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Bloodnight

Originaltitel: Intruder__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1989__Regie: Scott Spiegel__Darsteller: Elizabeth Cox, Renée Estevez, Dan Hicks, David Byrnes, Sam Raimi, Eugene Robert Glazer, Billy Marti, Burr Steers, Craig Stark, Ted Raimi, Alvy Moore, Tom Lester, Emil Sitka, Bruce Campbell, Lawrence Bender, Scott Spiegel, Douglas Hessler u.a.

Bloodnight Banner

Bloodnight

„Bloodnight“ erscheint unter dem Originaltitel „Intruder“ als fünfter Titel der „Thrill Kill Collection“.

Es sagt einiges über einen Regisseur aus, wenn er bei seinen zahllosen Super-8-Experimenten und schließlich sogar seinem ersten Spielfilm immer wieder die Vertrautheit eines Szenarios aufsucht, das er aus seiner Jugendzeit noch kennt wie seine Westentasche. Manche würden sagen, er stehe dadurch in der Zeit still, wie eine Kaulquappe in einem Teich, der es nie gelingt, sich zum Frosch zu entwickeln. Andere wiederum würden eher argumentieren, dass hier endlich mal ein Schuster bei seinen Leisten bleibt.

Es war kein Teich, an dem Scott Spiegel aufwuchs, sondern der Walnut Lake, gelegen bei einer kleinen Gemeinde nordwestlich von Detroit, wo er als Jugendlicher in einem Lebensmittelgeschäft jobbte. Entsprechend ist die Handlung seines Regiedebüts „Bloodnight“ vollständig in einem Supermarkt angesiedelt, gefüllt mit vielen Weggefährten aus alten Schul- und Kurzfilmtagen. Irgendwo zwischen den vielen Lebensmittelverpackungen in den Regalen verbanden sich im Hirn des jungen Filmgeeks vermutlich elektrische Impulse zu ersten Filmideen, die fest mit dem Linoleum der Gänge verschmolzen. Da half auch einmal wischen in Gang 9 nicht mehr. Scott Spiegel ist seither eben auch ein Synonym für Supermärkte… und für den Wahnsinn, der alltägliche Orte heimsucht.

Grundsätzlich sind Kaufhäuser für den Horrorfilm natürlich kein neues Terrain. Ausnahmslos immer fällt in diesem Zusammenhang als Referenz der Name von George A. Romero, der sein Zombie-Epos „Dawn of the Dead“ (1978) in einem diser kommerziellen Tempel spielen ließ. „Messiah of Evil“ (1973) war mit seiner berüchtigten Supermarkt-Sequenz sogar noch etwas früher an der Reihe. In den 80ern verflachte die Konsumkritik dann zunehmend zur einfachen Stangenware („Chopping Mall“, 1986). Trotzdem blieben Supermarktbesuche für den Horrorfilm eher Sonderausflüge und setzten sich nie als Genre-Standard durch wie etwa der verlassene Wald, der Jahrmarkt, das Weizenfeld oder auch die heimischen vier Wände.

Bloodnight

Wenn statt der Gehaltserhöhung eine Gliedmaßenkürzung in Aussicht steht.

„Bloodnight“ ist die ausgearbeitete Langfassung des von Spiegel selbst inszenierten Kurzfilms „Night Crew“ aus dem Jahr 1979, den man in seiner komprimierten Essenz als ein klassisches Slasher-Piece bezeichnen kann. Gewisse Abfärbungen des kurz zuvor erschienenen „Halloween“ (1978) sind darin zu erkennen, von „Texas Chainsaw Massacre“ (1974) sogar noch wesentlich mehr; Fleischerhaken und Strubbelhaar-Maske machen die Einflüsse letztlich offensichtlich, der Rest besteht aus Regalreihen, Marktmitarbeitern und einer tiefschwarzen Vollmondnacht.

Interessanterweise sind es gerade die konkreten Bezüge zu den Slasher-Ikonen, die für die Langversion weitgehend von der Zutatenliste gestrichen wurden, obwohl sie vermutlich hilfreich gewesen wären, um die Low-Budget-Produktion über die Vertriebswege von Empire Pictures noch besser zu vermarkten. Zumindest in der Inszenierung des Killers werden keine direkten Vorbilder mehr gesucht. Geblieben ist der Supermarkt mit Minimalbesetzung bei Nacht, eine soweit erst einmal ebenso unbeschriebene wie erfrischende Exposition. Vielleicht ist es gerade diese Prioritätensetzung für das Setting und gegen die Basics, die „Bloodnight“ zu seiner Andersartigkeit und letztlich zu seinem Kultstatus verholfen hat.

