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Non-Stop

Originaltitel: Non-Stop__Herstellungsland: USA/Frankreich__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Jaume Collet-Serra__Produktion: Joel Silver, Jeff Wadlow u.a.__Darsteller: Liam Neeson, Julianne Moore, Anson Mount, Michelle Dockery, Lupita Nyong’o, Bar Paly, Corey Stoll, Scoot McNairy, Jon Abrahams, Finise Avery, Linus Roache, Shea Whigham u.a.
Non-Stop

Im vom Joel Silver produzierten „Non-Stop“ jagt Liam Neeson einen Erpresser an Bord eines Flugzeugs

Die Verbindung von Jaume Collet-Serra und Liam Neeson scheint vor allem für Fans rasanten Spannungskinos eine gute Kombination zu sein. Das bewiesen beide schon mit „Unknown Identity“ und setzen nun mit „Non-Stop“ unter der Produktion von Joel Silver noch einmal deutlich einen drauf.

Bill Marks arbeitet seit Jahren als Air Marshall und hat von seinem Job inzwischen gewaltig die Nase voll. Der Ex-Cop mit trauriger Vergangenheit ist ausgebrannt, leer und hält sich nur noch mit Kippen und Alkohol wach. Ein Flug nach London wird für ihn zum unerwarteten Albtraum, als ihn mitten über dem Atlantik eine Message via Air Marshall Netzwerk erreicht. Hier verlangt ein Fremder die Überweisung von 150 Millionen Dollar auf sein Konto oder er werde alle 20 Minuten einen Passagier töten. Bill misst dem zunächst keine Bedeutung bei und warnt den Kerl, dass die Nutzung des Netzwerkes der Marshalls eine Straftat sei. Doch dieser lässt nicht locker. Die Vehemenz der Drohungen lässt Bill doch handeln. Er schließt sich mit seinem Kollegen an Bord kurz und auch die Piloten informiert er. Doch keiner schenkt ihm wirklich Glauben. Da gerät die Situation plötzlich vollends außer Kontrolle: Bill muss seinen Kollegen töten, er findet einen Koffer voller Koks, es sterben weitere Passagiere und das Konto, wohin das Geld überwiesen werden soll, gehört angeblich Bill! Und als wäre all das nicht schon schlimm genug, gelangt das zunehmend verzweifeltere Agieren Bills dank Smartphones, Youtube und Co. an die Öffentlichkeit und lässt diese glauben, der Air Marshall sei ausgeklinkt und habe das Flugzeug entführt…

„Non-Stop“ ist in den ersten 80 Minuten ein Musterbeispiel für einen konsequenten, den Zuschauer durchweg in Atmen haltenden Spannungsbogen, der immer wieder dazu einlädt, bei dem aufgespannten Whodunit mitzurätseln. Eine ganze Wagenladung an geschickt gestreuten falschen Fährten erhöht den Rätselspaß zunehmend. Vor allem, da man freilich auch nach den Motiven sucht. Dabei unterwandern Regisseur und Drehbuch nur zu gerne die Erwartungen der Zuschauer und spielen mit Rollenklischees. Die Ungewissheit, wem Bill vertrauen kann, hält die Spannung dabei ebenso durchweg auf Anschlag wie jene, ob er nicht vielleicht doch selbst tiefer in die Angelegenheit verstrickt ist.

Non-Stop

Bill auf Killersuche…

Doch leider kommen viele Spannungsgranaten bei der Auflösung ins Straucheln. So auch „Non-Stop“. Den (oder doch die?) Täter fand ich prinzipiell sehr beliebig und langweilig. Zumal sein/ihr Auftreten wenig konsequent und durchdacht wirkte. Dafür ist das Motiv hinter der Tat hochinteressant und angenehm aktuell. Zwar wird auch dieser Film nicht dazu führen, dass man das zugrundeliegende Problem hinter- fragen wird, aber schön, dass es einmal in einem Film aufgegriffen wurde. Der/Die Täter sind also so lala und das Motiv cool. Warum hadere ich also mit dem Ende? Nun, weil es „Non-Stop“ hier etwas zu gut meint und zum lärmenden Eventmovie mutiert. Plötzlich wird hypercool im Flugzeug herumgeballert, freilich werden Passagiere aus der Kabine gerissen, eine Bombe explodiert und am Ende steht noch eine fette Bruchlandung, bei der es nur so rummst und scheppert und alle vorher aufgebaute Spannung in überladenen Desasterbildern absäuft.

