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9. April – Angriff auf Dänemark

Originaltitel: 9. april__Herstellungsland: Dänemark__Erscheinungsjahr: 2015__Regie: Roni Ezra__Darsteller: Pilou Asbæk, Lars Mikkelsen, Gustav Dyekjær Giese, Sebastian Bull Sarning, Martin Greis, Elliott Crosset Hove, Joachim Fjelstrup, Ari Alexander, Michael Brostrup u.a.
9. April

“9. April” erzählt ein unbekanntes Kapitel aus dem Zweiten Weltkrieg.

Seit 1939 beobachten die Dänen argwöhnisch das Treiben des großen Nachbarn im Süden. Im April 1940 wird dann offensichtlich, dass die Deutschen auch gen Norden streben wollen: Sie ziehen Kampfverbände an Dänemarks Grenzen zusammen…

Am 8. April 1940 werden deshalb vorsorglich alle dänischen Soldaten bei ihren Einheiten einbestellt und bei umfangreichen Alarmübungen getriezt. Die Soldaten ahnen, dass da etwas im Busch ist. Doch die dänische Regierung hält sich mit der Mobilmachung der Truppen zurück. Sie will den „schlafenden“ Riesen Deutschland nicht provozieren. Doch der überschreitet am 9. April mit gepanzerten Truppenverbänden die Grenzen gen Dänemark.

Die Dänen werfen den Deutschen alles entgegen, was sie haben: leichte Infanterie, Motorradverbände und Truppenteile, die auf Fahrrädern gegen Panzer ankämpfen sollen. Der ungleiche Kampf ist beendet, bevor er überhaupt begonnen hat. Doch die Dänen bezahlen die Zeit bis zur Kapitulation des Landes am 10. April teuer…

Die Geschichte von Dänemarks Kampfverbänden im Zweiten Weltkrieg ist eher weniger umfangreicher Natur. Für die Deutschen war das kleine Land kaum mehr als ein Stolperstein auf dem Weg zum eigentlichen Ziel des Feldzuges: Norwegen. Bei dem Bestreben, die Nachschubwege für die deutschen Truppen in dem kriegstaktisch wichtigen Land zu sichern, traf die deutsche Wehrmacht auf eine winzige Armee, die der modernen deutschen Kriegsmaschinerie nichts, aber auch gar nichts entgegenzusetzen hatte. Das bebildert der dänische Antikriegsfilm „9. April – Angriff auf Dänemark“ anhand des 2. Zuges der 4. Kompanie der dänischen Armee und fördert dabei einige skurrile Momente zu Tage.

9. April

Leutnant Sand, stark gespielt von Pilou Asbæk, weiß, dass Dänemark keine Chance gegen die anrückenden Deutschen hat.

Etwa wenn die Männer der Truppe für den großen Krieg jeweils peinlich genau abgezählte 40 Patronen ausgehändigt bekommen und später auf Fahrrädern in den Kampf ziehen, an denen sie ihre Gewehre an Halterungen anklemmen können. Oder wenn sie kurz vorher trainieren, wie schnell man einen platten Reifen an dem „Drahtesel-Kampfgefährt“ wechseln kann. Das fördert durchaus bitteren Humor an die Oberfläche.

Und das in einem Film, über dem ansonsten ein permanenter Schleier von Melancholie zu liegen scheint. Denn keiner der dänischen Soldaten, der Vorgesetzten und der Generäle scheint auch nur für eine Sekunde zu glauben, dass man gegen die anrückenden Deutschen den Hauch einer Chance habe. Unbedarft, beinahe naiv ziehen sie gegen einen übermächtigen Gegner zu Felde. Dabei scheint es nicht Mut zu sein, der sie antreibt. Vielmehr ist es Trotz.

9. April

40 Schuss pro Mann sollen gegen die anrollende Kriegsmaschine reichen…

In der Folge ist der dänische Antikriegsfilm auch keine typische Heldenverehrung. Keine der Figuren von „9. April“ hat irgendetwas Heldenhaftes. Ganz im Gegenteil. Jeder der Soldaten wüsste einen besseren Platz, an dem er sein könnte. Heldentode, Pathos und Geschichtsklitterung sind „9. April“ in der Folge vollkommen fremd. In Verbindung mit den finalen 5 Filmminuten wird so vor allem die Sinnlosigkeit des Krieges und von Kriegen allgemein beschworen. Die finalen Statements dänischer Kriegsveteranen kurz vor dem Abspann unterstreichen diesen Eindruck nur.

Mit dieser Herangehensweise verbunden ist ein klarer, sehr nüchterner Erzählton. Dieser lässt einen leider nur bedingt in den Film und seine Figuren eintauchen. Was vor allem deshalb schade ist, weil die Darsteller des Streifens sich redlich mühen und sehr gut spielen, der Zuschauer aber dennoch kaum einen Zugang zu den einzelnen Charakteren findet. So bleibt das Publikum immer neutraler Beobachter. Hätte man die verlängerten Interviews mit den Kriegsveteranen aus dem Bonusteil in den Film hineingeschnitten, er könnte aufgrund seiner gefühlten Distanz locker als Dokumentation mit Spielszenen durchgehen.

9. April

“9. April – Angriff auf Dänemark” punktet mit historischer Genauigkeit.

Dabei punktet der Film vor allem mit historischer Akkuratesse, sowohl bei den Kriegsmaschinen als auch bei den Uniformen. Die im Film aufkommende Action ist eher weniger aufwändig inszeniert, weiß mit ihrem Realismusansatz aber sehr zu gefallen. Vor allem das Finale in einer beschaulichen dänischen Stadt mit Straßenkampf ist mal richtig gelungen. Mit dem zuletzt aufgekommenen Hyperrealismus der Marke „Der Soldat James Ryan“ hat „9. April“ aber nichts am Hut. Er untermalt die Sinnlosigkeit des Krieges wie bereits angedeutet über seine Geschichte und weniger über möglichst blutige Kriegsgräuel.

Was am Ende bleibt, ist ein nüchterner, pathos- und klischeefreier Antikriegsfilm, der eine bisher wenig bekannte Geschichte aus einem Krieg erzählt, von dem man meinen könnte, dass eigentlich alle seine Geschichten bereits erzählt wären. Leider mag die Story nur wenig zu involvieren, was es dem Film trotz toller Darsteller unmöglich macht, echte Spannung oder echte Empathie für die Charaktere aufzubauen. Dennoch gelingt es dem in erdigen Farben gehaltenen „9. April – Angriff auf Dänemark“, der seine schöne Musik nur äußerst sparsam einsetzt, vor allem gegen Ende eine ziemlich fatalistische Note zu entwickeln, die in Verbindung mit den O-Tönen der Veteranen (im Film selbst und im Bonusmaterial) lange nachwirkt.

6 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt am 19. August 2016 von dem Label Pandastorm Pictures und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Neben den Veteranen-Interviews warten Behind the Scenes und der gesamte Soundtrack als Extra auf den Zuschauer.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Pandastorm Pictures__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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