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The Numbers Station

Originaltitel: The Numbers Station__Herstellungsland: Belgien, Großbritannien, USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Kasper Barfoed__Darsteller: Malin Akerman, John Cusack, Liam Cunningham, Lucy Griffiths, Hannah Murray, Richard Brake, Joey Ansah, Bryan Dick, Joe Montana u.a.
The Numbers Station

John Cusack und Malin Akerman in “The Numbers Station”

Die Zahlenstationen, so „The Numbers Station“, sind Kurzwellensender, die verdeckt operierenden Agenten mittels Zahlencodes ihre aktuellsten Ziele zukommen lassen. Die Vorteile dieses Verfahrens: Sowohl Sender als auch Empfänger sind nicht ortbar und die zum Einsatz kommenden, leicht vorsintflutlich anmutenden Verschlüsselungsverfahren sind beinahe unknackbar. In eine solche Numbers Station wird CIA Agent Emerson Kent versetzt. Der Mann fürs Grobe hatte bei einem seiner letzten Einsätze gezögert, als es darum ging, die Zeugin eines Auftragsmordes auszuschalten. In der Numbers Station irgendwo in England soll er wieder zu sich finden. Sein Auftrag vor Ort: Die Zahlenverleserin Katherine, die Anlage sowie die darin befindlichen Daten schützen.

Zwei Monate später hat sich Emerson gut in seinen Job eingelebt und könnte sich sogar vorstellen, diesen Routinejob bis zur Rente zu bestreiten. Da wird die Anlage auch schon überfallen. Die Kollegen von Emerson und Katherine werden umgebracht und 15 Aufträge an diverse Agenten verschickt. Diese entpuppen sich durchweg als Attentatsanweisungen. Die Ziele: Hoch- rangige Geheimdienstler. Nun gilt es, die Angreifer auszuschalten, die Attentate zu verhindern und herauszufinden, wer hinter dieser Aktion steckt…

„The Numbers Station“ steigt mit dem verpatzten Einsatz von Emerson ein und präsentiert einen knochentrocken agierenden John Cusack, der eine Handvoll Gegner müde lächelnd ausschaltet, dabei aber einen Zeugen entkommen lässt. Diesen richtet er kurze Zeit später ebenfalls eiskalt hin, bringt es aber nicht übers Herz, dessen ebenfalls vor Ort befindliche Tochter zu töten. Zur Strafe wird er aus den USA nach England versetzt. Hier springt der Film mal eben zwei Monate in die Zukunft. Wo der Zuschauer nun annehmen muss, dass Katherine und Emerson einander über die Zeit kennengelernt haben, wirken die beiden wenig vertraut und hat man nicht das Gefühl, dass sie einander bereits irgendwie kennen würden. So führen sie denn auch Gespräche, die man am Anfang einer beruflichen Beziehung vermuten würde. Über diesen logischen Fauxpas muss man aber nicht lange nachdenken, da die Anlage schon attackiert wird. Kurzzeitig darf nun herumgeballert werden und sogar ein Auto explodiert, doch dann wird „The Numbers Station“ zum Zweipersonenstück.

The Numbers Station

Ein ungleiches Gespann: Die Zahlenexpertin und ihr Leibwächter.

In diesem Abschnitt fällt es „The Numbers Station“ schwer, echte Spannung zu erzeugen. Man filmt stattdessen lieber den mit leerem Blick in der Ecke hockenden John Cusack (“Frozen Ground“), der in diesen Momenten auch eine deutlich glaubwürdigere Figur macht als als kerniger Actionheld. Sitzt Cusack nicht herum, latscht er von einem unterirdischen Tunnel zum nächsten und sucht etwas. Malin Akerman (“Stolen“) wird derweil vom Skript stark in die Heimchen-Ecke bugsiert. Ihr Charakter gibt sich wenig kämpferisch, ist aber irgendwie auch nicht nerdig genug für den Job, den Katherine bestreitet. Kurzum, so richtig stimmig wirkt die Besetzung des Streifens nicht, müht sich allerdings redlich, auch wenn Cusack vor allem im Original kaum den Mund aufbekommt beim Sprechen. Das größte Problem dieses Abschnittes aber ist, dass die Bedrohung von außen in Form der Terroristen, die verhindern wollen, dass Emerson und Katherine die Attentatsanweisungen rückgängig machen, niemals wirklich als solche wahrgenommen wird. Die beiden Hauptfiguren wirken viel zu abgeschnitten und damit sicher vor der Außenwelt. Dass man die Terroristen auch nie sieht, tut hier sein Übriges.

Leider kommt auch nach diesem etwas langgezogenen Abschnitt, in dem Katherine unter anderem erstmals erfährt, was sie da eigentlich tagein, tagaus macht und Cusacks Figur ein bisschen aufgebrochen werden darf, keine wirkliche Action mehr auf. Das liegt schlicht daran, dass nur noch zwei Gegner für John Cusack vorhanden sind. Und da dieser sehr rigoros in der Action hinlangen darf, beschäftigen sie ihn auch keine zwei Minuten. Auch ein großer Big Bang gegen Ende des Filmes geschieht weitgehend im Off.

The Numbers Station

John Cusack und Malin Akerman in Action.

Etwas arg langweilig ist zudem das Setting des Films geraten. Dieser spielt in einer unterirdischen Anlage und tut sich wirklich sehr schwer, diesem Schauplatz irgendwelche Schauwerte abzuringen. Der Film ist in der Folge sehr trist und dunkel geraten und wirkliche Kabinettstückchen der Kamera kann man bei der Bebilderung des Radiosenders auch nicht ausmachen. Dafür ist der melancholische Score absolut gelungen und geht wirklich gut ins Ohr.

Den größten Schmunzler kassiert „The Numbers Station“ direkt zu Beginn: Wenn über eine Radiostation Nummern verlesen werden und Topagenten im Auto sitzen, in einem Skizzenblock blättern und hernach die gesendeten Zahlen dekodieren. Hier atmet der Streifen einen angenehmen Retrocharme, den man sich so über den ganzen Film hinweg gewünscht hätte. Sprich: Ein eiskalter Killer der Regierung beschützt eine hilflose Codeknackerin und schaltet nebenher Bäddies aus. DAS hätte das Erfolgskonzept für „The Numbers Station“ sein können. Doch leider geht der Film einen anderen Weg. Macht nichts aus der Belagerungssituation, spart an Action, bekommt keine Spannung installiert und traut sich auch nicht, auf den Pfaden von „Windtalkers“ zu wandeln und eine ambivalente Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren zu etablieren, bei der der eine vielleicht den Auftrag hat, das Verschlüsselungssystem und nicht den Verschlüsseler selbst zu beschützen. Doch „The Numbers Station“ nutzt all diese Chancen nicht und wird so zu einem relativ belanglosen Filmerlebnis, das man einmal gut genießen kann, das aber kaum einen weiteren Durchlauf im Heimkino erleben wird.

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt am 24. Januar 2014 von Universum Film und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Universum Film GmbH__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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