Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

Kung Fu Yoga – Der goldene Arm der Götter

Originaltitel: Gong Fu Yu Jia__Herstellungsland: China, Indien__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Stanley Tong__Darsteller: Jackie Chan, Disha Patani, Eric Tsang, Sonu Sood, Damian Mavis, Amyra Dastur, Aarif Rahman, Temur Mamisashvili, Tomer Oz, Eskindir Tesfay, Fatih Ugurlu u.a.
Kung Fu Yoga DVD Cover

Jackie Chan ist in “Kung Fu Yoga” auf der Suche nach einem sagenhaften Schatz.

„Kung Fu Yoga“ markiert die inzwischen zehnte Zusammenarbeit von Martial-Arts-Derwisch Jackie Chan (der ja eigentlich gar keine Actionfilme mehr machen wollte…) und Regisseur/Produzent Stanley Tong. Man kennt und vertraut einander. Und man liebt es, wenn die gemeinsamen Filme an exotische Schauplätze führen. Und von denen hat „Kung Fu Yoga“ einige.

Erzählt wird die Geschichte des Archäologen Jack, der eines Tages Besuch von einer indischen Prinzessin bekommt. Die offenbart ihm, im Besitz einer Karte zu sein, die den Weg zu einem seit über 1000 Jahren verschollenen Schatz weise. Natürlich ist Jack sofort angefixt und er stellt eilig einen Erkundungstrupp zusammen, der den Hinweisen der Karte folgen soll.

In den eisigen Höhen des Kunlun-Gebirges finden die Mannen um Jack alsbald den nächsten Hinweis: Einen gigantischen Edelstein. Doch bevor man dessen Funktion enträtseln kann, ist der auch schon verschwunden. Geklaut. Von einem vermeintlichen Verbündeten. Es beginnt eine Hetzjagd quer durch China über Dubai bis nach Indien. Dabei kreuzen Jack und Co. immer wieder die Wege des indischen Bösewichtes Randall, der den verschollenen Schatz als Familienbesitz deklariert.

Schaut in die Actionkomödie „Kung Fu Yoga“ mit Jackie Chan hinein:

Im Grunde seines Herzens ist „Kung Fu Yoga“ reinrassiges Abenteuerkino und bietet alles, was der Fan des Genres sehen möchte: Internationale Schauplätze, verschollene Reichtümer, eine intensive Schnitzeljagd, geheimnisvolle Hinweise und viel Action. Leider greifen bei Jackie Chans neuestem Streifen all diese Ingredienzien nie so wirklich ineinander. Zurück bleibt Stückwerk, das in kaum einem Punkt zu begeistern weiß.

Das beginnt schon bei der Geschichte des Filmes: Die hakt die Klischees des Genres routiniert ab. Ein wenig zu routiniert, denn Spannung mag hier ebenso wenig aufkommen wie ein mitreißendes Erzähltempo. „Kung Fu Yoga“ wirkt immer ein wenig zu behäbig, zu langsam und vor allem fehlen ihm Figuren, denen man gerne auf diesen Trip folgt. Ok, Jackie Chan („Skiptrace“) ist als Jack so sympathisch wie eh und je. Aber die Figuren um ihn herum funktionieren nicht. Die Motivationen der Charaktere werden nie klar und die ewig lächelnden indischen Darsteller entwickeln einfach keine Chemie mit den jugendlichen chinesischen Blassbacken in Jacks Team.

Kung Fu Yoga Jackie Chan in Action

Jackie macht sie alle alle!

Auch fehlt ein echter Bösewicht. Der so richtig fies sein darf. Doch außer arroganten Blicken kommt von Randall-Darsteller Sonu Sood nichts. Was auch an der extrem jugendfreien Ausrichtung des Filmes liegen mag. Man schaue sich nur einmal die Extras auf den Veröffentlichungen von Koch Media zum Film an. Diese sind derart überfrachtet mit aufploppenden Social Media Dreingaben, dass einem sogar die Lust vergeht, sich die Outtakes anzuschauen. Der jugendlichen Ausrichtung opfert der Film dann jedwede Konsequenz…

So enden alle Actionszenen seltsam harmlos. Manche machen irgendwann gar keinen Sinn mehr, etwa wenn Jack gerade noch diverse Lumpen erfolgreich verdroschen hat, einen Schnitt später aber gefesselt am Boden hockt. Noch schlimmer erwischt es den Bösewicht, denn der wird in seinem großen Final Fight mal vollends zur Flachpfeife degradiert. Mitten im Kampf stellen alle Beteiligten die Arbeit ein und es wird bollywoodesk getanzt. Dass man dem mitproduzierenden Indien ein paar Zugeständnisse machen würde, war ja abzusehen. Aber doch bitte nicht so!

