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Six (Season 1)

Originaltitel: Six__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Lesli Linka Glatter, Mikael Salomon u.a.__Darsteller: Barry Sloane, Kyle Schmid, Juan Pablo Raba, Edwin Hodge, Brianne Davis, Nadine Velazquez, Dominic Adams, Walton Goggins, Tyla Harris, Jaylen Moore u.a.
Six Deutsches DVD Cover

“Six” heißt die neueste Serie des TV-Senders History und widmet sich den Einsätzen eines Navy-Seals-Teams.

Spätestens seit dem großen Hit „Vikings“ hat sich der TV-Sender History auch im fiktionalen Bereich ein Standbein aufgebaut. Um dieses zu stärken, ist man offen für immer neue Serienstoffe. Als man den Verantwortlichen eine Story rund um ein Navy-Seals-Team pitchte, griffen sie zu, holten sogar noch die Weinstein Brüder als Produzenten ins Boot und erzählen nun eine Story rund um das Navy-Seals-Team „Six“:

Joe „Bear“ Graves ist der Teamleader. Souverän und charismatisch hat er seine Jungs unter Kontrolle und ist sich nicht zu fein, immer vorneweg zu stürmen. Doch er läuft mehr und mehr Gefahr, sich in seinem Job zu verlieren. Vor allem seit dem frühen Kindstod seiner kleinen Sarah ist er überzeugt, dass er von Gott für seinen Job und die dabei getätigten „Sünden“ bestraft werde. Seine Frau will derweil ein neues Kind mit ihm, doch wie sich herausstellt, ist Bear beinahe vollkommen unfruchtbar…

Ricky „Buddha“ Ortiz ist der in sich ruhende Sprengmeister des Teams. Mit seiner Art kocht er auch die überhitztesten Gemüter wieder herunter. Auf seine Kampfkraft können sich seine Kameraden immer verlassen. Doch eigentlich will Buddha aus dem Team aussteigen. Seine Tochter soll eine extrem teure Tanzschule besuchen. Die kann er sich mit dem Seals-Gehalt nicht leisten und will daher bei einem privaten Sicherheitsdienst anheuern. Zudem soll er endlich mehr für seine Familie da sein, was seine resolute Frau schon lange von ihm einfordert.

Alex Caulder ist der Heißsporn im Team. Zumindest in seinem Privatleben, denn im Job hat er sich komplett unter Kontrolle. So sehr, dass er andere Teamkameraden und deren Tun auch hinterfragt und sich nicht gern ein X für ein U vormachen lässt. Doch abseits der Krisengebiete dieser Welt ist kein Frauenrock vor ihm sicher und seine Kameraden ziehen ihn immer damit auf, dass er nichts zu verlieren habe. Ob sie nicht wissen, dass er im Scheidungskrieg mit seiner Ex steht und gar eine fast erwachsene Tochter hat, die ähnlich rebellische Anflüge aufweist wie ihr Herr Papa, wird nie so recht klar.

Six Gruppenfotos aller Navy Seals

Das gesamte Seal-Team Six.

Und dann ist da noch Richard „Rip“ Taggart. Er war der ehemalige Teamleiter des Seal Team 6, der in seiner verbissenen Jagd nach einem Terroristen namens Al-Muttaqi auf alle Regeln pfiff, bis er in Afghanistan einen vermeintlichen Terroristen erschoss. Nachdem der sich bereits ergeben hatte und per se nicht einmal eine Waffe bei sich führte. Damit hatte Rip eine Grenze überschritten. Coulder konfrontierte ihn vehement damit, worauf Rip hinschmiss und alles hinter sich ließ. Er ging nach Afrika, wo er verschiedenste Söldnerjobs annahm.

Sein aktuellster führt ihn nach Nigeria, wo er reiche Geldsäcke beschützen soll, als diese eine Mädchenschule besuchen, die sie mitfinanziert haben. Doch genau diese Schule wird von den Boko Haram überfallen und sowohl die Geldsäcke als auch diverse Mädchen, deren beherzte Lehrerin und Rip werden als Geiseln genommen. Als die Boko Haram erfahren, dass Rip ein hochdekorierter Navy Seal ist, verlangen sie 10 Millionen Dollar Lösegeld für ihn. Aufgrund dessen erfahren auch Rips Ex-Kameraden von dessen Entführung und setzen fortan alles daran, Rip zu befreien.

