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Marco Polo (Season 1)

Originaltitel: Marco Polo__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2014__ Regie: David Petrarca, Alik Sakharov, Joachim Rønning, Espen Sandberg__Darsteller: Chin Han, Mahesh Jadu, Shu An Oon, Lorenzo Richelmy, Yerden Telemisov, Vanessa Vanderstraaten, Rick Yune, Nicholas Bloodworth, Fish Chaar, Ray Tan, Joan Chen, Olivia Cheng u.a.

Darum geht es in „Marco Polo“ Season 1

Marco Polo

Die Serie der großen Bilder und exotischen Schauplätze: “Marco Polo”.

1270. Venedig. Die Stadt ist das Handelszentrum der Welt und bietet auch Marco Polo ein Heim. Der junge Mann wuchs ohne Eltern auf. Seinen Vater hat er nie getroffen, seine Mutter starb vor gefühlten Ewigkeiten. Da steht urplötzlich sein Vater vor ihm und bietet ihm an, er könne ihn in Richtung Asien begleiten. Mit seinem Onkel wolle Marcos Vater dort entlang der Seidenstraße Handel treiben. Marco Polo ergreift die Gelegenheit und startet in ein aufregendes Abenteuer.

Fast drei Jahre sind die Händler bereits unterwegs, als sie von den Männern Kublai Khans aufgegriffen werden. Der mächtige mongolische Herrscher – Enkel des großen Dschingis Khan – hat wie sein Großvater Großes vor: Er möchte ganz Asien zu einem Land vereinen. Und wenn er danach die gesamte Welt erobern könnte, wäre ihm das auch recht. Von diesem Mann benötigen Marco Polo und seine Begleiter die Erlaubnis, entlang der Seidenstraße Handel treiben zu dürfen.

Als Pfand sollten ein paar Priester dienen. Denn der weltoffene Herrscher möchte sich über das Christentum informieren und die fremde Religion verstehen. Dummerweise haben die Priester im Gefolge von Marcos Vater die strapaziöse Reise entweder vorher abgebrochen oder sind den Gefahren der gefährlichen Reiseroute zum Opfer gefallen. Doch Marcos Vater bemerkt, dass Kublai Khan großes Interesse an seinem wortgewandten Sohn zu haben scheint. Kurzerhand bietet er Marco als Faustpfand an! Der ist von dieser Entwicklung komplett überrumpelt und fühlt sich verraten und verkauft, ist dem Aufenthalt am Hofe des Khans allerdings nicht vollends abgeneigt.

Er ist fasziniert von der fremden Kultur und dem erstaunlich offenen, so gar nicht barbarischen Herrscher der Mongolei. Und dieser meint es erstaunlich gut mit ihm. Er lässt Marco in den Kampfkünsten ausbilden, das Reiten lehren, die Sprache erlernen und zieht ihn mehr und mehr ins Vertrauen – auch bei durchaus staatstragenden Entscheidungen. Doch das geschieht freilich nicht ganz uneigennützig, denn Kublai Khan kann neutrale Meinungen nur zu gut gebrauchen.

Immerhin wirkt das von ihm bisher errichtete Großreich äußerst fragil. Beständig drohen wichtige Allianzen zu zerbrechen. Überall lauern gefährliche Assassinen, entsandt von vermeintlichen Freunden und gefährlichen Feinden. Die höchsten Bediensteten seiner Regierung intrigieren gegen ihn und seine Absichten. In dem chinesischen Kanzler Jia Sidao hat er obendrein einen Feind von ungeahnter Verschlagen- und Gerissenheit.

