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USS Indianapolis – Men of Courage

Originaltitel: USS Indianapolis: Men of Courage__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Mario Van Peebles__Darsteller: Nicolas Cage, Tom Sizemore, Thomas Jane, James, Remar, Max Ryan, Matt Lanter, Weronika Rosati, Cody Walker, Brian Presley, Emily Tennant, Callard Harris, Emily Marie Palmer, Johnny Wactor u.a.
USS Indianapolis - Men of Courage

Nicolas Cage gibt den schneidigen Kapitän in “USS Indianapolis – Men of Courage”.

Nicolas Cage ist auf die Geschichte der USS Indianapolis nicht etwa im Geschichtsunterricht oder in einer Doku über den Zweiten Weltkrieg aufmerksam geworden. Wie Millionen andere Menschen kam er über einen Kinobesuch in Kontakt mit den Ereignissen aus dem Jahre 1945. In „Der weiße Hai“ ließ Regisseur Steven Spielberg nämlich den alten Seebär (Robert Shaw) aus dem Team der Hai-Jäger die beklemmende Story von der USS Indianapolis erzählen und schaffte es so spielend, seinen eigentlichen Star effektiv zu dämonisieren.

Nicolas Cage faszinierte die Geschichte zutiefst. Zudem erklärt er im Bonusbereich der britischen Blu-ray zum Film „USS Indianapolis – Men of Courage“, dass er schon immer ein Fan der Ozeane war. So muss es einer Einladung zum Urlaub gleichgekommen sein, als sein alter Buddy Mario Van Peebles (man kannte sich vom „Cotton Club“-Set) bei ihm anklingelte und ihn bat, in seinem bisher aufwändigsten Filmprojekt die Hauptrolle zu übernehmen. Gemeinsam erzählt man nun eine Geschichte vom Überleben. Auf und abseits des Ozeans…

Präsident Truman und sein Volk haben die Schnauze voll von dem nach wie vor tobenden Krieg. Zumindest in Europa haben die Faschisten schon kapituliert, doch in Japan sterben täglich noch immer tausende Amerikaner. Die Atombombe soll den Krieg endlich beenden. Hiroshima und Nagasaki wurden als Ziele auserkoren. Auf dem Luftweg bekommt man beide Bomben nicht nach Japan. Also muss die USS Indianapolis ran.

Sie soll im Juli 1945 die für Hiroshima bestimmte Bombe nach Tinian bringen. Ein Eiland im pazifischen Ozean, von dem die Amerikaner Angriffe gegen Japan fliegen. Was Captain McVay und seine Besatzung transportieren, wissen sie aufgrund der Geheimhaltung nicht genau. Aber vor allem McVay hat dahingehend eine recht konkrete Ahnung.

Mehr noch als die Atombombe wurmt ihn aber, dass der Einsatz einem Himmelfahrtskommando gleichkommt. Ohne irgendwelche Rückendeckung soll die USS Indianapolis ihre Fracht in feindliche Gewässer bringen. Gegen Luftangriffe und feindliche Schiffe ist sein Kriegsschiff gerüstet. Doch gegen die japanischen U-Boote hat es keine Chance. Mit gehörigem Magengrummeln sticht er in See und erreicht am 26. Juli 1945 bar jeder Probleme und in Rekordzeit seinen Bestimmungsort.

Nach der Löschung der Ladung wird das Schiff sofort zu seinem nächsten Einsatzort beordert. Erneut ohne Begleitschiffe. Es kommt, wie es kommen muss: Diesmal hat das Schiff kein Glück. Ein japanisches U-Boot lauert der USS Indianapolis auf und versenkt das Schiff gnadenlos mit sechs Torpedos. 902 von ursprünglich 1197 Besatzungsmitgliedern retten sich mit einem beherzten Sprung in den Ozean. Doch damit fangen ihre Probleme erst an…

Schlechte Effekte gibt’s schon im Trailer zu „USS Indianapolis“ mit Nicolas Cage

Mario Van Peebles kann nun aus einem Füllhorn an Bedrohungslagen schöpfen:

1.) 902 Männer treiben mit wenig Proviant und auf mehreren Quadratkilometern verteilt im Ozean und sind Wind, Wetter und Sonne gnadenlos ausgeliefert.
2.) In unmittelbarer Nähe lauert ein japanisches U-Boot, das ihnen entweder den Garaus machen könnte oder einfach auf Rettungsschiffe der Amerikaner wartet und diese auch noch versenkt.
3.) Ein vorm Sinken abgesetzter Funkspruch kommt nie am Bestimmungsort an.
4.) Unter den Soldaten versammeln sich Dutzende der perfektesten Räuber unseres Planeten. Und sie haben ordentlich Hunger mitgebracht.

