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Dark Places – Gefährliche Erinnerung

Originaltitel: Dark Places__Herstellungsland: Frankreich__Erscheinungsjahr: 2015__Regie: Gilles Paquet-Brenner__Darsteller: Christina Hendricks, Chloë Grace Moretz, Nicholas Hoult, Charlize Theron, Tye Sheridan, Drea de Matteo, Corey Stoll, Dora Madison, Laura Cayouette u.a.
Dark Places

Charlize Theron dringt bei der Suche nach den Mördern ihrer Familie in “Dark Places” vor.

2012 erlebte Gillian Flynn, studierte Journalistin, mit ihrem Roman „Gone Girl“ ihren Durchbruch. Der Roman geriet zum Bestseller und erregte auch in Hollywood großes Aufsehen. Regisseur David Fincher nahm sich des Erfolgs an und inszenierte einen gleichnamigen Film, der prompt zum Kritiker-Liebling wurde und auch an den Kinokassen mehr als ordentlich lief. Das rückte natürlich auch die früheren Werke von Gillian Flynn in den Fokus der Filmstudios. Wenig später fiel dann auch schon der Startschuss für die Verfilmung des Vorgängerromans von „Gone Girl“. Der hieß „Dark Places“ und wurde in Filmform zur großen Bühne für Charlize Theron…

1985 wird die Familie von Libby Day in ihrem eigenen Haus grausam dezimiert. Als Verdächtiger gilt der kleinen Gemeinde, in der Familie Day lebt, schnell Libbys großer Bruder Ben. Ein Satanist und Sonderling. Zumindest gab er sich so. In einer verworrenen Aussage erklärt auch Libby Ben zum Täter. Der wandert umgehend für Jahrzehnte hinter Gitter.

30 Jahre später. Libby ist über die damaligen Ereignisse niemals hinweg gekommen. Sie nimmt nie Arbeit an, lebt von Spenden und den Einnahmen eines Buches über die Ereignisse der bewussten Nacht. Doch die Rücklagen gehen allmählich dem Ende zu. Da erreicht sie ein Schreiben vom „Kill Club“. Ein Verein, der ein unstillbares Interesse an ungelösten Kriminalfällen hat und nun auch Libbys Fall aufarbeiten möchte. Für ein gewisses Entgelt lässt sich Libby überreden, dem Verein einen Besuch abzustatten.

Hier erfährt sie, dass die Mitglieder Ben nicht für den Täter halten. Und sie stellen Libby Fragen, die sie selbst die Nacht hinterfragen lassen. Sie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Ihre Nachforschungen führen sie an einige der titelgebenden finsteren Orte. Auch in ihr selbst…

Es ist ein sperriger Beginn, der „Dark Places“ eröffnet. Grobkörnige Bilder präsentieren einige Bilder der Nacht, in der zwei Schwestern und die Mutter Libbys getötet wurden. Dann lernen wir Libby kennen und damit das Zentrum des Filmes. Leider wollen uns das Drehbuch und die Regie nicht wirklich an die Figur heranlassen. Libby ist ein störrischer Charakter. Selbstbezogen, unzugänglich und schwierig. Die Folge ist eine gewisse Distanz, die nur durch das großartige Spiel von Charlize Theron nicht zu groß wird.

Dann wird „Dark Places“ lebendiger. Die Vorstellung des „Kill Clubs“ macht schlicht und ergreifend Spaß. Die Erklärungen und die „Mythologie“ des Clubs funktionieren prächtig, trotz des einen oder anderen verstiegenen, etwas zu nerdigen/freakigen Momentes. Doch als Katalysator für die folgenden Ereignisse hätte man kaum einen besseren Moment generieren können. Es ist eigentlich nur schade, dass der „Kill Club“ im weiteren Verlauf eher eine untergeordnete bis nichtige Rolle inne hat und der Film die obskure Faszination der Clubmitglieder für Mörder und Verbrecher nicht tiefer hinterfragt.

Dark Places

Libby Day hielt jahrelang ihren Bruder für den Mörder ihrer Schwestern und Mutter.