Entgegen der durchschnittlichen Vertreter der Slasher-Gattung, die üblicherweise auf ein konsistentes Tempo mit regelmäßiger Cast-Dezimierung ausgelegt sind, läuft dieses Exemplar überraschend langsam an. Das hat auch damit zu tun, dass Spiegel als Regisseur seinen Figuren absolut auf Augenhöhe begegnet und sich viel Zeit für sie nimmt. Der inhaltliche Rahmen rund um den bevorstehenden Verkauf des Ladens bestimmt die ersten Szenen, während Spiegel deutlich mit den Servicekräften des Niedriglohnsektors sympathisiert.

Die Kamera schmiegt sich bei der Lagebesprechung der Arbeiter quasi in ihren Kreis, um aufmerksam der Unterhaltung über ihre berufliche Zukunft zu folgen und Empathie zu zeigen. Spiegels Anweisungen wirken aus der Ferne völlig unprätentiös, sondern im Gegenteil eher bodenständig, man spürt, dass er selbst Teil des Ambientes ist, das er beschwört. Rückblickend könnte man fast meinen, sogar eine Sitcom wie „Superstore“ (2015 – 2021), eine Produktion für eine völlig andere Klientel, habe von der Vorarbeit dieses Films profitiert. Die Kombination der Milieus und Genres, die Spiegel adressiert, überschneiden sich zudem spürbar mit dem Revier von Kevin Smith, nur die Einflüsse scheinen andere zu sein.

Bloodnight

Falls man schon immer mal wissen wollte, was so ein Wählscheibentelefon denkt.

Den gemächlichen Anlauf kompensiert die Kameraarbeit schon früh mit visuellen Besonderheiten, die der gesamten Inszenierung jene Art von kreativem Antrieb verleiht, wie man sie damals auch bei Peter Jackson und eben Sam Raimi vorfand. Mal wird ein Point-of-View-Shot aus einem ratternden Einkaufswagen heraus bemüht, mal derjenige einer eines Telefons (durch die Wählscheibe hindurch). Der gesamte Supermarkt scheint aus vielen kleinen Augen zu bestehen, die teils ungewöhnliche Perspektiven einnehmen, um verzerrte und dabei bewusst stilisierte Eindrücke vom Geschehen abzubilden.

Irgendwann geht es mit dem Vorteil der gut ausgearbeiteten Figurenriege dann aber doch noch los mit dem Massaker, und das nicht zu knapp. Die eröffnende Titelsequenz, eine verwaschene Aufnahme eines Vollmonds, gepaart mit dem heulenden Library-Synthie-Scores voller gesampelter Frauenschreie, verspricht bereits reinsten Horror-Kitsch, der nun mit unübersehbarem Augenzwinkern schön saftig nachgeholt wird. Während die visuelle Gestaltung durchweg schummrig bis schauderhaft bleibt, füllt sich die Luft zunehmend mit Galgenhumor. Da wird dann auch mal die Rhetorik der Werbesprache aus dem Handelssektor genutzt, um die präsentierten Gore-Effekte ironisch zu kommentieren.

Wo einem entzwei gesägten Opfer eine Rabatttafel mit der Beschriftung „1/2 reduced“ umhängt, macht sich die Affinität zum Wortspiel-Humor der Kurzfilme langsam bemerkbar. Bier spritzt auch mal mit Blut synchron um die Wette, ganz wie auf einem durchkomponierten Werbeplakat für ein süffiges Getränk in zwei Geschmacksrichtungen. Sam Raimi tritt mit einer Schürze auf, die ihn wie einen Milchmann aus einer 30er-Jahre-Kleinstadtkomödie aussehen lässt. Sein Bruder Ted ist derweil in einen vorzüglich aufgebauten Running Gag eingebunden, der seine heile Welt, die einzig verbliebene dieses letzten fröhlichen Mitarbeiters im Laden, mit jedem Einsatz stärker als Kontrast dastehen lässt, während permanent hirnzerbräsende Fahrstuhlmusik aus seinen Kopfhörern entweicht.

Bloodnight

Ted Raimi & the Background Jokes spielen ihre größten Hits.

Dazu kredenzt die KNB EFX Group ein Fest der halbierten und geviertelten Sonderangebote. Obwohl die Künstlichkeit der eingesetzten Puppen und Prothesen im Grunde nicht zu übersehen ist, verströmt sie (gerade im Vergleich mit so mancher Effektkunst etwa aus dem italienischen Exploitation-Kino) einen beklemmenden Realismus, insbesondere in einer Szene, in der ein Kopf horizontal in zwei Teile zersägt wird, bis alles oberhalb der Oberlippe ein Eigenleben als unabhängiges Körperteil führen kann. Spiegel haut diese Splatter-Highlights aber nicht einfach raus und geht dann zur Tagesordnung über, sondern er kuratiert sie, präpariert und konserviert sie. Sämtliche Mordinstrumente werden zunächst unzweideutig durch bestimmte Kameraperspektiven angeteasert, und selbst nach dem Moment der Wahrheit verbleiben die Erzeugnisse der unschönen Taten auf der Leinwand, ist der Laden im zweiten Abschnitt doch schöner dekoriert als Haddonfield am Halloweenabend.

Der Killer selbst bleibt über weite Strecken ein Schemen, der am Fenster, im hinteren Gang oder versteckt hinter dem Regal lauert. Wir haben es also mit einem Whodunit zu tun, das auch gerne mal heftig keuchende Egoperspektiven des Wahnsinns präsentiert oder Umgebungselemente wie Spiegelungen in einer Flasche nutzt, um seine Identität zu verzerren. Das Mysterium ist zwar nicht allzu originell im Aufbau und wird auch eher plump aufgelöst, es konkurriert aber immerhin nicht mit den üblichen Größen das Slash-n-Kill, sondern findet seinen eigenen Weg, inklusive einer letzten Wendung, die kurzzeitig Lawrence Bender und Bruce Campbell als Polizistentölpel ins Geschehen hievt.

Bloodnight

Kein Metzger in der Stadt hat mehr Fleischsorten im Angebot.

Was den Schnitt und die daraus resultierende Tonalität angeht, wirkt das Material nicht immer wie aus einem Guss, es gibt neben den harten Gore-Momenten auch einige Sequenzen, die eher an reinrassige Thriller erinnern (insbesondere die Abschnitte außerhalb des Gebäudes), oder solche, in denen aus dem Horrorstreifen ein Sozialdrama zu werden droht. Elizabeth Cox hält den Laden mit ihrer beachtlichen Varietät an Mundarten in der Scream-Queen-Sprache aber problemlos am laufen und sorgt für einen geschmeidigen Feierabend. So ist „Bloodnight“ eine Nacht wie keine andere da draußen. Wenn man Lawrence Benders kunterbunte Produzenten-Filmografie als Maßstab nimmt, hatten wohl nur die Besucher des „Titty Twister“ zwischen Sonnenunter- und Sonnenaufgang noch turbulentere Zeiten.

07 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von „Bloodnight“

Thrill Kill Collection #5

Eigentlich sollte die 4K-Weltpremiere von „Bloodnight“ unter erfreulicheren Bedingungen stattfinden. Schließlich hatte Regisseur Scott Spiegel die Veröffentlichung noch aktiv begleitet und dürfte sich höchstwahrscheinlich sehr auf das Ergebnis gefreut haben, zumal er sich immer interessiert daran gezeigt hatte, sein filmisches Vermächtnis in der Gesamtheit neuen Zuschauerschichten zugänglich zu machen.

Leider machte dann im Spätsommer 2025 die überraschende Nachricht von Scott Spiegels Tod die Runde. Der Release musste also wenige Wochen später ohne ihn stattfinden; umso mehr freut man sich aber über die neue Würdigung seines ersten Langfilms, der sich über Jahre hinweg das oft skeptisch beäugte Prädikat „Kult“ durchaus hart erarbeitet hat.

Da es sich letztlich um einen Slasherstreifen handelt, kann man natürlich darauf wetten, dass „Bloodnight“ auf VHS, DVD und Blu-ray immer gut vertreten war. cmv-Laservision waren hauptsächlich für seine Verbreitung auf deutschem Boden zuständig; unter anderem mit einer gut ausgestatteten Doppel-Disc-Edition samt Audiokommentar, Workprintfassung, Kurzfilm und zusätzlichen Extras.

