| Originaltitel: Abraxas, Guardian of the Universe__Herstellungsland: Kanada / USA__Erscheinungsjahr: 1990__Regie: Damian Lee__Darsteller: Jesse Ventura, Sven-Ole Thorsen, Damian Lee, Jerry Levitan, Marjorie Bransfield, Ken Quinn, Robert Nasmith, Kris Michaels, Layne Coleman, Francis Mitchell, Sonja Belliveau, Jim Belushi, Erica Heenan, John Blackwood, Rae Johnson, Adrian Burnett, David Mitchell u.a. |


Das Poster von „Abraxas – Retter des Universums“.
Ein Filmplakat wie ein Bad in einem Sternenmeer. Man kann die Laserstrahlen beinahe durch die Luft zischen hören (pew-pew!). Die Abwesenheit allen Irdischen wird da versprochen, maximaler Eskapismus, geflutet von futuristischer Geometrie, dominiert von der damals omnipräsenten Metallic-Schriftart, mit der man alles bedruckte, was nur zukunftsträchtig genug war. Man ist geblendet von der Macht des reinen weißen Lichts, das sogar ewigem Schwarz einen Ton von Purpur zu verleihen vermag. Da kann man es dem Betrachter nicht verdenken, wenn er gewisse Genre-Erwartungen aufbaut, mit denen eine solche Bildsprache verknüpft ist.
Müßig zu erwähnen, dass die Erwartungen einmal mehr nicht erfüllt werden. Anders war man es im Zeitalter der Videotheken ja auch nicht gewohnt. Hat man dieser Mogelpackung, die sich da schmückt mit sämtlichen SciFi- und Fantasy-Looks des amtierenden Zeitgeists, einmal verziehen, dass sie lediglich verschneite kanadische Wälder und Kleinstädte zu bieten hat, dann ist der erste Schritt getan, um mit „Abraxas“ unter dem Strich vielleicht sogar trotzdem ein bisschen Spaß zu haben.
Dazu ist zunächst einmal zu sagen, dass Damian Lees („Jungle Law“) Mid-Budget-Heuler keineswegs alleine war mit seinem Dilemma, große Ambitionen zu haben, aber dann doch wieder nicht genug Knete für eine überzeugende Weltraum-Illusion zusammengekratzt zu bekommen, so dass man lieber zu den verlockend günstigen Drehorten direkt vor der eigenen Haustür griff. Eine ganze Reihe von ähnlich gearteten Kandidaten hatte in den auslaufenden 80ern aus der Not eine Tugend gemacht und die Welten von außerhalb einfach auf die Erde gebracht, frei nach dem Motto: Ist dir das Ferienparadies zu weit weg, dekoriere einfach dein Zuhause mit Palmen.
„Masters of the Universe“ (1987) dürfte diesbezüglich das prominenteste Beispiel sein, wird der unverhältnismäßig lange Abschnitt auf unserem Heimatplaneten doch seit jeher kritisch beäugt. Mit „Space Detective“ (1987), „Alien Nation“ (1989) und „Dark Angel“ (1990) entwickelte sich daraufhin sogar eine kleine Welle von SciFi-Action-Crime-Produktionen mit ausgeübtem Heimrecht, in denen irdische Gesellschaftsstrukturen anhand von Außerirdischen gespiegelt wurden, um das Irdische und das Außerirdische in einem Anflug von Meta-Parabel-Wahn direkt miteinander kollidieren zu lassen. So sehr hatte „Predator“ (1987) die Regeln des Spiels offenbar definiert.

Marjorie Bransfield erlebt die Schmerzen einer Instant-Geburt.
„Abraxas“ ist der Spätzünder in dieser Ahnenreihe. Wie „Dark Angel“ wuchtet er mit zwei turmhoch gewachsenen Riesen in den tragenden Rollen, die jeweils einen halben Meter zu lang wirken für die oftmals klein skalierten Einstellungen von Kameramann Curtis Petersen, der sich in der schneebedeckten Pampa von Ontario wahrscheinlich weniger bei der Schlacht von Hoth aus „Das Imperium schlägt zurück“ (1980) wähnte als vielmehr bei der durchgeknallten Waffenfund-Szene aus dem Trash-Feuerwerk „Laserkill“ (1978). Da sprühen die Funken schon recht heftig in leuchtendem Orange vor der reinlichen weißen Kulisse.