Die eigentlichen Ermittlungen übernimmt nun Libby selbst. Mit der Aufnahme von Libbys Nachforschungen beginnt Regisseur Gilles Paquet-Brenner die Ereignisse der damaligen Nacht parallel zu montieren. Die Übergänge zwischen der Jetztzeit und der Vergangenheit erfolgen dabei so nahtlos, dass dem Zuschauer einiges an Aufmerksamkeit abgerungen wird. Auch weil gerade bei den Rückblenden manche Momente nicht sonderlich zielführend anmuten und den Film strecken. Problematisch dabei ist, dass die Rückblenden Ereignisse präsentieren, von denen Libby gar nichts wissen kann. In der Folge kommt häufiger die Frage auf, aus wessen Blickwinkel diese Rückblenden eigentlich passieren.

Ein weiteres großes Problem ist, dass alle fortfolgend eingeführten Charaktere keinerlei Identifikationsfläche bieten. Die meisten sogar grob unsympathisch ausfallen bzw. vollkommen unplausibel agieren und sich so sämtliche Sympathien verspielen. Ein echtes Ärgernis sind die aufkommenden Satanismus-Momente, die immer wieder zwischen unfreiwillig komisch, extrem plakativ und übertrieben klischiert changieren.

Dark Places

Was zwingend logisch erschien aufgrund der Satanisten-Hörigkeit des jungen Mannes.

Es sind deshalb vor allem die relativ komplex konstruierten Zusammenhänge der eigentlichen Mordnacht, die die Spannung und das Interesse am weiteren Fortgang der Handlung oben halten. Und die tadellose Leistung von Charlize Theron („Mad Max: Fury Road“). Sie trifft die Gemütszustände ihrer Figur immer auf den Punkt. Spielt mal stark und mal mega verletzlich und trägt trotz einer seltsamen Passivität ihrer Figur den Film im Grunde genommen vollkommen alleine.

Damit drückt sie den namhaften Rest des Castes ziemlich an die Wand. Egal ob Nicholas Hoult (ebenfalls aus „Mad Max: Fury Road“), Corey Stoll („Non-Stop“), Chloë Grace Moretz („Kick-Ass“), Tye Sheridan („Joe“) oder Christina Hendricks („Drive“), sie alle liefern ordentlichen Support für Theron, können für sich genommen aber kaum glänzen und müssen sich mit Figuren abgeben, die sich keinen Deut entwickeln oder verändern dürfen. Vor allem Frau Moretz tut einem in ihrer seltsamen Rolle irgendwann nur noch leid.

Dark Places

Doch der Schatzmeister des Kill Clubs sät Zweifel in Libby…

In optischer Hinsicht nahm der Regisseur den Filmtitel wörtlich und inszenierte einen düsteren und kalten Thriller, in den sich nur selten warmes Sonnenlicht verirrt. Immer wieder kriecht das Motiv des White Trashs aus den lancierten Bilderwelten hervor. Die Bildsprache ist eher ruhigerer Natur, etwas Action und Bewegung kommt nur im Parallel-Showdown (die Mordnacht in Libbys Haus und die Enttarnung des Täters) auf. „BT“ liefert für die ruhigen Bilder einen entschleunigten, atmosphärischen Score.

„Dark Places“ ist beileibe kein schlechter Film und unterhält seine Zuschauer mit einem insgesamt recht spannenden Fall, der ansprechend komplex konstruiert ist und auch so dargeboten wird. Doch genau damit stellt sich „Dark Places“ dann ab und an auch selbst ein Bein. Die vielzähligen Rückblenden nehmen immer wieder das Tempo aus den eigentlichen Ermittlungen Libbys. Mit zunehmender Laufzeit wird das Geschwafel um Satanismus und Co. in den Rückblenden immer abstruser und so manche Entwicklung wirkt einfach zu over the top für diesen Film. Auch das plötzlich über den Zuschauer hereinbrechende Finale ist keine wirkliche Zierde für den Film und reißt ein paar beachtliche Logiklöcher auf. Dass „Dark Places“ obendrein fast nur mit Unsympathen hantiert, die im Nachgang betrachtet teilweise wenig nachvollziehbar agieren, macht die Sachlage nicht besser. Dennoch wird man von „Dark Places“ zu weiten Teilen sehr kurzweilig unterhalten und vor allem Filmfans, die gerne mitraten, könnten an „Dark Places“ Gefallen finden, wenngleich ihnen das Ende nicht schmecken dürfte.

Die deutsche DVD/Blu-ray erschien am 21. April 2016 von Concorde Home Entertainment mit einer FSK 16 Freigabe und einigen Interviews zum Film.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Concorde Home Entertainment__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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