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Avatar: Fire and Ash

„Avatar: Fire and Ash“ markiert den dritten Teil der Science-Fiction-Saga von James Cameron. Darin bekommt es die Heldenfamilie um Sam Worthington und Zoe Saldana nicht nur mit ihrer gewohnten Nemesis Stephen Lang und dem Konzern RDA zu tun, sondern ein das Feuer anbetendes, feindliches Na’vi-Volk unter der Anleitung von Oona Chaplin mischt in dem Krieg um den Planeten Pandora ebenfalls mit.

Originaltitel: Avatar: Fire and Ash__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: James Cameron__Darsteller: Sam Worthington, Zoe Saldana, Sigourney Weaver, Stephen Lang, Oona Chaplin, Britain Dalton, Jack Champion, Trinity Jo-Li Bliss, Kate Winslet, Cliff Curtis, Joel David Moore, CCH Pounder, Edie Falco, Jermaine Clement, Giovanni Ribisi, Wes Studi u.a.
Avatar: Fire and Ash

In „Avatar: Fire and Ash“, dem dritten Teil seiner Science-Fiction-Saga, lässt James Cameron erneut Menschen und Na’vi um das Schicksal von Pandora kämpfen

Dass James Cameron („Aliens – Die Rückkehr“) nach 13 Jahren Leinwandabstinenz nicht nur ein, sondern gleich vier Sequels zu „Avatar“ ankündigte, das Sci-Fi-Projekt quasi zu seinem großen filmischen Vermächtnis erklärte, kam nicht bei allen Fans gut an, hatten sie doch mehr Neues von dem Regievirtuosen erhofft. Allerdings erklärte Cameron auch, dass die Saga vorzeitig enden könnte, sollte „Avatar: Fire and Ash“ floppen und sich die Reihe nicht mehr rentieren.

Der dritte Teil schließt weitestgehend nahtlos an den Vorgänger an, arbeitet kurz dessen Ereignisse in Nebenszenen auf, ist aber vor allem für Kenner der ersten beiden Teile gemacht. Jake Sully (Sam Worthington), seine Frau Neytiri (Zoe Saldana), Sohn Lo’ak (Britain Dalton), Tochter Tuk (Trinity Jo-Bliss) und Adoptivtochter Kiri (Sigourney Weaver), die Avatar-Tochter von Grace Augstine, leben weiterhin beim Stamm der Meeres-Na’vi. Sie müssen den Tod des ältesten Sohnes verwinden, an dem sich Lo’ak schuldig fühlt und mit dem alle Familienmitglieder anders umgehen. Außerdem ist Spider (Jack Champion), der Sohn von Jakes altem Widersacher Colonel Miles Quaritch (Stephen Lang) Teil der Patchworkfamilie. Als Mensch muss Spider jedoch immer eine Atemmaske tragen, da die Luft des Planeten Pandora tödlich für ihn ist. Quaritch gibt es nach seinem Tod im Erstling als wiedergeborene Avatar-Variante, die weiterhin für den Konzern RDA im Einsatz ist. Immerhin platziert Cameron als Regisseur und Co-Autor des Films diese Menge an Infos (plus jede Menge weitere) nicht mit dem Holzhammer, sondern nebenbei beim Wiedereintreten in die Welt seiner Saga.

Spiders Abhängigkeit von Atemmasken und Batterien ist jedoch eine Sorge, weshalb Jake ihn fortschicken will, auf das Flehen seiner Kinder allerdings eine gemeinsame Reise zu dem Labor ihrer Menschenverbündeten daraus machen will. Die Windhändler erklären sich bereit die Familie mitzunehmen, doch schon kurz nach dem Start der Reise wird ihr Treck vom Asche-Volk unter der Leitung von Varang (Oona Chaplin) angegriffen. Nach dem den Neytiris Stamm (Erde) aus dem Erstling und den Meeres-Na’vi (Wasser) aus dem Sequel deckt Cameron mit den Windhändlern (Luft) und dem Asche-Volk (Feuer) als auch die restlichen Elemente ab, während die Inszenierung des Überfalls die Western-DNA der Reihe mal wieder offenlegt: Wie ein Indianerüberfall auf einen Treck spielt sich das Ganze ab, doch mit Flugwesen statt Pferden, von fliegenden Riesenkreaturen gezogenen Ballons statt Kutschen und teilweise moderner Bewaffnung, denn Jake und Co. haben sich zwischen den Filmen mit Gewehren ausgerüstet, die sie den Menschen abgenommen haben.