Dass die erste UHD weltweit nun tatsächlich mal in Deutschland erscheint und nicht etwa von den Amerikanern, Briten oder Franzosen Vorarbeit geleistet wurde, ist jedenfalls mehr als nur eine anerkennende Erwähnung wert. In der jüngst gegründeten „Thrill Kill Collection“ ist der Streifen thematisch jedenfalls „unter Freunden“. Dabei scheint die Reihe im Pappschuber sogar fast eine Nummer zu eng für ein solches Kaliber. Deswegen entschied man sich, zusätzlich noch eine kleine Auflage mit Mediabooks auf den Markt zu bringen, in dem Wissen, dass die Nachfrage bei einem solchen Titel auf dem entsprechenden Sammlermarkt vorhanden sein dürfte.

Die Verpackung

Und in der Tat: Sämtliche Mediabook-Ausgaben sind im hauseigenen Shop längst ausverkauft und auch sonst nur noch zu überteuerten Preisen bei Zweithändlern zu bekommen. Es ist ein bisschen so wie damals während der großen Klopapier-Dürre, zumal wir hier die direkte Parallele mit Bezug zum Supermarkt-Einkauf haben. Für Cover A gilt das in jedem Fall, denn es besteht aus einer Frontalansicht einer satt gefüllten, klassischen Convenience-Store-Papiertüte, aus der oben typisch amerikanische Lebensmittel wie Bier, Sandwichbrot, Füße und Augen rausschauen; ein blutiger Riss in der Tüte offenbart, dass sich im Inneren außerdem noch ein Kopf befindet, und zwar kein Salatkopf. Da ist alles drin, was man für einen ausgewogenen Nährplan braucht. Farben und Zeichenstil wirken comichaft, die Kadrierung der rechteckigen Tüte in einem rechteckigen Rahmen erinnert ein wenig an eines der Variantcover der 2020er Koch-Veröffentlichung von „Needful Things“, auf dem ebenfalls eine Papptüte als Feigenblatt für das Grauen fungierte.

Intruder Thrill Kill Collection

„Bloodnight“ erscheint als „Intruder“ nicht nur in der „Thrill Kill Collection“, sondern auch in drei verschiedenen Mediabook-Varianten.

Cover B haben wir so zwar bisher in Deutschland noch nicht gesehen, auf der britischen „Slasher Classics Collection“-Blu-ray von 88 Films wurde es aber bereits genutzt. Der Humor ist darauf derselbe wie beim A-Motiv. Wunderbar die Chop-Chop-Chop-Anrichte des gehackten Arms und des wie ein Brötchen entzwei geteilten Kopfes, während im Hintergrund das Slasher-Klischee des dunklen Buhmanns mit erhobenem Hackebeil weiterlebt. Selbst Zeichenstil und Kolorierung der beiden Motive wirken praktisch wie aus einem Guss.

Aus der Reihe fällt lediglich Cover C, das allerdings grundsätzlich ein alter Bekannter ist ist. Was da wie ein verunglückter Scanvorgang aussieht, bezieht sich auf eine Aufnahme aus dem Film, in der sich ein Gesicht in einer Flasche spiegelt. Die Szene ist gewissermaßen repräsentativ für die originelle Kameraarbeit des Films, über die Maßen erinnerungdwürdig war sie aber auch wiederum nicht, und gedruckt auf ein Cover macht sie dann doch einen eher hässlichen Eindruck. Aber wer es unabhängig von ästhetischen Vorzügen grundsätzlich immer mit dem Original hält, wird sich wohl für dieses Cover entschieden haben.

Bemerkenswert übrigens, dass man bei allen drei Motiven der Originaltitel „Intruder“ genutzt wird anstatt des in Deutschland wesentlich bekannteren Titels „Bloodnight“, der wiederum näher am ursprünglichen Arbeitstitel „Night Crew“ angesiedelt ist. Lediglich die Taglines werden variiert, heißt es doch bei Version B „ He’s Just Crazy Bout This Store“ und bei Version C ganz wie bei der VHS „Mörderisch. Unerbittlich. Teuflisch.“, während man bei A ganz auf einen Zusatz verzichtet hat.

