| Originaltitel: I Know What You Did Last Summer__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Jennifer Kaytin Robinson__Darsteller: Madelyn Cline, Chase Sui Wonders, Jonah Hauer-King, Tyriq Withers, Sarah Pidgeon, Billy Campbell, Gabbriette, Austin Nichols, Lola Tung, Freddie Prinze Jr., Jennifer Love Hewitt u.a. |

„Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ ist wieder da,
Nachdem der von Kevin Williamson geschriebene und von Wes Craven inszenierte „Scream“ 1996 dem Slasher-Genre neues Leben eingehaucht hatte, erschien 1997 der ebenfalls von Kevin Williamson geschriebene „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“. Dieser schob die neue Slasher-Welle weiter an, verzichtete jedoch auf den bei „Scream“ zelebrierten Metaebenen-Humor und blieb auch deshalb immer im Schatten des Wes-Craven-Hits. Dennoch folgte 1998 mit „Ich weiß noch immer, was du letzten Sommer getan hast“ eine offizielle Fortsetzung nach. Diese geriet noch straighter und blutiger als das Original, hat aber insgesamt kein gutes Standing bei Slasher-Fans.
An diese beiden Filme schließt die Neuauflage „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ an. Ignoriert also „Ich werde immer wissen, was du letzten Sommer getan hast“, die DtV-Fortsetzung aus dem Jahre 2006, und die Serie zum Franchise, die 2021 das Licht der Welt erblickte. Dabei geriert sich die Neuauflage als Legacy-Fortsetzung, ist also Soft-Reboot und Fortsetzung in einem und verschafft altbekannten Figuren neuerliche Auftritte.
Es ist fast 30 Jahre her, dass das kleine Örtchen Southport Zeuge eines Massakers wurde. Jugendliche hatten einen Unfall verursacht, dabei einen Menschen getötet und sich aus dem Staub gemacht. Ein Jahr später machte ein Mann in schwerer Öljacke und mit einem Handhaken kurzen Prozess mit der Gruppe. Doch einem findigen Projektentwickler ist es inzwischen gelungen, mit viel Geld die blutige Vergangenheit von Southport auszuradieren. Parallel machte er aus Southport eine florierende Kleinstadt mit großer touristischer Attraktivität.
Nach Jahren kehrt nun Ava in ihre Heimatstadt zurück. Sie will mit alten Freunden den Unabhängigkeitstag feiern und in Erinnerungen schwelgen. Um einen besseren Ausblick auf das bald steigende Feuerwerk zu haben, wollen Ava und ihre Freunde auf einen erhöhten Aussichtspunkt fahren. Dabei spiegeln sich dann irgendwann die Ereignisse von 1997. Die jungen Leute verursachen einen verheerenden Unfall, finden viele Gründe, keine Verantwortung dafür übernehmen zu wollen, und erhalten ein Jahr später ein Kärtchen, das verkündet, dass der Absender wisse, was sie letzten Sommer getan hätten. Wenig später beginnt ein neuerlicher blutiger Abzählreim.
Das hab ich doch alles irgendwie schonmal gesehen?
Die Neuauflage von „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ schafft zahlreiche Anknüpfungspunkte an seine Vorgänger. Dass Freddy Prinze jr. („Scooby-Doo“) und Jennifer Love Hewitt („Pups Alone“) ihre Rollen wieder aufnehmen würden, war dank des Trailers bereits klar. Allerdings tauchen noch mehr Figuren aus den Filmen von 1997 und 1998 auf. Im Gegensatz zu den Legacy-Fortsetzungen von „Scream“ müssen sich hier die alten Hasen aber mit sehr wenig Screentime zufriedengeben.
Ernüchternd ist, dass „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ (2025) keinen eigenen Dreh für das alles auslösende Ereignis findet und hier beinahe sklavisch dem Original aus 1997 folgt. Infolgedessen fühlt sich auch der weitere Verlauf ein wenig zu vertraut und altbekannt an. Entsprechend schwer tut sich der Film, so richtig in Schwung zu kommen. Auch weil Drehbuch und Regie keine wirkliche Idee haben, wie sie glaubhafte Figuren entwerfen sollen.

