Actionfilme, Actionstars und einfach Action satt

The Dark Knight Rises

Originaltitel: The Dark Knight Rises__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Christopher Nolan__Darsteller: Christian Bale, Tom Hardy, Anne Hathaway, Gary Oldman, Morgan Freeman, Michael Caine, Joseph Gordon-Levitt, Marion Cotillard, Matthew Modine, Cillian Murphy, Liam Neeson u.a.
The Dark Knight Rises

Batman am Ende? “The Dark Knight Rises” beendet die Comicheldtrilogie

Comicverfilmungen gibt es wie Sand am Meer und spätestens seit Marvel die Freude am Blockbuster-Produzieren entdeckt hat, wird der Markt mit Fließbandverfilmungen, die sich um das Avengers-Sammelsurium drehen, regelrecht überschwemmt. Letztendlich folgt das Genre seit vielen Jahren relativ ausgetretenen Pfaden, ob Superman, Spiderman oder Iron Man…lediglich Joss Whedons Avengers-Crossover konnte mit dem Mashup-Konzept etwas frischen Wind in das Genre pumpen, welcher aber auch eher Whedons schlafwandlerischer Sicherheit im Arbeiten mit größeren Charakterkonstellationen als der strukturellen Umsetzung und Inszenierung zu verdanken war.

Batman ist seit dem Reboot aus dem Jahre 2005 die einzige nennenswerte Ausnahme. Der damals komplett von den Vorgängern losgelöste Film interpretierte die Vorlage anstatt sie Frame für Frame nachzuahmen, wobei man sich an den düsteren Batman-Comics von Frank Miller orientierte, der auch schon u.a. mit Sin City für eine dunklere Comicvorlage verantwortlich ist. Der bis dahin eher in Independentkreisen bekannte Regisseur Christopher Nolan machte das düstere und vor allem realistischere Konzept Batmans gesellschaftsfähig und landete 2005 mit Batman Begins und noch viel mehr 2008 mit The Dark Knight außerordentliche Kassenschlager, die in jeglicher Hinsicht so perfekt durchstrukturiert daherkamen, dass der Nolan’sche Ansatz bis heute keinen wirklichen Nachahmer fand. Vermutlich sind die Vorbilder zu überlebensgroß, zu durchdacht, zu perfekt!

Somit bleibt nur Christopher Nolan selbst, um die Vorgänger einmal mehr zu toppen und seine eigene Batman-Trilogie zu Ende zu bringen. Das Ergebnis startete die Tage in den deutschen Kinos und verursacht wegen dem schockierenden Amoklauf in einem US-Kino bei Denver bei der Premierenvorstellung – wie schon bei „The Dark Knight“ aufgrund des Todes von Batman-Gegner Heath Ledger – erneut fragwürdiges Medienecho.

„The Dark Knight Rises“, so der Titel vom epischen, 250 Millionen Dollar teuren Trilogie-Abschluss, hat dieses Medienecho zu keiner Zeit nötig, denn im Prinzip führt er das düstere, ambivalente Erbe seiner Vorgänger in ähnlicher Perfektion fort. Das beginnt schon beim Opening, das dank perfektem Ineinandergreifen vom grandiosen Score, fantastischer, scheinbar vollkommen CGI-freier Effekt-Arbeit (das ist natürlich eine Illusion, die aber im Gegensatz zum CGI-Overkill der meisten Comic-Adaptionen den ganzen Film über funktioniert) und einer wuchtig-brachialen Performance vom diesmaligen Batman-Gegner Bane den Kinosaal ehrfürchtig erstarren lässt.

Dabei braucht Bane-Darsteller Tom Hardy, der als Quasi-Nachfolger des kollektiv vergöttern Heath Ledger-Jokers, ein denkbar schweres Erbe antritt, nach dem Leinwand-sprengenden Opening durchaus eine Weile, bis er und die seine Figur umgebende Bedrohlichkeit in den Film gefunden haben. Das funktionierte beim anarchischen Joker in The Dark Knight durchaus etwas besser. Insgesamt lässt sich Nolan auch jede Menge Zeit, um die aufkeimende Bedrohung zu formen und gesteht diese glücklicherweise dem im Vorgänger etwas vernachlässigten Batman-Darsteller Christian Bale zu, der hier wieder alle Register seiner beeindrucken Schauspielkunst auffahren kann und damit die dunkle Seite des Superhelden noch weiter ausdifferenzieren kann. Auch die neue Catwoman Anne Hathaway wird hier recht ausführlich eingeführt und stellt sich gerade im weiteren Filmverlauf als ungeheure Bereicherung heraus, die als unberechenbarer Sidekick exzellent funktioniert. Dennoch hätte der Film im ersten Drittel dennoch einige Minuten kürzer sein dürfen, da die Spannungsschraube erst mit Beginn des zweiten Drittels angezogen wird, von da an aber auch unbarmherzig exponentiell in die Höhe schießt. Dabei findet Nolan einmal mehr die perfekte Balance zwischen druckvollen Actionsequenzen, Dialogen und ruhigen Momenten, auch wenn der Actionanteil im Trilogie-Finale deutlich höher ist als bei den Vorgängern. Dabei überzeugt vor allem die unaufgeregt-nüchterne Inszenierung der Leinwand-füllenden Zerstörungs-Orgien, genauso wie die intimen und staubtrockenen direkten Duelle, die sich fantastisch in den realistischen Ansatz einfügen und dennoch nie langweilig werden. Höchstens dem Showdown könnte man dezente Einfallslosigkeit vorwerfen, da man sich einiger Mechanismen bedient, die man im Actionkino einfach schon zu oft gesehen hat. Dass das alles überdeutlich in New York stattfindet, welches schon in unzähligen anderen Comicverfilmungen als Schlachtfeld herhalten durfte, verstärkt den Kritikpunkt eher noch. Da fühlten sich die sichtbar verfremdeten Versionen bekannter US-Städte, die in den Vorgängern zu Gotham City zusammengefügt wurden, authentischer an.