Besprochen wird hier aber das Scanavo Keep Case aus der „Thrill Kill Collection“, das sich des Papiertüten-Covers bedient und lediglich den Serien-Rahmen drumherum legt, den man aber dank des Wendecovers auch ins Innere verbannen kann. Inhaltlich gibt es zwischen Mediabook und Scanavo Case keine relevanten Unterschiede. Die Discs sind ohnehin identisch, das Booklet ist bei der Scanavo-Ausgabe mit 40 Seiten versus 24 sogar größer, was aber einfach daran liegt, dass der darin enthaltene Essay von Christoph N. Kellerbach in Deutsch und Englisch abgedruckt ist.

Das Booklet

Bevor Kellerbach loslegen darf, vermacht uns Scott Spiegel zumindest noch ein paar Worte als Einleitung, Appetitmacher und leider auch als Abschied. Über dem Haupttext folgt entsprechend eine Widmung des Verstorbenen, dann darf der Autor loslegen.

Der Lebenslauf von Scott Spiegel und seiner Truppe ist ein nur allzu dankbares Feld für Kellerbachs Tendenz, Biografien zu spannenden Stories zu verdichten. Die vielen Querverbindungen und Kooperationen verleiten ihn dazu, wie ein Osterhase Eier in der Filmgeschichte zu verteilen, die auf die Spiegel-Crew zurückzuführen sind. Die gewohnte Dramaturgie von Idee und Vorbereitungen über den Dreh bis zu Veröffentlichung wird trotzdem strikt eingehalten, aber man bekommt schon spannende Details zu lesen. Speziell für den deutschen Leser ist vor allem die Zensurgeschichte am Ende des Textes interessant; schön, dass wir zumindest diesbezüglich inzwischen in komfortableren Zeiten leben, wofür diese Edition ein gutes Beispiel ist.

Das Bild

4K-Weltpremiere also. Dass diese Begriffe zunehmend auch im Rahmen deutscher Veröffentlichungen fallen, ist eine schöne Entwicklung, die gerne Schule machen kann. Im vorliegenden Fall ging dem Ganzen auch eine gute Zusammenarbeit mit Scott Spiegel voraus. LSP-Medien, die bei den 4K-Auslandsimporten üblicherweise nur noch das Encoding übernehmen, wurden hier mit der vollständigen Restauration beauftragt und liefern ein Ergebnis, das sich mehr als sehen lassen kann. Das sicherlich nicht immer dankbare Material, das mit seinen dunklen, körnigen Flächen eher für den Videomarkt ausgelegt ist, erstrahlt derart in neuem Glanz, dass etwa die vielen ungewöhnlichen Kameraperspektiven wie 3D-Pop-Ups aus der Fläche ragen, was letztlich dem kompletten Event-Charakter des Films zugute kommt.

Es bleibt natürlich ein dunkler Film, der hauptsächlich durch die Röhrenlampen des Supermarkts beleuchtet wird, das heißt, selbst die helleren Szenen sind in ein eher künstliches, bläuliches Licht getaucht. Der Transfer macht sich diese Bildeigenschaften zunutze und lässt die Optik manchmal fast schon mit Miami Vice konkurrieren. Zusätzliche Farbakzente werden durch die bunten Regale gesetzt. Die vordere Bildebene ist immer klar von den Hintergründen abgegrenzt, was für eine hohe Plastizität und Tiefenwirkung sorgt.

Während die Blu-ray aus Kapazitätsgründen – man beachte die weiter unten beschriebenen Extras – nur die 1,78:1-Fassung in 1080p an Bord hat, findet man auf der UHD gleich vier unterschiedliche Fassungen. Neben dem 1,78:1-Rahmen kann man sich hier auch für die Open-Matte-Fassung in 1,33:1 entscheiden, bei der am oberen und unteren Bildrand noch mehr Bildinformationen zu sehen sind. Auf einem heute üblichen Breitbildfernseher entstehen dadurch natürlich links und rechts Balken, die aber nichts daran ändern, dass man bei dieser Fassung am meisten zu sehen bekommt. Letztlich funktionieren aber beide Varianten auf ihre Art. Wer die volle Bildschirmfläche nutzen will, entscheidet sich also für die 1,78:1-Version, die grundsätzlich auch als die Hauptfassung gilt.

