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die Hand an der Wiege (2025)

Originaltitel: the Hand that rocks the Cradle__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2025__ Regie: Michelle Garza Cervera__ Darsteller: Mary Elizabeth Winstead, Maika Monroe, Raúl Castillo, Mileiah Vega, Martin Starr, Yvette Lu, Riki Lindhome, Nora Contreras, …

die Hand an der Wiege (2025)

Zum deutschen Trailer geht’s hier!

In der zweiten Hälfte der Achtziger sowie der ersten der Neunziger erfreute sich das Yuppies-in-Peril-Thriller-Subgenre ziemlicher Beliebtheit – also Filme, in denen die Leben finanziell gut aufgestellter Personen oder Familien aufgrund eindringender äußerer Bedrohungen in Gefahr geraten; siehe z.B. „Fatal Attraction“, „Bad Influence“, „Pacific Hights“, „the Temp“, „Single White Female“, „Dream Lover“, „the Crush“, „Unlawful Entry“ und viele mehr. Einer jener war Curtis Hanson’s „the Hand that rocks the Cradle“ (1992), der in Deutschland unter dem Titel „die Hand an der Wiege“ veröffentlicht wurde sowie mit Rebecca De Mornay, Annabella Sciorra, Matt McCoy, Ernie Hudson, Madeline Zima und Julianne Moore in den Hauptrollen aufzuwarten vermag. Aus dem Hause „Disney“ (Hollywood- und Buena-Vista-Pictures) stammend, wurde die knapp 12-Millionen-Dollar-Produktion im klassischen „Dump Month“ Januar in die amerikanischen Kinos gebracht – nur um auf Anhieb zu einem Publikums-Liebling zu avancieren und am Ende stolze $88 Millionen in den Staaten sowie über $140 Millionen weltweit einzuspielen…

Obgleich die Reviews nicht gerade überragend waren, fand das Werk beachtlichen Anklang und besitzt bis heute weiterhin eine positive Reputation. Der „Rotten Tomatoes Critics Consensus“ ist da prima zutreffend, meiner Ansicht nach: „Thanks largely to Rebecca De Mornay’s delightfully villainous turn in the central role, „the Hand that rocks the Cradle“ is an entertaining – albeit rather silly – domestic thriller.“ U.a. gewann Hanson 1998 für „L.A. Confidential“ einen „Oscar“ und bescherte er Rapper Eminem vier Jahre später mit dem Musik-Drama „8 Mile“ einen eindrucksvollen Leinwand-Auftritt – bevor er uns 2006 im Alter von 71 zu früh verließ. 2023 lieferte Ben Ketai mit „River Wild“ dann eine durchaus empfehlenswerte B-Movie-Neuvariante des fast identisch benannten 1994er Hits Hansons ab – wonach nun (2025) auch ein Remake eben jenes Streifens verfügbar ist, um den es hier im Vorliegenden bisher in maßgeblicher Linie ging: Seitens der Preis-gekrönten mexikanischen Regisseurin Michelle Garza Cervera („Huesera: The Bone Woman“) in Szene gesetzt, direct-to-Streaming bei „Hulu“ erschienen…

Caitlin (Mary Elizabeth Winstead) ist eine erfolgreiche Immobilien-Anwältin, welche nebenbei überdies Pro-bono-Arbeit für einkommensschwächere Mieter leistet, die entsprechende Beratung und Unterstützung benötigen. Hochschwanger, lernt sie im Zuge dessen Polly (Maika Monroe) kennen: Ihres Zeichens eine im Bereich Kinder-Betreuung tätige, gegenwärtig einige Probleme im Zusammenhang mit ihrer Wohnung bewältigen müssende Frau mit einer fern von leichten Vergangenheit. Nicht lange nach dem Termin wird Caitlin’s Tochter Josie (Nora Contreras) geboren. Die Monate verstreichen – und trotz ihrer Elternzeit sowie dem Beistand ihres sich gern rund um die Familie engagierenden Ehemanns Miguel (Raúl Castillo) ist die Belastung, sich um Josie und deren zehnjährige, gelegentlich zu „Stimmungs-Schwankungen“ neigende Schwester Emma (Mileiah Vega) zu kümmern, für Caitlin einfach eine Menge. Angesichts der Situation beginnt sich Miguel zudem auch gewisse Sorgen um sie zu machen, weil sie damals (bei Emma) schon unter einer postpartalen Depression gelitten hatte…