Der Kampf ist jedoch vergebens, das Luftschiff stürzt ab, die Sully-Familie wird getrennt. Gleichzeitig wecken die Gewehre Begehrlichkeiten bei der kriegerischen Varang, während Quaritch weiterhin auf Rache an Jake und RDA auf eine Ausbeutung von Pandora sinnt…

Schaut euch den Trailer zu „Avatar: Fire and Ash“ an

Galt „Avatar“ kurz nach seinem Erscheinen für viele noch als riesiges Meisterwerk, an dem sich jede Kritik verbot, so zog der Film, sicherlich auch erfolgsbedingt, eine gewaltige Menge an Häme auf sich, die auch jedes Sequel mit ertragen muss: Überbewertet, überlang, ganz klar von Werken wie „Der mit dem Wolf tanzt“ und „Pocahontas“ inspiriert, am besten noch mit einem Space-Schlümpfe-Schenkelklopfer obendrauf. Dabei waren die ersten beiden Filme, mangelnde Originalität, Überlänge sowie Einfachheit der Geschichte hin oder her, immer noch gutes Erzählkino und vor allem visuelle Wundertaten. „Avatar: Fire and Ash“ ist nun der Film, der dieser Kritik wesentlich mehr gerecht wird, denn weder erzählerisch noch optisch ist Cameron hier nun vieles Neues eingefallen. Es gibt ein paar neue Kreaturen, wie etwa Tintenfischwesen mit scharfen Zähnen, größtenteils treten aber bekannte Wesen wie die walartigen Tulkun auf. Nachdem die Fortsetzung mit seinen Unterwasserpanoramen neue Schauplätze einführte, die der begeisterte Taucher James Cameron bildgewaltig in Szene setzen konnte, so wiederholen sich die Dschungel und Meere wieder, da mag „Avatar: Fire and Ash“ technisch und inszenatorisch noch so brillant sein, mit seiner 3D-HFR-Technologie noch so plastische Welten erschaffen.

Avatar: Fire and Ash

Jake Sully (Sam Worthington) hadert mit seinem Ruf als Erlöser Toruk Makto

Vor allem erzählerisch ist die Stagnation allerdings auszumachen, denn bisweilen fühlt sich das Ganze wie ein Remake des zweiten Teils an, das einfach nur größer aufgezogen wurde. Bei der neuerlichen Tulkun-Jagd von RDA sollen dieses Mal gleich tausende Tiere geschlachtet werden, in die Endschlacht ziehen die Menschen nun mit einer ganzen Armee statt einer kleinen Streitmacht, aber sie findet am selben Ort wie in „Avatar: The Way of Water“ statt, wieder mit einem Showdown an Bord eines Schiffes, dem hier noch ein Nachklapp- Showdown inmitten eines Energiestrudels hinzugefügt wurde. Auch andere Elemente wie das Gerangel um Spider, die familiären Schwierigkeiten innerhalb des Sully-Clans oder Quaritchs Einzelgänge innerhalb der RDA-Struktur wiederholen sich, mit Varang und ihrem Asche-Volk als einziger Neuerung. Diese beten nach einer Naturkatastrophe, die Varang nur knapp überlebte, die zerstörerische Kraft des Feuers an und haben sich von der Göttin Eywa abgewandt, die von den anderen Na’vi verehrt wird.

