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Code Name: Geronimo (aka “Seal Team Six: the Raid on Osama Bin Laden”)

Originaltitel: Seal Team Six: the Raid on Osama Bin Laden__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2012__ Regie: John Stockwell__ Darsteller: Cam Gigandet, Anson Mount, Kathleen Robertson, Robert Knepper, William Fichtner, Eddie Kaye Thomas, Freddy Rodríguez, Alvin ‘Xzibit’ Joiner, Malik Khan, Waseem Kuresh, Kenneth Miller, Jenny Gabrielle, …

Das deutsche Covermotiv.

Das deutsche Covermotiv.

Das amerikanische Covermotiv.

Das amerikanische Covermotiv.

Bei „Seal Team Six: the Raid on Osama Bin Laden“ haben wir es mit einem von Regisseur John Stockwell („Blue Crush“) in Szene gesetzten B-Movie zutun, das nur wenige Tage vor der US-Präsidentschaftswahl 2012 seine Premiere auf dem amerikanischen „National Geographic Channel“ feierte – allerdings in Gestalt einer speziell auf eben jenes Ereignis abgestimmten Fassung, die seitens des einflussreichen Produzenten und bekennenden Obama-Unterstützers Harvey Weinstein in Auftrag gegeben wurde sowie neben diversen Kürzungen und alternativen Handlungselementen zusätzlich mit allerlei Archivaufnahmen (realer Reden und Ereignisse) aufwartete, welche die erzielten Erfolge der amtierenden Regierung in der betreffenden Hinsicht noch einmal kräftig herausstellten. Hierzulande erschien der Streifen dagegen in seiner ursprünglichen Form – und zwar mit dem Zusatz „Director´s Cut“ versehen unter dem Titel „Code Name: Geronimo“…

Lange wusste niemand, wo sich der nach den Anschlägen des 11.09.2001 meistgesuchte Terrorist der Welt aufhält. War er bei den Kämpfen rund um Tora Bora in Afghanistan getötet worden, gelang ihm die Flucht oder war er in Wahrheit gar niemals dort gewesen? Eröffnet wird im Jahr 2002 mit einem Verhör, im Zuge dessen ein Mann im Angesicht der Androhung seiner Auslieferung an den für seine Folterpraktiken gefürchteten saudischen Geheimdienst den Namen eines Kuriers Bin Ladens preisgibt. Es folgt ein Zeitsprung: Inzwischen 2010/11, wird noch immer fieberhaft nach dem Al-Qaida-Führer gefahndet – bislang jedoch vergeblich. Es beginnen sich allerdings Hinweise zu häufen, dass er sich wohlmöglich in der pakistanischen Stadt Abbottabad aufhält. Den aufgetanen Infos wird nachgegangen – inklusive ausgiebiger Ermittlungen und Überwachungen – bis man sich irgendwann relativ sicher ist, ihn tatsächlich aufgespürt zu haben…

Die Geschehnisse in den Wochen vor sowie auch während des geschichtsträchtigen Einsatzes in der Nacht des zweiten Mais 2011 werden aus drei verschiedenen Perspektiven beleuchtet: Eine davon zeigt die Bemühungen eines aus der Region stammenden Duos (Malik Khan und Waseem Kuresh) auf, welches im Dienste der CIA aktiv ist und sich vor Ort daran begibt, die noch unvalidierten Vermutungen zu verifizieren. Zu diesem Zweck beschatten sie jeden, der das im Visier stehende Anwesen verlässt (unter ihnen der erwähnte Kurier), mieten sich ein Appartement in direkter Nähe und übermitteln regelmäßig alle gesammelten Daten an die zuständigen Stellen in den Staaten. Den bedeutsamen Part dieser Männer, welche noch „die klassischen Aufgaben im Felde“ ausführen – also nicht zum Teil tausende Meilen entfernt vor einem Computer sitzend arbeiten – veranschaulicht dieser übrigens in Khopoli (nahe Mumbai in Indien) gedrehte Plot-Strang in ordentlicher Weise…

Auf der Basis der zusammengetragenen Erkenntnisse sind die Amerikaner indes dabei, ihre Optionen und Entscheidungen abzuwägen: In Virginia ist die Top-Analystin Vivian (Kathleen Robertson) des festen Glaubens, Bin Laden gefunden zu haben – rät aber von einem Raketenangriff auf die besagte Position ab, da ein solcher das Sichern konkreter Beweise seiner Anwesenheit bzw. „Ausschaltung“ (im Nachhinein des Luftschlags) nahezu unmöglich machen würde. Dies sieht ihr Kollege Christian (Eddie Kaye Thomas) allerdings anders: Das Ausblieben von ihm aufgenommener (veröffentlichter) Botschaften würde ihnen anschließend durchaus eine gewisse (jedoch abzuwartende) Bestätigung liefern. Welches Vorgehen letzten Endes „nach oben“ (in Richtung des Präsidenten) empfohlen wird, obliegt ihrem Vorgesetzten Guildry (William Fichtner), den sie entsprechend zu überzeugen versuchen: Wäre es wirklich das Risiko wert, US-Soldaten mit einer derartigen Mission nach Pakistan zu schicken…?

