| Originaltitel: Wo Hu Cang Long II: Qing Ming Bao Jian__Herstellungsland: China/USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Yuen Woo-Ping__Darsteller: Donnie Yen, Michelle Yeoh, Natasha Liu Bordizzo, Harry Shum Jr., Jason Scott Lee, Eugenia Yuan, Roger Yuan, JuJu Chan Szeto, Chris Pang, Darryl Quon, Woon Young Park, Veronica Ngo, Shuya Chang, Andrew Stehlin u.a. |

In dem späten Sequel „Crouching Tiger, Hidden Dragon: Sword of Destiny“ von Yuen Woo-Ping verteidigen Michelle Yeoh und Donnie Yen ein mythisches Schwert vor Jason Scott Lee und seinen Schergen
Obwohl „Tiger & Dragon“ von Ang Lee zu einem kleinen Klassiker des Wuxia-Films avancierte, dauerte es mehr als zehn Jahre, ehe man sich um ein Sequel bemühte. Mit Hongkong-Veteran Yuen Woo-Ping („Red Wolf“) übernahm der Kampfchoreograph des Erstlings die Regie der Fortsetzung „Crouching Tiger, Hidden Dragon: Sword of Destiny“, der ihn dann gleich auch noch mit den Hauptdarstellern seines „Wing Chung – Gefährlich wie eine Pantherkatze“ vereinte.
Die US-chinesische Produktion wurde trotz seines Casts direkt auf Englisch gedreht und außerhalb von China via Netflix vertrieben. Während Zhang Ziyi für eine Rückkehr als Jen Yu absagte, geht es hier dann um Yu Shu Lien (Michelle Yeoh), die immer noch am Tod ihres geliebten Li Mu Bai zu knabbern hat, obwohl auch innerfilmisch die Jahre ins Land gezogen sind. Die Kampfkunstmeisterin reist zur Beerdigung eines verstorbenen Fürsten, um diesem die letzte Ehre zu erweisen, und wird auf dem Weg von den Schergen des White-Lotus-Clans angegriffen. Trotz Überzahl schlägt sie die Schurken in die Flucht, mit etwas Hilfe eines vermummten Mannes, der sich ihr nicht weiter zu erkennen gibt, aber natürlich später wichtig für die Handlung sein wird. Dabei handelt es sich um Silent Wolf (Donnie Yen).
Bei dem Verstorbenen handelt es sich auch nicht um Irgendwen, sondern um den Hüter des Schwertes Green Destiny, das als besonders mächtig gilt. Ein Grund, warum White-Lotus-Chef Hades Dai (Jason Scott Lee) die Waffe in seinen Besitz bringen will und das junge Clan-Mitglied Wei Fang (Harry Shum jr.) mit dem Diebstahl beauftragt. Dummerweise steigt dieser zeitgleich mit der jungen Snow Vase (Natasha Liu Bordizzo) ein, die das gleiche Ziel hat und kurz zuvor noch versucht hatte Hades Dai zu töten. Es kommt zum Kampf, der direkt etwas Flirthaftes hat und durch dessen Geräusche die Wachen auf den versuchten Diebstahl aufmerksam werden. Snow Vase gibt sich als unschuldige Zeugin aus, Wei Fang wird überwältigt und eingesperrt.
Yu Shu Lien und die Bewohner der Garnison sind sich der Gefahr bewusst und suchen nach Kämpfern, die bei der Verteidigung des Schwertes helfen. Silent Wolf folgt dem Ruf und rekrutiert mit Flying Blade (Chris Pang), Thunder Fist (Woon Young Park), Silver Dart Shi (JuJu Chan) und Turtle Ma (Darryl Quon) gleich noch vier weitere Martial-Arts-Meister…
Schaut euch den Trailer zu „Crouching Tiger, Hidden Dragon: Sword of Destiny“ an
Trotz der Herkunft der Crew, des Vorgängerfilms und der zugrundeliegenden Romanvorlagen gab man das Drehbuch von „Sword of Destiny“ nicht in chinesische Hände, sondern betraute John Fusco mit dem Script. Der betreibt selber Martial Arts, hatte als Drehbuchautor von „The Forbidden Kingdom“ und Schöpfer der Serie „Marco Polo“ durchaus Erfahrung im Genre, begann seine Karriere allerdings primär mit Western („Young Guns“ plus Sequel) und Western-inspirierten Stoffen („Crossroads“, „Halbblut“). So erscheint auch „Sword of Destiny“ bisweilen wie ein Mix aus Wuxia- und Western-Motiven. Auf der einen Seite gibt es klassische Kampfkunst-Tropen wie die Martial-Arts-Meisterschaft als höchstens Ziel, Familien- bzw. Clan-Ehre als Motiv und mythische Überhöhungen durch Drahtseilfliegerei. Auf der anderen Seite erinnern nicht nur manche Szenen mit Reitern in weiter Landschaft an Western, sondern auch die Grundstruktur mit dem Warten auf die Banditen und der Suche nach Verbündeten – Werke wie „High Noon“, „Rio Bravo“ und (der „Sieben Samurai“-inspirierte) „Die glorreichen Sieben“ lassen grüßen.
