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Breathe – Ersticke oder kämpfe

Originaltitel: Breathe__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2024__Regie: Stefon Bristol__Darsteller: Milla Jovovich, Sam Worthington, Common, Jennifer Hudson, Quvenzhané Wallis, Raúl Castillo, James Saito, Dan Martin, Kaliswa Brewster u.a.
Breathe mit Milla Jovovich DVD Cover

Milla Jovovich kämpft gegen Sauerstoffmangel in „Breathe“.

In der Zukunft wird die Menschheit weitere wichtige Kipppunkte reißen. Die Folgen sind verheerend. 2039 beträgt der Sauerstoffanteil in der Luft unter fünf Prozent. Infolgedessen sind sämtliche Tiere und Pflanzen ausgestorben. Von den Menschen haben nur jene überlebt, die einst den warnenden Worten der Wissenschaft zuhörten und sich Gedanken machten, wie man selbst Sauerstoff produzieren kann.

Darius, der Vater der Teenagerin Zora, war ein solcher Wissenschaftler. Er hat eine Möglichkeit gefunden, seine Familie in einem sicheren Bunker mit der lebensnotwendigen Menge an Sauerstoff zu versorgen. Eines Tages kommt es jedoch zu einem Unfall, bei dem Zoras Großvater verstirbt. Darius will den alten Mann bei dessen Ehefrau auf einem weit entfernten Friedhof begraben. Entgegen aller Warnungen seiner Familie lässt Darius sich nicht von dem Plan abbringen.

Monate später ist Darius noch immer verschwunden. Zora und ihre Mom haben sich mit seinem wahrscheinlichen Ableben arrangiert. Da tauchen plötzlich Tess und Lucas vor dem Bunker der Familie auf. Die beiden behaupten, Darius gekannt zu haben und begehren um Einlass. Sie kämen von einer anderen Bunkeranlage, deren Sauerstoffproduktion allerdings demnächst zusammenbrechen werde. Entsprechend wollen sie sich Darius‘ Maschinerie genau anschauen und sich deren Funktion abgucken.

Zoras Mom ist von den beiden Fremden wenig angetan. Sie will sie nicht in ihre Bunkeranlage lassen. Doch die Alternative wiegt schwer. Was ist, wenn die beiden die Wahrheit sagen und Zora und ihre Mom so mehrere Menschenleben auf dem Gewissen haben werden?

Schaut in den Film hinein

„Panic Room“ in der Zukunft mit Milla Jovovich

Bei „Breathe“ handelt es sich im Grunde um eine Variation von David Finchers Thriller „Panic Room“: Eine Mutter und ihre Tochter befinden sich in einer sicheren Räumlichkeit und zwei Gestalten (sowie eine keine Rolle spielende dritte) wollen hinein. Da „Breathe“-Regisseur Stefon Bristol kein David Fincher ist und dessen Spannungsaufbau nicht beherrscht, muss er Mittel und Wege finden, seinen Thriller interessant zu halten. Entsprechend ändert er stetig die Figuren-Konstellationen. Infolgedessen tauschen die Figuren in dem Bunker und jene davor munter durch. Das wirkt durchgehend reichlich konstruiert und sorgt nur selten für Spannungsschübe.

Interessant ist nur ein Moment, in dem die einzige Figur, die den Bunker von innen öffnen könnte, an ein Regal gefesselt ist und sich nicht bewegen kann, während alle anderen Charaktere vor der Bunkertür mit immer knapper werdenden Sauerstoffreserven in ihren Atemgeräten konfrontiert sind. Richtig ausgekostet wird aber selbst diese Situation nicht wirklich.

Jennifer Hudson in Breathe

Jennifer Hudson als Helikoptermutter in „Breathe“.

Zudem sind einem die meisten Figuren einfach viel zu egal. Das liegt vor allem daran, dass die Dynamiken der Charaktere untereinander teilweise echt fragwürdig sind. Was da zwischen Zora und ihrer Mutter abgeht, versteht kein Mensch. Zoras Mom ist aus sich heraus bereits so ultranervig angelegt, dass man gar nicht sehen will, wie sie überlebt. Und wer bei Tess und Lucas die Hosen an hat und die Richtung vorgibt, ist bis in die letzten Szenen hinein nicht klar. Zumindest bleibt Lucas durchgehend ein Arschloch und muss sich nicht wie Tess ständig wie ein Fähnchen im Wind drehen.