Vier Fassungen sind es deswegen, weil beide Formate jeweils entweder in Dolby Vision oder im statischen HDR10 vorliegen. Sofern der heimische TV dazu in der Lage ist, Dolby Vision darzustellen, sei diese Option selbstverständlich angeraten. Gerade bei den vielen Wechseln zwischen vollständig dunklen Passagen und künstlicher Beleuchtung spielt das Format seine Stärken aus, weil es dynamisch auf diese Wechsel reagieren kann und auf diese Weise immer den richtigen Ton trifft. Aber selbst in der HDR10-Variante oder gar auf der Blu-ray sieht der Film immer noch verdammt knackig aus, gerade für eine Low-Budget-Produktion der späten 80er.

Der Ton

Die Tonoptionen umfassen Englisch und Deutsch jeweils in DTS-HD Master Audio 2.0. Allzu räumlich wird es auf beiden Kanälen nicht. Vieles spielt sich über den Center ab und wird über die Außenkanäle lediglich verstärkt, wobei der englische Originalton in den Bässen kräftiger ausfällt als der deutsche Ton, bei dem sich einiges in den Höhen abspielt. Ein leises Grundrauschen zieht sich durch beide Spuren, dasjenige der deutschen Fassung ist aufgrund der sonstigen Eigenschaften noch etwas präsenter. Bei der Synchronisation kommen gewisse Knight-Rider-Vibes durch, sind doch unter anderem die Stimmen von Andreas von der Meden und Hans Sievers zu hören, die damals David Hasselhoff (aka Michael Knight) und Edward Mulhare (aka Devon Miles) gesprochen hatten.

Die Audiokommentare

Produzent Lawrence Bender und Regisseur Scott Spiegel sind die Filmbegleiter des ersten Audiokommentars, der in Englisch mit optionalen deutschen Untertiteln abgespielt werden kann. Eine ziemlich heitere Angelegenheit, kann man da nur sagen. Gerade Spiegel kommt aus dem „Oh, Man“ und „Oh, God“-Modus kaum heraus, insbesondere in den Splatterszenen, bei denen man meint, zu sehen, wie die Beiden die Augen vom Bildschirm abwenden. Inhaltlich ist der Kommentar in weiten Teilen einer der „Wie haben wir das gemacht“-Sorte, es werden also gelegentlich Effekte erläutert oder Komplikationen beim Dreh ausgeführt. Über Bender kommen auch ein paar Querverweise zu anderen Filmprojekten, an denen er beteiligt war, nicht zuletzt aus der Tarantino-Ecke. Das Feeling, das dem Film zu eigen ist, spürt man jedenfalls auch bei dieser kumpelhaften Sitzung deutlich.

Beim zweiten Kommentar handelt es sich um eine deutsche Exklusivität mit Dr. Gerd Naumann und Christopher Klaese, die den Betrachtungsgegenstand wie üblich aus der Retrospektive filmhistorisch und filmanalytisch sezieren. Gesucht werden unter anderem die Kontraste zum letzten Aufbäumen des italienischen Terrorkinos, aber natürlich auch den Vorläufern des amerikanischen Slasherfilms. Dem vorliegenden Exemplar wird dabei zwar der postironische Aspekt nicht völlig abgesprochen, im Abgleich mit dem darauffolgenden 90er-Jahre-Horrorfilm um „Scream“ & Co. wird dieser Aspekt aber als mild empfunden und ein eher ernster Grundton unterstellt. Trotzdem scheinen sich die Herren von der im Raum stehenden Ironie ein wenig anstecken zu lassen, denn gerade zum Ende hin wird es für die Beiden ungewöhnlich salopp.

UHD: Die Extras

Während die Audiokommentare auf beiden Discs enthalten sind, hat es wie üblich nur das Nötigste der Bonus Features auch auf die UHD geschafft. Dazu gehört ein einminütiges Vorwort von Charles Band, das eigens für diese Edition aufgenommen wurde. Der B-Film-Mogul freut sich sehr über die 4K-Premiere des Streifens, der einst über seine ehemalige Firma Empire Pictures vertrieben wurde. Er erinnert sich zurück, wie schwierig es war, in einem Land mit 24/7-Kultur einen Supermarkt aufzutreiben, der nicht nur die Geschäftsbereiche für einen Filmdreh freigab, sondern auch noch die Genehmigung erteilte, Hektoliter Blut darin zu vergießen. In der letzten Sekunde des Videos hagelt es allerdings einen saftigen Spoiler, wie auch bereits der Menüpunkt verrät – Anschauen daher auf eigene Gefahr. Und natürlich darf auch der Trailer nicht fehlen, der hier in einfacher Ausführung als „Recut“ in HD-Auflösung vorliegt.