Doch auch innerhalb von Khans Familie brodelt es gehörig, denn vor allem seinen Söhnen gefällt es so gar nicht, wie nah ihr Vater den Fremden an sich heran lässt. Vor allem in Prinz Jingim erwächst Marco ein ebenso mächtiger wie impulsiver Gegner…

Episodenführer

Der Reisende
Vom Wolf und vom Hirsch
Das Fest
Der vierte Schritt
Assassinen
Der weiße Mond
Die Feder der Gelehrten
Die Abbildung
Die Gefangenen
Das Himmlische und das Ursprüngliche

Eine große Abenteuerserie mit noch größeren Schauwerten

Bereits 2012 suchte der amerikanische TV-Sender „Starz“ nach einem geeigneten Serien-Großprojekt, das „Spartacus“, den bisher größten Serienerfolg von „Starz“, beerben könnte. Man orderte 10 Folgen einer „Marco Polo“ betitelten Show, stieß aber bald auf große Probleme: Ursprünglich wollte man nämlich an Originalschauplätzen in China drehen, was aus verschiedenen Gründen (finanzielle und politische) allerdings nicht möglich war. Die Suche nach adäquaten Ersatzdrehorten zog sich dem TV-Sender dann viel zu lange hin.

„Starz“ ließ „Marco Polo“ fallen. Daraufhin witterte „Netflix“ seine große Chance. Der Streaming-Dienst war (und ist) intensiv auf der Suche nach lohnenden Serienprojekten, die in den heutigen Zeiten durchaus Zugfaktoren für die Verbreitung ebensolcher Dienste darstellen. Man sicherte sich Drehorte in Kasachstan, Italien und Malaysia und pumpte ordentlich Geld in die Produktion. 90 Millionen Dollar werden immer wieder als Richtwert kolportiert, was die Serie mühelos in die Sphären des Platzhirsches „Game of Thrones“ katapultierte.

Marco Polo

Marco Polo trifft am Hofe Kublai Khans die sexy “Blaue Prinzessin”.

Genau an diese Serie wird man dann auch immer wieder erinnert: Die gigantischen Schauwerte, der Intrigenstadel, die toll aufgelegten Darsteller, die Konzentration auf die charaktergetriebene Geschichte und die geniale, detailverliebte und absolut stimmige Ausstattung lassen die Welt Marco Polos mehr als nur lebendig werden. Dabei atmet die Serie vor allem den Abenteuergeist der ganz großen Filmepen, die sich eben auch mal Zeit ließen zum Erzählen.

Das beginnt schon bei dem grandios gestalteten, mit einem schönen Musikthema unterlegten Vorspann, den man einfach nur als wunderschön bezeichnen kann. In einer Zeit, in der Serien-Vorspänne häufig nur noch aus dem eigentlichen Serientitel bestehen, ist dies ein schöner Kontrapunkt, der schon andeutet, dass sich die Serie zu weiten Teilen eher als klassisch erzähltes Abenteuer(Pantoffel)kino versteht.

Das zu Beginn aber durchaus etwas Sitzfleisch benötigt. Denn „Marco Polo“ braucht ein wenig, um in Gang zu kommen. Die Macher verlegen sich lange Zeit darauf, die Welt Kublai Khans zu zeichnen, die Figuren um ihn herum zu verorten und ordentlich Atmosphäre aufzubauen. Dabei zehrt die Serie freilich am meisten von dem Culture Clash, dem sich die Hauptfigur Marco Polo ausgesetzt sieht. Leider, und den Vorwurf muss sich die Serie definitiv gefallen lassen, geht dieser etwas zu seicht vonstatten. Marco Polo arrangiert sich viel zu schnell mit allem und jedem.

Marco Polo

Weise, umsichtig und ein großer Herrscher: Kublai Khan.

Und man hat auch nicht unbedingt das Gefühl, hier einen Entdecker zu begleiten. Zwar wird angedeutet, dass er ein Tagebuch über seine Erlebnisse am Hofe Khans führt, was er aber als eintragenswert erachtet, wird aus der Serie heraus nie so recht klar. Hier hat „Marco Polo“ noch ordentlich Luft nach oben. Zudem verliert sich die Serie immer mal wieder in ihrer Ausstattung und den atemberaubend schönen Bildern. Darunter leidet dann die Spannung und freilich auch das Tempo. Ein weiteres Spannungsproblem entsteht aus der Tatsache, dass egal, was Marco Polo auch passiert, der Zuschauer ja weiß, wie seine Geschichte endet. Ihn großartig in Gefahr zu bringen, nützt der Serie also nichts, weshalb sie davon – wohlwissend? – auch zumeist absieht. Wobei man freilich auch nicht weiß, ob und wie lange die letztlich fiktionale Serie an den vermeintlichen Tatsachen dranbleiben wird, denn Marco Polos Reiseberichte wurden ja schon zu seinen Lebzeiten hart kritisiert und ins Reich der Lügen und Märchen geschoben. Vielleicht erlauben sich die Serienmacher ja sogar eklatante Abweichungen?