Da isser wieder!!!
Was dem Drehbuch jedoch gut gelingt, ist das Streuen falscher Fährten. Infolgedessen hat man durchaus Spaß am Mitraten – und man muss mehr als einmal umdisponieren. Zudem machen die Kills Laune. Sie geraten niemals in Splatter-Fahrwasser, sind aber durchaus eindrücklich umgesetzt und muten fast durchgehend handgemacht an. Dabei kommt wie gewohnt vor allem der Haken zum fiesen Einsatz und wird durch alle möglichen Körperteile getrieben. Seltsam ist jedoch, dass der Film zur Hälfte gefühlt sein halbes Figurenkarussell abgeschlachtet hat, von den Unfallverursachern aber noch keiner auch nur eine Schramme abbekommen hat.
Allgemein reiht der insgesamt zu lang geratene Film in seinem Mittelteil etwas zu planlos Szenen aneinander. Man erkennt keinen wirklichen roten Faden. Auch und vor allem, weil die Versuche der Unfallverursacher, dem Mörder auf die Schliche zu kommen, sehr halbgar und planlos wirken. Zudem wird die früh als Heldin angebotene Ava, deren moralischer Kompass noch am intaktesten zu sein scheint, irgendwann komplett aus dem Film genommen. Man kann hier gar keiner Reise zum Final Girl zuschauen.
All das mündet in ein Finale, das gleich mit mehreren Enthüllungen aufwartet, die mich aber durchweg nicht erreichten. Es wirkt, als habe man random ausgewürfelt, wer hier der Böse und wer der Gute ist. Die Motive wirken hingebogen und unglaubwürdig. Manche Enthüllung macht rein von der körperlichen Physiognomie der betreffenden Person so gar keinen Sinn.

Erneut verursachen Jugendliche einen üblen Unfall und stehen nicht dafür grade.
Und es folgt gefühlt ein Ende nach dem anderen. Wobei total ungelenk die Türen für Fortsetzungen aufgestoßen werden. Highlight ist dahingehend ein Gespräch am Strand, in dem in einem Nebensatz erwähnt wird, dass der totgelaubte Fieswicht ja gar nicht tot sei. Was der Gesprächspartnerin nur ein Schulterzucken entlockt. Sie hat ja auch nur Freunde und Bekannte an den Lump verloren. Übel.
Der Film hat also seine Probleme und wirkt nicht zwingend intelligent. Er versucht ab und an so zu wirken. Etwa wenn leise Kapitalismuskritik durch die Dialoge weht. Dies bleibt aber rundweg in Ansätzen stecken. Was im Film hält, ist das bereits erwähnte Mitraten, ein paar spannende Sequenzen und der Cast.

Freddy Prinze jr. wurde für „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ wieder reaktiviert.
Denn obschon die Figuren förmlich in Klischees zu ersticken drohen, holen die Darsteller hier einige Kohlen aus dem Feuer. Vor allem Chase Sui Wonders („Bodies Bodies Bodies“) als Ava und Madelyn Cline („Glass Onion: A Knives Out Mystery“) als Dummbrotblondchen Danica sind rundweg sympathisch und ordentliche Mitfiebermasse. Auch die aus den bisherigen Franchise-Beiträgen bekannten Darsteller – wie Freddy Prinze Jr. – liefern im Rahmen ihrer Möglichkeiten solide ab.
In technischer Hinsicht kann man „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ keinerlei Vorwürfe machen. Regisseurin Jennifer Kaytin Robinson (Drehbuchautorin von „Thor: Love and Thunder“) kleidet ihren Slasher in absolut kinotaugliche, wertige, nur ab und an etwas zu glatte Bilder. Bei einigen Sets schafft sie zudem ebenfalls Anknüpfungspunkte an die Ursprungsfilme, obschon sie ihnen ein anderes Gesicht gibt. Einen unauffälligen Dienst verrichtet der Score zum Film.
„Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“… und es war okay
Ich muss zugeben, dass ich mir von der Neuauflage von „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ nicht wirklich viel erwartet hatte. Die so gut wie gar nicht vorhandenen Marketingaktivitäten von Sony für den Film schienen mich dahingehend nur zu bestätigen. Es wirkte, als wolle man den Film flott unter den Teppich kehren. Doch so übel ist die Legacy-Fortsetzung gar nicht.
Der Film hat definitiv diverse Mängel. Die Figuren sind unterentwickelt, die Story ist zu eng am Original von 1997 und versucht sich kaum an Abwandlungen oder Meta-Humor, der Film ist insgesamt deutlich zu lang, die Auflösung ist missglückt und die Hinweise in Richtung Fortsetzungen sind turbokrampfig. Dem stehen engagierte Darsteller, gelungene Spannungsmomente, straighte Kills, ein lange Zeit gut funktionierendes Whodunit und eine wertige Inszenierung entgegen.
Das Ergebnis ist wie ein Klassentreffen: Man freut sich, alte Schulfreunde wieder zu sehen, lauscht deren Storys und hat eine okaye Zeit, danach stört es aber kaum, dass das nächste Klassentreffen erst wieder in zehn Jahren stattfindet. Soll heißen: Die angeteasten Fortsetzungen brauche ich nicht wirklich.
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„Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ läuft seit dem 17. Juli 2025 in den deutschen Kinos. Der Film kommt von Sony Pictures Entertainment Deutschland und ist mit einer Freigabe ab 16 ungeschnitten.
In diesem Sinne:
freeman
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