| Originaltitel: Ice Skater__Herstellungsland: Finnland__Erscheinungsjahr: 2026__Regie: Taavi Vartia__Darsteller: Thea Sofie Loch Næss, Nikos Koukas, Mimi Roivainen, Jasmin Simonen u.a. |

In „The Drift“ kämpft eine junge Frau ums Überleben.
Die Eiskunstläuferin Emily ist mit ihrem Team für ein Werbe-Shooting in der Arktis unterwegs. Irgendwann entfernt sie sich von der Truppe. Sie will die Asche ihrer verstorbenen Schwester an diesem wunderschönen Ort verstreuen. Da bricht der Gletscherrand unter ihr weg und sie stürzt ins Meer.
Als sie wieder zu sich kommt, liegt sie auf einer Eisscholle. Ihre wenigen Habseligkeiten liegen auf dem Eis verstreut. Sie muss feststellen, dass sich ihre Scholle stetig vom Ufer wegbewegt. Für einen rettenden Sprung ins eiskalte Nass ist es längst zu spät. Hilferufe verhallen ungehört. Zudem zieht eine Schlechtwetterfront auf, die Emily noch weiter aufs Meer hinaustreibt.
Die Eiskunstläuferin aktiviert ihren Überlebenswillen. Versucht alles, um der tödlichen Umgebung zu trotzen. Doch wer soll sie hier draußen wie finden?
Survival-Kost aus Finnland mit feiner Hauptdarstellerin
Ich muss zugeben, „The Drift – Gnadenlose Arktis“ hatte mich von Beginn an. Die Idee, eine Figur auf einer Eisscholle dahintreiben zu lassen, verfing so richtig. Denn alleine die Rahmenbedingungen ließen einen perfekten Survival-Film erwarten. Immerhin treibt Emily auf ihrer Scholle im eiskalten, für Menschen absolut lebensfeindlichen Wasser und trotzdem schmilzt ihre vermeintlich rettende Zuflucht langsam vor sich hin. Immer wieder brechen Stücke von der Scholle ab. Immer wieder meinen es die Elemente der Natur nicht eben gut mit Emily. Dazu kommt ein Mangel an Nahrung.
Das Wichtigste: Emily ist eine tolle Heldin. Sie hat die Hand am Arm und packt immer wieder zu. Feuer machen? Kein Problem! Trinkwasser gewinnen? Wer kann das nicht? Wunden nähen und die Ausrüstung flicken? Emily kann all das. In einem Nebensatz erfährt man auch warum. Das wäre einem aber auch egal, weil man mit Emily mitfiebern möchte. Auch weil Thea Sofie Loch Næss („The Ugly Stepsister“) ihre Emily richtig toll spielt.

Emily treibt im Arktischen Ozean dahin.
Kurzum: Eigentlich stehen alle Zeichen auf klasse Survival-Thrill im „Fall – Fear Reaches New Heights“-Duktus. Leider, leider, leider bekommt Regisseur und Drehbuchautor Taavi Vartia all dies brach liegende Potential nicht angezapft. Er findet keine Wege, die Ausweglosigkeit der Situation richtig auszukosten. Es gelingt ihm nie, die Lage zuzuspitzen. Und er versteht es nicht, echte Spannung aufzubauen. Dass etwa die Eisscholle unter Emilys Hintern wegschmilzt, ist dem Film gefühlt kaum mehr als ein Schulterzucken wert. Dabei ist das doch ein riesiger Spannungstreiber, wenn man halt weiß, wie man es macht. Vartia weiß es nicht.
Auf dem Cover des deutschen Artworks zum Film thront beispielsweise ein Eisbär im Hintergrund und man würde annehmen, dass wenigstens der für eine eindrückliche Sequenz genutzt wird. Der Eisbär findet dann auch tatsächlich im Film statt, aber schlicht und ergreifend nicht so, wie man es von einem Spannungsbringer erwarten würde.

