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Guardians – Beschützer

Originaltitel: Zashchitniki__Herstellungsland: Russland__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Sarik Andreasyan__Darsteller: Anton Pampushnyy, Sanzhar Madiyev, Sebastien Sisak, Alina Lanina, Stanislav Shirin, Valeriya Shkirando, Vyacheslav Razbegaev, Nikolay Shestak, Vladimir Butenko u.a.
Guardians DVD Cover

Die Russen schicken ihre eigenen Superhelden ins Rennen.

Zu Zeiten des Kalten Krieges war Doktor Kuratov dafür zuständig, mittels Genmanipulation Übermenschen zu erschaffen. Also Menschen mit speziellen Fähigkeiten, die im Kampf gegen die Kapitalisten zum Zünglein an der Waage hätten werden können. In der Gegenwart haben die russischen Verantwortlichen inzwischen genug von Kuratov und seinen Forschungen. Sie wollen ihm den Laden dicht machen und sich all seine Forschungsergebnisse unter den Nagel zu reißen.

Kuratov missfällt das freilich sehr und er zieht es vor, seine Forschungen und Unterlagen mittels gigantischer Explosion zu vernichten. Blöderweise steht er bei selbiger mitten in deren Zentrum. Und verschmilzt auf ungesunde Weise mit all den Mittelchen und Chemikalien, die er für seine Versuche benutzte. So entsteht ein neuer Kuratov: Groß, stark, brutal und in der Lage, Maschinen in deren Funktion grundlegend zu beeinflussen.

In der Folge sammelt er Militärfahrzeug der ganzen russischen Nation und will mit selbigem das Land erobern. Um ihn aufzuhalten, greifen die Russen auf vier der von ihm geschaffenen Übermenschen zurück:
Ler ist in der Lage, jedwedes Sediment zu beeinflussen. Gestein, Geröll und was auch immer, er kann es als Waffe und sogar als Rüstung nutzen.
Khan führt eine verdammt flinke und ungemein scharfe Klinge.
Arsus verwandelt sich gerne mal in einen Werbär und ballert vornehmlich mit Miniguns um sich.
Kseniya kann sich unsichtbar machen und scheint jede Kampfsportart dieser Welt zu beherrschen.

Werden die vier Helden es schaffen, ihrem Schöpfer den Garaus zu machen?

Schaut in den russischen Superhelden-Film „Guardians“ hinein

Irgendwie stutzt man heutzutage schon, wenn ein offensichtlicher Big-Budget-Superhelden-Streifen mit bisher nicht etablierten Figuren auf nicht einmal 90 Minuten Laufzeit kommt. Entweder wurde an jedweder Geschichte gespart oder aber das Ergebnis ist ein megaflottes Spektakel ohne Leerlauf. Auf „Guardians“ trifft definitiv ersteres zu. Die Story von „Guardians“ als dünn zu umschreiben, kommt einer echten Untertreibung gleich. Der Film interessiert sich keinen Deut für seine Figuren, deren Motive oder eine schlüssige Story.

„Guardians“ erinnert damit eher an einen Comic-Strip in einer Tageszeitung denn an eine Geschichte mit echter Mythologie. Der Zuschauer wird einfach mittenrein geworfen und bekommt die notwendigsten Informationen nebenbei vorgesetzt: Hier ist der Fieswicht. Da sind die Helden. Helden machen Fieswicht irgendwie kaputt. Fertig. Dass die Helden von dem Fieswicht erschaffen wurden, ist hier eine Zeile im Drehbuch wert, für den Film aber komplett unerheblich. Wer die Helden sind oder waren? Wen juckt es! Ob sich der wild zusammengewürfelte Haufen untereinander versteht? Egal!

Die Guardians in Action

Die Guardians in Action

Scheppern soll es! Und scheppern tut es einige Male. Leider aber nicht oft genug. Es gibt da einige Szenen zwischen der Action, für die „Guardians“ dann doch eine Story benötigt hätte. Die Folge: „Guardians“ zieht sich einige Male beträchtlich. Dazu kommen einige repetitive Trainingsmomente, die sich in ihren Abläufen enorm gleichen und irgendwann langweilen.

