| Originaltitel: Trap House__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Michael Dowse__Darsteller: Dave Bautista, Bobby Cannavale, Sophia Lillis, Jack Champion, Tony Dalton, Whitney Peak, Inde Navarrette, Kate del Castillo, Blu del Barrio, Danny Vinson u.a. |

Dave Bautista gibt in „Trap House“ einen DEA-Agenten.
„Trap House“ hat eine interessante Prämisse. Deren Kern kennt man: Ein Familienmitglied arbeitet für eine staatliche Behörde und die Familie sorgt sich tagtäglich um dessen Wohlergehen. In dem hier besprochenen Actioner denkt man dies weiter und präsentiert eine Schule in Texas, die von zahlreichen Kids besucht wird, deren Eltern für die DEA arbeiten. Einige der Jugendlichen haben sich aufgrund der Berufe ihrer Eltern gefunden und bilden – auch aus der Verantwortung heraus, die Identitäten ihrer Eltern als Agenten nicht zu offenbaren – eine verschworene und eng zusammengewachsene Clique.
Infolgedessen fürchten die jungen Leute nicht nur um das Leben der eigenen Familienoberhäupter, sondern sie sorgen sich auch um die Familienangehörigen ihrer Freunde. Aus dieser engen Verbindung heraus passiert es, dass sie gezwungen sind, eine gefährliche Entscheidung zu treffen. Denn der Vater von Cliquen-Mitglied Jesse wurde im Einsatz getötet. Das DEA beziehungsweise der Staat zeigen ihre erbarmungslosen Fratzen und lassen dessen Familie vor allem finanziell fallen. Jesse und der Rest der Familie müssen wegziehen.
Das wollen seine Freunde nicht hinnehmen. Cody Seale schmiedet darum den Plan, ein Trap House, ein Haus von Drogenkurieren, zu überfallen und die darin befindliche Kohle abzugreifen. Gemeinsam mit seinen Freunden Deni, Yvonne und Kyle gelingt ihm der Bruch. Doch nun wird die Lage so richtig verfahren.
Zum einen haben die Jugendlichen um Cody bei dem Raubzug nur Peanuts abgegriffen. Zum anderen wähnt die DEA in den Dieben eine neue Gruppierung, die die Lage vor Ort verkompliziert. Und das beklaute Kartell vermutet hinter der Tat einen Racheakt der DEA für die Ermordung von Jesses Vater. Weshalb es mit Natalia eines seiner gefährlichsten Mitglieder herbeizitiert, um die DEA-Agenten vor Ort zu enttarnen und unter die Erde zu bringen.
Verfahrene Action mit Dave Bautista
Die eingangs erwähnte, interessante und glaubhaft initiierte Grundprämisse von „Trap House“ verfängt sofort beim Zuschauer. Man spürt, dass die Kinder der DEA-Agenten füreinander da sind und um die Leben der Eltern ihrer Freunde fürchten. Leider wird die Prämisse früh zum reinen Katalysator für die zunehmend riskanteren Diebeszüge der Jugendlichen deklassiert. Das fühlt sich unangenehm fad an.
Dabei ist schon die Anbahnung der ersten gemeinsame Aktion rund um ein Trap House psychologisch wenig stimmig herausgearbeitet. Alles beginnt damit, dass Codys Vater seinen Sohnemann einfach mal so zu einem Tatort – ein Haus von Drogenkurieren wurde ausgehoben – mitnimmt. Normalerweise verkauft der Vater sich nach außen als Bauunternehmer und ist immer darauf bedacht, seine „Tarnung“ aufrechtzuerhalten. Doch auf einmal ist das alles egal. Gibt ja selten Schaulustige rund um Tatorte.
Der Sohnemann kann sich das Haus der Drogenkuriere genau anschauen, beobachtet Staatsbeamte beim Sicherstellen von Beweisen in Form von Geld und schon ist da die Idee für den Bruch in einem anderen Trap House des Kartells. Alle Infos dazu findet Cody offen aushängend in der Zentrale der DEA. Die fotografiert er einfach ab und der Plan für den Raub steht. Seine Freunde stimmen quasi sofort zu, bei dem Diebstahl mitzumachen.
Jeder bemerkt dabei, dass sein Elternteil etwas kann, was bei dem Bruch helfen würde. Und aus unerfindlichen Gründen denken die Kids, sie könnten genau diese Tätigkeiten auch ausführen. Weil man diese bei der Geburt erhält? Vermutlich. Dann besorgen sich die Jugendlichen spielend leicht DEA-Ausrüstung und steigen in das Haus ein.
Das wird auf wundersame Weise nur von Flitzpiepen bewacht. Die sind so doof, dass sie sich von den Kids einfach übertölpeln zu lassen. Es wird zwar zwischenzeitlich auch mal richtig gefährlich. Aber hey, alles kein Grund für die Jugendlichen, das Gangsterleben aufgeben zu wollen. Man hat ja nicht genug Geld für Jesse einkassiert. Die nächste Aktion wird nur noch irrer, wilder und gefährlicher. Und irgendwie geht so der gesamte Kern der Story rund um das Sorgen um das Wohl der anderen Freunde und deren Familien allmählich immer mehr verloren.