Die sympathischste Figur in diesem Kuddelmuddel ist Zora, doch selbst deren Schicksal ist einem irgendwann reichlich egal. Obendrein verfängt das apokalyptische Szenario nicht so wirklich. Warum findet die Natur keine Möglichkeit, sich an veränderte Sauerstoffbedingungen anzupassen? Wieso verschwindet mit dem Sauerstoff auch jegliches Wasser von dem Planeten? Wieso kümmert die Menschen nur die Sauerstoffproduktion, während sie in einer wüsten Einöde leben? Und wie kann denn eine Großstadt wie New York binnen weniger Jahre ohne Menschen aussehen wie nach einem Atomkrieg?

Sam Worthington mit Milla Jovovich

Sam Worthington (links) und Milla Jovovich (mitte) wollen in den Bunker.

Erklärt wird nichts. Auch das Ende der Menschheit wird nicht vor dem Zuschauer ausgebreitet. Die Menschheit habe sich vor ihrem Ende kurz zusammengerauft – heißt es im Film. Ja, und was dann? Sind die alle erstickt? Wieso liegen dann nirgends Leichen in den Straßen? „Breathe“ hinterlässt so viele Fragen, von denen jede einzelne interessanter anmutet, als das fortan zelebrierte Bäumchen-Wechlse-Dich-Spielchen rund um den Bunker.

Spannung: Fehlanzeige. Action findet auch keine statt. „Breathe“ muss einzelne Spannungsszenen teils derart zerdehnen, dass sie einem nur noch auf die Ketten gehen. Highlight ist dahingehend ganz klar das erste Zusammentreffen von Zoras Mum mit Tess und Lucas, bei dem man gar nicht sagen kann, wer einem mit seinem unlogischen Verhalten mehr auf die Nüsse geht. Zum Ende hin gibt es ein paar kleinere Überraschungen zu vermelden, die reißen das Ruder aber auch nicht mehr herum.

Milla Jovovich in Breathe

Milla Jovovich mal ohne Maske.

Optisch gefällt die starke Farbigkeit in den Räumlichkeiten des Bunkers. Für die zerstörte Außenwelt griff man auf einen reichlich öden Sepia-Look zurück, der durchgehend ein wenig preisgünstig wirkt. Zumindest gefallen die apokalyptischen Bilder des zerstörten New Yorks. Musik gab es wohl, sie hinterließ aber bis auf einige Jazznummern keinen wirklich Eindruck.

Darstellerisch gefiel mir Quvenzhané Wallis („Beasts of the Southern Wild“) als Zora ganz ordentlich. Die sie flankierende Jennifer Hudson („Dreamgirls“) funktionierte für mich überhaupt nicht. Die ganze Anlage ihrer Figur war einfach nichts für mein Nervenkostüm. Milla Jovovich („In the Lost Lands“) versteckt sich den ganzen Film über hinter ihrer Atemmaske und leidet ebenfalls an der Anlage ihrer Figur. Der Kompagnon ihrer Tess wird von Sam Worthington („The Killer“) gegeben, der mit seltsamer Langhaarfrisur mehr als einmal für unfreiwillig komische Momente sorgt und sich – von ganz kleinen Ausnahmen abgesehen – nicht beim Spielen erwischen lässt.

„Breathe“ sorgt nicht für Atemlosigkeit

Prinzipiell hätte „Breathe“ mit seiner „Panic Room“-Ausgangslage das Potential für einen spannenden High-Concept-Streifen gehabt. Doch weder die Story noch die Figuren verfangen beim Zuschauer. Dazu gesellen sich einige schwache Darstellerleistungen, diverse langweilige Klischees, ein Mangel an Action und spannenden Situationen sowie ein stetig zunehmendes Gefühl von Langeweile.

04 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt von dem Label Eurovideo und ist mit einer Freigabe ab 12 ungeschnitten. Streamen könnt ihr den Film auch.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label Eurovideo__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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