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Die etwas anderen Cops

Originaltitel: The Other Guys__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2010__Regie: Adam McKay__Darsteller: Mark Wahlberg, Will Ferrell, Dwayne Johnson, Samuel L. Jackson, Ray Stevenson, Eva Mendes, Michael Keaton, Anne Heche, Steve Coogan, Lindsay Sloane, Rob Riggle u.a.
Die etwas anderen Cops

Die etwas anderen Cops Poster

Die beiden Cops Highsmith und Danson sind die absoluten Hot Shots ihrer Polizeieinheit, die vollkommen abgehoben in einer eigenen Welt zu leben scheinen, in der massive Materialkollateralschäden ebenso zum guten Ton gehören, wie der Sex mit willigen Copgroupies und das Runterbuttern der unbedarften Copkollegen. Doch als sie bei einem neuerlichen Fall im Zuge vollkommener Selbstüberschätzung aus dem Dienst ausscheiden, schlägt die Stunde der Kollegen, die immer in ihrem Schatten gestanden haben. So auch für Schreibtischhengst Allen und seinen chronisch übellaunigen Kollegen Terry. Während ihre ersten Gehversuche noch im Chaos enden, glaubt Allen schnell, einem riesigen Skandal auf der Spur zu sein, der beide in die Welten der Hochfinanz führt und ungeheuerliche Kreise zu ziehen scheint. Nur glauben will den etwas anderen Cops niemand.

„Die etwas anderen Cops“ steigt ein mit der großen Samuel L. Jackson Show. Gemeinsam mit Dwayne “The Rock” Johnson poltert er One Liner der Güteklasse A rausrotzend durch eine hervorragende Parodie aller gängigen Superbullenklischees, die einem bei dem Thema in den Sinn kommen. So cool wie in diesen Szenen war Jackson seit Jahren nicht mehr und sein Co-Star The Rock hat sichtlich Mühe mit der Spielfreude Jacksons mitzuhalten. Darum flankiert Regisseur Adam McKay diese brachiale Show zugunsten der Action Hero Qualitäten von The Rock mit wirklich heftiger und markerschütternder Action, die überlebensgroß und extrem wuchtig daherkommt, leider aber auch ein wenig zu verwackelt inszeniert wird. Trotzdem sind in Bussen parkende und aus jenen abgeschossene Sportkarossen etwas bisher Beispielloses und wirklich Spektakuläres im Genre. Vor allem wenn Jackson beidhändig ballernd hinterm Lenkrad desselbigen klemmt. Kurzum: Wer in den ersten 15 Minuten der etwas anderen Cops keinen Spaß hat, hält vermutlich auch „Cobra 11“ für ein Drama und „Die nackte Kanone“ für Shakespeares größtes Stück. Mit dem wohl genialsten Gag der jüngeren Filmgeschichte zieht McKay dann einen Schlussstrich unter diese Klischeeverballhornung und macht Platz für die eigentlichen Stars des Films:

Mark Wahlberg und Will Ferrell. Beide funktionieren als ungleiches Copgespann hervorragend. Wahlberg gibt den ewig wütenden Cop Terry, der fürs Anschießen eines Baseballstars von seinem eigentlichen Dienst enthoben wurde und seitdem mit dem pedantischen und etwas unterbelichtet wirkenden Allen den Schreibkram für die im Außendienst agierenden Kollegen erledigen muss. Und während Allen diese Tätigkeit liebt wie kein Zweiter und Terry damit fast zur Weißglut treibt, zieht es Heißsporn Terry immer wieder in den echten Einsatz. Wahlberg überrascht in diesem Streifen mit einem ungeahnten komödiantischen Timing und verfolgt fast durchgehend „Das nackte Kanone“ Prinzip, indem er selbst in den abgefahrensten Situationen herrlich ernst bleibt und keinesfalls kalauernd durch die Handlung flaniert. Will Ferrell, der hier wiederholt mit seinem Leib- und Magenregisseur Regisseur Adam McKay arbeitet und dementsprechend locker und beiläufig seinen teils sehr sehr seltsamen Humor aus der Hüfte feuert, nimmt sich zudem zugunsten von Wahlberg teils deutlich zurück, bzw. er fungiert häufiger als Stichwortgeber für Wahlberg, der die Vorlagen durchweg gekonnt verwandelt. Und das überträgt sich spielend auf den Film, dem man rundweg anmerkt, dass hier die Chemie zwischen der auf dem Papier eher ungewöhnlichen Paarung hervorragend stimmt.