Zu Beginn ist Emilys Zuflucht noch beeindruckend groß, …
Dazu kommt, dass Emily gefühlt nie mit ihrem Schicksal hadert. Man sieht auch keinerlei körperlichen Verfall, obschon sie definitiv einige Tage auf der Scholle unterwegs ist und sich nur von Nüsschen aus ihrem Handgepäck ernährt. Erst in Richtung Finale sorgt ein wirklich dumm geskripteter Unfall dafür, dass man tatsächlich mit der nun erstaunlich rasant abbauenden Heldin mitfiebert. Doch selbst hier bleibt der Film total inkonsequent und macht im Grunde nichts aus der Situation.
Was im Film hält, ist das Spiel von Thea Sofie Loch Næss, die grundlegende Frage, wie „The Drift“ enden könnte, und die aufgefahrene Optik. Vor allem die ersten zehn bis fünfzehn Minuten, die die Schönheit der Arktis zelebrieren, sind schlicht und ergreifend grandios. Tolle Bilder aus dem ewigen Eis, gereicht an schönen Kamerafahrten. Klasse. Mit fortschreitender Laufzeit beschränkt sich das Setting dann auf die Eisscholle und das sie umgebende Wasser. Hier wirken manche Shots ein wenig künstlich, trotzdem sind auch hier das knallige Blau des Meeres und das blütenreine Weiß der Eisscholle für hübsche Bilder verantwortlich.

… doch mit der Hoffnung auf Rettung schwindet auch das Eis unter Emilys Füßen.
Einzig die Musik meint es immer wieder zu gut. Der Score gerät arg pathetisch und in manchen Szenen unangenehm aufdringlich. Im Abspann zum Film erscheint bei dem Thema Musik ein Platzhalter, der einen direkt denken lässt, dass hier Stock-Music zum Einsatz kam. Was das teilweise Auseinanderklaffen von Bild und Tonspur durchaus erklären würde. Pathos ist auch insofern ein schönes Stichwort, dass auch Emily hier und da ziemlichen Mist, der ab und an gerne bedeutungsvoll wäre, schwadronieren muss.
Allgemein stören alle Szenen, die von der Eisscholle wegführen. Die sind selten, nerven aber dennoch. Total behämmert sind zwei lange Dialoge mit einem Call-Center-Agent, der Klimaanlagen verkaufen will. Warum nur er die Telefonnummer der als verschollen geltenden Emily wählt, man weiß es nicht. Emily kann im Übrigen das Handy nicht nutzen, da dessen Display nur Datenmüll anzeigt und so diverse Funktionen verweigert. Emily nutzt die Gespräche, um sich überhaupt mal wieder mit jemandem zu unterhalten. Warum der Call-Center-Agent ihr aber ihre missliche Situation nicht glaubt, selbst nach einem stundenlangen, recht tiefgehenden Gespräch, ist schon höchst unlogisch.
„The Drift – Gnadenlose Arktis“ zündet nie
Allerspätestens wenn Regisseur Taavi Vartia seinen „The Drift – Gnadenlose Arktis“ in ein brutal unspektakulär inszeniertes Finish münden lässt, weiß man, dass er nicht verstanden hat, wie Spannung geht oder wie man den Zuschauer mit seiner Erzählung fesselt. Er findet einfach keine Mittel und Wege, um seinen von der Grundsituation her grandiosen Survival-Film durchstarten zu lassen.
So bleiben eine einnehmende Performance von der wundervollen Thea Sofie Loch Næss, die den Film vollkommen alleine trägt, ein paar wirklich schöne Bilder und einige sehr gelungene Einzselszenen (etwa jene um ein „Gespräch“ zwischen Emily und einem Fisch) in Erinnerung. Und selbst diese Pluspunkte verblassen recht schnell nach dem Stoppen des Filmes. Schade.
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Capelight Pictures wertet den Film ausschließlich digital aus. Ab dem 26. Februar 2026 startet der Film dann mit einer Freigabe ab 12 und ungeschnitten durch.
In diesem Sinne:
freeman
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