Für den kommt es derweil richtig übel. Denn Michael Nasry, ein Handlanger Muttaqis, hat großes Interesse daran, des Navy Seals habhaft zu werden. Denn er war nicht nur live dabei, wie Rip den vermeintlichen Terroristen in Afghanistan eiskalt ermordete, er war auch noch dessen Bruder!

Schaut in die actionreiche Serie „Six“ hinein

Episodenführer zur ersten Staffel von „Six“

1. Afghanistan
2. Esther
3. Der Einsatz
4. Mann am Boden
5. Kollateralschaden
6. Das Geständnis
7. Blutsbrüder
8. Endspiel

„Six“: Eine actionreiche, unterhaltsame und flotte Serie mit wenig spannendem Soap-Anteil

Die staffelübergreifende Story um den Befreiungsversuch von Rip stellt sicherlich nichts Revolutionäres im Actiongenre dar. Die gebotene Handlung ist hinlänglich bekannt und hat man so – teilweise auch schon deutlich besser – gesehen. Dennoch funktioniert sie gut, pumpt einiges an Spannung in die Serie und sorgt an genau den richtigen Stellen für ordentlich Tempo und Dynamik.

Six Walton Goggins als Rip

Walton Goggins ist als Rip Herz und Seele der Serie.

Das Gelingen dieses Storystranges ist zu weiten Teilen der Verdienst des megastarken Walton Goggins („The Hateful 8“). Der hat mit Rip eine äußerst dankbare, enorm ambivalente Rolle abbekommen, bei der man nie weiß, ob man sie lieben oder hassen soll. Seine Interaktionen mit den weiblichen Geiseln und seinen Entführern sind infolgedessen großartig. Mal denkt dieses Arschloch Rip wirklich nur an sich und sein Wohlergehen und im nächsten Moment wird Rip unvermutet zum selbstlosen Helden nah an der Grenze zur Selbstaufgabe. Er macht einen stark geskripteten moralischen Wandel durch, was ihn mehr und mehr zu einem großartigen Antihelden macht, der den Zuschauer trotz aller Widerborstigkeit irgendwann richtig packt!

Das liegt allerdings auch an seinen starken Antipoden. Denn obschon die Serie beim Fieswicht-Fußvolk die bekannte Schwarz-Weiß-Malerei betreibt, ist sie bei den Köpfen der Lumpen erstaunlich vielschichtig angelegt. So sorgt der Chef der Boko Haram mit seinem unheimlich ruhigen und souveränen Auftreten für immer neue Spannungsschübe. Einfach weil man nie weiß, was als nächstes passieren wird. Das Highlight ist aber trotzdem der von Dominic Adams verkörperte Michael. Ein echt charmanter Drecksack, der mit goldener Zunge neue Terroristen wirbt, der sich gewählt ausdrückt, der eloquent ist, der enorm intelligent daherkommt und … der Amerikaner ist! Mit Argumenten für sein Tun, die nicht einmal Rip in den direkten Konfrontationen zu widerlegen vermag. Was Michael als Bösewicht nur noch faszinierender macht.

Rund um die Befreiungsversuche Rips steigen dann auch sämtliche Actionszenen. Denen sieht man an, dass „Six“ über ein ordentliches Budget verfügt. Da werden afrikanische Buschdörfer platt gewalzt, ein gewaltiges Schiff wird von Lumpenpack gesäubert, es wird aus Flugzeugen gesprungen, es wird gesprengt und geballert und der große Showdown ist eine 20-minütige Actionszene, die nicht nur bei den Bildern um die mittels Helikopter einreitenden Seals jedem Blockbuster zur Ehre gereichen würde.

Six Dominic Adams Michael

Dominic Adams ist als Michael Rips ebenso smarter wie gefährlicher Gegenspieler.

Dabei agieren die Darsteller als Seals absolut glaubwürdig. Es wird planvoll und systematisch vorgegangen, man springt sich nicht gegenseitig in der Feuerlinie herum und es wird geschossen, um zu treffen. Das führt dann auch zu kleinen Nicklichkeiten. Blut spritzt häufiger, Hände werden abgehackt, Bloodpacks platzen und ab und an wird manchem Kontrahenten direkt ins Gesicht geschossen. „Six“ ist kein Kind von Traurigkeit. Im Großen und Ganzen könnte das Actionaufkommen aber noch deutlich höher sein, damit „Six“ dem Actionfan so richtig mundet.

