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Fist of God (aka Redeemer)

Originaltitel: Redeemer__Herstellungsland: Chile__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Ernesto Díaz Espinoza__Darsteller: Marko Zaror, Noah Segan, Loreto Aravena, Mauricio Diocares, Nuñez Nelson, Otilio Castro, José Luís Mósca, Smirnow Boris, Mauricio Raab Sanz u.a.
Fist of God

Marko Zaror ist der Redeemer im gleichnamigen chilenischen Action-Hammer.

Bevor ich meine Lobeshymne auf diesen Film beginne, muss ich mich als großer Marko-Zaror-Fan outen. Marko wer? Marko Zaror! Wenn ich erwähne, dass der gebürtige Chilene den kampfstarken Gegner von Scott Adkins in „Undisputed 3“ gegeben hat, dürfte so mancher Actionfan sofort ein Bild von dem Darsteller vor dem geistigen Auge haben. In diesem Film hat er definitiv eine Duftmarke im Genre hinterlassen.

Wirklich genial sind allerdings seine Arbeiten, die er in seinem Heimatland mit seinem Stammregisseur Ernesto Diaz Espinoza abdreht. Filme wie „Kiltro“, „Mandrill“ oder „Mirageman kicks ass“ verweigern sich dem Hollywood-Schick und setzen auf manchmal sperriges, aber immer faszinierendes Storytelling, das sowohl wilde Haken schlägt als auch Genre-Grenzen implodieren lässt. Erstaunlicherweise fokussieren diese Filme nur selten auf die Martial-Arts-Fähigkeiten ihres Hauptdarstellers, obwohl der sich hier zumeist auch als Choreograf austoben darf.

„The Redeemer“ ist die insgesamt bodenständigste Nummer des dynamischen Duos Zaror und Espinoza geworden, dreht dem üblichen B-Film-Actionausstoß der Amerikaner aber immer noch eine lange Nase. Und endlich darf auch Zaror richtig einen raushauen!

Zunächst zur interessanten Handlung: Zaror verkörpert den Redeemer. Der ehemalige Killer eines Drogenkartells nimmt sich jener Menschen an, deren Gebete um göttlichen Beistand scheinbar nie erhört werden. Als „Fist of God“, wie „Redeemer“ in unseren Breiten heißen wird, vollstreckt er Gottes Willen und springt den Hilflosen bei. Woher er weiß, dass Gott sein Handeln befürwortet? Nun, vor jedem brachialen Auftritt des Redeemers spielt selbiger Russisches Roulette. Überlebt er, ist Gott mit seinem Tun wohl einverstanden. Bricht der Schuss, hat ihm Gott sein Vertrauen endgültig entzogen.

Doch der aktuelle Einsatz des Redeemers gestaltet sich äußerst komplex. Er hilft einem Mann, der von ein paar Lumpen verfolgt wird, die von ihm eine Tasche voller Geld einfordern. Doch der Mann gibt vor, nichts von einer Tasche voll Geld zu wissen. Als der Redeemer die Verfolger des Mannes ausgeschaltet hat, muss er bemerken, dass noch andere Parteien hinter seinem Schutzbefohlenen her sind. Und mehr noch: Der Mann weiß sehr wohl, wo der Geldbeutel steckt. Doch aus einem nur zu menschlichen Grund will er dessen Versteck nicht preisgeben…

Fist of God

Marko Zaror in seinem Element.

Was hier noch relativ simpel klingt, wird von „Redeemer“ durchaus interessant aufgezogen. Warum etwa der Redeemer tut, was er tut, erfährt der Zuschauer erst gegen Ende dieses kleinen Action-Wunderwerkes. Vorher werden noch weitere coole Figuren eingeführt. Etwa ein Killer mit dem Namen „Skorpion“. Der verschießt Kugeln, die nicht nur mit einer Skorpion-Prägung daherkommen, sondern aus denen auch noch selbige Tiere herauskrabbeln, sobald die Kugeln im Körper des Gegners gelandet sind. Das nenne ich mal ein Markenzeichen! Der Redeemer und der „Skorpion“-Killer sind zudem auf einer sehr persönlichen Ebene miteinander verbunden, was den „Skorpion“ gegen Ende fast zum tragischen Helden werden lässt und damit ein erstaunlich versöhnliches Ende einleitet – das so gar nicht den Genre-Standards entsprechen will.

Doch auch die um den Redeemer errichtete Mythologie ist einfach klasse und entfaltet sich ganz langsam vor dem Auge des Zuschauers. Einzig die Tatsache, dass der Schutzbefohlene des Redeemers und dessen Familie nie so richtig im Film ankommen, trübt den positiven Eindruck des Storytellings ein wenig. Hier wäre mehr drin gewesen, zumal die Schwester des Schutzbefohlenen hervorragend mit dem Redeemer harmoniert.

Der wird von Marko Zaror als sehr verschlossener, immer leicht melancholisch wirkender Außenseiter gegeben, der einem Westernhelden gleich in immer neuen Städten einreitet und dort statt des nächsten Saloons die örtliche Kirche ansteuert. Hier findet er jene Leute, die seiner Hilfe bedürfen. Viel sprechen muss Zaror in der Rolle nicht, dafür hat man ihm ein paar prägnante Gebetszeilen in den Mund gelegt, die seine Gegner immer wieder zu hören bekommen. Physisch ist Zaror ungemein präsent und er hat eine wirklich sehr sympathische Ausstrahlung, die seiner sehr schweigsamen Figur sehr entgegenkommt – er wirkt so zugänglicher.

