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Countdown – Sterben? Da gibt’s ne App für!

Originaltitel: Countdown__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: Justin Dec__Darsteller: Elizabeth Lail, Charlie McDermott, Anne Winters, Peter Facinelli, Jordan Calloway, Tom Segura, Talitha Eliana Bateman, Tichina Arnold, Lana McKissack, P.J. Byrne u.a.
Countdown deutsches DVD Cover

Der Titel “Countdown – Sterben? Da gibt’s ne App für!” sagt beinahe alles, was man über den Horrorfilm wissen muss. Beinahe.

Heutzutage gibt es für jeden Mist eine App. Manchmal fragt man sich ob der Auswüchse, die diese Entwicklung aktuell nimmt, schon, wie wir vor der Erfindung der Apps eigentlich überleben konnten? Apropos Überleben: Was wäre, wenn uns eine App genau vorhersagen könnte, wann der Sensenmann uns holen kommt? Und das nicht nur theoretisch, oder um uns zu erschrecken, sondern faktisch und vor allem unabwendbar.

„Countdown – Sterben? Da gibt’s ne App für!“ greift genau diese Grundidee auf und beginnt seine Story mit einer jungen Dame, die bei einer Party dazu gedrängt wird, sich eine neue App namens „Countdown“ aufs Smartphone zu laden. Wessen Handy die niedrigste Lebenszeit anzeigt, der hat das Saufspiel verloren und muss ordentlich schlucken. Natürlich erwischt es die junge Dame.

Das Gruselige: Ihre Lebensuhr zeigt gerade mal noch drei Stunden an. Nach denen sie tatsächlich auf die Sekunde genau aus dem Leben gerissen wird. Ihr Freund, der ihr ihre Angst zunächst ausreden wollte, wird durch ihren Tod bekehrt. Er lädt sich ebenfalls die App herunter und ist wenige Tage später fällig. Zuvor wurde er aufgrund eines Unfalls in ein Krankenhaus verbracht, wo er mit seiner Story vom vorhergesagten Todesdatum Krankenschwester Quinn Harris dazu bewegte, sich „Countdown“ herunterzuladen.

Ein fataler Fehler, denn auch ihre verbliebene Lebensspanne fällt mit drei Tagen verdammt kurz aus und alsbald häufen sich um sie herum die unheimlichen Ereignisse.

Schaut in den Horrorfilm hinein

„Countdown“ greift die Faszination des Menschen für den Tod auf und verpasst ihr einen frischen Anstrich. Denn natürlich gibt es in den Weiten des Internets bereits zig Todesuhren, dass diese aber so penibel genau funktionieren wie in diesem Horrorfilm, davon kam einem bislang noch nichts zu Ohren. Dass die App ihren Opfern einen Countdown präsentiert und diesen mit Push-Nachrichten und scary Klingeltönen noch verstärkt, ist schon ein hübsch creepy Ansatz.

Interessant ist, dass das Drehbuch von Spielfilm-Regie-Debütant Justin Dec obendrein versucht, den technischen Ansatz rund um die App zu erden. Ihr eine Mythologie verpasst, die weit in eine Zeit zurückreicht, die nichts mit Handys oder gar Apps am Hut hatte. So verknüpft er das moderne Grundgerüst seiner Story mit altbekannten Gruselmotiven. Und diese Synergie funktioniert richtig gut, fährt sogar ein paar frische Ideen auf und wird über Figuren transportiert, die dem Film ein paar erstaunlich humorvolle Momente abringen.

Countdown mit Elizabeth Lail

Lecker Quinn muss sich alsbald mit praktischen Mitteln gegen die Bedrohung 2.0 erwehren.

Schön ist auch, dass Justin Dec nicht nur auf die App setzt, um seine Story anzuschieben. Stattdessen zeigt er zum einen beiläufig, wie sich selbst der abseitigste Trend heutzutage verselbstständigen und zu einem „viralen Hit“ werden kann. Zum anderen vernachlässigt er auch nicht die Tatsache, dass gerade moderne Technik immer auch angreifbar ist. Was passiert denn, wenn man die Technik der Todes-App beispielsweise hackt?

Rund um seine Story webt Dec einen stark an die „Final Destination“-Filme erinnernden Spannungsmotor. Spielt rund um den Todeszeitpunkt mit den Erwartungen der Zuschauer, nur um die Opfer dann umso überraschender und vor allem konsequent aus dem Leben zu reißen. Auch im Vorfeld lässt er diverse Jump Scares auf der Leinwand eskalieren, die allerdings nicht so gut funktionieren wie die „Finisher“, weil sie weitaus vorhersehbarer sind. Zumindest sind die dabei präsentierten Effekte, verzerrten Fratzen und präsentierten Schockmomente gut getrickst und mit einem eindrücklichen Sounddesign versehen. Allgemein ist „Countdown“ technisch sehr sauber in Szene gesetzt worden.

Quinn holt sich Hilfe im Kampf gegen die Todes-App

Quinn holt sich Hilfe im Kampf gegen die fiese Killer-App.

Etwas von „Final Destination“ abgekupfert wirken auch die vor allem gegen Ende präsentierten Versuche von Quinn, dem vorherbestimmten Schicksal zu entrinnen. Doch hier gilt tatsächlich mal das „Lieber gut kopiert, statt schlecht selber gemacht“-Prinzip, denn zumindest ein Lösungsansatz hält doch einen fetten emanzipatorischen Schmunzler bereit. Doch auch fernab des Showdowns bietet Heldin Quinn dank der sympathisch aufspielenden Elizabeth Lail („You: Du wirst mich lieben“) feinste Identifikationsmasse. Die ungefähr auf der Hälfte der Spielzeit durch den von Jordan Calloway gespielten Matt noch deutlich an Gewicht zulegen kann. Wundervoll eklig spielt Peter Facinelli („The Scorpion King“) einen übergriffigen Arzt. Für ein weiteres Highlight sorgt P.J. Byrne („Rampage – Big meets Bigger“) als Father John, der die Bibel schonmal mit einem Comicheftchen gleichsetzt.

Der „Countdown“ zu Teil 2 könnte gerne starten

Auf dem Papier bietet „Countdown“ kaum mehr als eine von vielen Teenie-Horrorfilm-Varianten. Doch im Falle des Filmes von Justin Dec liegen die Qualitäten in den kleinen Details. Die Bezugnahmen und Entleihungen beim „Final Destination“-Franchise machen Laune. Die Story wird mit Tempo durchgezogen. Die Heldin macht Laune. Die Mythologie um die Killer-App wird mit Schmackes vorgetragen und mit guten Effekten bebildert. Und die ganze Chose nimmt sich gefühlt bei weitem nicht so ernst, wie es ähnliche Genrevertreter tun. Das Ergebnis ist überraschend unterhaltsame Horrorkost, die angesichts dessen leider recht lustlos und fast schon gezwungen wirkend die Tür zu einem eventuellen weiteren Teil aufstößt.

07 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 5. Juni 2020 von Leonine (ehemals Universum Film) und ist mit einer FSK 16 ungeschnitten. Extras zum Film sucht man leider vergeblich. Selbst die zum Film designte „Countdown-App“ muss man selbst suchen und runterladen.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Leonine__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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