dolly bringt Max the Impaler alleine über ihre Körpersprache gut rüber.
Einer Figur namens Tobe, die im Nachbarzimmer von Macy gefangengehalten wird, leiht Ethan Suplee („God is a Bullet“) sein sehr verwildertes Gesicht. Mit Suplees Figur verbinde ich leider den größten Spannungseinbruch in „Dolly“. Ich mochte diesen krass intimen Überlebenskampf zwischen der zarten Macy und der urgewaltigen Dolly. Der holte mich richtig ab. Doch Suplee stört mit seinem Auftauchen dieses Duell – verschiebt da auch ein paar Grenzen. Zwar liefert er immerhin ein paar Hintergründe für Dolly, doch auch die verfangen nicht. Sein Charakter stört einfach nur.
Die technische Umsetzung von „Dolly“ kann man getrost als gelungen bezeichnen. Das bereits ausführlich vorgestellte Haus mit seinen „Themenwelten“ stellt den Hauptschauplatz und wird ausführlich bespielt. Doch auch die Bilder im Wald rund um den Schauplatz zeitigen düster-schöne Motive. Die Kamera müht sich allgemein um einen abgeranzten, unbequemen, dreckigen Look. Blitzer und kleine Bildfehler sind eindeutig als Hommage an das „Texas Chainsaw Massacre“-Material gedacht. Allgemein wirkt der Film angenehm zeitlos. Nur ein zu Beginn genutztes Handy deutet an, dass wir uns tatsächlich in der Moderne befinden. Der eigentliche Look könnte aber auch mühelos deutlich frühere Zeiten abbilden. Musik spielt im Film keine große Rolle. Immerhin ertönen zu Beginn und am Ende ein paar countrylastige Songs.
Fans von terrorlastigen Horrorfilmen sollten „Dolly“ eine Chance geben
„Dolly“ gibt sich wirklich viel Mühe, Anschluss an das Terrorkino der Marke „Texas Chainsaw Massacre“ zu finden. Wenn die gewaltige Gestalt im Puppenkostüm und mit creepy Puppenmaske loslegt, wird dem Horrorfan einiges geboten. Hier ist ganz viel einfach nur irre. Die ranzige Atmosphäre passt, die Splatter-Einlagen sitzen, die Darsteller sind absolut okay, der Schauplatz fetzt und Spannung kommt hier definitiv auch auf. Und die knackig kurze Laufzeit von unter 85 Minuten lässt keinen Leerlauf zu.
Doch leider hat „Dolly“ auch ein paar echte Schwachpunkte. Macy und Chase könnten doch deutlich besser ausgeformt sein, Nebenfiguren wie Tobe (freilich nach dem „Texas Chainsaw Massacre“-Regisseur Tobe Hooper benannt – es gibt im Übrigen auch die sogenannte „Hooper Mine“ im Film!) stehen dem Terror immer mal wieder im Weg. Und wenn die Heldin die Chance hat, den großen Bösewicht des Streifens easy zu killen, stattdessen aber lieber wegrennt und damit nicht nur ihr eigenes Leben gefährdet, sind das Szenen, die ich in Horrorfilmen einfach nicht mehr sehen will.
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Tiberius Film hat „Dolly“ im Juni 2026 einen limitierten Kino-Run spendiert. Digital ist der Streifen seit dem 01. Oktober 2026 bei den verschiedenen Streamern zu haben. Am 05. November 2026 zieht das Label nun auch mit der DVD und Blu-ray sowie der 4K-UHD im Mediabook nach. Der Film ist jeweils ungeschnitten und hat eine Freigabe ab 18.
In diesem Sinne:
freeman
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