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Karen McCoy – Die Katze

Kim Basinger ist „Karen McCoy – Die Katze“. In der Titelrolle in diesem Heist-Thriller kommt sie als Bankraub-Expertin nach sechs Jahren Haft frei und will eigentlich ein normales Leben führen. Doch für Ex-Knackis ist schwer Fuß zu fassen, ihr kleiner Sohn hält sie für tot und ihr früherer Boss Terence Stamp will sie zu einem weiteren Coup zwingen. An ihrer Seite: Val Kilmer als schlitzohriger Möchtegern-Gangster

Originaltitel: The Real McCoy__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1993__Regie: Russell Mulcahy__Darsteller: Kim Basinger, Val Kilmer, Terence Stamp, Gailard Sartain, Zach English, Raynor Scheine, Nick Searcy, Deborah Hobart, Pamela Stubbart, Andy Stahl, Dean Rader-Duval, Norman Max Maxwell, Marc Macaulay u.a.
Karen McCoy - Die Katze

Kim Basinger spielt die Titelrolle in „Karen McCoy – Die Katze“ von Russell Mulcahy an der Seite von Val Kilmer und Terence Stamp

Trotz seines guten Standings bei Actionfans muss man eines über Russell Mulcahy („Razorback“) sagen: Ein Hitgarant auf der Leinwand war er nie. Selbst „Highlander“ floppte im Kino und wurde erst auf Video zum Kulthit, doch selten war die Bauchlandung so übel wie bei „Karen McCoy – Die Katze“, der 24 Millionen Dollar kostete, aber weniger als 7 Millionen Dollar einspielte.

Der Originaltitel „The Real McCoy“ würde als Redewendung auf Deutsch in etwa „Der wahre Jakob“ bedeuten. Trotz Trailer und Poster hält der Film erstmal geheim, wer denn dieser Real McCoy ist, der in der Auftaktszene maskiert und mit großer Eleganz in eine High-Tech-Bank einbricht, jedoch einen versteckten Alarm übersieht und auf der Flucht von der Polizei gekascht wird. Danach geht es für sechs Jahre in den Bau, der Film springt zur Entlassung, als es die Habseligkeiten wiedergibt, und enthüllt erst dann, wer diese Person ist – nämlich Karen McCoy (Kim Basinger). Eine Meisterdiebin mit empfindlichem Fehltritt und entsprechendem Ballast in ihrer Vorgeschichte.

Karen kehrt als Ex-Knacki in die Heimat zurück und da ist nicht gut Kirschen essen. Mit ihrer Vorstrafe will sie niemand so einfach einstellen, Bewährungshelfer Gary Buckner (Gailard Satain) ist ein ganz besonders schmieriger Schmierlappen und Roy Sweeney (Nick Searcy), ihr Betrüger von einem Ex-Mann (hauptberuflich natürlich Gebrauchtwagenhändler), hat dem gemeinsamen Sohn Patrick (Zach English) lieber erzählt, dass Mami tot ist, weil das angeblich einfacher für den Dreikäsehoch sei. Das Drehbuch von William Osborne („The Scorpion King“) und William Davies („Twins“) jedenfalls lässt kaum eine Hürde und kaum eine Schikane für die arme Karen aus und erinnert bisweilen an ein Resozialisierungsdrama, dabei stehen die Zeichen doch eher auf Heist-Thriller.

