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Exit Wounds

Originaltitel: Exit Wounds__Herstellungsland: USA, Kanada__Erscheinungsjahr: 2001__Regie: Andrzej Bartkowiak__Produzent: Joel Silver__Darsteller: Steven Seagal, DMX, Anthony Anderson, Isaiah Washington, Michael Jai White, Jill Hennessy, Tom Arnold, Bill Duke, Bruce McGill, Eva Mendes u.a.
Exit Wounds

Steven Seagal mischt in “Exit Wounds” Detroit auf!

Lang lang ist es her: Wir befanden uns etwa in der Mitte des Jahres 2000, als erste Gerüchte betreffend „Exit Wounds“ aufkamen. Joel Silver produziert, Steven Seagal in der Hauptrolle, Rapper DMX an seiner Seite… inszenieren sollte der Regisseur Andrzej Bartkowiak, der Typ, der schon den relativ stylischen „Romeo must die“ gedreht hat. Dieser Film hatte was, einzig ein gewisser Härtegrad fehlte. Mal schauen, was Bartkowiak nun mit Seagal in der Hauptrolle fertig gebracht hat.

Er ist der härteste Bulle Detroits und ein Einzelgänger, der im Einsatz keine Gnade kennt: Orin Boyd (Steven Seagal) macht keine Gefangenen! Als Folge seines eigenwilligen Verhaltens wird er von seinen Vorgesetzten in den übelsten Distrikt Detroits abgeschoben. Dort findet er sich in einem undurchsichtigen Sumpf aus Drogen, Gewalt und Korruption wieder, der sich bis in die höchsten Ränge des Polizeipräsidiums zieht. Orin nimmt den Kampf auf, doch dabei stellt er sofort fest, dass er bei dieser Mission keine Freunde und keine Verbündeten hat. Nur der geheimnisvolle Drogenbaron Latrell Walker (DMX) scheint ein doppeltes Spiel zu spielen.

Frühling 2001. Die Bienchen summten, die Blumen blühten und mein Herz sprang höher. Mein lang ersehnter erster Steven-Seagal-Streifen im Kino! Allein die Trailer zum Film ließen mein Herz zwanzigmal höher springen. Und natürlich ließ ich es mir nicht entgehen, „Exit Wounds“ gleich am Premierentag das erste Mal zu bewundern.

Und da ging auch sofort die Post ab: Schon nach ein paar Sekunden trampelt der gute Steven durchs Bild, im Anzug, Sonnenbrille, unterlegt mit cooler Musik. Und ein paar Minuten später erschießt Steven schon die ersten Bad Guys, bricht eine Nase und wirft den Vizepräsidenten der USA zu seinem eigenen Schutz von einer Brücke. Yeah – genau SO muss ein Seagal-Film anfangen. Natürlich wird Steven von seinem Vorgesetzten daraufhin bestraft und in den übelsten Bezirk verfrachtet. Hier „darf“ er eine Selbthilfegruppe in Sachen sinnloser Gewaltanwendung besuchen, zerlegt dabei sogleich einen Tisch, watschelt davon und krallt sich ein paar Bad Guys, die gerade sein Auto knacken wollen.

Arbeiten tut der Steven in seinem neuen Revier auch. Als Verkehrspolizist, der diese Art der Polizeiarbeit nicht so ganz im Griff hat (Brüllerszene!). All das, weil er mal wieder auf eigene Faust ein Verbrechen aufklären wollte. Tja, würde man den Steven einfach mal arbeiten lassen, wäre der Film schon nach 45 Minuten zu Ende. Leider sind Stevens Berufskollegen nicht ganz sauber – dafür bekommt er aber einen anständigen Partner zur Seite gestellt. Zum Buddy-Movie entwickelt sich der Film trotzdem nicht, obwohl die beiden ein paar gute Szenen zusammen haben. DMX („Born 2 Die“) ist auch noch da. Und macht seine Sache ganz ordentlich. Als ein zwischen gut und böse postierter Underground-Internet-Millionär gibt er zusammen mit Anthony Anderson („Zwei vom alten Schlag“) ein eingespieltes Duo. Und ich denke, die Lamborghini-Kauf-Szene wird zu Recht mit dem einen oder anderen Schmunzler belohnt. Tom Arnold („Hit and Run“) hat ebenfalls einige ordentliche Dialoge auf den Leib geschrieben bekommen (zusammen mit Anthony Anderson ein perfektes Comedy-Paar). Und sogar Eva Mendes („Die etwas anderen Cops“) und Michael Jai White („Android Cop“) haben kleine Nebenrollen. „Exit Wounds“ ist wahrlich prominent besetzt.