Blu-ray: Die Extras

Die beiliegende Blu-ray hat diese Extras ebenfalls zu bieten, darüber hinaus aber noch weit mehr. So gibt es hier nicht etwa nur den Recut-Trailer, sondern auch die unbearbeitete Originalfassung in grieseliger, flackernder, stumpfer VHS-Optik, die sich vom Recut quasi unterscheidet wie die Nacht vom Tag, so dunkel, wie sie ist. Hinzu gesellt sich eine alternative Schnittfassung des Trailers in wieder etwas besserer Qualität sowie ferner ein Videotrailer, stilecht mit einleitendem Paramount-Logo und ganz ohne Geschrei oder sensationslüsternem Off-Kommentator – nur die Musik sorgt für den Thrill. Und weil man von Trailern ja gar nicht genug bekommen kann, kommt noch ein weiterer Videotrailer hinzu, der den beworbenen Gegenstand über eine typische 80er-3D-Popout-Tafel als „Night Crew – The Final Checkout“ deklariert.

Auch die 89-minütige Workprint-Fassung befindet sich exklusiv auf der Blu-ray und hätte auf der UHD aufgrund der Video-Qualität auch nicht unbedingt Sinn gemacht. Dieser Rohschnitt bietet eine alternative, noch sehr lose wirkende Anordnung im Schnitt und verfügt über keinerlei Soundtrack. Die Spezialeffekte sind teilweise noch unfertig, liegen allerdings oft in erweiterter Fassung vor, sprich, das Treiben des Killers ist noch einmal eine Spur blutiger geraten. Das Bild liegt auf dem Niveau einer guten VHS, zum englischen Originalton in Dolby Digital 2.0 könnt ihr deutsche Untertitel zuschalten.

Aber, Moment mal… hat der Kerl da gerade „blutiger“ gesagt? Da wird der Gorehound natürlich hellhörig. Wer keine Lust hat, sich durch anderthalb Stunden Workprint zu arbeiten, der kann stattdessen auch einfach den nächsten Punkt im Menü anwählen. Dahinter verbirgt sich ein zehnminütiger Zusammenschnitt aller erweiterten Mordszenen, eingebettet in den jeweiligen Kontext der Szene. Bei einigen Sequenzen ist „noch blutiger“ schwer vorstellbar, aber sie schaffen es irgendwie, auch wenn die Künstlichkeit der Effekte ohne den Schliff der Postproduktion die gewonnene Härte wieder neutralisiert. Diese Szenen laufen ebenfalls in Englisch Dolby Digital mit optionalen deutschen Untertiteln, auch wenn es bei dem Geschrei nicht allzu viel zu untertiteln gibt. Im Bild ist übrigens ein mitlaufender Timecode sichtbar.

2011 entstand ein retrospektives Making Of mit dem klangvollen Namen „Slashed Prices“ (38 Min.), das mit einer Fülle an Beteiligten aufwarten kann – darunter Empire-Pictures-Chef Charles Band, Produzent Lawrence Bender, Regisseur Scott Spiegel, aber auch Darsteller wie Elizabeth Cox, Renée Estevez oder Dan Hicks. Eher kurz sind zudem Ted Raimi und Bruce Campbell zu sehen. Sam Raimi lässt sich zwar nicht blicken, aber auch so entsteht der Eindruck einer hochwertig produzierten Doku, die viele Perspektiven abdeckt.

Entsprechend der Filmsorte dreht sich das meiste um das How-To – insbesondere in Bezug auf die Spezialeffekte. Das Highlight liefert allerdings Elizabeth Cox, die mit ihrem „How to Scream“-Fachbereich deutlich macht, dass auch Scream Queens über sehr feines Werkzeug verfügen. Wir lernen so einiges über Inhale-Screams, Tarantula Screams und weitere passende Gelegenheiten für jede Situation im lokalen Supermarkt. Großartig. Gelegentlich wird zwar auch der Schulterklopf-Modus aktiviert, unter dem Strich hat man aber das Gefühl, die Macher sind einfach zufrieden und glücklich damit, dass sie so einen Film drehen konnten.

