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Crossroads – Pakt mit dem Teufel

Originaltitel: Crossroads__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1986__Regie: Walter Hill__Darsteller: Ralph Macchio, Joe Seneca, Jami Gertz, Joe Morton, Robert Judd, Steve Vai, Dennis Lipscomb, Harry Carey Jr., John Hancock, Allan Arbus u.a.
Crossroads - Pakt mit dem Teufel

Walter Hills Ode an den Blues: „Crossroads“

Dass Walter Hill („Bullet to the Head“) Bluesfan ist, lässt sich an seinen zahlreichen Kooperation mit Ry Cooder ablesen, der für einen Großteil von Hills Filmen die Musik beisteuerte. So auch bei „Crossroads“, mit dem Hill darüber hinaus der Musik noch ein persönliches Denkmal setzte.

Eugene Martone (Ralph Macchio) ist, ähnlich wie der Regisseur, ein vom Blues faszinierter Weißer. Zwar studiert er Gitarre an einer Musikschule, doch dort soll er auf klassische Musik getrimmt werden, während er viel lieber Blues spielen möchte. Zu seinen Idolen zählt Robert Johnson, ein ganz großes, früh verstorbenes Idol der Bluesmusik, der eine Zeitlang mit dem Harmonikaspieler ‘Blind Dog‘ Willie Brown musizierte. Eugene ist kein typischer Teenfilmprotagonist der 1980er, zwar unsicher und noch im Heranwachsen begriffen wie manch andere Hauptfigur, jedoch eben ohne Faible für Partys und Pop, sondern eben den Blues.

In einem Altenheim macht er Willie Brown (Joe Seneca) ausfindig und kann ihn, nachdem er einen Job als Putzkraft angenommen hat, ansprechen. Doch Willie bestreitet der legendäre Musiker zu sein und putzt den Jungen aus gutem Hause runter, weil dieser mit seiner behüteten Herkunft das Gegenteil des klassischen Blues ist: Die Musik geknechteter Schwarzer, die ihr Elend in Töne umsetzen, die den Blues haben, ihn nicht nur spielen. Und das ist eine der zentralen Botschaften des Films: Wer den Blues spielen will, der muss ihn auch leben, der muss ihn verstehen.

Als Willie sich dann tatsächlich als Blueslegende zu erkennen gibt, ist Eugene aus dem Häuschen und geht, nach einigem Zögern einen Deal ein: Er befreit Willie aus dem Heim und bringt ihn nach Mississippi und dafür bringt dieser ihm einen legendären, verschollenen Song Robert Johnsons bei…

Crossroads - Pakt mit dem Teufel

Zusammen unterwegs: Willie Brown (Joe Seneca) und Eugene Martone (Ralph Macchio)

Der Titel „Crossroads“ geht auf einen amerikanischen Mythos zurück: An Straßenkreuzungen kann man Dämonen seine Seele für eine Gegenleistung verkaufen – häufig sollen Musiker so auch ihr Talent erlangt haben. Auch Willie gehört zu jenen, wobei Hill das Thema zwischen Überhöhung und Erdung schwanken lässt: Sind dies wirre Phantasien eines alten Mannes (meist nur in Traumsequenzen zu sehen), ist das Ganze metaphorisch im Bezug auf einen Plattenvertrag gemeint oder stimmt die Mär von der verkauften Seele tatsächlich? Hill ist an Mythen ebenso interessiert wie an ihrer Hinterfragung, weshalb er diese Frage erst am Ende des Films auflöst. Und eine andere zentrale Frage stellt erst die Tramperin Frances (Jami Gertz), welche zur Reisegefährtin der beiden wird: Ist Willie tatsächlich der Willie Brown oder nur ein Schwindler, der seinem Altenheim entkommen wollte?

Wie bei so vielen Road Movies gilt auch hier, dass der Weg wichtiger ist als das Ziel. Neben der Reifung Eugenes, der anfangs noch weinerlich und besserwisserisch ist, geht es auch um die Annäherung der beiden Protagonisten. Mit „Nur 48 Stunden“ hatte Walter Hill den Buddyfilm entscheidend geprägt, doch hier sind die Unterschiede der Buddies noch gravierender: Nicht nur die Hautfarbe, auch das Alter, die Herkunft und die Klasse trennen sie, auch wenn die Buddy-Reibereien außerhalb des sonst so gern verwendeten Copfilm-Kontextes stattfinden. Dafür sind sie nicht weniger scharf, wobei vor allem der knurrige Willie für einige komische Momente sorgt, auch wenn man nicht die Wortgefechte von „Nur 48 Stunden“ erwarten darf: Dafür ist Hills Film viel zu geerdet inszeniert.

Crossroads - Pakt mit dem Teufel

Anhalterin Frances (Jami Gertz) bringt Wirbel in Eugenes Hormonhaushalt

Nicht alles bei „Crossroads“ läuft allerdings ganz rund, die sich nicht entwickelnde, sondern urplötzlich entstehende Romanze zwischen Eugene und Frances überzeugt nicht so recht, wie auch das Coming-of-Age Eugenes nur begrenzt nachvollziehbar dargestellt wird. Am Ende ist er ein reiferer Typ, hat Erfahrungen gemacht, die der Zuschauer auch gesehen hat, aber es scheinen oft eher die äußeren Vorgänge, von der abrupten Mittellosigkeit über eine Konfrontation in einer Bar (auch diese nüchterner als in anderen Hill-Arbeiten) bis hin zum ersten großen Auftritt, die ihn zu prägen scheinen, mit Figurenpsychologie, mit den inneren Vorgängen dagegen tut sich „Crossroads“ etwas schwer, kann diese nicht so wirklich greifbar machen.

Ralph Macchio, damals durch „Karate Kid“ ein aufstrebender Teendarsteller, schlägt sich dabei durchaus solide in der Rolle, ist zwar kein Meisterschauspieler, aber lässt Eugene authentisch erscheinen. Neben dem gut aufgelegten Joe Seneca („The Verdict“), der hier alle Register zieht, droht er hin und wieder zu verblassen, so wie auch Jami Gertz („Renegades“) nur begrenzt Akzente setzen kann. Als diabolischer Gitarrist, mit dem sich Eugene messen muss, hat Rock- und Metalmusiker Steve Vai eine prägnante Nebenrolle.

Vai und Ry Cooder sind es auch, welche diverse Musikstücke einspielen, da Macchio nur zum Schein die Klampfe zupft; Cooder war zudem noch als Komponist für den Soundtrack des Films verantwortlich, der oft mehr beeindruckt als die einfache Handlung: „Crossroads“ lebt und atmet den Blues, ist ein mit Herzblut errichtetes Denkmal für die Musikrichtung, inszeniert von einem echten Fan. Dabei setzt Hill aber nicht nur auf die erklärten Fans, verteilt die Musikeinlagen gut über den Film und gibt ihnen stets die richtige Länge, damit der Film eben nicht zum reinen Liebhaberstück wird, sondern den Blues einem großen Publikum näher bringen möchte.

An der Kinokasse war Hill mit seiner Ode an den Blues zwar wenig erfolgreich, doch ein schwungvolles Road Movie mit einem extrem gut aufspielenden Joe Seneca ist ihm ebenso gelungen wie eine Vermittlung der Faszination des Blues. Dass sein Film dabei nicht unbedingt die beste Figurenpsychologie und eine recht einfache Geschichte besitzt, raubt „Crossroads“ wenig von seinem Charme: Erleben ist hier wichtiger als Erzählen.

Die deutsche DVD kommt von Sony, ist ab 12 Jahren freigegeben und besitzt keinerlei Extras.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sony__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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