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Die Bangkok Verschwörung

Originaltitel: A Stranger in Paradise__Herstellungsland: Thailand__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Corrado Boccia__Darsteller: Colin Egglesfield, Catalina Sandino Moreno, Stuart Townsend, Byron Mann, Gary Daniels, Sonia Couling, James With, Elina Loukas, Jay Acovone, Lynette Emond, Jan Yousagoon u.a.
Die Bangkok Verschwörung

Gary Daniels schaut als Bodyguard in “Die Bangkok Verschwörung” vorbei.

Der Anfang von „Die Bangkok Verschwörung“ ist unmissverständlich. Entweder redet Josh oder er wird für lange Zeit einfahren. Was er getan hat? Nun, geht es nach dem Mann, der den jungen Amerikaner verhört, dann endete Joshs Thailand Urlaub mit einer ganzen Wagenladung an Toten und irgendwie scheint verdammt viel Geld verlorengegangen zu sein. „Die Bangkok Verschwörung“ springt nun acht Tage zurück und dröselt die Geschichte peu a peu auf…

Demnach arbeitet Josh für die Konsulting-Firma von Vicha. Ein Thailänder, der es in den USA weit gebracht hat und Josh für dessen Dienste die Teilhaberschaft anbietet. Vorher solle Josh aber unbedingt noch einmal seinen Bruder Paul in Bangkok besuchen und ihm ein Buch voller Schulerinnerungen überreichen. Josh kann sein Glück gar nicht fassen und stürzt sich Hals über Kopf in den Traumurlaub. Kaum in Thailand angekommen, stolpert er eher unbedarft in die Welt seines Bruders Paul, der sich nur noch mit einem Bodyguard auf die Straße traut und einen recht verschwenderischen Lebensstil pflegt. Kaum hat sich Josh in Bangkok akklimatisiert, muss er erfahren, dass Vicha verhaftet wurde. Die Steuerprüfung war der Firma wohl schon lange auf den Fersen und wie Josh von Paul erfahren muss, wusch sie wohl in erster Linie Geld für die thailändische Mafia!

Und die ist nun stinksauer und hofft, über Paul und Josh an ihre gewaschenen Millionen heranzukommen. Doch die haben gar keine Ahnung, wo das Geld abgeblieben ist und müssen nun irgendwie versuchen, die Thai-Mafia auf Distanz zu halten…

Die Bangkok Verschwörung

Bangkok wird schnell zum eigentlichen Highlight des Films.

„Die Bangkok Verschwörung“ ist leider alles Mögliche, bloß kein hochspannender Thriller. Das liegt vor allem daran, dass die eigentliche Geschichte des Filmes wenig packend inszeniert wird und erstaunlich wenig Stringenz zu entwickeln vermag. Weder hat man das Gefühl, dass sich jemals die Schlinge um die Hälse der Helden zuzieht, noch scheinen die Bösewichter jemals richtig Druck auf Josh und Paul auszuüben. Die Figuren selber bleiben durchweg sehr oberflächlich gezeichnet und spätestens mit der Ankunft Joshs in Thailand purzeln die Klischees in den Charakterzeichnungen gleich reihenweise. So wird man mit den Figuren kaum warm. Problematisch ist auch, dass der Hauptcharakter Josh einfach viel zu glatt rüberkommt, was es schwer macht, mit ihm mitzufiebern. Auch seine „Beziehung“ zu seinem weiblichen Bodyguard Jules schafft es nicht, den Zuschauer in den Film hineinzuziehen. Manch andere interessante Aspekte, etwa das nur scheinbar perfekte Leben von Paul, werden nur kurz gestreift und viel zu schnell wieder fallen gelassen.

