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Bring Her Back

Originaltitel: Bring Her Back__Herstellungsland: Australien__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Danny Philippou, Michael Philippou__Darsteller: Sally Hawkins, Billy Barratt, Sora Wong, Jonah Wren Phillips, Sally-Anne Upton, Mischa Heywood, Olga Miller, Stephen Phillips, Alina Bellchambers u.a.
Bring Her Back

In „Bring Her Back“, dem zweiten Film der Philippou-Brüder, tritt Sally Hawkins als seltsame Pflegemutter auf

Mit dem Überraschungshit „Talk to Me“ waren die Zwillingsbrüder Danny und Michael Philippou, zuvor als YouTuber aktiv, in Rekordzeit zur neuen Horrorhoffnung geworden, weshalb sie für ihren Folgefilm „Bring Her Back“ einen noch größeren Namen für eine Hauptrolle verpflichten und sich von Anfang auf die internationale Vermarktung des Indie-Studios A24 verlassen konnten.

Manche Themen des Vorgängers werden wieder aufgegriffen, darunter der Umgang mit Verlust, Jugendliche in schwierigen Situationen und der Tod eines Elternteils. Hauptfiguren sind die Stiefgeschwister Andy (Billy Barratt) und Piper (Sora Wong). Andy ist nur drei Monate von der Volljährigkeit entfernt, ein Punkfan und früherer Troublemaker. Die jüngere Piper hat eine Sehbehinderung, möchte gern dazu gehören, was auch zu einer unangenehmen Begegnung mit der populären Mädelsclique führt, aus der Andy sie herausholt, was Sora aber nur bedingt als Hilfe empfindet. Schnell und präzise etablieren die Philippous das Verhältnis der Geschwister, deren unterschiedliche Natur, aber auch das genuine Vertrauen zwischen den beiden, ehe sie mit dem unverhofften Tod des Vaters das Unglück einbrechen lassen.

Bis Andy auf eigenen Beinen stehen und das Sorgerecht für seine Schwester beantragen kann, sollen die beiden übergangsweise zu einer Pflegemutter, Laura (Sally Hawkins). Sonderliche Subtilität kann man den Philippous bei der Ankunft im neuen Heim allerdings nicht attestieren: Laura interessiert sich quasi nur für Piper, bringt diese im Zimmer ihrer verstorbenen Tochter unter, die ebenfalls sehbehindert war, in einem Film, der „Bring Her Back“ heißt. Gepaart mit den anfänglichen Videosequenzen, die okkulte Rituale zeigen und später immer wieder eingeflochten werden, muss man schon ziemlich auf dem Schlauch stehen, um nicht zu kapieren wie der Hase läuft.

Laura hat noch ein weiteres Pflegekind in Gewahrsam, den stummen, seltsamen Oliver (Jonah Wren Phillips). In mehrerlei Hinsicht erweist sich die von Verlust gezeichnete Frau als unkonventionelle Pflegemutter, jedoch nicht nur im Guten, wie vor allem Andy bemerkt…

Schaut euch den Trailer zu „Bring Her Back“ an

Bring Her Back

Was hat es mit Laura (Sally Hawkins) und Oliver (Jonah Wren Phillips) auf sich?

Wie gesagt: Sonderlich subtil oder mysteriös ist „Bring Her Back“ nicht, allenfalls die Fragen, wie Laura ihr Vorhaben denn nun genau umsetzen will und was einzelne Details zu bedeuten haben, sind da noch offen. Was allerdings auch daran liegt, dass die Philippous sich eine zwar eigene, auch nicht immer klare Mythologie überlegt haben, die man nicht immer auf Nachvollziehbarkeit abklopfen sollte. Dahinter steckt dann, wie bei ihrem Erstling, eine tradierte Genregeschichte, die in den erwartbaren Bahnen verläuft: Das Entdecken von Lauras Seltsamkeiten, die Isolierung Andys, dem man weniger glaubt als der verdienten Ex-Sozialarbeiterin und Pflegemutter, die Zuspitzung bis zum dramatischen Finale. Figuren wie Andys und Pipers Sozialarbeiterin Wendy (Sally-Anne Upton) machen dann genau die Entwicklung durch, die sie in Filmen dieser Art immer durchmachen, sodass „Bring Her Back“ über weite Strecken ein eher erwartbarer Film bleibt.

