| Originaltitel: Jimmy and Stiggs__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2024__Regie: Joe Begos__Darsteller: Joe Begos, Matt Mercer, Riley Dandy, Jason Eisener, James Russo, Josh Ethier, Dean Evans u.a. |

„Jimmy and Stiggs“ ist noch mal viel bunter als dieses Cover vermuten lässt.
Joe Begos hatte zuletzt mit Filmen wie „Bliss“, „VFW“ oder „Christmas Bloody Christmas“ bei Fans abgedrehter Horrorkost einige Treffer gelandet. Eli Roth nahm ihn nun als Produzent unter seine Fittiche und vertreibt mit seinem Label „The Horror Section“ Besos‘ neuesten Streifen: „Jimmy and Stiggs“.
Bei dessen Festival- und Kinorun stellte Eli Roth dem Hauptfilm zwei Fake-Trailer voran. Bei der deutschen Veröffentlichung gehören diese ebenfalls zur Gesamtpräsentation. Und zwar in ihrer ungeschnittenen Form. Es handelt sich um Ausblicke auf die Filme „The Piano Killer“ und „Don’t go in that House, Bitch!“ Letzterer wird aktuell sogar zu einem Langfilm erweitert.
Nach den beiden spaßigen Trailern startet dann „Jimmy and Stiggs“ durch. Wir erleben durch Jimmys Augen einen normalen Abend in dessen Bude. Seine Freundin hat sich angekündigt. Jimmy nutzt die Zeit bis zu ihrem Besuch, um ein paar Lines durchzuziehen und abzuhängen. Dabei erfahren wir, dass Jimmy Filmemacher ist und auf die Finanzierungsfreigabe seines nächsten Filmes hofft. Doch den Produzenten ist er zu unstet. Sie wollen ihm nur Geld geben, wenn sein Buddy Stiggs mitmischt.
Stiggs sei nämlich in der Lage, Jimmys Kreativität und Eigenwilligkeit zu kanalisieren. Blöd nur, dass Jimmy und Stiggs im Clinch liegen. Sie waren beide unvergleichlich gut darin, den jeweils anderen in schwierigen Zeiten hängen zu lassen. Doch Jimmy hat kaum Gelegenheit, seinen Gedanken an Vergangenes nachzuhängen, da auf einmal die Erde bebt. Kurz darauf noch einmal.
Jimmy ist sich sicher, dass hier etwas absolut nicht stimmt. Plötzlich schwebt er unter der Decke, kommt dem Deckenventilator gefährlich nahe und kracht dann gen Boden. Als er wieder zu sich kommt, fehlen ihm Stunden. Und er hat höllische Schmerzen. Er ist sich sicher, dass er von Außerirdischen entführt wurde. Und wirklich, urplötzlich greifen ihn kleine graue Aliens in seinen eigenen vier Wänden an. Als dann der eilig herbei zitierte Stiggs bei Jimmy auftaucht, eskaliert die Lage immer weiter.
Alien-Entführungshorror mit Farben, Geschrei und Körperflüssigkeiten satt
Die deutsche Veröffentlichung von „Jimmy and Stiggs“ wartet mit einem coolen Extra auf, das direkt auf den Film folgt. In dem besucht Eli Roth Joe Begos in dessen Wohnung. Hier erfahren wir, dass Begos, um den Film überhaupt umsetzen zu können, eine seiner Kameras verkaufen musste und den Film vollständig in seiner eigenen Wohnung inszenierte – und dies über Jahre hinweg.
Das Witzige: In Begos Wohnung sieht man – lange Zeit nach den Dreharbeiten – noch immer Spuren derselben. Blutspritzer pflastern die Decke, die eingesetzten Aliens stehen hinter Glas in der Wohnung herum – Begos kann sich offenkundig nicht von seinem Film lösen. Und er war in die Arbeiten von so gut wie allen filmischen Abteilungen involviert.

Joe Begos spielt in seinem Film auch die Hauptrolle des Jimmy.
Der Film selber ist dabei ein typischer Begos. Wer bisher mit seinen Filmen nichts anfangen konnte, wird durch „Jimmy and Stiggs“ auf keinen Fall bekehrt. Der Film ist laut, krachledern laut. Und er ist bunt, überdreht, irre und irgendwann nicht mehr wirklich logisch nachvollziehbar. Begos hat Spaß, seinen Film immer weiter abdrehen und – trotz der Gefahr von außen in Form der fiesen Aliens – vor allem die Unstimmigkeiten zwischen Jimmy und Stiggs immer weiter eskalieren zu lassen.
Und das muss man aushalten können. Denn die beiden Kerle schreien sich beständig an und sie werfen mit Beschimpfungen und Unflätigkeiten nur so um sich. Das sich beide parallel durchgehend zudröhnen, macht die Lage sowohl für die beiden als auch den Zuschauer nicht einfacher. Dazu knallen mächtige Metal-Riffe. Und immer wieder gerät ein Alien zwischen die Fronten und abgesägte Schrotflinten scheppern aus den Boxen. „Jimmy and Stiggs“ ist filmgewordene Dauerbeschallung.

