| Originaltitel: Good Luck, Have Fun, Don’t Die__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Gore Verbinski__Darsteller: Sam Rockwell, Tanya van Graan, Juno Temple, Haley Lu Richardson, Zazie Beetz, Michael Peña, Asim Chaudhry, Dino Fetscher, Cassiel Eatock-Winnik, Conrad Kemp, Georgia Goodman, Anna Acton, Mike Gassaway, Ryan Kruger, Dominique Maher, Elly Condron, Joe Vaz u.a. |

Das deutsche Kinoplakat von „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“.
Und täglich grüßt der Zeitreisende
Mitten in den laufenden Dinerbetrieb hinein. Wumms. Im Wilden Westen hätte das Klavier noch aufgehört zu spielen und alle hätten sich zur Saloontür umgedreht. Heute reagiert niemand mehr. Und dennoch: Es braucht wohl einfach diesen unverfrorenen Nonkonformismus, um den Strom wachzurütteln. Da steht er nun in seiner völlig albernen Garderobe, die nicht viel modischer geraden ist als der Fummel, den Bruce Willis in „12 Monkeys“ trug. Und warnt vor der Nacht der lebenden Standby-Smombies, vor Schülern, die auf Smartphones starren, vor der unerträglichen Leichtigkeit des Bildschirmscheins. Motive, die im Horror- und Science-Fiction-Film bereits vor zwanzig Jahren zu Genüge persifliert wurden. Ein Film also, der heuer eher aus dem Nichts kommt und schräge Blicke erntet, passend zum Off-Beat, mit dem Sam Rockwell das Diner entert. Ein Gestrandeter in der falschen Zeit. Als hätte schon wieder jemand die Zeitmaschine falsch programmiert.
Und doch hinkt Gore Verbinski mit „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ dem Zeitgeist gar nicht so massiv hinterher, wie man meinen könnte. Mediale Applikationen sind schließlich gekommen, um zu bleiben, auch wenn sie sich Jahr für Jahr radikal verändern. Neuerdings sind sie mit einer künstlichen Intelligenz ausgestattet, die drauf und dran ist, dem Hund den Platz als bester Freund des Menschen streitig zu machen. Das gesammelte menschliche Weltwissen befindet sich inzwischen in einer Waschmaschine, die auf Kochwäsche eingestellt ist. Keiner weiß Stand 2026, welche Farben am Ende dabei herauskommen.
Deswegen möge man dieser blindlings sich ins Chaos stürzenden „SciFi ist JETZT!“-Farce auch nicht allzu sehr nachtragen, dass sie längst verdaut gedachte Schlüsselbilder von fremdgesteuerten Zombie-Jugendlichen wieder hochwürgt, die schon in den 2010ern nicht mehr ganz taufrisch waren. Was auf den ersten Blick scheint wie das einfallslose geistige Produkt eines Spätzünders, der seinen Einsatz verpasst hat, ist schlicht eine Spiegelung der Tatsache, dass wir in einer Retorten-Realität leben, die auf ein historisches Archiv gesammelter Daten zurückgreifen kann, um diese zu remixen, nostalgische Sehnsüchte zu bedienen und eine Vertrautheit zu erzeugen, damit niemand mehr einen Schritt in eine ungewisse Zukunft machen muss.
A.I. Ad Absurdum
Was „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ letztlich so ausdrucksstark geraten lässt, damit Ignorieren keine Option darstellt, ist die herausragende Überzeugungsarbeit, die er für Dinerbesucher, Kinobesucher und sich selbst leistet. Dies ist keine halbgare Satire, die kompromissbeladen über Eierschalen jagt, sondern ein Rammbock ohne Zeit zum Nachdenken und ohne Sorge vor Kollateralschäden. Verbinski pirscht voran mit der rohen, naiven Energie eines Weltuntergangspropheten. Er weiß, je schneller er sich fortbewegt, desto weniger kommt er in Versuchung, an den Kanten zu feilen.
Aus der soweit überschaubaren Diner-Situation entwickelt sich so im Affenzahn nahfuturistisches Anthologie-Stückwerk, das sich anfühlt wie eine komplette Staffel „Black Mirror“ einmal durch den Zeitraffer gejagt. Die Schulmassaker der Zukunft und digitale Scheinrealitäten werden in Gedankenspielen verarbeitet, die aufzeigen, dass sich der Mensch eine Realität geschaffen hat, die sein Geist nicht länger sinnvoll verarbeiten kann, wodurch es zu soziokulturellen Pervertierungen kommt, was dieser Film heiß und fettig als Gänge-Menü serviert. Der Grübelfinger kommt da ähnlich in Schwung wie beim großen TV-Vorbild, nur diesmal im Minuten-Daumenkino mit dem ratternden Takt eines Maschinengewehrs.