Apropos munden: Etwas problematisch wird für viele Zuschauer sicher das Storytelling abseits des actionreichen Rip-Plots sein. Hier fahren die Macher einen ähnlichen Ansatz wie zuletzt beispielsweise die Actionserie „The Unit“. Auch diese konterkarierte die Einsätze ihrer Spezialeinheit mit den privaten Problemchen ihrer Teammitglieder. Diesen Ansatz übernimmt „Six“ und kann in den besten Momenten den Hauptcharakteren mehr Ecken und Kanten geben. Des Weiteren nutzt „Six“ diese Momente freilich auch, um zu verdeutlichen, wie die Einsätze an den Nerven der Männer zerren und sie immer wieder am eigenen Tun und an der Richtigkeit desselben zweifeln lassen.

Six Bear Barry Sloan

Bear ist nach Rips Ausscheiden der neue Teamleader des Seal-Teams “Six”.

Leider bleibt „Six“ in genau diesen Momenten arg oberflächlich. Übt sich lieber in Vebrüderungsszenarien, bei denen man ordentlich einen über den Durst säuft und sich mal gegenseitig verwackelt, um sich wieder einzunorden. Leider beginnen die Szenen in der Heimat schnell, nervig zu werden. Zum einen, weil sie immer wieder das Tempo aus „Six“ rausnehmen und zum anderen, weil die hier etablierten Probleme eher in eine Soap und weniger in eine Actionserie passen. Obendrein sind vor allem die Frauen der Seals zu weiten Teilen schon arg überzeichnet in ihrem Verhalten. So ist der manische Kontrollzwang von Buddhas Frau wenig sympathisch.

Last but not least mutet das Bestreben, wirklich jeden Einsatz der Jungs mit einem Erlebnis an der „Heimatfront“ zu konterkarieren, irgendwann arg zwanghaft an. In der Folge fragt man sich schon, wie die Jungs zwischen den Handlungsorten hin und herreisen, da sie nie an Jetlag oder ähnlichem leiden. Zum anderen wundert man sich, wer diesen Pendelverkehr eigentlich zahlt oder ob die einfach zwischen der USA und Afrika hin und her gebeamt werden.

In technischer Hinsicht gibt es an „Six“ nichts zu bemängeln. Der immer etwas grobkörnige Look der Serie gefällt. Die eingesetzten Farbfilter helfen, zu unterscheiden, an welchem Handlungsort man sich gerade aufhält. Nicht nur in der Action ist die Serie zudem sehr dynamisch montiert. Ein wenig enttäuschend ist der recht belanglose Score vom ansonsten eigentlich so versierten Marco Beltrami. Weder in der Action noch in den emotionalen Momenten weiß einen die Filmmusik richtig zu packen. Grobe CGI-Ausfälle gibt es keine zu beklagen. Hier und da sieht man zwar, das Umgebungstreffer aus dem PC stammen, aber zumindest gibt es wenigstens welche.

Six Navy Seals in Action

Die Seals in Action.

„Six“ kann Fans von Spezialeinheitsstoffen definitiv ans Herz gelegt werden. Die Serie hat ein ordentliches Tempo zu bieten, ist angenehm spannend und liefert gelungene Actionszenen ab. Die Bilder stimmen, der Aufwand auch und die taffen Darsteller agieren durch die Bank sehr ordentlich und bilden eine ordentliche Identifikationsmasse. Milder Patriotismus und kerlige Verbrüderungsmomente sind bei dieser mit erstaunlich wenig Pathos auskommenden Actionserie inklusive. Das Highlight ist jedoch Walton Goggins Antiheld Rip, der die Serie im Zusammenspiel mit gut geskripteten Gegenspielern fast im Alleingang rockt. Das lässt final auch über die wenig interessanten Einblicke in das Privatleben der Seals hinwegsehen. Hier müssen die Macher von „Six“ in weiteren Staffeln aufpassen, dass sie nicht ähnlich fatale Wege einschlagen wie „The Unit“, wo man einzelne Episoden irgendwann nur noch ertragen konnte, indem man das private Geplänkel weggespult hat.

7 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray erscheint am 29. August 2017 von Concorde Home Entertainment und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Leider haben sich bis auf Trailer aus dem Concorde-Programm wirklich gar keine Extras zur Serie auf die Datenträger verirrt.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Concorde Home Entertainment__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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