Fist of God

Marko Zaror als schweigsamer Helfer für jene, die normalerweise keine Hilfe bekommen.

Wo Zaror richtig glänzt, sind die topp choreografierten Actionszenen. Ganze sechs Mal muss der Chilene in „Redeemer“ ran und jede Actionsequenz hat ein paar hervorragende Momente. Dabei präsentiert man Zaror in den ersten drei Fights nur Fallobst. Hier muss er immer gegen mehrere Gegner ran und knüppelt diese mit viel Übersicht und teilweise sehr spektakulären Aktionen zu Boden. Wobei der Terminus „knüppelt“ freilich eine echte Untertreibung ist, denn „Redeemer“ atmet eine derbe Härte. Köpfe zerbrechen an Steinen, werden aufgespießt oder landen in Außenbordmotoren. Dann wird mal eben ein Haken durch einen Mund getrieben, bis er am Auge wieder austritt. Zudem werden Hände mit Messern an Körpern festgenagelt und mit einem Flaschenhals wird ein Brustkorb geöffnet. Wenn der „Redeemer“ hinlangt, sind die Auswirkungen wahrlich biblischen Ausmaßes. Von einer mal wirklich fiesen Rohrzangenszene ganz zu schweigen. Man darf sicher gespannt sein, wie schnittfest der Film die FSK passieren wird.

Denn auch in diversen Ballereien spritzt der rote Lebenssaft ordentlich. Hier müssen ebenfalls vor allem Köpfe dran glauben und geht der Redeemer äußerst brachial zu Werke. Dabei setzt es zwar immer mal CGI-Blutwolken, diese sehen aber durchaus ordentlich aus. Richtig krass wird es dann, wenn der Redeemer einen Off-Screen-Gegner mit einem Maschinengewehr zerlegt und eine Blutwolke aufsteigt, in der sogar Fleischbrocken mit herumfliegen…

Kurzum: „Redeemer“ macht keine Gefangenen. Und mit zunehmender Laufzeit ändert sich auch der Stil des Redeemers. Wirken seine ersten Fights noch richtig spielerisch und leichtfüßig, legt er im weiteren Verlauf immer mehr an Effektivität und Effizienz zu. Was er auch muss. Denn mit der vierten Actionszene lanciert der Film dann auch Gegner, die den Redeemer ordentlich etwas entgegenzuwerfen haben. So beschränkt ein MMA-Fighter mit Haltegriffen immer wieder die irre Schnelligkeit Zarors und limitiert seine spektakulären Aktionen extrem. Ein anderer Gegner scheint ziemlich schmerzunempfindlich zu sein, so dass Zaror erst einmal einen Angriffspunkt schaffen muss, bevor er den Gegner wortwörtlich totschlagen kann. Und im finalen Fight darf Zaror dann fliegen. Und zwar so richtig. Hierbei präsentiert er High-Fly-Aktionen, die sogar ein Tony Jaa aktuell nicht mehr zeigt.

Fist of God

Zarors Fuß schlägt ein…

Gerade in der Action ist „Redeemer“ grandios inszeniert. Die ansonsten sehr düsteren Soundteppiche reißen in diesen Momenten auf und geben den Rhythmus der gebotenen Action und des Schnittes vor. Die Kameras bleiben wohlweislich auf Abstand und präsentieren die Fights aus den immer richtigen Perspektiven, um die Choreografie in diversen Totalen richtig atmen zu lassen. Abseits der Action wirkt der Film recht preisgünstig. Es gibt keine spektakulären Schauplätze zu sehen und die Handlung spielt sich vor recht simplen Kulissen ab. Zudem fällt ein mieser Feuereffekt ebenfalls ziemlich unangenehm auf.

Doch irgendwie ist es auch genau dieses Unvollkommene, das dem Film noch zusätzlichen Drive verleiht. Der wirkt aufgrund dessen rau, roh, ungeschliffen, was gerade der Action extrem entgegenkommt. Diese ist vor allem in den Fightszenen hochgradig spektakulär und präsentiert einen Marko Zaror auf dem Höhepunkt seines filmischen Martial-Arts-Schaffens. Der sympathische Mime und sein reduziertes, aber dennoch charismatisch wirkendes Spiel sind ein weiterer großer Pluspunkt von „Fist of God“ aka „Redeemer“. Der Film kann sich zudem vollkommen auf seine sauber erzählte Story verlassen. Diese legt nicht in den ersten Minuten alle Karten auf den Tisch und lässt sich durchaus Zeit für ihre kleinen und größeren Überraschungen, was der Spannung entgegenkommt. Das Ergebnis ist mal wieder ein kleines Zaror/Espinoza-Wunderwerk, das den gängigen B-Action-Filmen meilenweit überlegen und definitiv eine Entdeckung wert ist.

Die deutsche DVD/Blu-ray erscheint am 4. Januar 2016 von Tiberius Film/Sunfilm und wird eine FSK 18 Freigabe haben. Über Schnitte usw. ist mir aktuell nichts bekannt. Das Review beruht auf der ungekürzten Code 1 Scheibe von dem Label Dark Sky Films. Ergänzung: Inzwischen wurde von Labelseite bestätigt, dass es sich bei der deutschen Fassung um die ungeschnittene Version handelt.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Tiberius Film/Sunfilm__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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