Beachtlich hingegen wieder, wie Nolan aktuelle, gesellschaftspolitische Themen in den Film integriert und mit einer Ambivalenz behandelt, die im Blockbuster-Metier beispiellos ist. Weder der in Comicverfilmungen so beliebte erhobene Zeigefinger, noch die anarchisch-gesellschaftskritischen Ideale der Gegenseite gewinnen die Oberhand. Statt Schwarz/Weiß-Zeichnung arbeitet „The Dark Knight Rises“ wie schon die Vorgänger mit einer schier endlosen Palette an Grautönen. Dabei sind derartige Diskurse nur die Peripherie eines unglaublich komplexen Figuren-, Location- und Handlungs-Kosmos, den der Ausnahme-Regisseur mit stoischer Gelassenheit unter Kontrolle behält und das, obwohl er auch noch im Figuren-Interieur der Vorgängerfilme wildert. Jeder Handlungsfaden wird zur richtigen Zeit bewegt, jede Figur zum richtigen Moment in die richtige Position gebracht, so dass das Puzzle in seiner Präzision einem Schachspiel gleicht und sich mehr und mehr zu einem verschmelzenden, perfekt auf die Klimax hinarbeitenden Ganzen zusammenfügt. Auch die letzten Filmminuten überzeugen erzählerisch, schlagen am laufenden Band (teilweise vielleicht etwas zu vorhersehbare) Haken und beweisen einmal mehr das Ausnahmetalent von Christopher Nolan, denn „The Dark Knight Rises“ endet dramaturgisch absolut perfekt in emotional perfekt einschlagenden Gänsehaut-Momenten, die vermutlich in jedem Kino dieser Welt zu tosendem Applaus mit Einblenden des Abspanns führen werden.

Zum gelungenen Gesamt-Kosmos tragen nicht nur Nolan und seine Hauptdarsteller bei. Gerade die Nebenrollen sind in „The Dark Knight Rises“ qualitativ so überragend besetzt, dass das gesamte Figuren-Interieur zu einer organisch-funktionierenden Masse wird. Herauszuheben wären hier ein kongenial aufspielender Michael Caine, der neben trockenen Onelinern diesmal auch sein herausragendes dramatisches Gespür zeigen darf, ebenso wie der höchst-souveräne Gary Oldman und der gelungene Neuzugang Joseph Gordon-Levitt. Morgan Freeman hingegen kommt diesmal etwas kurz. Ein weiterer wichtiger Bestandteil, der maßgeblich zur druckvollen Wirkung des Blockbusters beiträgt, ist Hans Zimmer, welcher sich mit seinem Score einmal mehr selbst übertrifft und sich glücklicherweise wieder weiter vom tausendmal kopierten Bruckheimer/Bay-Pathos seiner früheren Soundtracks entfernt. Das geschickte Verweben der Themen der Vorgängerfilme mit neuen Gänsehaut-Melodien, die in die Filmmusik stellenweise ganz neue Arrangement-Konzepte einführen, ist einzigartig und veredelt die bombastischen Bilder in jeglicher Hinsicht.

„The Dark Knight Rises“ macht im Vergleich zu seinen Vorgängern nichts wirklich anders und entwickelt das sowohl in Batman Begins, als auch The Dark Knight auf den Punkt funktionierende Konzept eines düsteren, nah an der Realität verankerten und menschlichen Superhelden lediglich dezent weiter und schafft so eine ungemein homogene Comic-Trilogie, die filmisch als auch erzählerisch über jeden Zweifel erhaben ist. Dabei mag sicherlich nicht jedes Detail immer zu 100% passen, doch das liebevoll zusammengeführte Gesamtwerk entfaltet einen unwiderstehlichen Sog, der in ein dunkles, gar nicht so fernes Universium führt, das zeigt, wie nah unsere Welt oft am Abgrund taumelt und das gleichzeitig jeder von uns daran etwas ändern kann, auch ohne vom Planeten Krypton zu kommen oder von einer Spinne gebissen zu werden. Danke Christopher Nolan für dieses universell-gültige Mammutwerk!

The Dark Knight Rises ist aktuell in den deutschen Kinos zu bestaunen und mit einer FSK 12 uncut.

Weitere Filme des Batman-Franchises:
Batman Begins
The Dark Knight

© Hannibal

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner Bros.__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten:Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein – aktuell in den deutschen Kinos

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