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Great White

Originaltitel: Great White__Herstellungsland: Australien__Erscheinungsjahr: 2021__Regie: Martin Wilson__Darsteller: Katrina Bowden, Aaron Jakubenko, Te Kohe Tuhaka, Jason Wilder, Tim Kano, Kimie Tsukakoshi, Tatjana Marjanovic, Patrick Atchison u.a.
Great White DVD Cover

Ein “Great White” verlustiert sich Survival Thriller an diversen Menschlein.

Charlie und Kaz kommen als Besitzer eines kleinen Charterflugunternehmens für touristische Rundflüge in einem wahren Urlaubsparadies finanziell mehr schlecht als recht über die Runden. Doch die beiden versinken nie in Trübsal und leben einfach in den Tag hinein. Charlie mehr als Kaz. Eines Tages kündigen sich neue Kunden für einen Rundflug an und natürlich nimmt Charlie die Möglichkeit wahr.

Am nächsten Tag brechen er, Kaz und der Koch des Unternehmens mit zwei Kunden zu einem Tagesausflug auf. Die Frau des Kundenpärchens möchte die Asche ihres Vaters an einem Ort verstreuen, wo dieser einst durch die Hölle ging. Lange geht alles seinen unaufgeregten Gang, als unser Trüppchen auf einer traumhaften Insel über eine Leiche stolpert. Die abgenagten Beine lassen Charlie sofort an einen Hai denken.

Neben der Leiche liegt ein Handy, das offenbart, dass der Tote nicht allein unterwegs war. Sofort beschließen Charlie und Kaz, einen Rettungsversuch zu unternehmen. Sie kreisen um die Insel, um eventuell das Boot des Toten mit seiner Frau darauf zu finden. Dieser zunächst aussichtslos erscheinende Versuch fruchtet, schnell wird das an Klippen zerschollene Boot gefunden. In dem Wrack treibt die angenagte Leiche der Frau des zuvor gefundenen Toten.

Gerade als Charlie die Küstenwache herbeirufen will, attackiert ein Hai das Wasserflugzeug der Ausflugsgruppe. Das Fluggefährt sinkt sofort wie ein Stein auf den Meeresboden und Charlie, Kaz und Co. retten sich in ein mitgeführtes Gummi-Rettungsboot. In diesem lassen sich die Ausflügler von den Strömungen treiben und hoffen auf baldige Rettung oder sichere Ufer. In ihrem Schlepptau: Der Grund allen Übels: Ein großer Weißer Hai – und er ist nicht alleine!

Schaut in den Survival-Thriller mit Biss hinein

Wenn der Weiße Hai in „Great White“ zum ersten Mal unseren Ausflugstrupp attackiert, erlebt der Film einen Bump, von dem er sich sehr lange nicht mehr erholt. Denn obschon genau diese Attacke die folgenden knapp 60 Minuten Überlebenskampf effektiv einleitet, sieht sie einfach nur richtig gruselig aus. Man kann als Zuschauer gar nicht erkennen, was dieses Blob-ähnliche Ding sein soll, dass sich da an dem Wasserflugzeug verlustiert. Sofort befürchtet man einen The-Asylum-Trasher schlimmster Kajüte. Wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass diese Pappenheimer inzwischen überzeugendere Haie hinbekommen.

Blöderweise zieht Regisseur Martin Wilson nun auch nicht sofort die Spannungsschraube an, um über diese suboptimale Szene hinweg zu holpern. Infolgedessen wartet man leicht bangen Blickes, wie denn nun die nächsten Hai-Attacken aussehen werden und ob sie ebenfalls so gruselig schlecht inszeniert sind. Fortan setzt Wilson auf die Dynamik der Gruppe im Gummiboot. Und da George, einer der Charterfluggäste, ein ziemlicher Vollpfosten ist, knarzt es an Bord zwischenmenschlich gar heftig.

Great White Helden im Gummiboot

Wie lange ein solches Boot wohl dem Revolvergebiss eines Haies standhalten kann?