Dazu wird der Film, als Karens früherer Auftraggeber Jack Schmidt (Terence Stamp) erfährt, dass die Meisterdiebin wieder in der Stadt ist, und diese für einen erneuten Raub anheuern möchte. Karen wiegelt ab, wird jedoch zwangsverpflichtet, indem Schmidt erst seine Kontakte zum korrupten Bruckner nutzt, später auch noch Patrick entführen lässt…

Schaut euch den Trailer zu „Karen McCoy“ an

Man kann verstehen, dass große Hoffnungen in „Karen McCoy“ gesetzt wurden, hatte man doch zwei ebenso attraktive wie angesagte Stars für die beiden Hauptrollen verpflichtet. Neben Basinger als Karen McCoy ist dies Val Kilmer als gutherziger Nachwuchsgangster und Jack-Schmidt-Neffe J.T. Barker. Der vorlaute Möchtegern sorgt für Auflockerung, denn so kompetent er als Fluchtwagenfahrer ist, so sehr lassen andere Skills zu wünschen übrig, wie seine amüsante Einführung bei einem amateurhaften Raubüberfall zeigt. Das Leinwandpaar besitzt zudem Chemie, so pflichtschuldig und genrestereotypsich das Drehbuch das Balzverhalten der beiden beschreibt: Erst ist Karen eher belustigt von dem selbstbewussten Großmaul, später wird er immer mehr zu ihrem Vertrauten und (zumindest ansatzweise) auch zu mehr. Auch sonst zeichnet „Karen McCoy“ seine Figuren mit der groben Kelle: Bruckner ist das fette, verschwitzte Ekel, das sich unsubtil an seinen Schützling ranschmeißt, Jack der eiskalte Planer, der ein Nein nicht akzeptiert und zu allem bereit ist. Er lässt Karen natürlich auch noch in jene Bank einbrechen, in der sie damals geschnappt wurde, in einem Nebensatz gibt sie ihm sogar die Schuld für ihre Verhaftung, doch so wirklich führt das Drehbuch das Ganze nicht aus.

Nun müssen stereotype, handelsübliche Figuren nicht das größte Hindernis in einem Heist Movie sein. Das Wichtigste ist schließlich der Heist. Doch da liegt bei „Karen McCoy“ der Hase im Pfeffer. Denn die besten Heist Movies zeichnen ein nachvollziehbares Bild der Hindernisse und des Plans, um schließlich unerwartete Komplikationen während des Coups zu zeigen. Doch „Karen McCoy“ etabliert nur Teile der Vorbereitungen, erwähnt manches nur kurz im Dialog, lässt anderes schwammig, ehe dann im letzten Drittel der Heist steigt. Der wiederum bietet dann das typische Genrefeeling: Mit Gadgets und Gehirnschmalz werden die Überwachungssysteme ausgetrickst, unerwartete Hindernisse streuen Sand ins Getriebe und dann hat die nicht ganz freiwillige Mittäterin Karen schließlich noch ihren eigenen Plan, damit sie und ihr Junge heil aus der Sache herauskommen. Mit besserer Etablierung würde dieser Part noch besser funktionieren, aber als Herzstück des Films bietet er stilvolle Spannung, etwa indem man mehrfach das Alarmsystem via ferngesteuertem Mülleimer auslöst, um wichtige Schritte des Plans auszuführen, während die Polizei immer wieder auf dem Weg zum Gebäude ist.

Weniger vergnüglich fällt dagegen das Drumherum um den Heist herum. Karens Probleme beim Wiedereintritt ins Zivilleben mögen im Kern realistisch sein, werden hier aber extradick aufgetragen: Der Bewährungshelfer baggert sie an und sorgt dafür, dass sie gefeuert wird, der Ex-Mann stellt sie als Freundin der angeblich toten Mutti vor und auch sonst scheint sich die ganze Welt gegen die Ex-Straftäterin verschworen haben. Diese wird vom Drehbuch dann auch reichlich inkonsistent gezeichnet: Mal ist sie tough und stellt einen bewaffneten Handlanger Schmidts mittels Eiertritt ruhig, mal ist sie nah am weinenden Häufchen Elend. Auch mit der Logik ist es nicht so weit her: Da lässt Schmidt den gekidnappten Patrick erst verstecken, damit Karen ihn nicht in seiner Villa findet, später aber doch dorthin bringen, als sie seinen Aufenthaltsort herausfindet. Hätte er sie gleich mit der Wumme dazu gezwungen, wäre mehr Laufzeit für den Heist übrig gewesen. Junior fühlt sich in der Gefangenschaft aber ganz wohl, ist die Butze doch größer als Daddys Bleibe und hat sogar einen Pool. Warum niemand den Knirps in der Schule trotz mehrtägiger Abwesenheit vermisst, darüber schweigt der Film sich auch aus, aber eventuell konnten Roy und seine Neue eine gute Ausrede erfinden.

