| Originaltitel: Manjianghong / Full River Red__Herstellungsland: China__Erscheinungsjahr: 2023__Regie: Yimou Zhang__Darsteller: Teng Shen, Jackson Yee, Yi Zhang, Jiayin Lei, Yunpeng Yue, Jiayi Wang, Binlong Pan, Ailei Yu, Jingfei Guo, Hao Ou, Xiang Wei, Chi Zhang, Yan Huang u.a. |

„House of Knives“ bietet leicht sperrigen Rätselspaß.
Mit „Hero“, „House of Flying Daggers“, „Der Fluch der goldenen Blume“ und „Shadow“ hat Regisseur Zhang Yimou einige der stilistisch herausragendsten und erzählerisch zunehmend anspruchsvoller werdenden chinesischen Wuxia-/Historien-Epen abgeliefert. Mit „House of Knives“ unternimmt Yimou nun einen weiteren Anlauf, seine Fans zu begeistern.
Vor 800 Jahren führte der kaiserliche Premierminister der Song-Dynastie ein Heer an die Grenze, um sich hier mit einer Delegation der Jin-Dynastie zu treffen. Zwei Stunden vor diesem Treffen wird jedoch im Lager der Song ein Diplomat der Jin ermordet aufgefunden. Sofort sollen die verantwortlichen Wachen zur Rechenschaft gezogen werden.
Darunter auch Korporal Zhang Da. Bevor der einen Kopf kürzer gemacht werden kann, kann er sich selbst Zeit erkaufen. Denn er erkennt einen ihm präsentierten Gegenstand des Diplomaten als Brieftasche. Als Brieftasche, deren Inhalt fehlt. Sofort vermuten alle, dass irgendwer den Diplomat wegen eines darin enthaltenen Briefes ermordet haben muss. Zhang Da erhält daraufhin vom Großkanzler der Song den Auftrag, genau diesen Brief wieder aufzutreiben.
Der bauernschlaue Soldat bekommt mit Sun Jun einen ranghöheren Aufpasser an die Seite gestellt, der zudem eng mit Zhang Da verbandelt ist. Gemeinsam nehmen die sich nun zahllose Zeugen vor und entwickeln verschiedenste Theorien. Doch schnell beginnen die Zeugen reihenweise wegzusterben, was jede aufgestellte Theorie meist sofort wieder obsolet macht. Trotzdem stecken die beiden nicht auf und geraten in ein irrsinniges Geflecht aus Lügen und finsteren Plänen.
Von der Entstehung eines Gedichtes
„Full River Red“, wie „House of Knives“ international vermarktet wird, war 2023 mit umgerechnet 640 Millionen eingespielten Dollars der finanziell erfolgreichste chinesische Film. Die deutsche Umbenennung in „House of Knives“ macht insofern durchaus Sinn, dass der Film ein astreines Whodunit ist und PLAION Pictures offensichtlich den direkten Bezug zu „Knives out“ herstellen wollte.
Zugleich ist der Film eine fiktive Entstehungsgeschichte eines in China enorm bekannten Gedichtes mit dem Titel „Man Jiang Hong“ (was dem chinesischen Originaltitel des Filmes entspricht). Geschrieben hat es angeblich der General Yue Fei, der in dem patriotischen Gedicht einen großen Sieg der Song-Dynastie über die Jin verarbeitete.

Bei der Suche nach dem Brief geht es ruppig zu.
Der Fokus von „House of Knives“ liegt aber überdeutlich auf dem Whodunit, das zunehmend weitere Kreise zieht. Trotzdem gelingt es Regie und Drehbuch den Kreis der Verdächtigen in einem annehmbaren und überschaubaren Rahmen zu halten. Dafür ist man hinsichtlich der Motive der Figuren und der damit verbundenen Winkelzüge alsbald reichlich verloren. Was die Story aber auch genauso intendierte, zehrt davon doch ein Großteil der Spannung. Die Figuren spinnen Intrigen, dass sich die Balken biegen und jeder Charakter scheint ein Meister darin, den Verdacht von sich ab- und zu anderen hinzulenken.
Zhang Yimou streut zahlreiche solcher falscher Fährten. Twistet nur zu gerne und sorgt damit für ordentlich Bewegung. Leider hat sein Film ein gewaltiges Problem: „House of Knives“ ist mit 160 Minuten Laufzeit viel zu lang geraten. Und man spürt beim Schauen, dass die Aufmerksamkeit häufiger mal schwindet. Einfach weil das viele Twisten und Umdenken auch „anstrengend“ ist und sperrig anmutet. So verliert man irgendwann auch ein wenig die Lust, selbst dem großen Ganzen auf die Schliche kommen zu wollen. Die eine oder andere Volte hätte Yimou dementsprechend gerne auslassen dürfen.

