Wie schon bei den Vorgängern führt Yuen Woo-Ping bei „Tiger Cage 3“ Regie, wobei die Filme inhaltlich nichts miteinander zu tun haben. Anstelle von Donnie Yen spielen Cheung Kwok-Leung und Michael Wong im dritten Teil der Actionreihe die Hauptrollen als Cops, die Wirtschaftskriminelle jagen. Die Freundin des einen Polizisten arbeitet in der Finanzbranche. Über sie stoßen sie auf eine heiße Spur, stoßen aber auch in ein Wespennest.
| Originaltitel: Laang Min Jui Gik Sau__Herstellungsland: Hongkong__Erscheinungsjahr: 1991__Regie: Yuen Woo-Ping__Darsteller: Cheung Kwok-Leung, Michael Wong, Sharla Cheung Man, John Chang Wu-Lang, Chang Seng-Kwong, Wong Kam-Kong, Woo Fung, Lau Shun u.a. |

In „Tiger Cage 3“ jagen die Cops Cheung Kwok-Leung und Michael Wong unter der Regie von Yuen Woo-Ping Wirtschaftskriminelle
Ähnlich wie die „In the Line of Duty“-Reihe gehört auch die „Tiger Cage“-Filmserie zu jenen Hongkong-Reihen, deren Filme eigentlich komplett autark sind und sich oft noch nicht einmal das Personal teilen. So muss „Tiger Cage 3“ auch ohne Donnie Yen verzichten, der in den Vorgängern jeweils unterschiedliche Rollen als Hauptdarsteller gespielt hatte.
Kleines Unterscheidungsmerkmal zu den Dutzenden anderer Cop-Actionfilme aus der damaligen Kronkolonie ist das Arbeitsmetier der beiden Inspektoren James (Cheung Kwok-Leung) und John (Michael Wong), die im Bereich Wirtschaftskriminalität ermitteln. John ist resigniert und selbst auf Geld aus, James ein Idealist, dessen Freundin Suki (Sharla Cheung Man) für einen Geschäftsmann in der Finanzbranche arbeitet. Nicht nur aus beruflichen Gründen, sondern auch um festzustellen, ob Suki treu ist, versieht das Duo deren Handtasche mit einer Wanze. Beim Geschäftsessen hört das Cop-Duo dann von einem betrügerischen Deal zwischen Sukis Boss und dem zwielichtigen Mr. Lee (Wong Kam-Kong). Neben den inkriminierenden Äußerungen fallen auch noch Hinweise zum Aktienhandel, bei denen vor allem John die Ohren spitzt.
Die Cops melden ihre Erkenntnisse ihrem Vorgesetzten, worauf die Einheit Sukis Boss hochnimmt und die belastenden Unterlagen sicherstellt. Danach überschlagen sich die Ereignisse: Jemand erpresst Mr. Lee mit den Beweismitteln um 10 Millionen Dollar, während der Gangsterboss zwar zahlt, aber auf seine Weise zurückschlägt. Seine Goons töten Zeugen, stürmen das Polizeirevier, um die Unterlagen zurückzuholen, und entführen Suki. James verfolgt die Kidnapper, kann die Entführung jedoch nicht vereiteln und stirbt vermeintlich bei einer Bootexplosion. Es folgt ein Zeitsprung von mehr als einem halben Jahr, womit die vorher so temporeiche Handlung wieder gedrosselt wird.
James hat schwere Verbrennungen davongetragen, wurde von Fischern gerettet und hat sich bei niemandem zurückgemeldet. John wurde wegen der Erpressung gefeuert, besteht aber auf seiner Unschuld. Und Suki ist mittlerweile die rechte Hand von Mr. Lee, auch wenn nicht klar ist, wie freiwillig dies ist. Dann kehrt James zurück in die Metropole…
Schaut euch den Trailer zu „Tiger Cage 3“ an
„Tiger Cage 3“ will nicht einfach nur ein Hongkong-Actionfilm sein, sondern versucht sich auch als Thriller. Denn es wird bis kurz vor Filmende nicht aufgelöst, wer hinter dem fatalen Erpressungsversuch steht, der für so viel Leid verantwortlich ist. John ist einerseits ein Geldgeier, beharrt andrerseits aber auf seiner Unschuld und lebt auch nicht gerade auf großem Fuße. Suki ist jetzt vergleichsweise mächtig in der Finanzindustrie, wurde von Mr. Lee aber zur Zusammenarbeit ebenso gezwungen wie zum Sex und starrt regelmäßig trauernd auf das Foto ihres vermeintlich toten Lovers. Regisseur Yuen Woo-Ping („Crouching Tiger, Hidden Dragon: Sword of Destiny“) und dem Autoren-Duo aus Patrick Leung („Bullet in the Head“) und Wing-Fai Wong („Wing Chun – Gefährlich wie eine Pantherkatze“) gelingt es, diese Frage einigermaßen spannend zu halten, indem sie Verdachts- wie Entlastungsmomente bei beiden Hauptverdächtigen platzieren. Für James heißt es natürlich nur, dass entweder sein Partner und Kumpel oder seine große Liebe für das Unglück und seine Entstellung verantwortlich ist. Allerdings gerät genau dieser Aspekt von „Tiger Cage 3“ manchmal ins Hintertreffen, wird mal aufgenommen und mal fallen gelassen, was die Fallhöhe mindert. Zumal sich die Ereignisse auf der Schlussgeraden dann so überschlagen, dass kaum noch etwas nachwirken kann.