Was einigen Seagal-Fans an „Exit Wounds“ immer wieder sauer aufstößt, ist Stevens Kampfstil, der sich von der früheren, recht realistischen Kampfdarstellung zu einer wahren Trapeznummer verändert hat. Wirework noch und nöcher. Seagal zeigt hier Kunststücke, die stellenweise sogar aberwitzig aussehen, da der gute Steven mit seinen 51 Jahren und trotz einiger verlorener Kilos alles andere als ein Kunstturner ist. Trotzdem, so „kompakt“ sah Steven nach „Exit Wounds“ nie mehr aus. Joel Silver sei Dank, hat jener Seagal doch gesagt: „Junge, lass die albernen Indianerdecken weg, lass die tibetanischen Mönchsketten zu Hause, schneid dir mal die Haare und schau dir ein Fitnesszentrum von innen an – dann gibt es ‘Exit Wounds’ für dich.“ Das Basler Kino „Plaza“ ließ es sich nicht nehmen und warb mit dem Spruch „Der Zopf ist ab – die alte Schlagkraft wieder da“ für „Exit Wounds“. Schade ist nur, dass Seagal („Force of Execution“) nicht vom Jojo-Effekt verschont blieb: Nur ein Jahr später war die Matte (ein Zopf war es jedenfalls nicht) wieder da und unzählige gegessene Hamburger verlangten wieder nach einem kaschierenden langen Mantel – ach ja, und die Schlagkraft war wieder weg…

Regisseur Andrzej Bartkowiak hat es jedenfalls geschafft, Steven Seagal noch einmal richtig stylisch in Szene zu setzen. „Exit Wounds“ ist wahrlich ein Hochglanz-Actioner: Alleine die Fahrzeuge sind eine Augenweide, die schnellen Cuts funktionieren in diesem Film perfekt und der Härtegrad stimmt auch. Der doch sehr auf Hip-Hop getrimmte Soundtrack weiß zu gefallen und passt wie die seagalsche Faust aufs Auge. Bartkowiak hat auf „Exit Wounds“ noch „Born 2 Die“ folgen lassen, ohne Seagal, dafür wieder mit Jet Li, DMX und einigen der hier schon anwesenden Darsteller.

„Exit Wounds“ ist Seagals letzter (richtiger) Angriff auf der großen Leinwand und ein mainstreamiges Actionspektakel, welches dank cooler Inszenierung, ordentlich Blut, netter Mucke und gutem Cast richtig kracht. Schade ist nur, dass es derartige Streifen mit Steven Seagal wohl nicht mehr geben wird.

Der Film erschien von Warner Brothers auf DVD und war mit einer FSK 18 Freigabe uncut. Am 25. April 2014 erschien endlich auch die Blu-ray zum Film von Warner. Diese ist in Sachen Bildqualität eine klare Steigerung zur DVD, in Sachen Ton sieht es aber sehr düster respektive dumpf aus. Weder knallen die Actionszenen so richtig noch scheppert der Hip Hop Score adäquat aus den Boxen. Vor allem ein Antesten der Originaltonspur dürfte für einige Aha-Erlebnisse sorgen. Man sollte vor dem Umschalten die Anlage allerdings herunterpegeln.

© DomPatHug

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner Brothers__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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