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Snow White and the Seven Samurai

Originaltitel: Snow White and the Seven Samurai__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2024__Regie: Michael Su__Darsteller: Fiona Dorn, Gina Vitori, Sunny Tellone, Quinton ‚Rampage‘ Jackson, Eric Roberts, Jessica DeBonville, Narisa Suzuki, Geena Alexandra, Liana Ramirez, Sof Puchley u.a.
Snow White And The Seven Samurai Blu-ray Cover

Eric Roberts mischt in „Snow White and the Seven Samurai“ mit.

Ich habe zuletzt sehr viele The-Asylum-Filme verrissen. Und das vollkommen zu Recht. Grütze wie „America is Sinking“, „World Invasion: Alien Attack“ oder „24 Hours To D-Day“ wurde dem Zuschauer mit einem derart fetten Mittelfinger vor die Füße gerotzt, dass man eigentlich nur mit einem Mittelfinger zurück winken konnte. Doch zwischen all der Rotze findet sich immer mal wieder ein Streifen, der zumindest wie ein Film aussieht und nicht durchgängig langweilt. Einer dieser Streifen heißt „Snow White and the Seven Samurai“.

Angesichts der Tatsache, dass Disneys Realfilmversion (*hust hust*) des legendären Trickfilms „Snow White and the Seven Dwarfs“ existiert, könnte man vermuten, dass „Snow White and the Seven Samurai“ der gewohnte Asylum-Mockbuster zum Kino-Event sein sollte. Ein Mockbuster obendrein, der die unseligen Diskussionen zu der Realverfilmung witzig aufs Korn zu nehmen schien.

Denn wenn Disney seine Kultfiguren der sieben Zwerge laut geleakten (und falsch gedeuteten) Bildern von den Dreharbeiten zu „Schneewittchen“ in sieben Anbiederungen an die Diversitätsdiskussionen umzudeuten scheint, dann darf The Asylum aus den Zwergen auch Dinosaurier, Sharknados oder eben Samurais machen. Oder wie wäre es mal mit „Snow White and the Seven Eightheaded Sharks“? Egal. Zum Film!

Joseph Voight ist der Anführer der sinisteren Verbrechensorganisation „Vier Säulen“. Die gibt sich im Designerzwirn zwar weltmännisch, macht ihr Geld aber mit wenig schönen Geschäften. Aktuell steht eine gewaltige Drogenlieferung an, die sämtliche Märkte aus den Angeln heben könnte. Josephs Tochter Anya hält von den Geschäften ihres Vaters nicht viel. Dessen unrühmliche Drogenjobs haben ihr bereits den Spitznamen Snow White eingebracht. Entsprechend bittet sie ihren Vater immer wieder, dass er sein Geschäft doch bitte legalisieren möge. Das Geld dafür sei doch längst da.

Eines Tages steigt ein Mörder in das Anwesen der Voights ein und meuchelt Joseph. Tage später wird das Testament verlesen. Anya erhält den Löwenanteil des Erbes und die Aufgabe, die Firma in eine legale Unternehmung zu verwandeln. Das schmeckt Quinn, Josephs gieriger Witwe, so gar nicht. Sie setzt ihrerseits einen Killer auf Anya an, um so des gesamten Erbes habhaft zu werden. Anya überlebt den Angriff, auch weil sich die geheimnisvolle Luna ihrer annimmt.

Luna ist die Anführerin der Onna-Musha, ein Geheimbund der Samurai, der ausschließlich aus Frauen besteht und für Ordnung auf der Welt sorgen soll. Die schwierige Aufgabenstellung haben nur sieben Frauen überlebt. Die nehmen Anya auf, machen sie fit in ihren Kampftechniken und helfen Anya so, sich auf ihren Rachefeldzug vorzubereiten.

Schaut in den Film hinein

Märchenstunde mit Samurai-Schwertern und Eric Roberts

Der Titel deutet es an: „Snow White and the Seven Samurais“ bedient sich bei zwei bekannten Storys. Zum einen wäre da das altbekannte Märchen um Schneewittchen. Hier wie dort gibt es eine fiese Stiefmutter, die gegen ihre Stieftochter einen tiefen Groll hegt. Mehrfach versucht sie, Schneewittchen zu ermorden. Die ihrerseits landet bei sieben Helfern, die ihr beistehen. Im hier besprochenen Film sind es eben sieben weibliche Samurai, die Schneewittchen ein Martial-Arts-Update verpassen und ihr bei ihrem Kampf gegen übermächtige Gegnerhorden beistehen. Wie eben in „Die sieben Samurai“.

Diese Melange funktioniert erstaunlich gut und wird vor allem erstaunlich kurzweilig gereicht. Denn Regisseur Michael Su („2025 Armageddon“) schwebte offensichtlich mal wieder eine „The Asylum“-Produktion vor, in der nicht nur um des Redens willen geredet wird. Stattdessen schiebt er seine Story flott an und denkt gar nicht daran, im weiteren Verlauf seine Charaktere zu viel labern zu lassen. Es scheint fast, als habe er einen „Show don’t Tell“-Lehrgang belegt. Man kann nur hoffen, er lässt andere „The Asylum“-Regisseure an seinem Wissen teilhaben.