Schaut in den Trailer von „Abraxas – Retter des Universums“
Noch während die futuristischen Knarren ihre Projektile kreuzen, bringt das Drehbuch seine meschugge Geschichte auf Hochtouren. Menschenfrau Sonia Murray (Marjorie Bransfield), die den Weltraumcops in der Winterlandschaft dummerweise über den Weg läuft, wird in der laufenden Szene nicht etwa nur geschwängert (keusch per Handauflegen!), sondern trägt überdies auch gleich am nächstgelegenen Baum eine Mikrowellengeburt aus. So wird im Schnellwaschgang eine Terminator-Konstellation in die Wege geleitet, die darüber hinaus mit ein paar Tupfern „Der Große mit seinem Außerirdischen Kleinen“ (1979) garniert ist.
Bevor die Nummer aber schon in den ersten Minuten völlig außer Kontrolle gerät, wird mit einem Zeitsprung erst einmal auf die Bremse getreten und die Tarnung eines Autismus-Erziehungsdramas übergeworfen. Alien-Rüpel Secundus (Sven-Ole Thorsen, bekannt aus gefühlt jedem Schwarzenegger-Film), der das Kind im Prolog zwecks Welteroberungsfantasien zeugte, rückt vorerst wieder in den Hintergrund, während Sonia den Lead übernimmt und dabei von Jesse Ventura (jawoll, der Cowboy aus besagtem „Predator“) in der Titelrolle des gutmütigen Abraxas protegiert wird. Einen Jim-Belushi-Cameo (mit Comeback als Prinzipal!) später, der sicherlich deswegen zustande kam, weil seine damalige Ehefrau die Hauptrolle spielte, besteht kein Zweifel mehr an der Besonderheit des Jungen, und Secundus kehrt zurück, um seine Saat zu ernten.

Wenn man Jim Belushi schon mal am Pult hat, kann man ja auch mit ihm werben.
Bevor es dazu kommt, ist aber bereits jede Menge dummes Gewäsch den Bach heruntergelaufen. Ein 10.000 Jahre alter Außerirdischer darf sicherlich auch mal etwas verklausuliert über abstrakte Konzepte wie die „Anti-Life Equation“ und ihre Auswirkungen daherreden, aber auch bei den Erdenbewohnern hat man oft das Gefühl, dass das Dialogbuch ihnen den Wasserhahn ein, zwei Sätze zu spät abdreht, wobei die letzten Tropfen immer besonders merkwürdig schmecken.
So wenig sich die Dialoge also dazu eignen, authentische soziale Interaktion zu imitieren, so erheiternd treiben sie doch den Plot wie eine Wildsau durch die nordamerikanische Provinz. Thorson und Ventura zögern nicht, eine Schneise aus Kollateralschäden zu hinterlassen, wobei diese hauptsächlich durch ihr stumpfsinniges Vorgehen zustande kommt und weniger durch wie auch immer geartetes filmisches Spektakel. Ein seltsam deplatzierter Jazz-Soundtrack kommentiert das Geschehen fast höhnisch und scheint sich über die spatzenhirnigen Fleischberge auf Seiten der Jäger und der Gejagten lustig zu machen. Dazu halluziniert sich der Schnitt höchst seltsame Kausalitäten zusammen. Er wird dabei mitunter sogar selbst kreativ, indem er beispielsweise einen Feuerball in den sich öffnenden Mund des kleinen Tommy einblendet, dem der Alien-Schutzengel gerade versichert hat, dass er ein tapferer Junge ist, der sprechen kann, wenn er nur möchte.
„Abraxas“ ist durchzogen mit derartigen What-the-Momenten. Sie sind hauptsächlich Konsequenz des Versuchs, vergleichsweise abstrakte Prinzipien der Science Fiction („Sind Sie jemals gewölbt worden?“, lässt die Einleitung gleich hochgradig mysteriös verlauten) in das Korsett eines albernen B-Movies zu zwängen, das von der oberflächlichen Zurschaustellung von Anomalien und Kontrasten lebt – wie eben ein tumber Riese einer ist, der seinen kleinen Schützling mit Lebensweisheiten versorgt, während ein zweiter Riese am anderen Ende der Stadt eine Schulklasse kapert und mit grimmigem Blick in die Runde grunzt „Ich liebe Kinder“. In Sachen Zukunftstechnologie wird aber immerhin ein Volltreffer gelandet: Ist die „Antwortbox“ der Außerirdischen nicht ein ziemlich präzise vorhergesagter Vorläufer eines Large Language Models, wie es inzwischen von jedem Smartphone aus abgerufen werden kann?