Den Diskussionen und Interaktionen innerhalb sowie zwischen den einzelnen involvierten „Gruppierungen“ (Fachspezialisten, Berater, Politiker, Vertreter des Militärs plus Agenten im Außendienst) beizuwohnen ist beileibe nicht ohne Reiz – allerdings bewegt sich das alles stets bloß „entlang der Oberfläche der Dinge“, was schade ist, einen nur bedingt zufrieden stellt und simultan so auch auf die zugehörigen Protagonisten zutrifft: Die von Kathleen Robertson (TV´s „Boss“) solide gemimte Vivian hatte sich im Laufe der vergangenen Dekade nahezu strikt diesem einen Fall gewidmet und erinnert einen u.a. (zumindest im Ansatz) an Carrie Mathison aus der Serie „Homeland“, nicht einmal dem gewohnt kompetenten und gern gesehenen William Fichtner („Drive Angry“) gelingt es, seiner dröge verfassten Figur „echtes Leben“ einzuhauchen – wogegen die Rolle Christians mit „American Pie“-Stammdarsteller Eddie Kaye Thomas obendrein noch auffällig fehlbesetzt wurde…

Für die Durchführung der riskanten Operation wird eine kampferfahrene Einheit Navy Seals – welche jüngst erst eines ihrer Mitglieder „verloren“ hat, als das Team in einen Hinterhalt geraten war – vorzeitig aus ihrem Heimaturlaub zurückbeordert sowie erneut nach Südasien verlegt. Lange werden sie über die Details im Dunkeln belassen – wissen nur, dass es um ein sogenanntes „High Value Target“ geht. Ihr Warten auf „grünes Licht“ verbringen sie u.a. mit ausgiebigem Training, kameradschaftlichen Konversationen, sporadischen „Skype“-Sessions mit Nahestehenden sowie dem Angehen einzelner „interner Konflikte“ – in erster Linie eine auch ins Private hinein reichende Rivalität zwischen den beiden „Alphas“ Stunner und Cherry, welche von Cam Gigandet („In the Blood“) und Anson Mount („Safe“) immerhin „zweckdienlich“ verkörpert werden. In Anbetracht der Lage und Umstände können sie es sich schlichtweg nicht leisten, „weniger als 100%“ bei der Sache zu sein…

Die präsentierten Soldaten sind allesamt recht stereotyper Beschaffenheit: Dass jeder eine mit „9/11“ verknüpfte Meinung bzw. Anekdote parat hat, ist zweifelsohne realistisch und daher nicht anzuprangern – aber ihre Dialoge sind schon auffallend banal und ihre Persönlichkeiten nicht unbedingt interessanter oder mehrschichtiger Natur. Ihr Lieutenant Commander, dessen Gattin beim Einsturz des World Trade Centers starb, wird von Robert Knepper („Renegades“) gespielt – worüber hinaus Freddy Rodríguez („Planet Terror“) und Alvin ‘Xzibit’ Joiner („8 Mile“) als Trench und Mule mit von der Partie sind. Während man über letztere kaum etwas erfährt, gibt es früh im Film eine hervorstechend überflüssige Szene, in der Stunner zu seiner Frau heimkommt, sie nackt und zugedröhnt vorfindet (unmittelbar nachdem sie offenbar mit jemandem Sex hatte) und er sie dann kurzerhand ins Bad bugsiert: Ich habe ja beileibe nichts gegen „Full-Frontal-Nudity“ – aber im Gesamtkontext wirkte das hier einfach unpassend…

Die Entfaltung der Operation „Neptune´s Spear“ wird in klassischer Action-Thriller-Manier dargeboten: Untermalt seitens eines dynamisch-vordergründigen elektronischen Scores Paul Haslingers („Crank“) werden die Seals eingeflogen, dringen ins Gebäude ein, tragen einige Feuergefechte aus, bemühen sich darum, keine unbeteiligten Frauen und Kinder zu verletzen, und töten den Top-Terroristen schlussendlich in einem der oberen Stockwerke. Unweigerlich fällt einem dabei auf, dass die Stärken Stockwells eher in diesem Bereich als in den ruhigeren, Story-orientierteren Momenten liegen – was in Verbindung mit einer anständigen Editing-Arbeit sowie eben solchen Kameraführung Peter A. Hollands („Gabriel“) in einem straffen, optisch zeitgemäßen Streifen resultiert, bei dem keinerlei „Längen“ zu verzeichnen sind. Gut für alle Zuschauer, denen die Details und verzweigten Zusammenhänge der Geschichte im Grunde genommen egal sind – schlecht für alle anderen…