Mehr noch: „Trap House“ verrät seine Figuren. Wirkt zunehmend unlogischer und lässt einen schon gehörig am Verstand der handelnden Charaktere zweifeln. Highlight ist ganz klar eine Szene, in der Codys Vater eindeutig sieht, dass sein Sohn einen überfallenen Transporter fährt. Statt ihn – als wichtiger DEA-Agent, der er nun einmal ist – zur Rede zu stellen, scheint er darauf zu warten, dass sein Sohn mit seinem „Problem“ bei ihm vorstellig wird / ihm seine Untaten beichtet. Kurzum: Egal, wie sehr man sich anstrengt, man versteht die Psychologie des Filmes nicht.
„Trap House“ wirkt auch sonst seltsam unausgegoren. Mal zelebriert er seine jungen Helden als Robin Hoods, die seltsam lässig ihre Überfälle durchführen, mal nimmt er Figuren mittels harscher und harter Headshots aus dem Spiel. Und man erkennt nicht, was diese Unausgewogenheit soll, denn die Jugendlichen werden nicht Zeugen dieser Gewaltakte, können also entsprechend die Gefährlichkeit ihres Tuns nicht groß hinterfragen. Obschon sie ja aufgrund ihres Handelns größtenteils der Grund für diese derben Momenten sind.
Und was mit den Bösewichten des Streifens los ist, checkt man auch nicht. Da darf Tony Dalton („Better call Saul“) als vermeintlicher Kartellchef zu Beginn wütend durch die Zähne zischen und overacten, nur um hernach weitgehend aus dem Film zu verschwinden. Seine ach so fiese Schwester Natalia macht auch nichts Gefährliches und die Henchmen der beiden scheinen rundweg nicht eben mit Intelligenz gesegnet. Klasse etwa, dass hier jeder verhaftete Lump sofort ein Angebot für ein Leben im Zeugenschutz bekommt und direkt singt. Es wirkt, als warte man in der Gegend nur auf diese Chance.
Zumindest muss man Dave Bautista („Afterburn“) zugestehen, dass er trotz der Dummheit seiner Figur zumindest versucht, diese glaubhaft mit Leben zu füllen. So macht er sowohl als besorgter Dad als auch als Dampframme der DEA durchaus Spaß. Auch Bobby Cannavale („Ant-Man“) macht als sein Partner einen soliden Job. Die jungen Darsteller Jack Champion („Avatar: The Way of Water“) als Cody, Sophia Lillis („Dungeons & Dragons: Ehre unter Dieben“) als Deni, Zaire Adams als Kyle, Whitney Peak als Yvonne und Blu del Barrio („Star Trek: Discovers“) als Jesse spielen durchweg gut, kommen aber gegen das wirre Drehbuch nicht an. Und Tony Dalton als Benito sowie Kate del Castillo („Bad Boys for Life“) als Natalia kommen nie im Film an.
In Sachen Action dominieren in dem unter anderem von Ridley Scott („Alien“) produzierten „Trap House“ kurz und knackig gehaltene Einlagen. Diese sind rundweg um Realismus bemüht. Immer, wenn etwa das DEA zuschlägt, wird es durchaus derber. Dann darf auch das Blut spritzen und kann man Team-Taktiken der Einheit bewundern. In einer Sequenz darf sogar eine Tankstelle schön groß skaliert explodieren. Aber so richtig ausgekostet wird keine der Sequenzen. Auch der Showdown eskaliert nie vollends durch.
„Trap House“ macht wenig Sinn
Der zumindest technisch sauber produzierte Actioner leidet erheblich an seinem undurchdachten, oftmals unlogischen Drehbuch, das seine Figuren verrät, seine hübsche Grundprämisse verschenkt und niemals Spannung aufzubauen versteht. Mittels simpelster Kniffe und Aktionen werden hier total verfahren wirkende Situationen aufgelöst und mündet die Handlung in ein beknacktes Happy End, bei dem man nicht so recht weiß, ob die Macher um Regisseur Michael Dowse („Stuber“) diese unfassbare Verharmlosung von kriminellem Verhalten wirklich ernst meinen. Die in Teilen taffe und düstere Umsetzung von „Trap House“ lässt das eigentlich nicht vermuten.
Ich kann gar nicht sagen, wann ich zuletzt einen dermaßen unrunden Film „genossen“ habe. Trotzdem teasen die Macher direkt einen zweiten Teil an. Und dem Vernehmen nach ist Amazon mit der Performance von „Trap House“ bislang sehr zufrieden… Es kann nur besser werden.
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Der Streifen wanderte in unseren Breiten direkt in das Portfolio des Streamers Prime Video. Der empfiehlt eine Freigabe des ungeschnittenen Streifens ab 16.
In diesem Sinne:
freeman
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Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love
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