Dummerweise geht dieser Ansatz unter, da es „Avatar: Fire and Ash“ an einem klaren Fokus mangelt. „Avatar“ war die Geschichte von Jake und Neytiri, in „Avatar: The Way of Water“ ging es um die Kinder, hier will Cameron all seinen Figuren gleichzeitig gerecht werden, was „Avatar: Fire and Ash“ nicht guttut. Jeder schleppt seine eigenen Subplots herum, ein leichter Akzent liegt auf Jake und Spider, doch all die anderen sollen auch nicht zu kurz kommen, sodass am Ende keine Nebenhandlung so richtig auserzählt wird und manches übers Knie gebrochen wird, etwa wenn es um Kiri und ihre Verbindung zu Eywa geht. Dazu macht Cameron noch zig neue Fässer auf, vor allem als eine Wundertat Spider dazu befähigt die Pandora-Luft atmen zu können, was ihn zum Objekt der Begierde für RDA-Forscher und zur potentiellen Gefahr für die Na’vi macht. Mit all diesen Pötten, in denen er gleichzeitig rumrührt, verzettelt sich Cameron, denn letzten Endes zieht kein Figurenschicksal das Publikum komplett hinein.

Avatar: Fire and Ash

Colonel Miles Quaritch (Stephen Lang) hat immer noch eine Rechnung mit Jake offen

Auch auf Plotebene ist der dritte Teil nicht gerade ein Wunderwerk, da die Handlung am Ende des Tages in erster Linie daraus besteht, dass immer wieder irgendwer gekidnappt wird und befreit werden muss, meistens eins von den Sully-Kindern, wodurch „Avatar: Fire and Ash“ bisweilen repetitiv wirkt. Dabei gibt es durchaus reizvolle Elemente, etwa wenn Jake und Quaritch an einer Stelle durch äußere Umstände zusammenarbeiten müssen oder Quaritch an einer anderen Stelle eine Allianz mit Varang schließt. Doch am Ende läuft alles mal wieder auf die übliche Konfrontation zwischen der menschlichen Militärmacht und den naturverbundenen Pandora-Bewohnern hinaus, inklusive verzögerter Deus-ex-Machina-Rettung am Ende. Hin und wieder kann Cameron seine persönlichen Akzente setzen (natürlich ist der Mensch mit ernsthaften Gewissensbissen im RDA-Team der Meeresbiologe), ansonsten wiederholen sich die Ökobotschaften mit Fokus auf Anti-Walfang-Messages ein wenig, so löblich das Anliegen des Filmemachers auch sein mag.

Auch darstellerisch ist da wenig Neues zu erwarten, aber die Stammbesetzung verkörpert ihre Rollen gewohnt überzeugend, oft im Motion-Capturing-Verfahren. Zu den Highlights gehören Stephen Lang („Sisu – Road to Revenge“) mit seiner launigen Performance als großmäuliger, sich um kaum etwas scherender Schurke sowie Sigourney Weaver („The Gorge“), die als Erwachsene jugendliches Staunen und Idealismus glänzend zu verkörpern weiß. Sam Worthington („Breathe“) ist okay, Zoe Saldana („Guardians of the Galaxy 3“) kommt etwas kurz, kann aber Akzente setzen, während Kate Winslet („Die Bestimmung – Divergent“), CCH Pounder („Sliver“) und Cliff Curtis („Meg 2 – Die Tiefe“) mit ihren Nebenrollen dieses Mal kaum der Rede wert sind. Dafür bekommen Jack Champion („Trap House“) und Britain Dalton („Die dunkle Saat“) ordentlich Screentime, weitere Auftritte alter Bekannter wie Joel David Moore („Bones“), Giovanni Ribisi („Strange Darling“), Edie Falco („The Sight“) oder Jermaine Clement („Men in Black 3“) haben besseren Cameo-Charakter, aber zumindest bekommt jeder von ihnen seinen besonderen Moment. Der einzig nennenswerte Neuzugang ist Oona Chaplin („Ein Quantum Trost“) als Zusatzschurkin, die sich aber mit Charisma in der „Avatar“-Welt verankert.