The Slashing of Intruder“ ist ein herzerwärmendes kleines Exemplar einer ungewöhnlichen Featurette. In dem 2011 produzierten Beitrag steht Vincent Pereira, der Regisseur eines Dramas namens „A Better Place“ aus dem Jahr 1997, vor einer Hafenkulisse und erzählt davon, wie er als Kind völlig enttäuscht davon war, wie stark „Bloodnight“ für die Videotheken verstümmelt wurde, und wie Scott Spiegel von dieser Enttäuschung Wind bekam und ihm ein unerwartetes Geschenk machen würde, das er bis heute in seinem Herzen trägt. Das Video dauert nur dreieinhalb Minuten, fühlt sich aber an wie ein ganzer Coming-of-Age-Film aus der Ära der Videokassetten.

Der Menüpunkt „Casting-Aufnahmen“ (11 Min.) verspricht nicht zu wenig und nicht zu viel, denn man bekommt genau das: Casting-Aufnahmen eben. Nacheinander werden Billy Marti, Renée Estevez, Elizabeth Cox, Eugene Glazer, David Byrnes, Burr Steers und Danny Hicks mit einem Blatt Papier in der Hand bei der Dialogprobe gefilmt. Als Betrachter kann man sich so einen kleinen Eindruck von der Methodik der Darsteller machen. Das Bild entspricht in Format und Qualität erwartbar dem VHS-Standard.

Am Ende steht noch eine 6-minütige, musikalisch untermalte Bildergalerie, die zu knapp einem Drittel aus Postern besteht und den Rest mit Archivfotos füllt.

Blu-ray: Die Kurzfilme

Das war soweit alles zum Hauptfilm… aber noch nicht ALLES alles. Kurzfilmfreunde dürfen schon mal die Messer wetzen, denn gleich mehr als eine Handvoll davon aus dem Frühwerk der Blutsbrüderbande Scott Spiegel, Josh Becker und Sam Raimi ist auf dieser Edition gelandet. Dazu gehört die James-Bond-Parodie „James Bombed in ‚Here Today, Gone Tomorrow‚“ (1976) mit Bruce Campbell als Doppel-Null, „Attack of the Helping Hand“ (1979) mit einem störrischen Handschuh, „The Blind Waiter“ (1980) erneut mit Bruce Campbell als tölpelhaftem Kellner, „Torro, Torro, Torro!“ (1981) mit einem außer Kontrolle geratenen Rasenmäher (nimmt dies, Peter Jackson!), erneut Bruce Campbell als Harrison-Ford-Abklatsch „Cleveland Smith Bounty Hunter“ (1982) und zumindest ein Outtake-Cut der erhaltenen Restbestände des verschollenen Kurzfilms „Night Crew“, der die Vorlage von „Bloodnight“ war.

Hinter dem Kurzfilm „The Blind Waiter“ versteckt sich außerdem noch die Schulaufführung „Oedipus Rex“ (1975) als Hidden Feature. Es ist der früheste Film, für den Bruce Campbell einen Darsteller-Credit in der imdb verbuchen kann. All diese und weitere Kurzfilme besprechen wir demnächst in zwei separaten Artikeln. Kurz zusammengefasst kann man wohl sagen, dass sich das Einschalten absolut lohnt, denn die Anlagen der Filmemacher kann man hier bereits eindeutig erkennen, und vor allem die slapstick-orientierten Werke machen einen Heidenspaß.

Fazit

Schade, dass sie heute im Einzelhandel kaum noch Filme auf Scheibe verkaufen… „Bloodnight“ aka „Intruder“ gehört dort eigentlich ausgelegt, und wenn auch nur als Meta-Gag. Ok, ok, vielleicht will man dem Kind nachher nicht erklären müssen, warum da auf dem Cover ein blutiger Kopf aus der Einkaufstüte guckt. Dann doch vielleicht lieber online. Es ist eigentlich auch egal, wie oder wo: Das UHD-Blu-ray-Set füllt die Tüte bis zum Rand.

Sascha Ganser (Vince)

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