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Commando: A One Man Army

Originaltitel: Commando__Herstellungsland: Indien__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Dilip Ghosh__Darsteller: Vidyut Jamwal, Pooja Chopra, Jaideep Ahlawat, Dimple Bagrey, Sukhwinder Chahal, Sohrab Handa, Darshan Jariwala, Baljinder Kaur, Nathalia Kaur u.a.
Commando

“Commando” beweist: Bollywood kann auch harte B-Action!

Karan ist soeben ein paar fiesen Chinesen entkommen, die ihn ordentlich gefoltert und gequält haben, um ihm irgendwelche Geheimnisse über irgendwas zu entlocken. Eigentlich will er einfach nur unter dem Radar jeglicher Behörden bleiben, als urplötzlich Simrit vor ihm steht. Sie ist auf der Flucht vor dem fiesen Gangster Amrit, der sich in seinen Lumpenschädel gesetzt hat, dass er die aparte junge Dame ehelichen will.

Karan springt Simrit bei und verzimmert die Henchmen des abgedrehten Finsterlings nach Strich und Faden. Der startet eine wilde Hetzjagd auf den jungen Mann und Simrit. Denn freilich will er sie nach wie vor vor den Altar zerren. Was weder Simrit noch Amrit ahnen: Karan ist ein Commando. Ein Elitesoldat, ausgebildet, um im Kampf alleine gegen tausende Gegner zu bestehen. Mit äußerster Brutalität dünnt er fortan die Gefolgsleute Amrits empfindlich aus…

Karan: Ich hätte Lust, euch die Knochen zu brechen!
Typ: Wir sind die mächtigsten Politiker der Stadt!
Karan: Ich warte schon ein Jahr darauf, Politiker wie euch zu verprügeln…

Das ist mal männlich! Ultramännlich! Eben Karan… oder besser: Der Commando! Oder das Commando? Schwer zu sagen. Auf jeden Fall musste ich persönlich mich erst einmal extrem überwinden, diesen Film überhaupt zu starten. Wieso? Weil „Commando: A One Man Army“ ein Bollywood-Film ist. Genau das, was dir, lieber Leser, jetzt im Hirn rumspukt, spukte auch bei mir im Hirn herum: Große Gefühle, kitschige Musik, viel zu viel Gesinge und Getanze und drei Stunden Herzschmerz…

Doch bei der deutschen Fassung des Filmes ging man auf Nummer sicher. Man kürzte als erstes die Tanzszenen raus. Zum Glück. Ein Actionfilm mit dem üblichen Bollywood-Pomp in Sachen Gesang und Tanz, das kann man keinem zumuten. Man merkt zwar häufiger, dass die Tonspur in der Folge diverse Male Amok läuft und die trotzdem sehr dominante Musik immer mal abrupt endet, ansonsten wird man aber nicht von den Musical-Momenten genervt.

Commando

Karan geht gut ab. Ohne Netz und doppelten Boden.

Stattdessen erlebt man eine Art B-Action-Best-of vom Allerfeinsten. In der Art, wie man sie sich von Hollywood einfach mal wieder wünschen würde: Ein übergroßer Held, rotzencool, eiskalt, zynisch, brutal, durchtrainiert und vor allem ein genialer Fighter, der mittels Westernthemas in jede Szene eingeführt wird und durch eine absolut nichtige Story stolpert. Dazu ein weiblicher Love Interest, der nur Grütze labert, den schweigsamen Helden aber gekonnt aufbricht und für den Zuschauer zugänglich macht. Die beiden vereint man dann im Kampf gegen einen Fiesling, der mit allen Mitteln ins Diabolische überhöht wird und mittels „Harfafa“-Chorälen seinem fiesen Tagwerk nachgeht. Nebenher verstört er mit den beschissensten Witzen aller Zeiten, killt alles und jeden und hat fiese Augen.

Commando

Und Kick!!!