Entsprechend kommt der Film gut voran. Bald schon erleben wir die ersten Trainingsmontagen von Anya und staunen wieder: „The Asylum“ hat mal Darsteller nicht nach ihren Diversitätsmerkmalen, sondern aufgrund ihres Könnens gecastet. Die Damen, die die weiblichen Samurais geben (wobei man mal sieben und trotz des Titels zumeist nur sechs zählt), bewegen sich glaubwürdig und präsentieren ein ordentliches Handling ihrer Waffen.

Auch Anya-Darstellerin Fiona Dorn, die im realen Leben Lehrlinge im Schwertkampf ausbildet und einen Stunt-Hintergrund hat, überzeugt in ihren Moves. Zudem kamen bei den Choreografien von Shaun Charney sehr wenige Stuntmen zum Einsatz, was nur noch mehr glauben lässt, dass die Darstellerinnen tatsächlich mal wussten, was sie hier machen.

Denkt jetzt aber bitte nicht, „Snow White and the Seven Samurai“ würde unfassbare Actionszenen aufbieten. Dazu hat „The Asylum“ einfach zu wenig Ahnung von Action. ABER im Vergleich zu dem sonstigen Schwachfug, den das Studio als Action bezeichnet, ist selbige hier schon deutlich besser. Und vor allem auch als Action zu erkennen. Dynamik, Druck, Impact oder Ideen gehen ihr aber trotzdem komplett ab. Vollkommen hilflos gerät etwa eine peinliche Gunkata-Nachahmung im Showdown.

In diesem ballt sich die meiste Action. Mehr noch: Der Showdown startet nach den Trainingsmontagen und kleineren auf das Finale hinarbeitenden Handlungseinschüben mal eben 30 Minuten vor Filmende! Zwar wird er durch kleinere Handlungstwists etwas unglücklich zerdehnt, erntet aber alleine für das Bemühen, ein „großes“ Finale liefern zu wollen, Anerkennung. In Sachen Härte kommt hier alles aus dem Rechenknecht. Einschlagende Kugeln und Schwertgeschlitze zeitigen immer wieder wenig schön aussehende CGI-Folgen. Die FSK 18 wirkt entsprechend auch arg am Ziel vorbei.

Zumindest dürfen zahlreiche Lumpen ins Gras beißen. Vollkommen unfähig zeigt sich Michael Su aber in Sachen Dramaturgie. Wenn hier die ach so toll trainierten Samurai-Ladys ultratrocken und beinahe beiläufig umgenietet werden, kann er nicht einen Tropfen Dramatik oder Pathos aus den Bildern quetschen. Allgemein wirkt die Inszenierung nicht immer glücklich. Es gibt Momente, da steht die Kamera beispielsweise komplett falsch und man kann nicht einmal erahnen, was da gerade passieren soll.

Abseits der Action gibt es den aktuell von „The Asylum“ gewohnten, langweiligen Digitallook zu bestaunen. Zumindest macht das Hauptsetting des Filmes, eine gewaltige Villa, richtig Laune und liefert sogar ein paar fette Bilder. Davon abgesehen, wird sich wieder in den abgerisseneren Ecken des Drehortes herumgetrieben. Vollkommen egal: Die Musik zum Film.

Neben den Kampfsport-begabten, hübsch anzuschauenden Hauptdarstellerinnen glänzt vor allem Gina Vitori („Surrounded“) als fiese Stiefmutter Quinn. Die Darstellerin hat richtig Spaß an ihrer Figur, kann erstaunlich toll austeilen und sogar spielen! Wann hatten wir das zuletzt bei einem „The Asylum“-Film?

Mit Eric Roberts („DC Down“) als Joseph Quinn haben wir auch ein sehr bekanntes Gesicht im Cast, das allerdings früh das Zeitliche segnet und auch in einigen Rückblenden auf kaum mehr als insgesamt fünf Minuten Screentime kommt. Zumindest darf er auch mal ballern. Außerdem ist Quinton „Rampage“ Jackson („Acceleration – Gegen die Zeit“) am Start, auf dessen Real-Life MMA-Skills der Film häufiger hätte zurückgreifen sollen, denn seine Fights kommen am taffesten rüber.

„Snow White and the Seven Samurai“ ist so etwas wie ein guter „The Asylum“-Film

Man muss schon einige der aktuellen Arschkrampen von „The Asylum“ gesehen haben, um die Qualitäten von „Snow White and the Seven Samurai“ wirklich schätzen zu können. Wer diesen Leidensweg noch nicht gegangen ist, wird sich schwer tun, in dem Film einen brauchbaren Vertreter seiner Gattung zu entdecken. Meine Leidensgenossen jedoch werden dem Film unumwunden zugestehen, dass er temporeich daherkommt, wenig Gelaber auffährt, seine Prämisse ganz ordentlich verkauft und erstaunlich gute Darstellerinnen erstaunlich okaye Action präsentieren lässt.

Der billige Look, das Unvermögen, der Action echte Dynamik einzuhauchen, dumme und überflüssige CGI-Momente (die dämliche Hausexplosion), wenig empathisch ausgekostete Heldentode und die in Teilen grottige deutsche Synchronisation erden den Spaß allerdings wieder ordentlich.

Gute:
04 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erschien am 13. Dezember 2024 von dem Label The Asylum / Great Movies. Der Film ist mit einer Freigabe ab 18 ungeschnitten. Freilich könnt ihr den Actioner auch streamen.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label The Asylum / Lighthouse Home Entertainment__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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