Während es am Drehbuch also hapert, so kann man Mulcahys Regie wenig Vorwürfe machen, die seine Wurzeln im Musikvideo immer erkennen lässt. Gerade wenn Karen und J.T. eine Testfahrt machen, um die Reaktionszeit der Polizei zu stoppen, dabei durch nächtliche, von Reklamen erleuchtete Straßen im Dauerregen rasen, dann hat das viel Style. Auch sonst dominieren prägnante Lichtsetzung, farbliche Akzente und stilisierte Bildkompositionen, die Mulcahy und sein Kameramann Denis Crossan („Take Down – Die Todesinsel“) vor allem in Nachtszenen (z.B. während des Coups im Finale) zum Einsatz bringen. Da die meisten Spannungsszenen bei Nacht stattfinden, tagsüber dagegen meist das blutende Mutterherz angesagt ist (Ausnahmen wie das Finale in der Villa bestätigen die Regel), so macht „Karen McCoy“ den Eindruck eines Films, der vor allem in den Nachtszenen, wenn alle Katzen grau sind, so wirklich bei sich ist. Der Soundtrack von Brad Fiedel („Terminator“) gehört nicht zu seinen memorabelsten Kompositionen, funktioniert aber recht gut.

Kim Basinger („Eiskalte Leidenschaft“) schlägt sich ganz okay in der Hauptrolle, kann aber die erwähnte Inkonsistenz in der Figurenzeichnung aber nicht überspielen. Als coole Diebin macht sie aber meist einen besseren Eindruck als als leidendes Opfer der Umstände. Val Kilmer („The Doors“) als locker-flockiger Gangster mit Herz hat einen dankbareren Part und füllt diesen launig, wenn auch nicht in Hochform aus, Terence Stamp („Last Night in Soho“) liefert eine solide Schurkenperformance auf Autopilot. Zach English („Die Dornenvögel – Die verlorenen Jahre“) gehört zu den Kinderdarstellern der eher nervigen Sorte, Gailard Sartain („Blackout – Ein Detektiv sucht sich selbst“) hinterlässt Eindruck als besonders schmieriges Ekel. Der Schurkencrew fehlt es sonst vollkommen an Profil, auch wenn das Casting immerhin ein paar Charakterfressen wie Raynor Scheine („Johnny Handsome“) und Marc Macaulay („Gangster Chronicles“) besetzt hat, was die Crew nicht ganz nichtssagend wirken lässt.

„Karen McCoy“ ist ein Musterbeispiel für ein Starvehikel, das auf dem Papier ja ganz bärig funktioniert haben mag, in der Umsetzung aber reichlich halbgar ist. Wenn es zum Heist kommt und wenn Mulcahy sein visuelles Gespür zum Einsatz bringen kann, dann macht der Film durchaus Laune, doch die lange Exposition und das aufgesetzte, eher halbherzige Resozialisierungsdrama ziehen das Endergebnis direkt wieder ins Mittelmaß herunter. Da hätte eine Fokussierung auf das eigentliche Genre geholfen, so ist „The Real McCoy“ jedenfalls nicht der wahre Jakob.

„Karen McCoy“ ist bisher nur als Budget-DVD bei EuroVideo in Deutschland erschienen, ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben: Lediglich deutscher Ton, keine Extras und nicht die allerbeste Bildqualität.

© Nils Bothmann (McClane)

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