| Originaltitel: Paradox Effect__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2023__Regie: Scott Weintrob__Darsteller: Olga Kurylenko, Harvey Keitel, Oliver Trevena, Alice Astons, Meredith Mickelson, Talia Asseraf, Andrea Garofalo, Romano Reggiani, Malich Cissé, Stella Addario, Luke Cannella u.a. |

Olga Kurylenko und Harvey Keitel erleben den „Paradox Effect“.
Karina Sidorov ist seit einem Jahr runter von den Drogen und versucht, ihr Leben neu zu sortieren. Sie hat einen festen Job, einige Freunde, eine sichere Bleibe und in wenigen Stunden wird ihre Tochter Lucy sie besuchen und die neue Karina erleben. Voller Vorfreude beendet Karina an diesem Tag ihren Dienst. Als sie auf dem Weg zu ihrem Auto in eine dunkle Gasse abbiegt, bricht plötzlich ein Typ durchs Fenster eines Hauses. Ein Kerl verfolgt ihn und pumpt ihn mit Blei voll.
Als der Schütze Karina bemerkt, legt er sogleich auf sie an. Sie hechtet in ihr Auto und drückt aufs Gas. Der Kerl rast ihr hinterher. Im Laufe der Verfolgungsjagd verunglückt der Schütze. Dennoch kann er die ebenfalls verunfallte Karina am Unfallort überwältigen. Fortan zwingt er sie, ihn durch das nächtliche Bari zu kutschieren. Er muss eine gewaltige Menge Geld auftreiben, um einen örtlichen Verbercherboss namens Silvio zu beschwichtigen.
Die Situation wird nicht weniger gefährlich, als Karina herausfindet, dass ihr Entführer ein Interpol-Agent ist. Vollends verzweifelt wird die Lage, als der vermeintliche Gesetzeshüter auch noch Lucy entführt.
Actionthriller mit Olga Kurylenko
Der in Italien gedrehte „Paradox Effect“ macht eigentlich eine Menge richtig. Er kriegt seine Handlung flott ans Rollen und ist konstant in Bewegung. Regisseur Scott Weintrob lässt seine Figuren für die Dauer einer hektischen Nacht nicht zur Ruhe kommen. Die dabei steigende Handlung ist nicht für einen Cent neu im Actionthriller-Genre, hält den Streifen aber ganz gut zusammen.
Das Problem ist also nicht die Handlung. Nein, es sind die darin agierenden Figuren. Die sind so unlogisch und verquast geskriptet, dass man nie in die Handlung hineinfindet. Karina etwa bekommt im Laufe des Filmes mehrere Waffen zugeschustert. Sie fragt nicht einmal, wie diese funktionieren, geradeso, als würde man als Junkie nicht nur an der Spritze, sondern auch an der Waffe trainiert werden. Dass sie im Zuge dessen sogar skrupellos Menschen umbringt und sich teils räudigst mit irgendwelchen Lumpen brawlt, macht ihre Figur total unglaubwürdig.
Doch im Vergleich zu ihrem Entführer Covek Fischer ist Karina eine geradezu oscarreif geschriebene Figur. Covek verhält sich zu Beginn wie das letzte Arschloch. Das ändert sich kaum, als klar wird, dass er als Interpol-Agent vermutlich eher zu den Guten gehören wird. Er bleibt ein Idiot. Der mehrfach auf Karina schießt, Polizisten bedroht und – wie zu Beginn – sogar bedenkenlos Menschen meuchelt.

Karina erlebt eine sehr turbulente Nacht.
Darf er sich dann erklären, korreliert das null mit seinem bisherigen Verhalten. Schuldlos sei er in die Lage geraten. Warum gelten dann plötzlich keine Regeln mehr für ihn? Wie will er denn nach der Nacht jemals wieder arbeiten? Hat er vor, für immer unterzutauchen? Man rafft es nicht. Und weitere Erklärungsversuche für sein irres Verhalten mildern selbiges nicht für eine Sekunde ab.
Und genauso bescheuert: Oberlump Silvio. Der macht Covek für etwas verantwortlich, worauf der keinerlei Einfluss hatte. Infolgedessen versteht man die Dringlichkeit des Ganzen gar nicht. Macht Silvio beziehungsweise dessen Darsteller Harvey Keitel („City of Industry“) aber auch nicht und schlafwandelt gelangweilt durch den Film. Wobei, ich möchte nicht lügen: Zumeist hockt Keitel auf irgendeinem Sessel am Set herum und macht auf Bruce Willis in dessen Spätwerk.
Da geben sich Olga Kurylenko („Chief of Station“) als Karina und Oliver Trevena („The Bricklayer“) als Covek schon mehr Mühe. Trotz ihrer katastrophalen Figuren haben die beiden nämlich eine durchaus gute Chemie miteinander. Vor allem die sich immer mehr zum Tough Cookie mausernde Karina macht mit ihrer zunehmend resoluten Art im Umgang mit Covek viel Spaß.

Karina und Covek geraten mehrfach in Bedrängnis.
Actiontechnisch brennt in „Paradox Effect“ nicht zwingend der Baum. Der zieht seine Dynamik vor allem daraus, dass die Figuren immer in Bewegung sind. Das muss zumeist ausreichen. Ein Autostunt, Keilereien und Geballer sorgen für etwas Abwechslung, sind aber immer sehr kurz angebunden, kaum brutal und genreübergreifend gesehen keine wirklichen Highlights. In Richtung Showdown hat man zudem den Eindruck, dass die Actionszenen immer fahriger in Szene gesetzt wurden.
Abseits der Action würde man sich mehr Bilder vom Handlungsort Bari wünschen. Denn die wenigen Impressionen zu Beginn und vorm Abspann machen echt Lust auf Urlaub in der Gegend. Hier könnte man zumindest entgegnen, dass „Paradox Effect“ nun mal komplett bei Nacht spielt und da schöne Schnittbilder der Stadt nicht viel Sinn machen. Und man hätte freilich Recht damit. Zumindest wird das Dunkel der Nacht in Form eines schönen Finsterlooks gut eingefangen. Ein paar hübsch dynamische Kamerafahrten wissen darüber hinaus zu gefallen. In Sachen Score kann ich keine Auffälligkeiten in positiver oder negativer Hinsicht vermelden.
„Paradox Effect“ scheitert an seinen Figuren
Sind die Figuren interessant, glaubwürdig oder sympathisch, hilft das, um in die Handlung eines Filmes hineinzufinden. Hat allerdings schon das Drehbuch keinen Bock auf seine Figuren, warum sollten es dann wir Zuschauer haben? „Paradox Effect“ ist ein solcher Fall, knallt er seinem Publikum doch vollkommen inkonsistente Figuren vor den Latz, deren Handlungen und Aussagen weitgehend keinen Sinn machen.
Der Film selbst versucht, dies mit hohem Tempo zu kaschieren, was in Teilen sogar gelingt. Meist reicht dann ein neuerlicher Dialog der handelnden Figuren und schon ist man wieder raus. So bleibt nicht viel, das wirklich gefällt. Olga Kurylenko müht sich, der Finsterlook verfängt und ein paar Momente verzweifelten Humors funktionieren. Das war’s dann auch schon.
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Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erschien von Splendid Film und ist mit einer Freigabe ab 16 ungeschnitten. Streamen kann man den Film auch.
In diesem Sinne:
freeman
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| Copyright aller Filmbilder/Label: Splendid Film__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja |





