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Striptease

Originaltitel: Striptease__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1996__Regie: Andrew Bergman__Darsteller: Demi Moore, Burt Reynolds, Armand Assante, Ving Rhames, Robert Patrick, Paul Guilfoyle, Jerry Grayson, Rumer Willis, Robert Stanton, William Hill, Stuart Pankin, Dina Spybey-Waters, PaSean Wilson, Pandora Peaks, Barbara Alyn Woods, Kimberly Flynn, Rena Riffel u.a.
Striptease

In der Carl-Hiaasen-Verfilmung „Striptease“ spielt Demi Moore die Hauptrolle und Robert Patrick ihren nutzlosen Ex-Mann

Mit Hits wie „Ghost“, „Eine Frage der Ehre“ und „Enthüllung“ mauserte sich Demi Moore Anfang der 1990er zum Superstar, überflügelte die zu dieser Zeit stagnierende Karriere ihres damaligen Ehemannes Bruce Willis und kassierte eine Rekordgage für „Striptease“ – ironischerweise einer der Filme, der sie den Status als Kassenmagnet kosten sollte.

Die Verfilmung einer Buchvorlage von Carl Hiaasen (als Roman „Strip Tease“ genannt) dreht sich um die ehemalige FBI-Sekretärin Erin Grant (Demi Moore). Ihren Job verlor sie wegen der Drogenvergangenheit ihres nutzlosen Ex-Mannes Darrell (Robert Patrick), dessen Vorstrafen dann allerdings gestrichen wurden, weil er als Informant fürs Sittendezernat arbeitet. Also bekommt ausgerechnet dieser Windhund, der seinen Lebensunterhalt mit dem Diebstahl von Rollstühlen verdient, das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Angela (Rumer Willis) zugesprochen. Aus Geldnot wiederum hat Erin einen Job als Stripperin in der Nacktbar Eager Beaver angenommen, um den teuren Sorgerechtsprozess führen zu können. All diese Informationen drückt „Striptease“ seinem Publikum in den ersten paar Minuten rein, in absolut übereilter Form, dass die Ausgangslage schon mal schwer zu schlucken ist, anstatt deren Absurdität auszukosten.

Als ein Bräutigam in spe bei seinem Junggesellenabschied während Erins Performance übergriffig wird und Türsteher Shad (Ving Rhames) nicht schnell genug zur Stelle ist, schlägt ein anderer Gast den Grabbler mit einer Sektflasche nieder. Allerdings ist der Gast nicht irgendwer, sondern der sexsüchtige Kongressabgeordnete David Dilbeck (Burt Reynolds), der eigentlich incognito vor Ort ist. Dessen Aufpasser ist sichtlich angepisst und das zu Recht, denn der Stripclubbesucher und Erin-Fan Jerry Killian (William Hill) erkennt den Politiker, der sich gerade im Wahlkampf befindet. Dass der Angriff stattfindet, bevor Erin die Hüllen fallen lässt, passt schon fast wieder zum Titel des Films: Das vollständige Strippen der prominenten Hauptdarstellerin wird erstmal angeteast, Interessierte sollen dranbleiben, bis es tatsächlich so weit ist.

Der Vorfall hat zweierlei Folgen. Einerseits ist Dilbeck immer mehr von Erin besessen und will sie für sich haben – oder zumindest Sex mit ihr. Andrerseits will auch Jerry Erin beeindrucken und den Politiker dazu bringen den Sorgerechtsprozess zu ihren Gunsten beeinflussen. Das sehen Dilbecks zwielichtige Finanziers gar nicht gern und so treibt Jerry bald tot im Fluss, während Erin zum Mittelpunkt krimineller Verstrickungen wird…

Schaut euch den Trailer zu „Striptease“ an

Carl Hiaasen schreibt Comedy-Crime-Romane voller schräger Figuren, bevölkert von Halsabschneidern, bewusst absurd – so auch bei der Buchvorlage „Strip Tease“. Regisseur und Drehbuchautor Andrew Bergman hatte vor „Striptease“ die eher braven Nicolas-Cage-RomComs „Honeymoon in Vegas“ und „2 Millionen Dollar Trinkgeld“ verantwortet und versucht in seiner Adaption möglichst viele Teile des Romans unterzubringen, aber trotzdem einen Film von etwas weniger als zwei Stunden zu fabrizieren. Das merkt man dem Endergebnis an, egal ob man die Vorlage kennt oder nicht.

Viele Subplots und Situationen des Romans werden zwar kurz eingebracht, etwa der Neid von Eager-Beaver-Manager Orly (Jerry Grayson) auf den Konkurrenzladen Flesh Farm, Shads versuchter Schadensersatzbetrug mit einer Kakerlake in einem Jogurt oder der Running Gag, dass eine von Erins Kolleginnen immer fälschlicherweise Promis im Publikum vermutet. Nichts davon wird jedoch gebührend ausgespielt, um den Film zu bereichern oder für Komik zu sorgen (außer vielleicht der Szene mit dem Jogurt und der Sekretärin), sodass es eigentlich nur Ballast ist.