Kracht es allerdings in „Guardians“, läuft der Film rund. Der Streifen hat ein paar hübsche Actionszenen mit ordentlich Spektakel zu bieten. Bei dem stimmen sowohl die Hochglanzbilder der russischen Filmindustrie als auch deren Effektumsetzung. Abgesehen vom Werbär. Der schaut vor allem in seiner „Halb-Mensch-Halb-Bär“-Zwischenstufe echt unfertig aus und lässt den Film im Gesamten deutlich cheesyer wirken, als er tatsächlich ist. Das sieht man vor allem bei den Effektszenen um die anderen drei Helden, die auf den Punkt sitzen, funktionieren und sich keine Blöße geben.

Letzten Endes enttäuscht in Actionangelegenheiten eigentlich nur der blöde Showdown so richtig, da er richtiggehend gehetzt wirkt und den Eindruck entstehen lässt, es müsse noch etwas nachkommen bzw. gleich werde noch etwas passieren. Was allerdings nicht passiert. So geht man echt unzufrieden aus dem Film heraus, zumal auch der „Marvel“-Teaser im Abspann reichlich misslungen ist und wenig Vorfreude auf Fortsetzungen schürt, auf die man hier sichtlich hingearbeitet hat.

Guardian mit Steinrüstung

Ler kann sich Steine als Rüstung “anziehen”.

Abseits der Action lassen sich die Russen in Sachen Optik und musikalischer Untermalung keineswegs lumpen und hauen einige Male auf den Putz. Auch die Schauplätze sind schön unverbraucht. Was ein wenig stört, ist, dass auch die Russen bei dieser Big-Budget-Produktion sichtlich auf Nummer sicher gehen. Irgendwie hätte ich mir den ganzen Film viel ruppiger und brutaler gewünscht. Der bleibt aber immer dem seltsam cleanen PG-13-Look der Amis verhaftet. Dabei wäre doch gerade der Gewaltgrad auch mal ein schönes Mittel gewesen, um sich von den aktuell gängigen Superheldenspektakeln abzuheben.

Der Einsatz läuft unter dem Codewort Defloration. Schnell rein, schnell raus und viel Blut hinterlassen.

Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal hat der Film dennoch: Nämlich eine ziemlich seltsame deutsche Synchronisation, die sich wie weiland die Rainer-Brandt-Arbeiten um Kopf und Kragen kalauert und dabei mehrfach übers Ziel hinausschießt. Zum einen, weil die Dialoge in der Form so gar nicht zum ernst aufgezogenen Rest passen. Zum anderen, weil keine der Figuren im Film auf noch so blöde Stilblüten reagiert, was von ganz alleine deutlich macht, dass der Ursprungsfilm ganz anders aufgezogen ist und auch ganz anders wahrgenommen werden möchte.

Guardians mutierter Bösewicht

Der Fieswicht müffelt schön nach Comic, ist aber arg harmlos ausgefallen.

Was am Ende bleibt, ist ein optisch äußerst ansprechender Streifen, der mit Tempo und netten Actioneinlagen die meiste Zeit über gut unterhält. Normalerweise kann man unter diesen Voraussetzungen auch gerne mal eine dünne Story vernachlässigen, doch bei „Guardians“ fällt das nicht leicht. Wirklich packen will einen die Chose nie. Spannung hat es auch keine. In der Folge werden die Szenen abseits der Action noch egaler, als sie es ohnehin schon sind. Zudem verschenkt der Film mit seinem dünnen Drehbuch offenherzig einige Potentiale. So machen zum Beispiel die Hauptdarsteller einen durchaus sympathischen Eindruck. Leider müssen sie sich mit Figuren abquälen, die mit reißbrettartig entwickelt noch nett umschrieben sind. Keine der Figuren hat einen spannenden Background. Der Bösewicht ist eine langweilige Luftpumpe und „Guardians“ pfeift auch noch auf das Wichtigste, was Superhelden-Mash-Ups eigentlich ausmacht: Die Dynamik der Charaktere untereinander. Hier wird nicht gefrotzelt und entstehen keine kerligen Freundschaften fürs Leben. Es wirkt permanent, als schaue man irgendwelchen Kleiderständen beim Auftragen hübsch designter Heldenklamotten zu. So kann man für eine eventuelle Fortsetzung nur mehr Glück wünschen und wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann bitte einen Kseniya-Spin-Off… die Kleine rockt!

5 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray zum Film erschien am 2. Juni 2017 von Capelight Pictures und hat eine Freigabe ab 12 erhalten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Capelight Pictures__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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