Trotz alledem weiß Mario Van Peebles („New Jack City“) nie, wie er seine Zuschauer packen soll. Dabei steigt er so toll in seinen Film ein. Mit dynamischer Kamera, farbsatten Bildern und detailverliebter Ausstattung lässt er zu Big-Band-Musik das pralle Leben auf den Zuschauer einstürzen. Seine Charaktere plagen sich mit lächerlichen Problemen herum, tanzen durch die Nacht, graben Girls an und prügeln sich. Das ist klischiert bis zum Gehtnichtmehr, funktioniert aber. Und hat richtig Schwung!

Die Story wird nebenbei flott angeschoben und dann legt die USS Indianapolis auch schon ab. Und der Film säuft ab. Aber so richtig. In breitesten Kinobildern zelebriert Van Peebles gurkigste Effekte – teilweise sogar unter „The Asylum“-Niveau. Bei der Gicht des Schiffes kann man die Pixel zählen, die Stromlinien haben mit Physik nichts zu tun, die Verdrängungswirkung des Schiffs tendiert gegen Null. Dazu pathetische Mucke und zig verschiedene Kameraeinstellungen… Und man weiß als Zuschauer nicht, ob man vielleicht in einer Art Parodie gelandet ist.

Dann wird die USS Indianapolis versenkt. Die Effekte werden immer mieser. Die abgeschossenen Torpedos haben sogar in „Crash Dive“ mit Michael Dudikoff besser funktioniert. Die Einschläge in die USS Indianapolis provozieren Lachanfälle und das Geschehen in dem Schiff hat mit Überlebenskampf nichts zu tun. Zum einen gibt es keinerlei Cliffhanger-Momente (Matrosen, die ertrinken könnten beispielsweise), zum anderen sieht man niemand wirklich verrecken und letzten Endes bekommt man die immer gleichen Bilder von ins Wasser fallenden Matrosen zu sehen.

Dann meinten die Effektkünstler noch, sie könnten den coolsten Moment aus „Titanic“ nachstellen. Nur wenn hier die USS Indianapolis auseinanderbricht, lacht man sich ob der Amiga-500-Effekte wirklich tot. Keine zwei Sekunden vorher waren die Effektkünstler zu doof, CGI-Feuer auf einen menschlichen Arm zu platzieren. Aber ein auseinanderbrechendes Schiff, das kriegen sie schon hin. Gaaaaanz sicher. Im Making Of feiert die Effektabteilung sich im Übrigen selbst für ihre Heldentaten. Gegengeschnitten werden die räudigsten Effekte. Ob sich Van Peebles damit nachträglich gerächt hat?

Auf jeden Fall hat der Film mit miesesten Kipprampen-Effekten vor Green-Screens und lächerlichen Verpuffungsexplosionen sein Publikum komplett verloren. Dieser Film kann nicht ernst gemeint sein. So vergisst man auch die wenig subtilen Andeutungen, die bisher in Hinblick auf die eigentliche Handlung abgefeuert wurden. Da wird ohne Not permanent von Haien gelabert. Oder Nicolas Cage wird durch ein total sinnlos in der Gegend herumhängendes Haigebiss gefilmt. Und und und.

Doch dann kommt mitten im großen Lachflash eine Szene, die funktioniert. Von einer Explosion getroffen wird McVay ins Wasser geschleudert. Benommen vom Aufprall sinkt er in die Tiefe. Geweckt wird er von einem Weißen Hai, der plötzlich gegen ihn prallt. Und peng, wird der Film wieder kickgestartet. Berappelt sich. Wird tatsächlich besser. Auch weil er weitgehend auf die lächerlichen FX der beteiligten Firmen verzichtet.

Es beginnt das Martyrium und der Überlebenskampf der Besatzung der USS Indianapolis. Das ist zwar durchsetzt mit zig Klischees (natürlich hat ein Schwarzer seine Mundharmonika gerettet und spielt damit, natürlich wird Amazing Grace gesungen), die sind aber so erprobt, dass sie durchaus ziehen. Zwar versaut es sich Van Peebles selbst, indem er die erste Haiattacke nicht ordentlich aufbaut beziehungsweise vorbereitet. Aber die Willkürlichkeit, mit der die Räuber ab sofort zuschlagen, hat etwas angenehm Authentisches. Leider verlaufen die Attacken immer auf die gleiche Art und Weise. Und leider kommt dabei immer das gleiche Hai-Modell zum Einsatz. Obendrein vergisst Van Peebles die Japaner. Warum dürfen die die Amerikaner nicht noch einmal piesacken?