Die Erkenntnisse der aufgebotenen Mini-Exkurse in die absurden Wendungen medialer Revolution reflektieren sich dann in der großzügig ausgelegten Haupthandlung, die sich von einem hysterischen Geiselnahme-Thriller zu einem Escape-Actioner entwickelt, mit all den futuristischen Problemstellungen, die auch die Protagonisten aus „Minority Report“ oder „Total Recall“ schon durchmachen mussten. Das Szenenbild ist Anarchie pur: Kabelsalat wie ein überdimensionaler Teller Spaghetti auf der rotweiß karierten Tischdecke eines italienischen Restaurants, Aggregationen aus dem World Wide Web, die das Zeug haben, die gesamte Physik zu sprengen (eine Katze, natürlich muss es eine Katze sein) sowie zunehmend verschwimmende Grenzen zwischen Realität und Illusion sorgen dafür, dass man bald nicht mehr weiß, wo Norden und Süden ist.
Und doch wird Ordnung geschaffen, wo sie geschaffen werden muss. Das Murmeltier zum Beispiel, es grüßt nur noch einmal, die 116 vorherigen Versuche, diesmal inspiriert durch das Trial-and-Error der Videospiellogik, werden im Wissen um die Zuschauererfahrung mit Zeitschleifenexperimenten gar nicht erst gezeigt. Wozu auch; in diesem einen Durchgang alleine ist der Knäuel verworren genug, dass es in mehr als zwei Stunden nie langweilig wird, dafür aber umso öfter überraschend.
Rockwell rockt das Ding als Lead mit beneidenswerter Leichtigkeit einmal mehr konsequent nach vorne und kann sich dabei auf eine Garde Auserwählter verlassen, aus denen vor allem Juno Temple sowie Michael Peña und Zazie Beetz als knuddeliges Lehrerpärchen herausragen. Die größte Herausforderung der Akteure liegt darin, ihren Figuren in einem wahren Tornado aus sich verändernden Zuständen ein festes Fundament zu verschaffen und sie sinnvoll ins Ensemble zu integrieren, worin sie sich durchaus als erfolgreich erweisen.
„Good Luck, Have Fun, Don’t Die“: Ein Wahnsinnstrip
Es ist bemerkenswert, dass es Gore Verbinski mit „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ trotz des chaotischen Aufbaus gelingt, die vielen aufgeworfenen Gedanken rund um KI und Versoftung der Realität über die komplette Laufzeit beisammen zu halten. Was auf den ersten Blick auf eine oberflächliche Wiederverwertung von Allgemeinplätzen der Technologie- und Medienkritik hindeutet, die in den vergangenen zwanzig Jahren bis zur Erschöpfung ausgereizt wurden, erweist sich vor allem in Hinblick auf die Methodik des Filmemachens als ein Panoptikum interaktiver Optionen. Derart arrangiert sprießen die Synapsen plötzlich wie Unkraut aus dem Boden… und mit ihnen die Assoziationen.
![]()
Informationen zur Veröffentlichung
Obwohl es sich offiziell um eine Produktion aus dem Jahr 2025 handelt, startete „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ weltweit erst 2026 in den Kinos. Der US-Start fand am 13. Februar statt, die Constantin Film brachte den Streifen fast genau einen Monat später, am 12. März, auch in die deutschen Kinos. Bereits im Mai folgte die Streaming-Auswertung über die üblichen Plattformen. Seit Anfang Juni kann man sich den Film über Constantin / Leonine auch auf Scheibe ins Regal stellen – entweder als DVD, als Blu-ray oder in der „Collector’s Edition“ mit Ultra-HD-Blu-ray und Blu-ray.
Von außen macht das vermeintliche Deluxe-Paket allerdings mehr her als es am Ende bietet, denn letztlich handelt es sich dabei auch „nur“ um ein mager ausgestattetes Dual-Format-Set im Amaray-Case mit einem zugegeben schick gestalteten Slipcase, das noch drei Art Cards an Bord hat. Die Ausstattung ist leider wirklich mager: Gerade mal eine fünfminütige Featurette und der Trailer hat es zumindest auf die normale Blu-ray geschafft.
Sascha Ganser (Vince)
Was hältst du von dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love
| Copyright aller Filmbilder/Label: Constantine/Leonine__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Ultra-HD Blu-ray/Blu Ray/DVD: Ja/Ja/Ja |