Dafür bleibt Liam Neeson immer Herr der Lage. Egal ob es Wrack, als paranoid wirkender Irrer, als zupackender Mann der Tat oder als weicher Familienmensch, sein Bill ist ein wirklich angenehm menschlicher Charakter voller Ecken und Kanten. Dabei erinnert sein Bill im Übrigen stark an Neesons Charakter in „The Grey“, der seine Figur zudem genauso einführte, wie es nun „Non-Stop“ tut: Neeson sitzt fertig in seinem Auto, starrt auf seinen „Arbeitsplatz“ und schwingt sich ein letztes Mal auf, seinen Job zu erledigen. Von derartigen Parallelen strampelt sich der Film zwar bald frei, schmunzeln muss man angesichts dieser Szene aber schon. An Neesons Seite agiert eine mal nicht nervige Julianne Moore („Assassins“), von deren Figur man aber weitgehend nichts weiter erfährt und die sich vornehmlich über ihre Taten definiert. Was unisono für alle anderen Figuren gilt und seine Ursache darin hat, dass der Regisseur derart unscharf gezeichnete Charaktere hervorragend für sein Whodunit nutzen kann. In weiteren Rollen agieren mit Anson Mount („Hell on Wheels“, „Safe“) und Corey Stoll („House of Cards“) zwei prominente Seriengesichter.

Non-Stop

Wer ist der Täter? Ist es Bill selbst?

Am Ende von „Non-Stop“ geht einem die berühmt berüchtigte „Weniger ist manchmal mehr“ Phrase durch den Kopf. Und das trifft das Dilemma von „Non-Stop“ verdammt gut. Denn dieser opfert eine meisterlich aufgebaute Spannungskurve für eine etwas kraftlose Auflösung und ein schepperndes Überfinale, das wohl die lahme Auflösung platt lärmen soll. Das gelingt leider nicht ganz. Am Ende des auf engstem Raum überraschend dynamisch in Szene gesetzten Thrillers (ein kleines Highlight ist die Art und Weise, wie die für die Handlung so wichtigen Textmessages eingebunden werden) überwiegt aber dennoch das gute Gefühl, gerade irre spannend und vor allem flott unterhalten worden zu sein. Und erneut fragt man sich, wieso der so wuchtig aufspielende Neeson erst so spät das Genre des physischeren Filmes für sich entdeckt hat. Denn wenn sich hier vier Mann auf Neeson stürzen und dieser sich einfach nicht niederringen lassen will, wirkt das hundertfach überzeugender, als wenn ein angedickter Seagal seine Gegner mit dem bösen Blick umlasert. Hoffentlich bleibt Neeson dem Actiongenre in dieser Form noch einige Zeit erhalten!

In diesem Sinne:
freeman



Mit Ausnahme von „Goal II“ wurde bisher jeder Langfilm Jaume Collet-Serras („Orphan“) von Joel Silver („Stirb langsam“) produziert, vor „Non-Stop“ zuletzt „Unknown Identity“.

In der Besetzung der Hauptrolle geht die Kontinuität weiter, die sich gleichzeitig auf das Image seines Stars ausweitet: Bill Marks (Liam Neeson) ist einer jener wortkargen, einsamen, aber tatkräftigen Männer, die Neeson seit „Taken“ immer wieder verkörpert. Am Flughafen sitzt er im Auto, nimmt einen Schluck, schimpft aufs Fliegen – und ist von Beruf Air Marshal, wie man später erfährt. Ein traumatisches Ereignis liegt in der Vergangenheit des Mannes, das macht die Exposition klar, es hat etwas mit seiner Tochter zu tun, doch es dauert bis der Film es ausbuchstabiert, er will den Zuschauer raten lassen, so wie es sich für einen Thriller klassischer Bauart gehört.

Non-Stop

Bill Marks (Liam Neeson) ist ein harter Hund, hat aber private Probleme

Dementsprechend klassisch gestaltet sich die Exposition weiterhin: Ohne viele Schnitte schwenkt die Kamera den Innenraum des Flugzeugs ab, in welches Marks einsteigt, während er auf dem Weg bereits diverse wichtige Nebenfiguren trifft: Die Stewardessen Nancy (Michelle Dockery) und Gwen (Lupita Nyong‘o), seine Sitznachbarin Jen (Julianne Moore), die Piloten sowie eine gewisse Anzahl markanter Einzelpersonen; Charaktere, deren Rollen zu diesem Zeitpunkt noch unklar sind, die alle Freund oder Feind sein könnten. Schauplatz und Figuren etabliert Collet-Serra effektiv und ökonomisch, ähnlich wie es bereits Genregroßmeister vom Kaliber eines Alfred Hitchcock getan haben.