Kommt ein Alien geflogen, setzt sich nieder … UND KILLT DICH!
Wer Begos kennt, der weiß, dass der auch optisch gerne mal vom Leder zieht. Wer also zuletzt bei sich gedacht haben sollte, dass es aktuell kaum noch Filme mit grellen Komplementär- und Neon-Farben zu geben scheint, der findet hier sein El Dorado. Spätestens in der Filmmitte ist „Jimmy and Stiggs“ ein Rausch der Farben. Jedes Zimmer von Begos‘ Wohnung hat dabei ein anderes Farbschema erhalten. Irgendwann flackern die Lichter dann nur noch, die Kamera dreht sich um ihre eigene Achse und aus allen Richtungen strömen Farben auf den Zuschauer ein. Ein Wahnsinn, der gemeinsam mit der Soundspur irre fordert.
Das Finale präsentiert Begos wie den Einstieg aus einer klasse umgesetzten POV-Sicht. Und Begos lässt den Zuschauer gerne auch mal komplett im Dunklen sitzen. Das sogar durchaus lange. Obendrein ist der Look immer rau, roh, grobschlächtig und filmisch. Und sämtliche Effekte sind hier handmade. Und es geht durchaus zur Sache.

What the Fuck sehe ich hier???
Vor allem die witzig designten Aliens bekommen brutal zu leiden. Da werden Köpfe eingeschlagen und weggeschossen, Gliedmaßen gehen verloren oder werden gebrochen – Jimmy und Stiggs haben Lust an ihrem Alien-Vernichtungstun. Die insgesamt irre Grundstimmung und die vornehmlich neonfarben herumspritzenden Körperflüssigkeiten lassen die deutsche FSK-16-Freigabe trotzdem schlüssig erscheinen.
Darstellerisch fokussiert der Film rundweg auf seine beiden Hauptfiguren. Jimmy wird dabei von Joe Begos selbst gegeben. Stiggs wird von Matt Mercer („Bliss“) gespielt. Viele Dialoge mussten beide nicht lernen, da sie sich ausschließlich gegenseitig durchbeleidigen und das spürbar genießen. Das ist nicht wirklich feinsinnig, passt aber zum absolut durchgedrehten Rest wie Arsch auf Eimer. Mit James Remar („Among Wolves“) hat sich zumindest ein bekannteres Gesicht in den Cast verirrt. Er hat aber nur eine winzige Szene zu bestreiten. Auch Filmemacher Jason Eisener („Hobo with a Shotgun“) kommt als Alien-Experte kurz zu Wort.
„Jimmy and Stiggs“ ist ein hemmungsloser, neonfarbener Trip
Joe Begos liefert mit seinem „Jimmy and Stiggs“ einen neonfarbenen, lauten Fiebertraum, der kein Halten kennt. Und der es dem Zuschauer nicht eben leicht macht: Die beiden Hauptfiguren sind nicht sonderlich sympathisch, die Geschichte verabschiedet sich irgendwann in Richtung Chaos, viele Fragen bleiben unbeantwortet und prinzipiell hat Begos dem Alien-Entführungsthema nichts Neues hinzuzufügen. Und trotzdem macht das Ergebnis in seinem Wahnwitz Laune, hat eine enorm rohe, ungebremste Energie, der man sich nicht entziehen kann, und mutiert schnell zu einem irren Trip. Das ist unterhaltsam und anstrengend zugleich, Begos‘ Vorgängerwerke waren bis auf „Bliss“ aber definitiv zugänglicher und zündeten bei mir mehr.
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Der Film erscheint am 25. September 2025 von Lighthouse Home Entertainment auf DVD und Blu-ray. Mit einer Freigabe ab 16 ist der Streifen ungeschnitten und ihr könnt ihn seit Anfang September 2026 bereits streamen.
In diesem Sinne:
freeman
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| Copyright aller Filmbilder/Label: Lighthouse Home Entertainment__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja |




