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Hongkong Cop

Originaltitel: Wong Ga Jin Si__Herstellungsland: Hongkong__Erscheinungsjahr: 1986__Regie: David Chung__Darsteller: Michelle Yeoh, Michael Wong, Hiroyuki Sanada, Pai Ying, Michael Chan Wai-Man, Lam Wai, Kam Hing-Yin, Reiko Niwa, Siu Tak-Foo, Kenneth Tsang u.a.
Hongkong Cop

Michelle Yeoh knüppelt sich durch den knallharten Hongkong-Kracher “Hongkong Cop”.

Michelle, Peter und Michael werden bei ihrer Ankunft in Hongkong wie Helden gefeiert. Ihnen ist es nämlich gelungen, auf einem Linienflug die Befreiung eines Schwerverbrechers durch einen Komplizen zu vereiteln. Dabei beißen zwar beide Lumpen ins Gras, dafür konnte das Flugzeug unbeschadet landen. Während die drei den medialen Rummel genießen, schmiedet ein Kumpel der abgekratzten Gangster einen Racheplan.

Dem fällt ausgerechnet Peters kleine Familie zum Opfer. Blind vor Rache startet dieser wiederum einen Rachefeldzug und verursacht dabei ein mittleres Gemetzel unter zig Unschuldigen. Den Killer kann er dabei zwar stellen, aber wo drei fiese Killer sind, da ist meist ein Vierter nicht weit. Und der verschärft das Tempo enorm…

Wenn „Hongkong Cop“ alias „In the Line of Duty“ endet, überkommen einen schon leicht wehmütige Gedanken. An eine Zeit, als Action scheinbar noch alles konnte und auch durfte. Und Political Correctness ein Fremdwort war. Dahingehend kommt man bei „Hongkong Cop“ teilweise aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Da werden Kinder getötet, Unbeteiligte zu Dutzenden umgenietet und Särge mit Polizisten drin an Kräne gehängt, um diese dann in die Luft zu jagen. So ganz geschmackssicher war das vermutlich nie, aber irgendwie scheinen alle am Film Beteiligten häufiger gedacht zu haben: Wen juckt es? So unbekümmert sollten die Actionstars heutzutage mal wieder zu Werke gehen.

Schaut in den grandiosen Actionradau „Hongkong Cop“ rein

Zurück zu „Hongkong Cop“. Der erzählt keine oscarreife Geschichte, präsentiert sich aber als höchst effektive Tirade aus Aktion und Reaktion und kommt so nie zur Ruhe. Immer wieder zaubert der Film ein neues Ass aus dem Ärmel, um die Spannung hoch zu halten und unseren drei Helden immer neue Lumpen vor die schlagkräftigen Handkanten zu schicken.

Dabei wird bei der Action Abwechslung groß geschrieben. Beweisen die Helden zunächst in einem Passagierflugzeug und in der Kanzel eines Baggers!!! höchste Körperbeherrschung auf engstem Raum, haben sie an Schauplatz Nummer drei, einem Schiff, schon mehr Platz. Eine flotte Autoverfolgungsjagd sorgt inmitten der bisher dominierenden Handkantenaction für Abwechslung und generiert eine für Hongkong-Verhältnisse enorme Menge an Blechschäden.

Während diese Abfolge an Schauplätzen mit der darin gezündeten Action den meisten zeitgenössischen Actionfilmen schon genügt hätte, um einen 90-Minüter zu füllen, legen Peter, Michelle und Co. jetzt erst richtig los. In einer Nachtbar kommt es zu einer infernalischen Ballerei, bei der neben einem unfassbaren Kollateralschaden auch allgemein der Brutalitätsgrad deutlich angezogen wird. Von hier gelangt man dann noch zu einer alten Bergwerkgrube, wo der große Showdown steigt.