Ab Folge 5 erntet die Serie dann, was sie gesät hat. Kanzler Jia Sidao darf zum gefährlichsten, unberechenbarsten und verschlagensten Antipoden der jüngeren Seriengeschichte mutieren. Plötzlich stimmt der Suchtfaktor auf den Punkt. Man will mit jedem Episodenende wissen, wie es weitergehen wird, was durch die starke Cliffhanger-Affinität der einzelnen Folgen noch einmal deutlich verschärft wird. Die Handlungsfäden laufen immer straffer auf die große, finale Konfrontation zu, bei der die Serie dann ordentlich die Muskeln spielen lässt und eine große Schlacht die Fronten klären darf.

Marco Polo

Freilich kommt auch die Action nicht zu kurz in “Marco Polo”.

Bis dahin waren die Actionszenen eher kleiner skaliert. Dafür waren sie nicht minder eindrucksvoll, zehrten sie doch von stark choreografierten Martial-Arts-Einlagen, die mit zunehmender Laufzeit im Übrigen immer verspielter, länger und auch wireworklastiger werden. Sprich: Gegen Ende wird dann auch mal etwas unrealistischer gesprungen. Da diese Actionszenen aber eine ähnliche Schönheit atmen wie der Rest der Serie, fällt das nicht weiter ins Gewicht. Dass die Serie zwar von dem Geist alter Abenteuer-Epen durchströmt ist, aber definitiv kein altbackenes Entertainment darstellt, beweist sie schon in einer frühen Actionszene. In dieser kämpft die splitternackte Olivia Cheng gegen drei Gegner gleichzeitig und schlägt absolut schamlos tiefe Einblicke gewährende Flickflacks und dergleichen mehr.

Allgemein atmet die Serie deutlich den Geist jüngerer Serienproduktionen wie „Spartacus“ oder „Game of Thrones“: Die Gewaltszenen sind ergo genauso explizit ausgestaltet wie die Nacktszenen. Fliegen in der einen Folge noch Köpfe, Arme und Beine durch die Gegend, wird in einer anderen Folge der Harem Kublai Khans aufgestockt, was zu einer wahren Flut an Nackedeis führt. Eine großartig montierte und an einen LSD-Trip erinnernde Sequenz, in der Marco Polo unter Drogen gesetzt von einer Orgie träumt, ist dann der Höhepunkt an ineinander verknoteten und verschlungenen nackten Körpern.

Ein weiterer Höhepunkt der Serie sind ihre Darsteller. Dabei vor allem Benedict Wong („Kick-Ass 2“) als Kublai Khan. Er hat dabei freilich zugleich die faszinierendste Figur der Serie abbekommen. Denn „Marco Polo“ gibt sich sehr große Mühe das Bild der Mongolen-Herrscher gerade zu rücken und ihnen den Nimbus der blutgierigen Eroberer ohne Kultur zu nehmen. Dementsprechend ist Kublai Khan ein weltoffener, extrem toleranter Herrscher, der nicht viel auf Unterschiede gibt: Arm, reich, Bruder, Fremder, Christ, Moslem, Mongole, Ausländer… all das interessiert den Herrscher nicht. Er hat seine Pläne, die er unbeirrt verfolgt. Doch alles darum herum ist für ihn ein Quell an bereichernden Erfahrungen. Er wirkt auch extrem ausgeglichen, verliert kaum die Kontenance und ist ein Charismatiker vor dem Herren. All das bringt Wong fantastisch herüber und lässt mehrmals die Frage aufkommen, warum die Serie eigentlich „Marco Polo“ und nicht „Kublai Khan“ heißt.