Zur Freude jedes B-Fans hat dieses hassenswerte Subjekt IMMER ganze Wagenladungen an Finstermännern dabei, die der Held in immer neuen Actioneinlagen zusammenfalten darf. Und wie er das tut! Karan-Darsteller Vidyut Jamwal hat ein paar spektakuläre Moves drauf! Einmal rennt er über die Brustkörbe! stehender Männer!!, springt vom letzten Brustkorb ab und tritt dem nächsten Lumpen die Zähne ins Hirn!!! Er hat auch Donnie-Yen-Moves drauf (der Tripple Kick) und die Athletik eines Tony Jaa ist ihm ebenso nicht fremd wie coole Capoeira-Einlagen. Dazu nutzt er Baumstämme, Mauern und andere Set-Bestandteile, um sich, davon abspringend, durch die Lüfte zu schrauben und Beine und Füße auf die Gegner herabregnen zu lassen.

Dabei legt er eine beeindruckende Härte an den Tag. Messer und Macheten landen in allen Körperteilen, Knochen werden gebrochen, Gegner erhängt und erwürgt und freilich dürfen derbe Genickbrüche nicht fehlen. Wird geballert, endet das immer blutig… handgemacht, wohlgemerkt! Optisch wird das hervorragend in Szene gesetzt: Die Fights wirken immer übersichtlich, die Kamera fliegt dynamisch am Ort des Geschehens hin und her. Fast Forward-Sequenzen wechseln sich mit ultrastylischen Zeitlupeneinlagen ab… Kurzum: „Commando“ sieht in der Action richtig fett aus. Vor allem der Schauplatz des Showdowns rockt gewaltig und wird für nette Parkour-Momente genutzt.

Auch abseits der Action sieht „Commando“ einfach toll aus. Hier wird mit krassen Perspektiven gearbeitet, um manche Figuren komplett zu überhöhen. Dann fliegt die Kamera durch die schönen Sets und der den Mittelteil beherrschende Wald wird wunderschön ausgeleuchtet und mit wabernden Nebeln bestückt. Die Kameras hängen in den Baumwipfeln, kreisen um die Baumkronen und man setzt auf erstaunliche Kamerafahrten, die man so dann auch noch nicht gesehen hat. Dazu gesellt sich die gewohnte Bollywood-Farbenpracht, die aber cool zu der überhöhten, leicht unwirklichen Atmosphäre des gesamten Actionspaßes passt.

Commando

Bodenturnen kann Karan auch!

Und das wichtigste ist: Gefühlt nimmt sich der sich munter im Genre bedienende Film weder zu ernst noch wird er irgendwann zu flapsig. Manchmal meint man, dass er knapp die Grenze zur Parodie streift, aber er geht niemals über diese Grenze hinweg. Man fühlt sich ergo nicht veralbert, sondern man ist irgendwie genau mittendrin! Der Held fetzt, die Heldin ist in ihrer aufgesetzten Aufgeregtheit teilweise richtig niedlich und die Auftritte des Oberlumpen sind einfach eine Klasse für sich. Dazu kommt großartig über den Film verteilte, ab und an spektakulär choreografierte Action, die auch vor stark übersteigerten Gewaltspitzen keinen Halt macht und den Helden teilweise schon sehr brutal rüberkommen lässt. Das Tempo ist zackig, der Film äußerst kurzweilig und die dünne, niemals störende Story will nur gegen Ende nicht zu selbigem kommen. Allgemein ist das Finale nach dem großen Showdown die große Schwäche des Streifens. Zwar ist es herrlich, zu sehen, wie der Oberlump mit der flachen Hand verteilte Maulschellen im Akkord kassiert, das Gewese um den dann lancierten „Rambo“-Ausklang will aber keinen rechten Sinn machen. Aber davon abgesehen ist „Commando“ in der tanzbereinigten Fassung ein Film, dem jeder Actionfan mal eine Chance geben sollte.

Das große Problem ist nur, dass die deutsche Fassung, die genau diesen Luxus bietet, auch in der tollen Action cut ist… Witzigerweise bietet hier der neue Bollywood-Sender Zee.One Abhilfe, dessen FSK 18 Version ist nämlich bedeutend humaner geschnitten als die offizielle Fassung von Splendid Film.

7 von 10

Die deutsche FSK 18 Fassung von Splendid ist extrem geschnitten und nicht zu empfehlen. Bisher bietet nur die indische DVD Abhilfe. Leider sind da Gesang und Tanz enthalten. Wie bereits erwähnt liefert der deutsche TV Sender Zee.One Abhilfe. Läuft Commando dort, gilt: Reinschauen. Auch diese Fassung ist geschnitten, aber mehr als ansehbar…

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Splendid Film__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Ja__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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