Interessant an der Action ist, dass Chan diesmal stark auf seinen körperlichen Slapstick verzichtet und nicht alle möglichen Gegenstände in seine Choreografie einbindet. Stattdessen gehen hier erstaunlich flüssige Schlag- und Trittfolgen auf die Gegner nieder, was man von Chan sonst nur in seinen ernsteren Streifen geboten bekommt. Das Problem: Den Actionszenen fehlen durchweg echte Highlights. Ja, hier und da benutzt Chan auch mal seine weiblichen Begleiterinnen als „Schlagstock“, derartige Momente hat es aber sehr wenige.

Kung Fu Yoga Bollywood

Da Indien mitproduzierte, wird auch getanzt!

Die Highlights sollen wohl, zumindest wenn es nach Stanley Tong geht, andere Actionszenen liefern. In denen spielen Tiere eine nicht unerhebliche Rolle. So dreschen in einer Szene die Helden auf Hyänen ein. An anderer Stelle bekommen sie es mit Schlangen zu tun. Und Jackie selbst muss mit einem Löwen klarkommen, der während einer Autoverfolgungsjagd mit einem ausschließlich aus Luxuskarossen bestehenden Fuhrpark auf seinem Rücksitz hockt. All diese Szenen scheitern an den fast schon rührend antiquiert wirkenden Special Effects und einem teilweise arg kindlichen Humor-Niveau. Sollten allerdings kotzende Löwen euer Ding sein, werdet ihr hier fündig.

Und damit zu den guten Seiten des Filmes. Denn ein Frontalverriss wäre aus meiner Sicht einfach nicht gerechtfertigt. Wo „Kung Fu Yoga“ groß auftrumpft, sind seine Schauplätze. Das schroffe Island doubelt das Kunlun-Gebirge, Dubai sorgt im Alleingang für Pomp und Glorie pur und Indien wird genutzt, um den Bildschirm vor Farben förmlich überfließen zu lassen. Alleine die Szenen in dem Palast der Prinzessin, der Jack bei der Schatzsuche hilft, sprengen die Wahrnehmungsfähigkeit mit ihrer Detailfülle. Und auch wenn einige Szenen rund um einen indischen Basar etwas unfein wirklich alle Klischees zum Thema Indien auffahren, haben auch diese Bilder eine enorme Ausstrahlung.

Tong setzt all das versiert und mit Blick für große Bilder in Szene. Dass er mit einem beachtlichen Budget hantieren durfte, sieht man in jeder Einstellung. Wären nicht die grottigen Special Effects (ein Totalausfall ist die absolut seelenlose, wild vor sich hin zoomende und rasende 3D-Animationsschlacht zu Beginn des Streifens), „Kung Fu Yoga“ böte uneingeschränkt fantastisches Leinwandfutter.

Kung Fu Yoga Jackie Chan Löwe

Höhöhö, ein Löwe aufm Rücksitz. Ich beömmel mich gleich vor Lachen!

Kurzum: Die Bilder, die Ausstattung, die Sets, die Landschaften und die Musik unterstreichen nur noch einmal den Anspruch des Filmes, dem Abenteuergenre zu huldigen. Doch wie schon zu Beginn erwähnt, will „Kung Fu Yoga“ nie so wirklich rund laufen. Das beginnt schon beim Offensichtlichsten: Was im Titel noch mühelos gelingt, funktioniert im Film zu keiner Sekunde: Die Verschmelzung des Indischen mit dem Chinesischen. Der Film versucht sich nicht einmal an Culture-Clash-Momenten. Bildhafte Entsprechungen der sinnvollen Verknüpfung von Yoga und Kung Fu findet man im gesamten Film nicht. Wenn dann auch noch die indischen Charaktere nach Belieben verschwinden und wieder auftauchen, verliert man mehr und mehr die Lust an der zunehmend zielloseren Handlung. Der fehlt eine echte Motivation. Eine ordnende Hand. Spannung. Und Tempo.

Die Action wird mit vielen seltsamen Ideen ziemlich kaputt gemacht. Vor allem die humorig gemeinten Einbeziehungen von Tieren bringen die Actionszenen richtig ins Stottern. Jackie Chan merkt man derweil in jeder Szene an, dass er vorsichtiger geworden ist. Das sei ihm natürlich verziehen, er wird ja auch nicht jünger. Zudem ist die Umstellung seiner Action auf wirklich fließende Martial-Arts-Kombinationen eine hübsche Überraschung. Schön ist auch, dass er für den Film sein augenblickliches pro-chinesisches Sendungsbewusstsein deutlich zurückgefahren hat. Das macht die Chose per se deutlich sympathischer als beispielsweise zuletzt „Chinese Zodiac“, von seinen richtig unterhaltsamen Machwerken ist „Kung Fu Yoga“ dank unterschiedlichster Problemherde aber immer noch meilenweit entfernt.

4 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erschien am 28. September 2017 von Koch Media und ist mit einer Freigabe ab 12 ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Koch Media__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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