Das, was „Striptease“ dagegen auskostet, sind die Nackttanzszenen, die in den USA Skandalpotential besaßen, in Deutschland dagegen FSK-12-tauglich waren. Regelmäßig sieht man ausführliche Tanzperformances von Erin und ihren Kolleginnen, wofür Bergman die sonst so gehetzte Handlung dann auch mal minutenlang pausieren lässt, gerade wenn die Hauptdarstellerin am Zuge ist. Auf der Bühne, beim Üben vorm Spiegel und beim Privattanz für Dilbeck darf man Erin zusehen, wobei Demi Moore („Killerparasit“) tänzerisch respektabel ist: Sie bereitete sich nicht nur mit Yoga und Fitness auf die Rolle vor, sondern lernte Moves von realen Stripperinnen. Das Getanze ist trotzdem nur begrenzt erotisch, wird aber immerhin nicht ganz so ermüdend oft eingesetzt wie im Vorjahresflop „Showgirls“.

Doch während sich Moore bei den Tanzszenen alle Mühe gibt, so fällt ihre sonstige Performance katastrophal aus. Sie sah den Stoff ganz offensichtlich nicht als Komödie und spielt die gebeutelte Mutter auf Soap-Niveau, was dann immerhin für unfreiwillige Komik sorgt, wenn sie allein in einer leeren Wohnung hockt oder verkündet, dass ein Teil ihres Herzens abgestorben sei, weil sie ihre Tochter nicht sehen darf. Wenn Erin im Finale urplötzlich total tough sein soll, dann wird es nur noch peinlicher für die Hauptdarstellerin.

Burt Reynolds („Auf dem Highway ist die Hölle los“) hingegen ist fast schon zu sehr auf Komödie gepolt und spielt den obsessiven Kongressabgeordneten mit karikaturhaftem Overacting. Angemessen überdreht ist Robert Patrick („Good Day for It“) als windiger, fieser Ex-Mann, während Ving Rhames („Mission: Impossible – The Final Reckoning“) als sich als Ruhepol meist ordentlich aus der Affäre zieht. Armand Assante („Crazy Instinct“) als wohlmeinender Cop dagegen legt eine Totalausfall-Performance hin und auch der Rest der Darsteller kann kaum punkten.

Leider scheint sich der Film auch nie ganz sicher über seinen Tonfall und sein Genre zu sein. In allen Szenen um Erin und ihr blutendes Mutterherz versucht er sich als großes Drama, ist aber bloß peinlicher Kitsch. Als Satire oder schwarze Komödie ist er zu zahm, kostet die Absurditäten der Handlung kaum aus und leidet auch unter dem meist katastrophalen Comedy-Timing von Bergmans Inszenierung – jede Menge witzig gemeinte Szenen und Passagen (etwa um eine unzulängliche Ersatzschlange für eine Tänzerin) verpuffen ohne Wirkung. Als Thriller wiederum kann er nie Spannung erzeugen oder eine Fallhöhe vermitteln. Nicht nur, dass Bergman die Buchvorlage abschwächte (dort gibt es unter anderem mehr Tote), sondern der Film deutet auch nur so halb an, dass die Zuckerrohr-Bosse, die Dilbeck finanzieren, mafiöse Geschäftsmänner mit wenig Wertschätzung für menschliches Leben sind.

So schwankt die Plotte unentschlossen zwischen Drama, Komödie und Thriller, spult seine Krimihandlung in großer Hetze ab, damit mehr Laufzeit für die Fleischbeschau da ist, ohne dabei eine absurd-witzige Milieustudie im Sinne Hiaasens draus zu machen. Dabei bleibt Bergman der (stark gerafften) Handlung des Buches weitestgehend treu, ändert nur das Finale merklich – nur nicht zum Guten. Dass Shad und Lieutenant Al Garcia (Armand Assante) – beides Beschützerfiguren für Erin – zwei Stripperinnen und Angela auf eine gefährliche Rettungsmission hinnehmen ist fast so hirnrissig wie die Ausgestaltung des Showdowns, in dem eine Ladung Zucker, die durch konstruierte Umstände von der Decke fällt, die Rettung bringt.

„Striptease“ ist eine Komödie, die selten lustig ist, ein Drama, das null dramatisch ist, und ein Thriller, der so gut wie gar nicht thrillt – so sollten Genremixe wirklich nicht aussehen. Robert Patrick und Ving Rhames machen noch das Beste aus ihren Rollen, während Hauptdarstellerin Demi Moore höchstens beim Tanzen überzeugt. Regie und Drehbuch können sich auf keinen Tonfall einigen. Die Krimiplotte wird ohne Atempause oder Spannung runtergekurbelt und in den Stripszenen aufs Abstellgleis gestellt. Ausgerechnet Hiaasen soll der Film wohl gefallen haben, dessen Vorlage als Krimikomödie trotzdem merklich besser ist als diese Gurke.

Die deutschen Versionen von „Striptease“ basieren auf der US-Unrated-Fassung, wurden von Warner auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht und sind ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben. Bonusmaterial gibt es auf beiden Medien nicht.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner Bros.__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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