Auch actiontechnisch tut sich in „Die Bangkok Verschwörung“ wenig. Zu Beginn lässt eine flott inszenierte Zu-Fuß-Verfolgungsjagd für den weiteren Filmverlauf durchaus hoffen. Tempo, Schnitt und Montage der Einlage stimmen absolut. Doch danach hat die Action dann vollkommene Sendepause und eine Dialogflut übernimmt das Ruder. Erst gegen Ende wird es noch einmal hektischer, wenn eine Verfolgungsjagd zwischen zwei Autos und einem Motorrad gezündet wird. Hier passt dann nicht mehr viel. Eine nette Explosion gerät zu einem hübschen Schauwert, der Rest ist unbeholfen und lasch umgesetzt. Erst am Ende der Verfolgungsjagd darf dann Gary Daniels kurz hinlangen und schwupps, ist die Actioneinlage auch schon wieder Geschichte.

Die Bangkok Verschwörung

Jules teilt aus…

Gary Daniels („The Expendables“) gibt im Übrigen den Bodyguard von Paul und bekommt leider nicht viel mehr zu tun, als permanent neben seinem Schutzbefohlenem in der Gegend herumzustehen oder kurz mal eine Frage beantworten zu dürfen. So ist er zwar gefühlt recht prominent im Film vertreten, trägt zum großen Ganzen aber nichts bei und darf bis auf zwei Drehkicks auch seine Actionman-Qualitäten nicht ausspielen. Als Held der Chose erleben wir Colin Egglesfield („The Client List“), der frappierend an den jungen Tom Cruise erinnert und durchaus ordentlich aufspielt, aber vom Drehbuch ziemlich alleine gelassen wird und hier und da sehr unglücklich in seinem Acting rüberkommt. Sein Bruder Paul wird von Stuart Townsend („Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“) gespielt, der solide agiert, aber reichlich wenig sinnvolle Screentime abbekommen hat. Gerade in Bezug auf seine Figur wünscht man sich permanent, ein gewitzteres Drehbuch wäre die Grundlage für den Film gewesen und hätte Paul etwas ambivalenter aufgestellt. Als Jules erleben wir eine sexy Catalina Sandino Moreno, deren angebliche Gefährlichkeit aber nur eine Behauptung des Drehbuchs bleibt, denn in Action erlebt man die sexy bearschte Dame kaum. Als ein Vertreter der Thai-Mafia gibt zumindest Byron Mann („The Man with the Iron Fists“) eine sehr coole Vorstellung, kommt aber aufgrund der eher geringen Laufzeit des Filmes nicht ausreichend oft zum Zug.

Die Bangkok Verschwörung

Ewig jung: Byron Mann

Das Highlight des Filmes wird so sehr schnell der Schauplatz Bangkok, der als niemals schlafende, vor Leben pulsierende Stadt bebildert wird. Der treibende, trancig angehauchte Score peitscht die Kamera durch die Stadt und eine starke Montage und kleinere Kameraspielereien lassen die immer neuen Schauplätze niemals langweilig erscheinen. Und obwohl das Budget des Filmes nicht allzu hoch gewesen sein dürfte, werden nicht nur die Hinterhöfe der Stadt bebildert. Ganz im Gegenteil. Abseits der Stadt- impressionen ist die Inszenierung zwar sehr gediegen, aber auch arg langweilig, da vornehmlich wenig spannende Dialoge den Film antreiben.

Am Ende bleibt ein arg belangloses Filmerlebnis. „Die Bangkok Verschwörung“ lässt viel zu viele Gelegenheiten ungenutzt, um tatsächlich Fahrt aufzunehmen oder Spannung aufzubauen. Die oberflächlich gezeichneten, langweiligen Figuren geben ihren Darstellern kaum Entfaltungsspielraum und die schnarchig inszeniert Action vermag es nicht, kleine Höhepunkte zu setzen. Auch eventuelle Culture Clash Momente lässt man abgesehen von einer Szene großzügig unter den Tisch fallen. Die Auflösung der ganzen Chose ist ärgerlich unspektakulär und unser Gary Daniels wird zudem großräumig verschenkt. Wirkliches Flair strahlt der Film allerdings in der Inszenierung seines virilen Schauplatzes aus. Das ist für einen Thriller allerdings ein bisschen zu wenig.

Die deutsche DVD / Blu-ray erscheint am 6. März von Tiberius Film/Sunfilm und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Extras zum Film haben sich leider keine auf die Scheiben verirrt.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Tiberius Film/Sunfilm__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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