| Originaltitel: Greenland 2: Migration__Herstellungsland: USA/Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Ric Roman Waugh__Darsteller: Gerard Butler, Morena Baccarin, Roman Griffin Davis, Amber Rose Revah, Trond Fausa, William Abadie, Nelia Da Costa, Sophie Thompson, Tommie Earl Jenkins, Rachael Evelyn, Peter Polycarpou, Nathan Wiley u.a. |

In „Greenland 2“ müssen Gerard Butler und Morena Baccarin erneut unter der Regie von Ric Roman Waugh um ihr Leben kämpfen
Ric Roman Waugh und Gerard Butler haben eine produktive Zusammenarbeit, der Regisseur inszenierte den Actionstar bereits in „Angel Has Fallen“, „Kandahar“ und „Greenland“. Letzterer bekam nicht nur relativ gute Kritiken für ein Butler-Vehikel, sondern mauserte sich zum Hit, primär im Streaming, da dem Kinostart die Covid-Pandemie in die Parade fuhr. Also folgt mit „Greenland 2“ ein Sequel, das allerdings storytechnisch nicht unbedingt zwingend erscheint.
Der erste Teil war nämlich ein Katastrophenfilm, in dem Welt relativ konsequent unterging – oder zumindest 75 Prozent davon, wie das anfängliche Voice-Over von John Garrity (Gerard Butler) in der Fortsetzung verrät. Der hatte es mit seiner Frau Allison (Morena Baccarin) und seinem Sohn Nathan (Roman Griffin Davis) im ersten Film in den rettenden Luftschutzbunker auf Grönland geschafft, als ein Riesenfragment des Kometen Clarke auf der Erde einschlug. Intradiegetisch sind wie außerfilmisch rund fünf Jahre vergangen. Fünf Jahre, in denen durch den Kometen ausgelöste Strahlenstürme über die Welt rasen, immer wieder verbliebene Teile des Brockens aus der Atmosphäre auf die Erde regnen und die Menschheit entweder in Bunkern wie jenen auf Grönland verweilt, wenn sie nicht in der Strahlung an der Erdoberfläche leben muss. Das muss man „Greenland 2“ lassen: Es ist der sehr seltene Fall eines Films, der von der Zeit nach der Katastrophe erzählt, ohne gleich in Endzeitgefilde zu rutschen, wo der Weltuntergang kaum mehr als eine Szenario-Erklärung ist.
Zu Beginn von „Greenland 2“ gehen den Leuten im Grönland-Bunker langsam die Ressourcen aus. John hilft bei der Instandhaltung und tätigt Expeditionen an der Oberfläche im Schutzanzug, um Ersatzteile und Vorräte zu sammeln. Allison sitzt im Konzil, das über die Geschicke der Eingeschlossenen entscheidet. Und Nathan kriegt langsam Lagerkoller. Einige Meetings führen Optionen für die Eingeschlossenen vor: Weiter aushalten, sich zu einem anderen Schutzbunker aufmachen, mit dem man in Kontakt ist, oder zum Clarke-Einschlagsort in Südeuropa weiterziehen, wo angeblich lebenswerte Zustände herrschen. Das ist überdeutlich als Expositionsgelaber zu erkennen, zumal der Film viele der angerissenen Ansätze abrupt fallen lässt – etwa die Frage nach der Rettung verstrahlter Oberflächenbewohner, wenn die eigenen Ressourcen knapp werden, oder Nathans Freiheitsdrang.
Denn als ein gewaltiges Erdbeben den Bunker zerstört, sind alle Überlegungen passé und die Überlebenden müssen fliehen. Zusammen mit einigen anderen schaffen die Garritys es an Bord eines Rettungsbootes und schippern nach England, in der Hoffnung von dort den Weg zum Einschlagskrater zu finden…
Schaut euch den Trailer zu „Greenland 2“ an
Mit einem Budget von 90 Millionen Dollar war „Greenland 2“ fast dreimal so teuer wie der Vorgänger, läuft allerdings fast eine halbe Stunde kürzer als der Erstling. Nun mag die Kunst des 90-Minuten-Reißers in den Zeiten vieler aufgeblasener Blockbuster erstmal erstrebenswert klingen, „Greenland 2“ fühlt sich allerdings wie ein Film an, der sich einfach nicht genug Zeit für die Größe seiner Geschichte nimmt oder aus dem im Endschnitt viele wichtige Passagen herausfielen. Vielleicht war das Ergebnis allerdings auch von Anfang an von Chris Sparling („Buried“) und Mitchell LaFourtune („Last Breath“) so räudig geschrieben wie es auf der Leinwand zu sehen ist. Da starrt der Sohnemann in den ersten Minuten verträumt eine Mitschülerin an, die danach aber nie wieder auftaucht – die Szene ist wohl nur dazu da, um zu etablieren, dass Junior mittlerweile geschlechtsreif ist, wie man später merkt. Sein Diabetes aus Teil eins spielt dagegen gar keine Rolle mehr. In einer anderen Szene kommt die Gruppe in England an, John gibt die Order aus, dass man dicht beieinander bleiben soll – und zwei Szenen später kommen nur noch fünf handlungsrelevante Figuren an einem Bunker an. Vieles wird unzureichend bis gar nicht erklärt, etwa die Aufteilung der Machtblöcke, von denen die einen den Krater beschützen, während die anderen ihn einnehmen wollen. Und warum manche Menschen relativ lange an der Oberfläche leben können, während andere sich selbst bei nur kurzem Kontakt mit der verstrahlten Luft tödliche Krankheiten entwickeln, das ist auch so eine Kröte, die man schlucken muss.

John (Gerard Butler), Allison (Morena Baccarin) und Nathan Garrity (Roman Griffin Davis) suchen nach einem sicheren Zufluchtsort
Auch die Reise durch das zerrüttete Europa ist eher eine Abfolge von Stationen, die sich seltsam unverbunden fühlen: Ein Meteroitenschauer hier, ein Überfall durch Wegelagerer dort, eine Ruhepause bei einer alten Freundin da. Nebenfiguren sind vor allem da, um an einzelnen Reisestationen draufzugehen, während man kaum ein Gefühl für die Länge der Reise oder die zurückgelegte Strecke zwischen den Stationen bekommt. Selbst die Szenen, in der Menschen im Überlebenskampf aufeinander losgehen und sich um die verbliebenen Ressourcen streiten, gehen weitaus weniger unter die Haut als Erstling, weil sie schlechter geschrieben sind. Wenn die Garritys beispielsweise mit High-End-Atemschutzmasken aus dem Bunker fliehen, dann dauert es quasi bis zum Strand bis jemand mal versucht sie ihnen wegzunehmen, so als wäre es dem Drehbuch gerade erst eingefallen, dass die Dinger ja begehrt sein könnten. Die Menschen an den einzelnen Stationen teilen sich in böse Räuber, gelegentliche Opportunisten und Wohltäter auf. Letztere bewahren ihre Menschlichkeit, bieten Reisenden Unterschlupf oder bauen rettende Brücken über Abgründe. Kaum etwas dazwischen, während der erste Teil ja davon lebte, dass auch die netten Leute von nebenan zu reißenden Bestien werden konnten, wenn es hart auf hart kam.
Der Weg zum Krater verläuft also episodenhaft und erwartbar, mit einer kleinen Überraschung, die man allerdings mit ein wenig Aufmerksamkeit und Genrekenntnis nach einem Drittel des Films kommen sieht. Die Qualität der Set Pieces ist dazu reichlich wechselhaft: Die Szenen um die Bunkerflucht sind beispielweise eher verschnitten und unübersichtlich, ebenso der Straßenüberfall. Zwei andere Sequenzen ragen dagegen visuell und spannungstechnisch hinaus. In der einen müssen die Überlebenden unter Feuer durch Schützengräben, was enttäuschend schnell vorbei ist. In der anderen müssen sie auf Leitern und Seilbrücken einen Abgrund überqueren, was Waugh mit Sinn für Nervenkitzel inszeniert. Dem Regisseur gelingen eh einige tolle Bilder, etwa bei einer Fahrt durch den ausgetrockneten Ärmelkanal, bei unter anderem eine gesunkene spanische Galeone und ein Dinosaurier-Skelett zu sehen sind. Auch die CGI-Tricks mögen nicht ganz die Triple-A-Qualität besitzen, sind dem Budget von 90 Millionen Dollar aber durchaus angemessen. Meist müssen sie verwüstete Landschaften darstellen, hin und wieder auch explosive Momente, wie den Clarke-Einschlag in einer Rückblende oder einen Meteoritenschauer.
Gerard Butler („Criminal Squad 2“) spielt den aufopferungsvollen Familienvater und Everyman-Helden durchaus solide, auch wenn Script und Regie ihn für seine Normalo-Existenz manchmal etwas überinszenieren: Er macht die Erkundungstrips aus dem Bunker, er kann ein kaputtes Rettungsboot reparieren, er hat natürlich die Knarre zum Schutz der Familie dabei. Morena Baccarin („Deadpool & Wolverine“) schlägt sich ganz wacker als Ehefrau, die mehr Entscheidungsgewalt und mehr zu tun als im ersten Teil bekommt. Sie und Butler haben einige gute Szenen, in denen sie die Verbundenheit der Eheleute Garrity auch in harten Zeiten darstellen. Roman Griffin Davis („The Long Walk“) als Sohnemann ist okay, der Rest vom Cast muss dagegen hinter der Kernfamilie zurückstecken, auch wenn Amber Rose Revah („From Paris with Love“), Trond Fausa („Oppenheimer“) und William Abadie („Der rosarote Panther“) kleine Akzente setzen können.
„Greenland 2“ war ein Sequel, nachdem niemand wirklich gefragt hatte – und tut wenig, um irgendwen vom Gegenteil zu überzeugen. Die rund 90-minütige-Reise durch eine Post-Katastrophenwelt wirkt zu episodenhaft, ist bisweilen schlecht geschrieben und die Action-Einlagen sind von wechselhafter Qualität. In Einzelszenen wie der Schluchtüberquerung scheint das inszenatorische Können von Waugh durch, einige Bilder und Passagen sind durchaus memorabel, aber ein stimmiger Gesamtfilm ist „Greenland 2“ leider nie.
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Tobis bringt „Greenland 2“ am 8. Januar 2026 in die deutschen Kinos, ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben.
© Nils Bothmann (McClane)
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| Copyright aller Filmbilder/Label: Tobis__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 8.1.2026 in den deutschen Kinos |