Marco Polo

Marco Polo erlernt am Hofe Kublais Martial Arts.

Was die Leistung von Lorenzo Richelmy als Marco Polo nicht schmälern soll. Der Italiener bringt den Venezianer absolut sympathisch rüber und ist ein guter Anker für den Zuschauer, im Vergleich zu Wongs fantastischer Leistung verblasst Lorenzo Richelmy allerdings ziemlich. Im Grunde kann nur Chin Han („The Return of the First Avenger“) Wong Paroli bieten. Aber wie! Er entwirft einen absolut beängstigenden Bösewicht, dem man irgendwann wirklich alles zutraut. Mit Eiseskälte und beunruhigender Ruhe intrigiert sich sein Jia Sidao durch die Handlung und selbst wenn er in einer Folge mal nur eine Minute zu sehen ist, schwebt seine beunruhigende Präsenz über allen Entwicklungen.

Dieses Dreigestirn wird von einem tollen Supportcast unterstützt. Darunter Joan Chen („Wedlock“) mit einer grandiosen Performance als Khans Frau, Tom Wu („R.E.D. 2“) als blinder Kampfsportmeister, Remy Hii als Kublai Khans jüngster Sohn und die bereits erwähnte, herrlich tabulose, mit einer herzförmigen Schambehaarung auftrumpfende Olivia Cheng, die sich im Verlauf der Serie zum tragischsten Charakter entwickeln darf. In kleineren Gastrollen sind Rick Yune („The 5th Commandment“), Ron Yuan („Born 2 Die“) und Collin Chou („Special ID“) zu sehen, wobei letzterer auch mal ordentlich kicken darf!

Das Fazit zur ersten Staffel von „Marco Polo“

Trotz allem Lob für die gesamte erste Staffel der Serie, die fantastisch und stilvoll inszeniert ist, großartige Schauwerte bietet, atmosphärisch dicht ist, mit zunehmender Laufzeit immer spannender wird und absolut involvierend in ihre Erzähl-Welt hineinzieht, sind es bei „Marco Polo“ vor allem kleinere Einzelszenen, die nachhaltig in Erinnerung blieben. Die so noch nie gesehene Nackt-Martial-Arts-Einlage ist eine solche. Doch der Serie gelingen noch viele perfekte Symbiosen aus Bildern und einer wundervoll entrückten Musik. Mein absoluter Liebling ist ein Schwerttanz. Hierbei tanzt eine Konkubine vor dem chinesischer Kanzler. Sie weiß, dass dies ihr letzter Tanz für ihn sein wird. Sie tanzt, wie sie noch nie getanzt hat. Unvergleichlich anmutig und wunderschön. Der Kanzler sitzt ihr gegenüber. Er hat sein Urteil über die Verräterin gefällt. Immer wieder kommt die von der Konkubine geführte Klinge seinem Hals gefährlich nahe. Er zuckt nicht ein einziges Mal. Näher und näher kommt die Klinge. Beständig fragt man sich, ob die Konkubine versuchen wird, ihr Leben zu retten. Zugleich erwartet man eine weitere Untat des Kanzlers. Da beginnt die Konkubine kaum merklich zu weinen. Der Kanzler wendet sich ab, das erste und einzige Mal zeigt er Gefühle… und öffnet für den Zuschauer die Sicht auf das bittere Ende des Tanzes.

Es sind Szenen wie diese, die „Marco Polo“ für mich so richtig rund laufen ließen. Und zum Glück wird das Epos fortgesetzt. In Staffel 2 wird dann sogar Michelle Yeoh für einige Folgen zum Cast stoßen!

Die deutsche DVD/Blu-ray erschien von Ascot Elite, die sich in Sachen Verpackung nicht lumpen ließen und der Serie einen megastabilen, sehr ansprechenden Schuber spendierten. Die ungeschnitten ab 16 freigegebene Serie kommt mit einer Vielzahl an Informationen. Darunter auch interessante Fakten zu Marco Polo selbst.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu der Serie?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Ascot Elite__Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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