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Zombie Massacre

Originaltitel: Zombie Massacre__Herstellungsland: Deutschland, Italien, Kanada, USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Luca Boni, Marco Ristori__Darsteller: Tara Cardinal, Uwe Boll, Mike Mitchell, Jon Campling, Christian Boeving, Ivy Corbin, Carl Wharton, Daniel Vivian, Gerry Shanahan, Guglielmo Favilla, Michael Segal u.a.
Zombie Massacre

Die Zombies sind los und richten ein “Zombie Massacre” an. Mit dabei: Uwe Boll als US-Präsident!

Als die Arbeiten an ihrem Horrorfilm „Eaters“ abgeschlossen waren, erhielten die italienischen Regisseure Luca Boni und Marco Ristori eine E-Mail von Uwe Boll („Assault on Wall Street“), der für den internationalen Vertrieb von „Eaters“ zuständig zeichnete. Er eröffnete ihnen, dass er eine Option auf eine Videospielverfilmung habe, die er bei ihnen in den rechten Händen wähne. Es handelte sich dabei um ein Spiel für die Wii, das auf den eingängigen Titel „Zombie Massacre“ hörte und einen Railshooter darstellte, bei dem sich alles darum drehte, eine Bombe in einem von Zombies verseuchten Landstrich abzustellen und zu fliehen, bevor die Bombe hochgeht…

Diese epische Geschichte setzte man für den Film wie folgt um: Die USA betreiben in Rumänien in einem ehemaligen Kraftwerk eine Forschungseinrichtung für bakterielle Kampfstoffe. Es kommt, wie es kommen muss: Ein besonders wirksamer Kampfstoff wird bei einem Zwischenfall freigesetzt und verwandelt die Einwohner der nahe gelegenen Gemeinden in Zombies. Natürlich wollen die Amis den Zwischenfall vertuschen. Sie schicken ein Team von Söldnern nach Rumänien und packen ihnen eine Atombombe ins Handgepäck. Der Auftrag ist klar: Das Kraftwerk, die Zombies und alle Beweise zerstören…

Zombie Massacre

Besser man hat einen Helikopter als dass man keinen hätte. Oder so…

„Zombie Massacre“ ist storytechnisch also einer unter vielen. Es gibt zahllose besser erzählte Zombiefilme und zahllose schlechter erzählte. Vor allem seine Videospielherkunft kann der Film niemals verbergen. Die Figuren bleiben eindimensional und uninteressant und ähneln in fast schon grotesker Weise Videospielcharakteren wie dem Duke und Co. Sprich: Die Arme sind dicker als der Kopf und die Textzeilen, die sie ablassen, erreichen teilweise nicht einmal die Länge gepflegter Oneliner. Die Story funktioniert ebenfalls wie in einem Videospiel. Auf ein atmosphärisch inszeniertes Intro folgt eine kurze Verortung der Charaktere und die Vorgabe des Missionszieles. Danach schreitet man in Levelabschnitten voran und kämpft sich zum jeweiligen Levelausgang. Zwischen den Actionabschnitten wird versucht, so etwas wie eine tiefergehende Story zu etablieren und dann steht man schon vor dem großen Endgegner. Das ist weder innovativ noch irgendwie spannend, funktioniert für die 90 Minuten Laufzeit aber ziemlich gut.

Auf dem Weg zum Ziel widmen sich die Figuren immer wieder den anrollenden Zombiehorden. Diese kommen in Wellen und sorgen für Munitionsknappheit und ein Ausdünnen der Heldenparty. Diese levelt ihre Waffen durchaus auch auf. Dazu dringt man in Polizeistationen ein oder sammelt Munition Verstorbener auf. Letztlich fehlt eigentlich nur ein Punktescore über den erlegten Zombiehäuptern, um den Spieleindruck perfekt zu machen.

Zombie Massacre

Uwe, bist du’s?

Die Zombiemasken sind derweil ein echter Pluspunkt des Filmes. Man sieht in jeder Einstellung, dass man sich bemühte, wirklich jedem Zombie einen individuellen Look zu verpassen. Was grandios klappt und einige echt widerliche Kreaturen zur Folge hat. Die Zombies sind eher von der schnellen Art und, wie bei manch modernen Streifen dieses Subgenres immer häufiger gang und gäbe, auch mit Körpertreffern ausschaltbar. Sowohl Kopf- als auch Körpertreffer haben immer schön saftige Treffereffekte zur Folge. Handmade, versteht sich. Auf leider suboptimale CGIs greift man vor allem bei Explosionen zurück. Ansonsten hält man sich mit den Rechenknechten zurück – abgesehen von einem seltsamen Nebeleffekt, den man permanent über die Bilder zieht.

Das „Zombie Massacre“ wird von kalten Farben dominiert und kommt recht düster und trostlos daher. Die Settings rund um das Kraftwerk sind Osttristesse pur und das Kraftwerk selber wird nicht wirklich ausreichend genutzt, um richtige Schauwerte zu lancieren. Score und Kameraarbeit sind eher funktionaler denn schöner Natur und sowohl in den Baller- als auch in den Swordplayactioneinlagen fehlen Druck und Tempo. Die Darsteller sind – wie angedeutet – einfach nur wandelnde Ingamestereotype: Der kinderliebe Soldatenriese, der muskelbepackte Sprengmeister, die sexy Schwertkämpferin und der verschlagene Sniper. Gefordert wird so keiner der Darsteller, was vermutlich auch besser ist. Zumindest von dem schwertschwingenden Schnuckel Tara Cardinal („The Legend of the Red Reaper“) hätte man gerne etwas mehr gesehen. Ja, auch Haut…

Zombie Massacre

Die Amis machen alles platt! Kennt man ja!

Das Highlight des Filmes ist freilich der herrlich schräge Auftritt von Uwe Boll himself. Der gibt, bescheiden wie er nunmal ist, den Präsidenten der Vereinigten Staaten, synchronisierte sich für die deutsche Fassung gleich selbst und darf im Jogginganzug herumsitzend schnoddrige Befehle an den Chef der Zombie-Beseitigungs-Aktion bellen. Ein so sinnloser wie herrlich schräger Auftritt, der in seinem Wahnsinn auch den seltsamen Epilog zu toppen vermag. Dieser hat mit dem Rest des Filmes nichts zu tun, fährt aber noch einmal amtlich Titten auf. Immerhin haben die bis zu diesem Zeitpunkt komplett gefehlt. Am Ende fragt man sich auch aufgrund der Schlussbilder, warum die Macher das „Zombie Massacre“ eigentlich so ernst angingen. Warum sie nicht mehr von derart schrägen Ideen einbauten. Denn ein wenig Ironie hätte dem Film definitiv nicht geschadet. Doch von einigen unrunden Momenten abgesehen (etwa wenn man ausgerechnet Zombiekindern aus einem vorbeifahrenden VW Käfer heraus die Schädel mit einem Baseballschläger zertrümmert), wird man von diesem tumben Streifen aufgrund netten Tempos und ordentlich über den Film verteilter Action ziemlich solide unterhalten. Nicht mehr und nicht weniger…

Die deutsche DVD von „Zombie Massacre“ ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten und kommt von dem Label Splendid Film. Ein informatives Making Of hält auch einige Anekdoten der Macher in Sachen Uwe Boll bereit.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Splendid Film__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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Categorised in: Reviews, the Horror Pit

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