Avatar: Fire and Ash

Varang (Oona Chaplin) betet das Feuer an und liebt Zerstörung

Die aktuellen Einspielergebnisse von „Avatar: Fire and Ash“ sind gut, ein schnelles Ende der Reihe ist nicht zu erwarten, auch wenn Cameron kommerziell (bisher) nicht ganz an seine beiden Vorgänger anschließen konnte. Das Ende des dritten Teils könnte theoretisch als Ende der Saga stehen bleiben, lässt sich aber Hintertürchen offen: Der RDA-Konzern wird empfindlich, aber nicht vernichtend geschlagen, eine Schurkenfigur entkommt, eine andere stürzt vermeintlich in den Tod, aber eine definitive Bestätigung liefert der Film nicht. Der ist noch einmal fünf Minuten länger als der zweite Teil, fühlt sich aufgrund seiner erzählerischen Probleme auch länger an, wobei Cameron die 197 Minuten immer noch vergleichsweise kurzweilig absolviert. Denn trotz seiner Probleme lässt „Avatar: Fire and Ash“ immer noch die inszenatorische Kraft seines Schöpfers erkennen: Bildgewaltig ist das Ganze trotz weniger Neuerungen immer noch, diverse Zeitlupenszenen verursachen die intendierte Gänsehaut und wenn die Endschlacht verloren scheint, dann kann Cameron das tatsächlich überzeugend verkaufen, obwohl das Publikum ja eigentlich weiß, dass es für die Helden gut ausgehen wird. Auch die Tode einiger Figuren hinterlassen Eindruck, auch wenn es in erster Linie Nebencharaktere sind, die draufgehen.

Was Cameron kann, das zeigt sich natürlich auch in der bildgewaltigen Action, die mit dem furiosen Überfall auf die Windhändler einen ersten Höhepunkt liefert, der nicht zuletzt durch die Kameraarbeit von Russell Carpenter („xXx 3 – Die Rückkehr des Xander Cage“) so beeindruckend ist. Es gibt weitere kompetent gemacht Scharmützel, Feuergefechte und Hetzjagden durch den Dschungel, während der Film sich seine eindrücklichsten Set Pieces für den Schlussakt aufspart. Erst eine Rettungsmission innerhalb der RDA-Basis mit reichlich Explosionen, dem Einsatz eines Riesenbaggers und Neytiri, die wie eine Rachegöttin Zerstörung sät. Die Endschlacht hat sich ihren Namen und ihre Position als Höhepunkt des Films dann redlich verdient, wenn Ureinwohner und Fauna gegen Kanonenboote, Fluggeräte und feindliche Na’vi antreten, mit Kämpfen an verschiedenen Schauplätzen, die sich teilweise bedingen und teils spektakuläre Bilder erzeugen. Trotz aller Parallelen zum Vorgänger ist es dann so, dass die Steigerung immerhin tatsächlich für grandiose Spektakelbilder von neuem Ausmaß sorgt, für Wow-Effekte, für das Feeling, für das man Cameron so schätzt.

Avatar: Fire and Ash

Kiri (Sigourney Weaver) hat eine besondere Beziehung zu dem Menschenjungen Spider (Jack Champion)

So ist es dann schade, dass „Avatar: Fire and Ash“ gerade im Mittelteil jene Kraft vermissen lässt, die das bildgewaltige Finale heraufbeschwört. Denn erzählerisch kopiert der dritte Teil seine Vorgänger zu sehr, ist zu unfokussiert und wiederholt zu sich zu oft, um wirklich rund zu laufen, da helfen auch die technische Brillanz und das inszenatorische Können des Regisseurs nichts. Immerhin hat das Ende Potential für eine Neuausrichtung – ein eventueller vierter Teil könnte dann mehr Innovationen bringen als diese handwerklich saubere Routinearbeit.

Walt Disney hat „Avatar: Fire and Ash“ am 17. Dezember 2025 in die deutschen Kinos gebracht, ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Walt Disney__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, seit 17.12.2025 in den deutschen Kinos

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