Es ist immerzu eine Herausforderung, ein auf wahren Begebenheiten beruhendes Drehbuch zu schreiben – u.a. da man eine Menge Fakten berücksichtigen muss sowie einem Großteil des Publikums der Ausgang des Ganzen ja von Beginn an geläufig ist. Ein zusätzliches Problem in diesem Fall: Als Skript-Debütant Kendall Lampkin sein Werk verfasste, waren viele Einzelheiten der Ereignisse noch gar nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Zudem verfügte er weder über weitreichende Connections noch ausgeprägte Möglichkeiten, genauere Recherchen anzustellen. Dementsprechend „simplifiziert anmutend“ kommt die Handlung daher – gerade weil man inzwischen wesentlich mehr über das Thema weiß und somit auch bestimmte Fehler der Vorlage bzw. ihrer Umsetzung bemerkt: Unter ihnen etwa die Tatsache, dass die Seals in Wahrheit stark modifizierte „Black Hawk“-Helikopter (samt „Stealth“-Technologie) nutzten – und nicht die im Film gezeigten regulären „UH-60“-Modelle…

Unabhängig dessen, in welchem Umfang man der „offiziellen Version“ der Geschehnisse nun Glauben schenkt oder welche „Freiheiten“ man zugunsten des „Entertainment-Grads“ in Kauf zu nehmen bereit ist: Im Vorliegenden wird ständig zwischen Schauplätzen, Personengruppen und Genre-Stilen gewechselt, ohne sich in einem vernünftigen Maße auf konkrete Aspekte zu konzentrieren, so dass alles zwar durchaus kurzweilig und unterhaltsam bleibt – einen aber nie wirklich zu überzeugen oder zu begeistern weiß. Die Alternative lautet da (bekanntermaßen) „Zero Dark Thirty“: Kathryn Bigelow´s ungleich anspruchsvollere, komplexere, akkuratere, packendere sowie in allen Belangen (inhaltlich wie inszenatorisch) überlegene Aufarbeitung der Materie, welche sich (bspw.) rund 65 Minuten mehr Zeit nimmt und einem noch lange nach Einsetzen des Abspanns im Gedächtnis verweilt. Zwar teilen sich die zwei Produktionen diverse Gemeinsamkeiten – doch sind die qualitativen Unterschiede unverkennbar markant…

Während „Code Name: Geronimo“ nicht nur Plot-Erweiterungen aufweist, im Rahmen derer u.a. die Aktivitäten Khans und Kureshs (welche in den Credits seltsamerweise überhaupt nicht aufgeführt werden) höhere Aufmerksamkeit erhalten, wartet „Seal Team Six: the Raid on Osama Bin Laden“ mit zusätzlichen (zwischengeschnittenen) „Nach-dem-Einsatz-Interviews“ mit den beteiligten Protagonisten (Stunner, Vivian etc.) sowie allerhand Presse-Clips von Barack Obama auf – was jener Fassung sowohl einen deutlich „parteiischeren“ als auch „patriotischeren“ Eindruck verleiht. Ich selbst bevorzuge den „Director´s Cut“ – einfach da er mir spürbar „runder“ (mit wenigeren Einblendungen und einseitigen politischen Kommentaren) vorkam. Letztendlich ist allerdings entscheidend, dass sich beide Varianten „unterm Strich“ als relativ plumpe, klischeehafte und nicht allzu überzeugende B-Movies entpuppen: Ein oberflächlicher „filmischer Schnellschuss“, der eigentlich kaum der Rede wert ist…

Hierzulande ist der Film (in der beschriebenen “Director´s Cut”-Version) seit Anfang 2013 auf DVD und BluRay erhältlich – wohingegen in den USA die “alternative Fassung” erwerbbar ist.

Stefan SeidlCode Name: Geronimo

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Code Name: Geronimo

Copyright der Covermotive und Pics: Voltage Pictures / the Weinstein Company / Starz, Anchor Bay (US) / Falcom Media, Alive (D)__ Infos zur deutschen VÖ: Freigabe: FSK-16__ Geschnitten: nein__ DVD/BluRay: ja/ja__

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