Zu ebenjenem reitet die Heldin mit einem gepanzerten Wagen an, es wird wie zu „Indiana Jones’“ besten Zeiten in Loren herumgekurvt und im großen Showdown-Schlussfight beharken sich die Kontrahenten mit einer Kettensäge, Spitzhacken, Vorschlaghämmern und was es sonst noch so in einer alten Mine an „Spielzeugen“ haben kann. Die dabei gezündete Choreografie wirkt im Vergleich zu der bisherigen Gestaltung der Fights unfassbar roh und derb und lässt einen vor allem mit der armen Michelle Yeoh („Mechanic: Ressurection“), die hier einige derbe Treffer kassiert, extrem mitleiden.

Die macht in dieser recht frühen Rolle, mit der sie das erfolgreiche Hongkonger „Girls with Guns“-Schema entscheidend mitprägen sollte, einen absolut soliden Job, glänzt in der Action mit toller Körperbeherrschung und im Zusammenspiel mit Michael Wong („Skiptrace“) mit viel Charme. Der hat im Großen und Ganzen eine echt dämliche Rolle abbekommen. Er muss eine Art Aushilfs-Don-Juan geben, überzieht dabei kräftig und entwickelt ein enormes Nervpotential. Zumal der Mime zu der spektakulären Action nichts beizutragen weiß. Da ist Peter-Darsteller Hiroyuki Sanada („47 Ronin“) schon von einem ganz anderen Kaliber. Der darf ein paar beeindruckende Choreografien mit Leben füllen und schafft das absolut überzeugend. Zudem ist seine ruhige und zurückhaltende Art im Vergleich zu Wong eine echte Wohltat.

Inszenatorisch fällt natürlich vor allem die enorm dynamische Action als erstes auf. Hier setzt es flotte Schnitte und ein paar schön schräge Perspektiven. In den Fightszenen steht die Kamera auch immer goldrichtig und darf ein paar harte Einschläge als bemitleidenswert echt „enttarnen“. Abseits der Action fällt die Bebilderung von „Hongkong Cop“ deutlich gemächlicher und geerdeter aus, passend zu den wenigen Ruhepausen in der Action. Interessant ist, dass der heutige Hongkong-Regiestar Johnnie To, der bis zu diesem Film ausschließlich fürs TV gearbeitet hatte, hier seine erste größere Anstellung als Regisseur der Second Unit inne hatte. Der Soundtrack besteht ausnahmslos aus relativ reduzierter Synthesizermucke, die für die Dauer des Filmes durchaus Laune macht.

Was am meisten gefällt, ist, dass „Hongkong Cop“ nicht die allzu oft gesehene Asia-Mische aus Brachialhumor und Action geworden ist. Stattdessen bemüht sich der Film um eine stringente, dichte Atmosphäre, die definitiv einen ernsten Grundton hat. Da kann nicht einmal der wie aufgezogen chargierende Michael Wong etwas kaputt machen. Der Rest ist „Aufs Maul“-Unterhaltungskino der Güteklasse A. Hier wird gnadenlos, brutal und blutig alles aus dem Weg geräumt, was auch nur ansatzweise falsch guckt. Die Action atmet infolgedessen eine Kompromisslosigkeit, wie man sie heutzutage nur noch in Actionsternstunden erleben darf. Dazu kommen die fantastischen Fightsequenzen, in denen sich Könner unter der Leitung von Chin Kar Lok und Hoi Man amtlich eine aufs Fressbrett zimmern. Tempo, Action und Unterhaltungsfaktor dieses Streifens stimmten derart, dass eine ganze Reihe an „Girls with Guns“-Filmen nachfolgen sollte. In der Folge entstand eine ganze „In the Line of Duty“-Reihe. Diese kommt heute auf 7 Einträge. Dabei trugen alle Filme ab Teil 3 tatsächlich den „In the Line of Duty“-Titel im Namen, während die heutigen ersten beiden Filme erst nachträglich zu der Reihe hinzugezogen wurden. In den Folgefilmen durfte sich das Who is Who der HK-Actionladys ordentlich austoben.

8 von 10

In Deutschland kommt die uncut-Version von dem Label Eyecatcher Movies. Die ungeprüfte DVD hat eine ordentliche Bildqualität aufzuweisen.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Eyecatcher Movies__Freigabe: ungeprüft__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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