Leider vergisst Wilson in dieser Phase seinen eigentlichen Star. Hier mal eine Drohnen-Aufnahme, die einen schemenhaften Umriss eines Hais, der hinter dem Gummiboot her schwimmt, zeigt. Da mal eine Unterwasseraufnahme, bei der etwas an der Linse vorbeihuscht. Allesamt leider wenig zwingende Momente, was flankiert wird von der Tatsache, dass auch die Nahrungsmittel scheinbar in ausreichenden Mengen vorhanden sind.

Infolgedessen fällt es schwer, von einer steilen Spannungskurve zu sprechen. Doch zumindest die toll harmonierenden Katrina Bowden („Born a Champion“) als Kaz und Aaron Jakubenko („Spirit of the Game“) als Charlie retten dem Film hier mit ihrem sympathischen und angenehm ruhigen Spiel den Kragen. Den beiden schaut man gerne zu und obschon keine rechte Bedrohung vor sich hin gärt, drückt man beiden die Daumen. Auch die drei restlichen Darsteller (Tim Kano, Kimie Tsukakoshi und Te Kohe Tuhaka („Love and Monsters“)) schlagen sich hervorragend und entwerfen glaubwürdige Charaktere, über die man allerdings nicht wirklich viel erfährt. Dazu ist der Film zu sehr um Kaz und Charlie zentriert.

In der letzten halben Stunde wird die Bedrohung dann endlich greifbarer. Einige der Überlebenden enden im Maul der Haie und irgendwann müssen die Verbliebenen in den Angriffsmodus schalten. Hier spielen die Haie dann endlich eine weitaus größere Rolle. Sie präsentieren sich als Mix aus clever montierten Stock-Footage-Aufnahmen und einigen sehr gut funktionierenden Tricks mit Animatronics.

Weißer Hai im Survival Thriller mit Katrina Bowden

Und der Haifisch, der hat Zähne!

Selbst die wenigen CGI-Momente sitzen unverhofft auf den Punkt. Schnell fragt man sich, wie denn diese Wasserflugzeugszene so schiefgehen konnte, wenn hier doch anscheinend Leute am Werk waren, die eigentlich wussten, was sie da tun. „Great White“ gelingen so vor allem im Showdown rund um ein gesunkenes Schiff richtiggehend spektakuläre Momente, inklusive Aderlass und viel Blut im Wasser. Hier ist der Streifen dann auch wahrlich mörderspannend.

Auch das Drumherum stimmt. Man hat wirklich tolle Drehorte für „Great White“ gefunden. Urlaubsfeelings kommen bei so gut wie jeder Einstellung auf. Die Drohnenbilder azurblauen Wassers, das einen sogar den Grund des Meeres erkennen lässt, bilden die optischen Höhepunkte. Einzig rund um das im Wasser treibende Rettungsboot fällt dem Film nicht wirklich viel Gewinnbringendes an filmischen Mitteln ein.

„Great White“ könnte fester zubeißen

Der Hai-Survival-Thrill im Fahrwasser von beispielsweise „The Shallows“ hat leider das Problem, dass er sehr lange Zeit braucht, um richtig zu zu packen. Wie die Haie im Film lässt er sich zu lange bitten, bevor er ernst macht. Vor allem die Szenen in dem Rettungsboot ziehen sich, insbesondere da hier in Sachen Gruppendynamik auch nur die üblichen Genre-Klischees bedient werden.

Spätestens wenn die Haie dann endlich das Gummiboot auch mal umwerfen dürfen, kommt Zug in „Great White“. Der tödliche Abzählreim beginnt. Großes Gesplatter darf man dabei nicht erwarten. Dafür aber eine deutlich ansteigende Spannungskurve und ein wirklich angenehm aufwändiges Finale, das so manchen unrunden Moment im Vorfeld der australischen Produktion beinahe vergessen macht.

5 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erschien im Juni 2021 von Eurovideo und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Eurovideo__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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