Cage wird in diesem Abschnitt stark zurückgenommen. Mario Van Peebles hakt stattdessen die Storys der Besatzung ab. Macht Storystränge aus dem Einstieg rund. Alles keine Oscarware, aber es hält den Film am Leben. Auch der Verfall der Soldaten, das Abgleiten in den Wahnsinn, der Kampf ums Überleben werden ordentlich umgesetzt. Zudem konterkariert dieses Bemühen um Authentizität den etwas platten Untertitel um die Männer voll Mut. Die wollen eigentlich nur überleben, Mut kann man hier kaum ausmachen. Vielmehr wird, wenn überhaupt, der Wille des Menschen gefeiert.

In dem Survival-Abschnitt gelingt Mario Van Peebles zudem seine beste Szene: In der schnitzt ein Matrose eine Art Klaviertastatur in sein Rettungsfloß. Er lehnt sich zurück. Die Musik beginnt. Er spielt die Tasten seines Klaviers. Die Kamera zieht auf. Die Musik geht in Gänsehautsphären. Um den Soldaten herum das pure Chaos. Tote Körper, im Wasser treibende Überlebende, Floß-Inseln, Wrackteile, alles umgeben von dem wunderschönen Blau des Ozeans. Und immer wieder schwimmen inmitten dieses Chaos’ Haie herum. Zwei oder drei Momente mehr von dieser wirklich genialen Qualität und „USS Indianapolis – Men of Courage“ würde sich auf ewig im Zuschauerhirn einbrennen. So bekommt man zumindest von Mario Van Peebles den Eindruck, er könne mehr als nur solides Handwerk als Regisseur verrichten.

Am interessantesten fand ich, dass „USS Indianapolis“ mit der Rettung der wenigen Überlebenden nicht endet. Vielmehr muss McVay in der Heimat nun einen weiteren harten Kampf ausfechten. Warum und wieso sei nicht verraten. Zumindest sei aber verraten, dass McVay hier in einer tollen Szene auf den Kapitän des japanischen U-Bootes trifft. Der ihm erklärt, dass er als Soldat gehandelt habe und vor dem Hintergrund sein Tun richtig war, er als Mensch aber wisse, welchem Leid er die Soldaten ausgesetzt habe. Wenn er dann noch anmerkt, dass er es als Mensch zutiefst bedaure, das Schiff nicht drei Tage früher versenkt zu haben, um seinem Volk unendliches Leid zu ersparen, hat der Film den einen Moment, der andeutet, dass hinter der ganzen Geschichte viel mehr gesteckt hat als ein gerade mal ordentlicher Film wie „USS Indianapolis“.

In dem macht Nicolas Cage („Army of One“) einen guten Job und ist als Kapitän eines Kriegsschiffes glaubwürdig. Seine besten Momente hat er im letzten Drittel, die ihn schauspielerisch auch mehr fordern. Die restlichen, weitgehend sehr jungen Darsteller machen ihre Sache gut. Darunter ist im Übrigen auch Cody Walker, der Bruder von Paul. Die großen Namen werden derweil in kleinen Szenen verheizt. So haben Thomas Jane („Vice“) und James Remar („Decommissioned“) maximal zwei Minuten Screentime, genau wie Max Ryan („Chain of Command“). Und Tom Sizemore („Weaponized“) hat zwar eine größere Rolle abbekommen, ist aber permanent komplett drüber.

Was am Ende bleibt, ist ein Film, der es auf wundersame Weise schafft, aus all seinen Möglichkeiten und Anlagen für eine spannende Dramaturgie keinen Nägelkauer par excellence zu kreieren. „USS Indianapolis“ gelingt es einfach nicht, den Zuschauer mit aufs Meer zu befördern, ihn zwischen die Haie zu schmeißen und mitfiebern zu lassen. Ja, der Film hat seine Momente, richtig gute sogar. Aber in seiner Gesamtheit ist er einfach nicht rund. Streift interessante Aspekte genauso zufällig wie der Hai auf der Mitte des Filmes Nicolas Cage streift. Und macht eben nichts draus. Vor allem die moralischen Implikationen für Cages McVay springen einen doch förmlich an. Immerhin hat er das Leid nach Japan gebracht… Tja, und dann sind da noch die Effekte. Effekte, die den Film zu einer Parodie seiner selbst machen. Mein absoluter Liebling: Das Auftauchen des japanischen U-Bootes. Kennt ihr das, wenn ihr eine Gummiente oder einen Gummiball beim Baden unters Wasser drückt und dann loslasst? GENAUSO taucht das U-Boot in „USS Indianapolis – Men of Courage“ auf. Und so sind die eigentlich Mutigen dieses Filmes, die wahren Men of Courage also, die Effektleute. Zumindest jene, die wirklich meinen, mit diesem Film Werbung für ihr Können zu machen.

5 von 10

Über eine deutsche Veröffentlichung ist mir bisher nichts bekannt. In UK ist der Film schon länger auf DVD und Blu-ray von Lionsgate draußen und mit einer Freigabe ab 15 ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label der britischen VÖ: Lionsgate__Freigabe: ab 15__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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