Zhang Da (hinten) und Sun Jun bei der Hinweissuche.
Zumal der Regisseur diesmal auch nicht für Abwechslung sorgt. In „House of Knives“ wird trotz martialischer Wargear der Charaktere ausschließlich viel geredet und nachgedacht. Große Actionintermezzos darf man sich hier auf keinen Fall erwarten. Wird gemordet, passiert das immer schnell und blutig, Choreografien, ausladende Schwertkämpfe oder tänzerische Kampfballette gibt es in „House of Knives“ nicht.
Was es dafür gibt, sind starke schauspielerische Leistungen. Allerdings sollte man sich als Westler auch auf die eine oder andere Humoreskapade mehr einstellen. Immerhin gibt es hier auch Charaktere, die sichtlich als Comic-Relief angelegt sind und für mein Dafürhalten für den präsentierten Stoff und dessen Schwere häufiger mal total drüber sind – beinahe in Regionen des Slapsticks abrutschen.

Was verbirgt Zhang Da (rechts) vor seinem „Onkel“?
Ein echter Pluspunkt ist die technische Umsetzung. Der unverbrauchte Schauplatz mit seinen engen Gassen kommt genauso labyrinthisch rüber wie der Plot. In dem Labyrinth wuseln zahllose Statisten in authentischer, detailreicher Kostümierung herum und machen gemeinsam mit der tollen Ausstattung das historische Setting lebendig. Da Yimous Film vornehmlich in den Morgenstunden spielt, arbeitet der Regisseur bei den Außenaufnahmen mit eher gedeckten und fahleren Farben. Sobald Lichtquellen vorhanden sind, gerät auch die Farbwelt richtig vielfältig.
Absolut irre ist der Score zum Film. Zu Beginn erklingt er nur, um ein paar humorige Momente noch mehr zu betonen. Im weiteren Verlauf wird er bei actionreicheren Momenten, etwa bei diversen Ortswechseln zu Fuß und bei den flotteren Meuchelmorden, hinzugezogen. Gerade die Momente, in denen die Charaktere irgendwohin laufen, werden von einem echt seltsamen „Rap“-Musikstück (anachronistische Musik trifft auf eine Art Peking-Opera-Gesang) untermalt, das im ersten Moment einfach nur irritiert, dann aber erstaunlich genial die Hektik der bebilderten Szenen unterstreicht.
„House of Knives“ ist ein unterhaltsames, aber auch forderndes Whodunit
Wenn Zhang Yimou dann endlich seinen Film auflöst, schnauft man als Zuschauer schon gewaltig durch. Von der extremen, irgendwann anstrengenden Länge abgesehen, liefert Yimou jedoch einen technisch hervorragend umgesetzten, gut gespielten Rätselspaß ab, der den Zuschauer mehrfach zu überraschen versteht und vor allem in seiner Figurendynamik wirklich unvorhersehbar geraten ist.
Gegen Ende wird es mit den ganzen Finten ein wenig zu viel, der Streifen wird zu patriotisch und irgendwie ist die Auflösung nicht der erhoffte Knaller – beziehungsweise ohne entsprechendes Hintergrundwissen nicht vollständig nachvollziehbar. Trotzdem kann ich den Film Fans von gepflegten Whodunits ans Herz legen. Das coole Setting und die damit verbundene Ausstattung – sprich die historische Verortung im alten China – sorgen obendrein für eine hübsche Abwechslung im Miträtselgenre.
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Die DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 26. März 2026 von PLAION Pictures. Der Film ist hier mit einer Freigabe ab 16 ungeschnitten. Extras zum Film gibt es leider keine. Ihr könnt den Film auch streamen.
In diesem Sinne:
freeman
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