Neben den beiden Hauptdarstellern kommen mit Eva Mendes, Michael Keaton, Steve Coogan, Samuel L. Jackson, Anne Heche und Dwayne Johnson einige Hochkaräter zum Einsatz, die durchweg mit Spielfreude (hierbei sei vor allem Keaton als Chef der Chaosgruppe erwähnt, der nebenher noch Bademöbel verkauft) glänzen und diverse gelungene Gags zum Film beisteuern. Dieser erweist sich ohnehin als beispiellose Gagrakete mit einer fast schon unglaublichen Gagdichte, bei der gar nicht auffällt, dass der ein oder andere zu schräge Ferrellgag gar nicht zündet. Bis zum Ende hält der Film diese Gagfrequenz durch, lanciert herrlich bekloppte Running Gags und hat eben im Showdown noch genau solche Frontallacher im Gepäck wie zu Beginn. Apropos Showdown, der unterhält wie der Einstieg mit einer dicken Actionszene, in der Mark Wahlberg dann auch das machen kann, was er eigentlich am besten kann: Beidhändig ballernde über Tische sliden und Bäddies durchlöchern.

Im Grunde hat man es hier mit einer Art neuen „Die nackte Kanone“ zu tun, wenn, ja wenn da nicht die etwas seltsame Geschichte wäre. Augenblicklich gefällt sich Hollywood als „Auf die Füße Treter“ in Sachen Lehman Brothers Skandal und Wirtschaftskrise. Diese etwas sehr abstrakte Form der Kriminalität in eine stringente und vor allem spannende Story zu packen, daran scheitert man aber noch immer. So auch hier, denn die im Film dargebotenen finanziellen Verstrickungen goutiert man irgendwann nur noch mit einem Schulterzucken, da man irgendwann eh nicht mehr kapiert, wer hier warum der Bösewicht ist. Das liegt auch daran, dass „Die etwas anderen Cops“ ihren Bösewicht Ershon sehr seltsam zeichnen. Positioniert zwischen wirrem Finanzhallodri, fiesem Schleimbeutel und Opfer wird so vor allem der britische Darsteller Steve Coogan zum wiederholten Male in seiner Hollywoodkarriere ziemlich verheizt. Denn jener kann von seinem eigentlich recht giftigen Humor überhaupt nichts zum Einsatz bringen, weil es seiner Figur nicht steht. Zwar hat auch er ein paar witzige Momente abbekommen, aber so recht kommt er nie im Film an.

Die Folge ist, dass sich „Die etwas anderen Cops“ vor allem zum Ende hin spürbar ziehen und das Tempo doch deutlich in die Knie geht, da eben jetzt das Drehbuch zu erklären versucht, wer hier nun eigentlich wem die Milliarden klauen will. Virtuell und nicht greifbar, versteht sich. Hier hätte man wirklich einen unkomplizierteren Plot wählen sollen und auf die gewohnten Action- und Copthrillerversatzstücke a la Drogenhandel, Waffenschiebereien oder dubiose Mordfälle zurückgreifen sollen.

Zumal man von einem Gagaferrell eben nicht wirklich Kommentare zur aktuellen Lage erwartet, geschweige denn sehen will. Hier wäre wirklich ein komplett irres, von der Realität losgelösteres Motiv der idealere Weg gewesen. Richtig seltsam wird es dann, wenn im Abspann fast schon dokumentarisch aufbereitet wird, wie die CEO und Bankenchefgehälter seit der Krise gestiegen sind usw. Hier verhebt sich der Streifen dann vollends ein wenig. Zumal, wenn darunter ein Song läuft, in dem es um Zuhälter geht, mit Inbrunst dargeboten von Will Ferrell und Eva Mendes. Ok, das ist zwar schon recht gaga, aber stimmig geht meines Erachtens anders. Dennoch muss man nach dem Filmgenuss konstatieren, dass dieser Film die bisher witzigste Komödie des laufenden Filmjahres ist. Diese liefert einen ganzen Berg an Pointen, zieht das Cop- und Buddymoviegenre gekonnt durch den Kakao, bietet wundervoll harmonierende und aufspielende Darsteller, druckvolle Action und eine stimmige Inszenierung, wurde aber in eine meines Erachtens zu gewöhnungsbedürftige, zu wenig greifbare bzw. kaum spannende Rahmenhandlung verpackt.

In diesem Sinne:
freeman

PS.: eine gewisse Affinität zu Ferrells Humor sollte man definitiv mitbringen! Zwar wird man hier dank Wahlberg etwas behutsamer an seinen Humor herangeführt, wer mit Ferrell aber bisher so gar nichts anfangen konnte, wird es auch mit diesem Film nicht abstellen können …

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