Kurz nach Start des Fluges bekommt Bill Nachrichten von einem Unbekannten: Entweder die Fluggesellschaft transferiert 150 Millionen Dollar auf ein bestimmtes Konto oder ein Passagier stirbt zu einer angegebenen Zeit. Bald muss Bill feststellen, dass der Täter seine Drohung wahr zu machen weiß, doch das ist nicht die einzige unschöne Überraschung, die ihn erwartet…

Lange Zeit hat Collet-Serra seinen Film vollkommen im Griff, da er ausgesprochen gut mit dem beengten Schauplatz, dem eingeschränkten Handlungsraum des Helden und dessen Nichtwissen umzugehen weiß. Immer wieder spielt er Katz-und-Maus mit dem Täter, immer wieder setzt er die vorhandene Technik (Überwachungskameras, Handys usw.) ein, während sein Gegenspieler über enorme technische Kenntnisse zu verfügen und ihm immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Gleichzeitig darf man als Zuschauer miträtseln, wer denn nun der Täter ist, wen es als nächstes erwischen könnte und wie der Täter (oder vielleicht die Täterin oder vielleicht auch die Täter) dieses oder jenes nun getrickst haben könnte.

Selbst an der Hauptfigur lässt Collet-Serra den Zuschauer milde zweifeln. Will der Täter ihm die Entführung nur in die Schuhe schieben oder ist er es tatsächlich selbst? Sind die Vorkommnisse an Bord etwa die Hirngespinste eines Durchgedrehten? Immerhin legen die schrittweisen Enthüllungen über Bills Trauma, seine Trinksucht und sonstige Verfehlungen (etwa das Rauchen auf der Flugzeugtoilette entgegen aller Verbote) nahe, dass sein Leben aus dem Gleichgewicht geraten ist. Dementsprechend sind auch seine gewalttätigen Handlungen roh, verstörend für die Fluggäste und nur bedingt klassische Action für den Zuschauer: Sicher, die eine oder andere derbe Nahkampfaktion gibt es zu bewundern, an anderer Stelle beweist Bill den treffsicheren Umgang mit der Schusswaffe, doch die Konfrontationen wirken verzweifelt bis brutal, nicht wie klassische choreographierte Action.

Non-Stop

Bills wichtigste Verbündete – und gleichzeitig eine Verdächtige: Jen Summers (Julianne Moore)

Gegen Ende entgleitet der Film Collet-Serra etwas. Man muss mit einer Auflösung aus dem Twistorama-Bereich leben, deren Konstruiertheit an Filme wie „The Game“ erinnert, die aber bei suspension of disbelief funktioniert ohne die Zuschauer- intelligenz zu beleidigen, da der Film auf alle „Wie wurde das gemacht?“-Fragen eine Antwort zu liefern weiß. Beim Tätermotiv wird es dann etwas eindimensional, aber auch das funktioniert, während eine finale Krawalleinlage wie ein Zugeständnis wirkt: Ein Showdown muss her, also gibt es noch eine Not- bis Bruchlandung, hat bei dem ebenfalls von Joel Silver produzierten „Einsame Entscheidung“ ja schon was hergemacht, doch die CGI-lastige Sequenz in „Non-Stop“ ist wenig schnittig in Szene gesetzt und auch weniger überzeugend in den Restfilm integriert.

Diese Verfehlungen auf der Zielgeraden sind dann schon etwas schade, da sie den zuvor so sauber aufgebauten Thrill etwas stören. Dabei ist Collet-Serras Film als Thriller ohne großes Actionbrimborium eigentlich spannend genug, da er ausreichend falsche Fährten legt und noch dazu recht originell bebildert daherkommt: Das Smartphone-Texting wird als Einblendung in das Geschehen integriert, Vertipper und anschließende Korrekturen eingeschlossen, das eine Medium einfallsreich im anderen dargestellt. So funktioniert das Zusammenspiel aus klassischen Thrillerbausteinen und moderner Inszenierung eigentlich hervorragend.

Auch wenn das Harter-Hund-Image von Liam Neeson („The Grey“) gerade ein wenig zur Masche zu gerinnen droht, so überzeugt er auch als gleichsam tougher wie traumatisierter Air Marshal. Julianne Moore („Assassins“) als zweiter großer Name im Ensemble liefert famosen Support, ähnlich wie auch Michelle Dockery („Wer ist Hanna?“), Shea Whigham („Fast & Furious 6“) und Corey Stoll („Lucky Number Slevin“). Am Rest der Besetzung kann man auch nicht herummäkeln, doch es sind diese drei weniger bekannten Darsteller, die das meiste Erinnerungspotential haben.

Wer gern klassischen Thrillerstoff in modernem Inszenierungszuschnitt sieht, der kommt bei „Non-Stop“ auf seine Kosten. Dass Collet-Serras Film in einem etwas holprigen Finale endet und reichlich konstruiert ist, kann man angesichts des geschickt aufgebauten Spannungsbogens und der Darstellerleistungen problemlos verschmerzen – zumal der Film am Rande auch ein paar nette, wenn auch nicht tiefgründige Kommentare zur immer noch aktuellen Terrorangst bereithält.

„Non-Stop“ startet am 13. März 2014 in den deutschen Kinos.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Studiocanal__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 13.3.2014 in den deutschen Kinos

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