So sind es dann eher Details, mit denen die Philippous Akzente setzen können. Da wäre zum einen Lauras unkonventionelle Art, die Andy auf der Beerdigung des Vaters zu einer Abschiedsgeste zwingt, die ihm unangenehm ist, aber mit ihren Schützlingen auch mal ordentlich einen säuft. Ihre psychologische Kriegsführung hat einige fies-kreative Spitzen (Bettwäsche), während der Film keine eindimensionale Figur aus ihr macht. Wie ihre Pflegekinder leidet auch Laura an Verlust, hat aber keinen guten Weg gefunden damit umgehen zu können; sie ist jemand, die Schlechtes aus irgendwo nachvollziehbaren Gründen tut. Genauso rund wird auch das Geschwisterpaar gezeichnet, wenn man im weiteren Verlauf mehr über sie hinausfindet, neue Facetten vor allem an Andy entdeckt. Weil die Philippous ihre Figuren mit Leben füllen, gibt es im Schlussakkord eine Wende, die weh tut und überrascht, weil sie sich nicht den Hollywoodkonventionen beugt.

Bring Her Back

Die Stiefgeschwister Andy (Billy Barratt) und Piper (Sora Wong) halten fest zusammen

Zudem wissen die Zwillingsbrüder ihren Slowburner durchaus effektiv zu inszenieren. Wenn der seltsame Oliver Lauras Katze auf dem Arm hat, dann läuft es einem kalt den Rücken hinunter, denn man fürchtet das Schlimmste. Zwei Szenen von Selbstverstümmelung sind noch unangenehmer gemacht – „Bring Her Back“ ist kein besonders gewalttätiger Film, aber die Szenen, die es in dieser Hinsicht gibt, die haben es in sich. Auch das Gefühl des Unwohlseins und der Hilflosigkeit, das Andy zunehmend empfindet, während seine Schwester mehr und mehr zu Laura hält, kann „Bring Her Back“ gelungen vermitteln, aber der Film wäre noch effektiver, würden die Philippous nicht so mit der Tür ins Haus fallen, würden es offener lassen, ob Laura tatsächlich nur eine etwas verschrobene Pflegemutter ist, aber diese Lesart ist von Anfang an mehr oder minder ausgeschlossen.

Dafür haben sie mit der zweifach Oscar-nominierten Sally Hawkins („Godzilla II – King of the Monsters“) nicht nur einen großen Namen, sondern auch eine tolle Schauspielerin gefunden, die Laura als ambivalenten, facettenreichen Charakter verkörpert: Oberflächlich freundlich, aber immer irgendwie verdächtig, mal streng, mal hinterhältig und mal genuin warmherzig, aber stets gezeichnet von der eigenen Trauer. Hinzu kommt das Trio aus Jungdarstellern, bei dem vor allem Billy Barratt („Kraven the Hunter“) als Identifikationsfigur, durch deren Augen mal große Teile des Films erlebt, stark aufspielt. Schauspieldebütantin Sora Wong schlägt sich ebenfalls ziemlich gut, ein ganz besonderes Lob gebührt allerdings Jonah Wren Phillips („Sweet Tooth“): Die Rolle des nicht sprechenden, seltsamen und bedrohlichen Oliver ist keine einfache und verlangt dem Kinderdarsteller einige wirklich schwierige Szenen ab, die er hervorragend meistert.

Letzten Endes ist es wie bei „Talk to Me“: Man ist beeindruckt von Souveränität der beiden Regisseure, die ja aus YouTube-Bereich kommen, gerade was manche inszenatorische Finesse angeht. Hier haben sie sogar eine noch bessere Besetzung mit einem starken Hauptdarstellerquartett. Allerdings ist der Plot bestenfalls alter Wein in neuen Schläuchen, bis auf Ausnahmen eher vorhersehbar, was dadurch noch verstärkt wird, dass die Philippous wenig subtil von Anfang an fast alle Karten auf den Tisch legen. Es ist ein solider Horrorfilm mit einigen echt intensiven Szenen, aber mit Feintuning am Script hätte es vielleicht sogar ein großartiger werden können.

Sony bringt „Bring Her Back“ am 14. August 2025 in die deutschen Kinos, ungekürzt ab 18 Jahren freigegeben.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sony / Ingvar Kenne__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 14.8.2025 in den deutschen Kinos

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