Als Caitlin beim Besuch eines Wochenmarkts Polly über den Weg läuft und erfährt, dass sie aktuell keinen Job hat, erinnert sie sich an ihren Background und bietet ihr kurz darauf (mit Miguel’s Segen sowie nach Kontakt mit einer ihr genannten Referenz) eine Anstellung als Nanny bei sich an. Rasch integriert sich Polly hilfreich sowie von allen akzeptiert in den Alltag der in einem geräumig-edlen Haus in der Vorstadt lebenden Familie – und zieht sogar in deren Gäste-Bungalow ein, als sie irgendwann erwähnt, dass sie sich die hohen Mieten in L.A. im Grunde nicht mehr leisten könnte. Emma und Polly verstehen sich bestens, das Baby wird anständig betreut und Caitlin hat endlich mal wieder Freiraum zum Durchatmen – allerdings kommt es fortan zu gewissen „Vorfällen“ – wie z.B. dass Polly Josie mal nicht mit eigens vorbereiteter Nahrung füttert, sondern mit ungesünderer gekaufter, oder Emma ein Feuerwerks-Körper in ihrem Zimmer zündet, den Polly ihr gegeben hatte – was Caitlin mächtig beunruhigt, aufregt sowie zu Nachforschungen veranlasst…

„Die Hand an der Wiege” eröffnet in Gestalt eines Mini-Prologs, der ein erschüttertes Mädchen vor einem lichterloh in Flammen stehenden Gebäude zeigt – u.a. mit einem brennenden Mann drinnen an einem der Fenster vorbeirennend. Nicht bloß Kennern des Originals sollte (zumindest recht bald) klar sein, dass Polly etwas Sinisteres im Schilde führt – woraus der Film auch kein großes Geheimnis macht. In einer frühen Szene, in der Polly erstmals (mit Josie) allein daheim ist, schenkt sie dem schreienden, auf dem Boden hockenden und krabbelnden Kleinkind bspw. ab einem Punkt keine Beachtung mehr – schaut sich einfach nur mit regungsloser Mine und leerem Blick in ihrer stylisch-luxuriösen Umgebung (komplett mit Glas-Fassaden und ’nem Pool) um: Ein feiner Moment. Von Micah Bloomberg („Sanctuary“, 2022) verfasst, wird ihr Motiv dieses Mal jedoch nicht gleich eingangs offenbart – stattdessen bleibt ihr Antrieb in der Beziehung dem Betrachter bis in die zweite Hälfte hinein verborgen: Nur eine einer Reihe (meist löblicher) Veränderungen gegenüber der ’92er Version…

Subtil wurden Ansätze von liberal Guilt in die Story mit eingeflochten – z.B. Caitlin’s Einsatz für sozial Benachteiligte, dass sie sich relativ spontan für Polly entscheidet, welche sich weiterhin abmüht, beruflich Fuß zu fassen, sowie der Kontrast zwischen dem Haus, Wohlstand und den Autos der Familie auf der einen versus Polly’s Unterkünften sowie dem „abgenutzten“ Kleinwagen, in dem sie vorfährt, auf der anderen Seite: Mit dem Job tut man ihr simultan ja auch was Gutes. Obendrein ist Caitlin eine dieser neumodischen „Helikopter-Mütter“ – investiert allerlei Gedanken in solche Dinge wie Mikroplastik oder Zucker im Essen oder den nicht durch ein Stoppschild an der betreffenden Kreuzung geregelten Verkehr vor ihrer Einfahrt. Sie ist häufig angespannt und nimmt ihr für exakt diese Phasen verschriebene Medikamente ein. Ihren Nachwuchs mit ihrem intensiven Hegen einengende Eltern (inklusive diverser Anxieties) sind heutzutage ja beileibe keine Seltenheit. Einträglich bringt sich Polly in dieses Gefüge ein – entlastet Caitlin und Miguel und freundet sich mit Emma an, der sie sich respektvoll zuwendet…

Dass Polly lesbisch ist, markiert für Caitlin indes kein Problem. In dem Zusammenhang verrät sie ihr sogar ihre eigene Bisexualität, bevor sie und Miguel ein Paar wurden (er weiß davon). Polly nutzt diese Gegebenheit im Folgenden, um Caitlin unweigerlich an jene Zeiten zurückdenken zu lassen und sie außerdem ein Stück weit zu verunsichern – im Sinne von: Könnte es sein, dass sich die hübsche sowie durchaus mitunter verführerische Polly zu ihr hingezogen fühlt? Oder bildet sie sich das bloß ein? Kommen bei ihr erneut lange nicht mehr verspürte Empfindungen in Richtung desselben Geschlechts auf? Bloomberg und Cervera haben diese Komponente nicht allzu vordergründig konzipiert und arrangiert: Mit dem primär unterschwelligen Agieren Pollys im Einklang, reicht etwaiges „erotisches Knistern“ im Vorliegenden kaum über Andeutungen und Suggestionen hinaus. Interessant dann aber Caitlin’s kräftige Reaktion auf Emma’s Aussage eines Morgens, dass sie, wenn sie denn erwachsen ist, lieber eine Frau anstelle eines Mannes heiraten möchte – was Caitlin anprangernd „Polly’s Einfluss“ zuschreibt…

Die Psycho-Spielchen, welche Polly in „die Hand an der Wiege” betreibt, erstrecken sich u.a. von ihrem Erlauben, dass Emma Zucker-schwere Leckereien isst, die Caitlin ihr verwehrt, über die Addition eines „Zusatzes“ in den Kochtopf eines von Caitlin stolz zubereiteten Mahls, der später in Übelkeit bei den Verspeisenden resultiert, bis hin dazu, dass sie Josie von Caitlin’s Brustmilch abgewöhnt, indem sie die Kleine zwischendurch mit gesüßter industrieller Säuglings-Nahrung füttert. Überdies ist Stress ja ein weiterer ergiebigem Stillen im Wege stehender Faktor und tauscht Polly die Tabletten Caitlins gegen aufputschende aus, so dass ihr zunehmend impulsiver und instabiler anmutendes Gebaren Emma enger an Polly bindet sowie Miguel besorgt offen die Befürchtung äußert, dass bei ihr eine Depressionsform ähnlich derer nach der ersten Geburt erkeimt ist. Selbst darüber im Unklaren, versucht Caitlin das Ganze zu reflektieren – hält sich aber nicht wirklich für Paranoid oder sonstwie krank – worauf sie sich zum Recherchieren entschließt und ihren Bekannten Stuart (Martin Starr) dabei um Mithilfe bittet…

Mary Elizabeth Winstead („10 Cloverfield Lane“) vermittelt die verschiedenen Emotionen, denen sich Caitlin ausgesetzt bzw. mit denen sie sich innerlich konfrontiert sieht, ordentlich – während Maika Monroe („God is a Bullet“) sowohl die „Fassade“ Pollys als auch das Eisige dahinter überzeugend darbietet: Oft schweigsam, mit verächtlich-bohrenden Blicken, zielstrebig und ruhig intrigierend – bis hin zum erwartet unvermeidlichen Showdown der beiden Frauen, im Rahmen dessen sich all das jeweils Aufgestaute, Unterdrückte und Aufgewühlte mit entfesselter Energie entlädt. Genauso wie der Rest, steht Raúl Castillo („Army of the Dead“) von der Beschaffenheit seines seiner Gattin zu wenig Glauben schenkenden Parts her deutlich im Schatten der Leads – macht aber immerhin das Beste draus – agiert Mileiah Vega („the Secret Wife“) als Emma solide und ist Martin Starr (TV’s „Tulsa King“) als Unterstützer Caitlins gewohnt gern gesehen; mit allen übrigen – darunter Riki Lindhome („Knives Out“), Yvette Lu („Bare Knuckle“) und Shannon Cochran („Captive State“) – nicht notwendigerweise der Rede wert…

Sobald Caitlin’s Bedenken hinsichtlich Polly größer werden und ihre eigene Familie in der Sache an ihr (statt am Kindermädchen) zweifelt, begibt sie sich daran, die angegebene Referenz selbst noch einmal zu überprüfen – mit Stuart parallel dazu für sie das Internet sowie ihm zugängliche Datenbanken nach Nützlich-Relevantem durchforstend. In den ’90ern war es noch wesentlich schwieriger, Infos über jemanden herauszufinden. Fortgeschrittene Möglichkeiten beim Vetting zum Trotz, bedarf die Vergabe solcher Positionen jedoch weiterhin Vertrauen. Stuart gelingt es, in Erfahrung zu bringen, dass Polly früher einen anderen Namen trug – und kommt so ihrer Vergangenheit sowie dem Motiv ihres Tuns auf die Spur. Letzteres unterscheidet sich von dem bei Hanson – ist aber ebenfalls mit einer tragischen Opfer-Täter-Umkehr verzahnt, die gleichsam nicht gerade seelenkundlich-wissenschaftlich fundiert, für Genre-Kost dieser Sorte allerdings ausreichend ist. Und dass alles Dahingehende nicht direkt am Anfang dargelegt wird, erachte ich persönlich als die bessere, weil entsprechende Neugier bewahrende Wahl…

„Die Hand an der Wiege” ist ein kompetent realisierter Film: Cervera’s Regie, Jo Willems‘ („the Long Walk“) Bebilderung, Ariel Marx‘ („Goodnight, Phone“) Score, Julie Monroe’s („the Bikeriders“) Editing sowie die Performances sind durchweg von wertiger Qualität. Das Haupt-Problem liegt jedoch darin, dass man den Stil eines Slow Burns gewählt hat, ohne bei der Entfaltung der Geschehnisse den zugehörigen Suspense-Grad über einzelne Momente hinaus aufrecht erhalten zu können. Meiner Meinung nach wäre es ersprießlicher gewesen, selbstbewusst die pulpy-Throwback-Thriller-Route einzuschlagen – wie z.B. Paul Feig’s „the Housemaid“ im selben Jahr – zumal manche Szenen sowieso schon dorthin tendieren – á la als Caitlin Polly beim Sex mit ihrer Freundin beobachtet sowie im Bereich einer Handvoll gebotener Brutalitäten, die wahrlich nicht zimperlich arrangiert wurden. Alles in allem ist dies ein eher behäbig-belanglos-blasses Remake geworden: An sich nicht schlecht sowie nicht bloß eine Kopie des Originals – wohl aber enttäuschend, u.a. angesichts des grundlegenden Potentials…

gute7 von 10

Hierzulande ist „die Hand an der Wiege“ (2025) exklusiv auf Disney+ verfügbar.

Stefan Seidl

die Hand an der Wiege (2025)

(© 20th Century Studios, Hulu & Disney+)

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Copyright der „die Hand an der Wiege“ Postermotive und Pics: 20th Century Studios / Department M / Radar Pictures / Hulu / Disney+__ Infos zur dt. VÖ: Freigabe: ab 16__ DVD/BluRay: nein/nein

 

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