Andere Aspekte händelt das Drehbuch dagegen deutlich weniger souverän. In einer Szene werden zwei Nebenfiguren umgebracht und sollen für Rachegelüste sorgen – dummerweise hat man die eine davon kaum, die andere quasi gar nicht kennengelernt, sodass dies in der Luft verpufft. Auch das Drama um James‘ Entstellung wird nicht sonderlich filigran gehandhabt: Auf der Straße wird er wie der Elefantenmensch behandelt, weshalb er später eine Maske trägt, die an das Phantom der Oper erinnert (welches im Vorjahr mit „Darkman“ auch eine Art US-Action-Update bekam). Andere Subplots, wie die sexuelle Ausbeutung Sukis durch Mr. Lee und die spätere Suche nach einer „Nachfolgerin“, werden viel zu stiefmütterlich behandelt und das Finanzsetting ist auch bloß Handlungsdeko. Wie die Betrügereien funktionieren, wird kaum ausgeführt, meist sagt nur Person A, dass die Person B übers Ohr hauen will und dafür die Hilfe von Person C braucht.
Dadurch, dass sich „Tiger Cage 3“ mehr auf die privaten Dramen und Business-Krimiaspekte konzentriert, gerät die Action im Vergleich zu anderen Hongkong-Reißern etwas ins Hintertreffen, ist aber immer noch ordentlich vorhanden. Der erfahrene Yuen Woo-Ping sorgt am Steuer für Nahkämpfe, Shoot-Outs und ein paar Explosionen, auch wenn die Set Pieces selten zu ausufernd sind. In Sachen Choreographie und Inszenierung ist das alles auf gutem Hongkong-Niveau, es sind aber nur zwei Actionszenen, die größer herausstechen. In der einen attackieren die Schurken das auf dem Wasser gelegene Versteck der Helden auf Jetskis und einem Motorboot, wobei unter anderem Maschinenpistolen, ein Raketenwerfer und eine Harpune zum Einsatz kommen. Bei der anderen handelt es sich um einen Zweikampf zwischen James Mr. Lees Chef-Vollstrecker auf einer Baustelle, wobei Gerüste, ein schwerer Hammer und brennende Holzlatten einbezogen werden. In Sachen Choreographie und Dynamik klar das Highlight des Films, weshalb es seltsam ist, dass es später noch einen Showdown gibt, in dem sich ein bebrillter Finanzhengst urplötzlich als weitere Kampfmaschine erweist.
Ohne einen zugkräftigen Genrestar wie Donnie Yen in der Hauptrolle bleibt Michael Wong („Skiptrace“) der größte Name im Cast von „Tiger Cage 3“. Der kann seine oft gespielte Lebemann-Persona aber gut einbringen, hier mit einer dunkleren Seite, denn man traut seinem Inspektor zu, dass er für ein Stück vom Kuchen Grenzen überschreitet. Auch den entlassenen, unten angekommenen Bullen kauft man ihm ab. Auch Sharla Cheung Man („Cheetah on Fire“) kann Suki erfrischend undurchsichtig spielen: Ob die weibliche Hauptfigur nun die unschuldige Leidende ist, die einfach tut, was sie tun muss, um durchzukommen, eine Femme Fatale oder einfach nur einen fatalen Fehler gemacht hat, lässt sie auch durch ihr Spiel offen. Ausgerechnet Hauptdarsteller Cheung Kwok-Leung („Shaolin Kickboxer“), der große Teile des Films unter Narben-Make-Up oder einer Maske verbringt, fällt dagegen ab. Wong Kam-Kong („Bodyguard von Peking“) ist kein herausragender Bösewicht, aber spielt verachtenswert genug, um in der Rolle zu überzeugen.
Dass „Tiger Cage 3“ als schwächster Teil der Reihe gilt, ist verständlich, es ist aber immer noch okaye Hongkong-Crime-Routine. Die Actionmenge ist für HK-Verhältnisse etwas geringer, aber das Gehaue und Geballer ist handwerklich gut gemacht, mit zwei Highlights im letzten Drittel. Die Krimiplotte baut vor allem mit der Verratsfrage Spannung auf, baut dafür andere Subplots ein, die den Film eher ausbremsen als bereichern. „Tiger Cage 3“ ist Genredurchschnitt, aber wenn man sich anschaut, was Yuen Woo-Ping mit „Tiger Cage 2“, „In the Line of Duty IV“, „Iron Monkey“ und „Red Wolf“ kurz davor und kurz danach drehte, schon eine kleine Enttäuschung.
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Auf VHS war „Tiger Cage 3“ nicht nur gekürzt, sondern wurde lediglich als „Tiger Cage“ veröffentlicht, nachdem Teil 1 als „Ultra Force 4“ und Teil 2 als „Full Contact“ in die deutschen Videotheken kamen. Eine erste DVD-Auflage von Splendid veröffentlichte ihn gemeinsam mit den Vorgängern immerhin als „Tiger Cage III – Die Rache des Jägers“, war aber weiterhin gekürzt. Mittlerweile gibt es ihn ungekürzt bei Mr. Banker Films/Cargo Records/TG Vision auf DVD und Blu-Ray, ungekürzt ab 18 Jahren freigegeben. Als Extras gibt es Trailer und eine Bildergalerie.
© Nils Bothmann (McClane)
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