Mehr Raumschiff wird’s in diesem Film nicht mehr.
Kurzum: Ja, „Abraxas“ gehört tatsächlich in die exklusive „So Bad It’s Good“-Klasse, die so schwer zu erreichen ist, weil sie nicht erkauft werden kann. Man verdient sie sich mit überambitionierten Filmkonzepten, absurden Dialogzeilen, grenzwertigen schauspielerischen Darbietungen und einer alles überlagernden unfreiwilligen Komik, die man nicht planen kann. Von alldem hat dieses fast ausschließlich auf der Erde spielende Weltraumabenteuer fast ebenso viel wie frischen Schnee. Es gibt zweifellos Bad Movies, die ihren Namen noch mehr verdient haben, aber dieser hier zieht seine Unzulänglichkeiten ohne nennenswerten Leerlauf eiskalt durch. Da hat man sich schon königlicher gelangweilt.
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Informationen zur Veröffentlichung von „Abraxas – Retter des Universums“
Europäische HD-Premiere
„Abraxas – Retter des Universums“ gehörte im VHS-Zeitalter zu den Filmen, die parallel in einer ungekürzten Fassung mit rotem Siegel und für den breiteren Markt in einer gekürzten FSK16-Fassung erschienen waren. Im vorliegenden Fall hatte man Letztere um etwa 1,5 Minuten erleichtert. Im Jahr 2011 folgte eine DVD mit deutschem und englischem Ton, die wie auf Kassette mit Vollbildformat ausgestattet war.
In Sachen Blu-ray tat sich lange nichts. Auch aktuell dürfte die Wicked-Vision-Disc, die bei Erscheinen 2024 als europäische HD-Premiere beworben wurde, immer noch eine Rarität sein; Blu-ray.com zum Beispiel listet außer dieser Edition nur die amerikanische Blu-ray von Scream Factory, die 2023 im hauseigenen Shop als Limited Edition mit einer Auflage von 1500 Stück erschienen war.
Verpackung und Präsentation
Davon abgesehen, dass der Streifen in HD-Auflösung somit weiterhin eine Rarität bleibt, ist die „Gewöhnlichkeit“ der Aufmachung vielleicht das Ungewöhnlichste an der deutschen Veröffentlichung. Kein Mediabook, kein Booklet, keine Zugehörigkeit zu einer Reihe. Kein Klimbim, einfach ein schlichtes Scanavo Keep Case und eine Single Disc – das hatten wir so zuletzt vielleicht bei „Bud und Doyle“ 2021.
Das Artwork ist in der Einleitung der Filmkritik im Grunde bereits genügend beschrieben. Es weckt Assoziationen an die Fantasy-Klassiker der 80er, von „Masters of the Universe“ bis „Die Unendliche Geschichte“, und mischt sie mit SciFi-Elementen, wobei Venturas Laser-Auge doch recht stark an den „Terminator“ angelehnt ist, dessen Gesichts-OP wahrscheinlich jedem Genrefan immer noch in den Knochen steckte. Auf der Rückseite findet man das englische Originalposter, das grundsätzlich identisch mit der deutschen Vorderseite ist, mit zwei Ausnahmen: Unter dem Titel „Abraxas“ steht nicht mehr der Zusatz „Retter des Universums“, sondern das US-Pendant „Guardian of the Universe“, und oben fehlt die Tagline „Die Zukunft liegt in seiner Hand“. Im Gegenzug wird Jesse Ventura namentlich in breiten Terminator-Buchstaben erwähnt. Auf dem Backcover finden wir das übliche Nebeneinander aus Inhaltsangabe, Screenshot-Collage, Credits, Infoboxen und EAN-Code.

„Abraxas – Retter des Universums“ erscheint als europäische HD-Premiere im Keep Case bei Wicked Vision.