Leider erweist sich Fuscos Script dann auch nicht als sonderlich inspiriert, sondern als Handwerker-Arbeit, die nicht nur inhaltlich, sondern auch strukturell den Anschluss an den Vorgänger sucht. Wieder gibt es ein älteres und ein jüngeres Paar. Bei Lone Vase und Wei Fang halten sich von Anfang an Anziehung und gegenseitiges Herausfordern die Waage, zwischen Yu Shu Lien und Silent Wolf gibt es eine alte Verbindung, die bald offenbart wird. Wieder ist ein Schwert das Objekt der Begierde, der verstorbene Li Mu Bai schwebt als Schatten über der Geschichte und wird mehrfach erwähnt. Bei seinen Hauptfiguren erreicht „Sword of Destiny“ immerhin eine gewisse Tiefe, auch wenn manchmal auf Standardmotive aus dem Genrewerkzeugkasten (wie Rache für die tote Meisterin) zurückgegriffen wird. Viele von den Nebenfiguren bleiben dagegen reichlich verschenkt: Das Quartett an Kampfkunstmeistern zeichnet sich in erster Linie durch die verschiedenen Kampftechniken aus und kommt wenig zum Zuge, der Oberschurke hat nicht mehr als einen stumpfen Machtwunsch an Eigenschaften zu bieten, Handlangerinnen wie die blinde Zauberin (Eugenia Chan) bleiben exotische Randerscheinungen. Zumal einige Nebenfiguren enttäuschend schnell und mit enttäuschend wenig Widerhall abserviert werden.
Bei der Inszenierung gibt es im Vergleich zum Vorgänger merkliche Unterschiede. Wo Lee auf poetische Bilder und groß angelegte Tableaus setzte (und manchmal vielleicht etwas zu sehr darin schwelgte), ist Yuen Woo-Ping doch eher klassischer, pragmatischer Actionregisseur. Dabei gibt es auch weniger Kampfszenen als in den Werken aus der Hochzeit des Hongkong-Kinos, hier natürlich mit der Wuxia-typischen Drahtseilakrobatik. Die Fights sind dabei von schwankender Qualität. Auf der starken Seite: Der Kampf von Snow Vase und Wei Fang beim versuchten Diebstahl ist eine Art Tanz, bei dem es ums Flirten, aber auch ums Nicht-Entdecktwerden geht, ein Massenkampf in einer Waldtaverne führt die Fähigkeiten der Fighter vor und ein Zwei-gegen-einen-Kampf auf einem gefrorenen See nutzt das Terrain stimmig aus. Auf der schwachen Seite: Bei einem Überfall auf das Städtchen nietet erst Blind Enchantress schwarz gekleidete Wachen um, dann wemmsen sich die Helden mit schwarz gekleideten Handlangern, was wenig übersichtlich ist, der Showdown ist leider die wahrscheinlich generischste und einfallsärmste Klopperei des ganzen Films. Inszeniert ist das alles solide, aber es fühlt sich nach einer Auftragsarbeit an, deren Wirework manchmal auch vom körperlichen Können der Beteiligten ablenkt.
Das trifft auch auf Donnie Yen („The Prosecutor“) zu, der damals auf dem Höhepunkt seiner internationalen Bekanntheit war, in den Credits noch vor Michelle Yeoh („A Haunting in Venice“) genannt wird und den schweigsamen Recken mit Ehrenkodex und tragischer Vergangenheit charismatisch verkörpert. Michelle Yeoh gibt ihrer Rolle Gravitas, hinterlässt allerdings weniger Eindruck als im Vorgänger. Natasha Liu Bordizzo („Day Shift“) ist recht gut, Harry Shum jr. („Everything Everywhere All at Once“) dagegen reichlich austauschbar. Jason Scott Lee („Talos – Die Mumie“) gibt seinen One-Note-Bösewicht mit einer One-Note-Performance, der in den Credits recht prominent genannte Roger Yuan („Mulan“) kommt enttäuschend wenig vor. Auch Leute wie Eugenia Yuan („Revenge of the Green Dragons“), JuJu Chan („Fight or Flight“), Chris Pang („Blade of the 47 Ronin“), Woon Young Park („Bullet Train“), Darryl Quon („Tomboy“) und Veronica Ngo („The Princess“) haben in erster Linie in den Kampfszenen mal kleine Momente, wo sie etwas Aufmerksamkeit erregen können, sind darstellerisch aber kaum gefordert.
„Sword of Destiny“ ist kein komplett missratener Wuxia-Film, steht aber in erster Linie im Schatten seines (bisweilen etwas überbewerteten) Vorgängers. Das Script klappert Standards des Martial-Arts-Genres mit leichten Western-Einflüssen ab und kopiert Elemente von „Tiger & Dragon“, die Set Pieces sind mal mehr, mal weniger mitreißend und die Inszenierung solides, aber wenig inspiriertes Handwerk. Es bleibt okayer Standard, was immerhin mehr ist beim mit hässlichem CGI überladenen „The Thousand Faces of Dunjia“ ist, den Yuen Woo-Ping im Folgejahr drehte.
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„Crouching Tiger, Hidden Dragon: Sword of Destiny“ wird in Deutschland bisher exklusiv via Netflix ausgewertet und wurde nicht von der FSK geprüft. Der Streamingdienst empfiehlt ihn ab 12 Jahren.
© Nils Bothmann (McClane)
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