Beim Einlegen der Disc erscheinen zunächst die Rechtehinweise, in denen man traditionell mit Augenzwinkern daran erinnert wird, dass nur legal original ist. Diesmal wird einem damit gedroht, auf einen Planeten mit Strafkolonie verbannt zu werden, wenn man nicht spurt. Im Film trägt dieser Planet den Namen „Tyrannus 7“, auf der Texttafel wurde er zu „Tyrannanus 7“ umfunktioniert… hat da etwa jemand beim Tippen an den Tyrannosaurus 6… ähm… Rex gedacht?
Das Bild
Im Gegensatz zur alten DVD bietet die Blu-ray den Hauptfilm nicht nur in 1080p-Auflösung, sondern auch im 1,85:1-Breitbildformat, das wohl dem ursprünglichen Seitenverhältnis entspricht. „Abraxas“ besteht aus vielen dunklen Einstellungen, in denen das Set hauptsächlich durch Scheinwerfer beleuchtet wird, die etwa durch Fensteröffnungen hindurch strahlen. Blau und Rot sind dabei oft die dominierenden Farben und erzeugen eine ebenso frostige wie gemütliche Atmosphäre. Auch aufgrund dieser Eigenschaften wirkt das Bild körnig und nicht selten ein wenig weich in der Darstellung von Konturen, verströmt im Gegenzug aber ein sehr filmisches Sehgefühl. Wenn doch mal klare Lichtverhältnisse herrschen, kommt es gleich zu einer besseren Auflösung von Details und zu mehr Schärfe.
Der Ton
Bei der deutschen Synchronisation sticht gleich auf Anhieb die seltsam unpassende Besetzung auf Jesse Ventura auf. Sein Sprecher Crock Krumbiegel hat eine eher helle, offene Stimme, die in völligem Widerspruch zu Venturas Ausstrahlung steht. Er versucht das mit einer bestimmenden Tonlage umzubiegen, innerlich dichtet man sich aber wesentlich mehr Bass hinzu. Den hat sein Kollege Sven-Ole Thorsen zwar abbekommen, der klingt aber dafür wie eine Comicfigur. Im Grunde gilt das auch für die meisten anderen Besetzungen. Noch dazu hat man die dezenten Vocoder-Verfremdungen der außerirdischen Geräuschquellen in der deutschen Fassung auf volle Pulle gedreht. Die komplette Synchronisation klingt insgesamt ein wenig flach und tendiert klar Richtung Video anstatt Kino. Tonfehler oder dergleichen sucht man bei der Stereo-Spur in DTS-HD Master Audi vergebens, Räumlichkeit allerdings auch.
Schon der Originalstimmen zuliebe sollte man sich nach Möglichkeit mit dem Originalton arrangieren, alleine schon wegen des herrlichen Akzents von Thorsen, der eindeutig zu lange mit Arnie abgehangen hat. Und Ventura hat endlich seinen Bass wieder. Auch die Arrangements aus Musik und Kulisse dürfen etwas mehr atmen. Wenn man Schwierigkeiten mit dem Verständnis hat, kann man optional auch deutsche Untertitel dazuschalten – oder auch englische, wenn einem das besser liegt.
Die Extras
Was das Bonusmaterial angeht, gibt es diesmal keinerlei Upgrades zur US-Disc, man muss sich wohl oder übel mit dem Originaltrailer (1 Min.) begnügen, der den Fokus zunächst auf das Kind legt, um in der gebotenen Eile dann schnell noch den Schwenk zu Jesse Ventura hinzulegen – nicht ohne natürlich auch noch kurz Jim Belushi in die Kamera winken zu lassen, der wahrscheinlich überhaupt nur als Marketinginstrument gecastet wurde. Mehr ist nicht zu holen; nicht einmal für einen exklusiven Audiokommentar hat es gereicht. Das könnte in Sachen Extras womöglich für den letzten Platz unter allen Wicked-Vision-Releases reichen.
Fazit
Wer den ganzen Schnickschnack drumherum nicht braucht, muss aber diesmal zumindest keine Mediabook-Preise hinlegen, sondern kann „Abraxas – Retter des Universums“ ausnahmsweise mal bequem und einfach als Katalogtitel in die Sammlung einsortieren – ganz wie in alten Tagen.
Sascha Ganser (Vince)
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