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Kraken

Originaltitel: Kraken__Herstellungsland: Russland__Erscheinungsjahr: 2025__Regie: Nikolay Lebedev__Darsteller: Alexander Petrov, Diana Pozharskaya, Viktor Dobronravov, Sergey Garmash, Aleksei Guskov, Pyotr Rykov, Anton Bogdanov, Nikolay Kozak, Oleg Gaas, Sergey Kempo u.a.
Kraken DVD Cover

In „Kraken“ heißt es U-Boot gegen Meeresungeheuer.

In der Arktis führen einige Geologen Unterseesprengungen durch. Damit wollen sie eigentlich den Meeresboden kartographieren, wecken stattdessen aber etwas Gigantisches auf. Dieses revanchiert sich für die Ruhestörung, indem es die Forschungsstation des internationalen Geologenteams in Schutt und Asche legt. Dem Zorn des Wesens kommt auch ein russisches U-Boot in die Quere, das sogleich von sämtlichen Überwachungsschirmen verschwindet.

Vitya soll nun aufklären, was mit den russischen Seeleuten geschehen ist. Das Pikante an der Mission: Der Kommandant des verschwundenen U-Bootes ist sein Bruder Sascha. Zudem wird Vitya von seinem Onkel begleitet, der nicht viel von Vityas Fähigkeiten als Kommandant von irgendetwas hält.

Schnell können Vitya und Co. ein paar überlebende Geologen einsammeln. Deren Erzählungen, das irgendetwas Gewaltiges ihre Station zerstört habe, schenken sie kaum Beachtung. Bis sie quasi live dabei sind, wie ein gewaltiges Ungetüm eine norwegische Ölbohrplattform zerstört. Sie selbst entkommen dem Biest nur mit Mühe und Not, als es das U-Boot von Vitya zu verfolgen beginnt. Schnell müssen die Seemänner bemerken, dass nicht einmal Torpedos das Ungeheuer aufhalten können.

Nun sind sie bereit, der Geologin Julia mehr Glauben zu schenken. Als die erklärt, dass man es hier mit einem riesigen Kraken zu tun habe, der dazu neige, seine Beute gerne in seine Höhle zu schleppen, werden sie hellhörig. Könnten Vityas Bruder und dessen Kameraden etwa noch am Leben sein?

Schaut in den Film hinein

Krake versus U-Boot

Ich gebe zu, aufgrund der Tatsache, dass die aktuelle weltpolitische Lage ist, wie sie nun einmal ist, habe ich mich etwas schwer getan, „Kraken“ in meinen Player zu legen. Meine Lust, russische Filme im Militärumfeld anzuschauen, ist aktuell nicht so groß. Allerdings deuteten Trailer und Pressetexte zum Film bereits an, dass wir es hier mit reiner Unterhaltungsware zu tun haben. Eine Art „Meg“, nur eben mit einem Kraken, einem viel größeren Kraken.

Und wirklich: „Kraken“ ist reines Entertainment. Übergroß, krachig und mit tollen Spektakelbildern versehen. Dieser Film fußt nicht wirklich in unserer Realität, er ist Abenteuer pur. Und dass er genau das auch sein will, unterstreicht er ganz fett, wenn Vitya zu seiner Mission aufbricht und kurz davor Jules Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“ in seinen Seerucksack packt.

Der Zuschauer weiß da längst, das Großes auf ihn zukommen wird. Denn obschon man den Kraken zunächst nur schemenhaft zu sehen bekommt, erahnt man aufgrund sich windender Greifarme und erst recht aufgrund des Filmtitels sofort, wer hier an die Spitze der Nahrungskette strebt. Was das gewaltige Tier direkt zu Beginn im ewigen Eis anrichtet, macht Lust auf mehr. Und „Kraken“ liefert flott, denn die Rettungsmission ist schnell angeschoben.

Dem filmischen Vorwärtsdrang sind die Figuren reichlich egal. Es sind eher Klischee-Charaktere, die in dem U-Boot dienen, hier zumeist nur rumhocken oder -stehen und keinerlei Profil haben. Die familiären Verstrickungen von Vitya (vor allem jene mit seinem Onkel) werden schnell zu einem unangenehmen Nervfaktor. Und Alexander Petrov („Attraction“) spielt als Vitya reichlich blass auf. Er wandelt wie ein Geist durch sein U-Boot und bietet so kaum Identifikationsfläche. Was schwierig wird, sobald man mit ihm und seinen Kameraden mitfiebern soll.

Alexander Petrov in Kraken

Alexander Petrov als Vitya in „Kraken“.

Doch in der Findungsphase geht das Gebräu noch auf. Weil man eben an der Seite von Vitya ganz allmählich entdeckt, was hier Phase ist. Die Zerlegung der norwegischen Ölbohrplattform sorgt für geile Spektakelbilder und auch die erste Hatz zwischen U-Boot und Krake fetzt.

Parallel werden alle Klischees in Sachen U-Boot-Film abgeschossen, die es gibt: etwa knarzendes Metall, durch die Gegend fliegende Nieten, nie ertauchte Tiefen und den Schauplatz flutendes Wasser. Alles hat man bereits zigfach gesehen, zu „Kraken“ passt es jedoch gut und wurde gut in Szene gesetzt.

Schwierig wird es erst, wenn die Geschichte auserzählt ist und der Showdown steigt. Der wird nämlich reichlich zerdehnt gereicht. Eine Rettungsaktion wird gleich zwei Mal durchgeführt. Retter und Gerettete sind einem aber – wie bereits angedeutet – reichlich egal. Das hilft dem mit 134 Minuten ohnehin viel zu langen Film gar nicht. Und wo ist der Krake hin?

Der legt arg viele Pausen ein. Und vor allem darf er überhaupt nichts mehr zerstören. Ein weiteres Problem: Die endlosen Weiten des Ozeans sind kein gutes Umfeld, um Größe zu inszenieren. Irgendwie fehlen durchweg Vergleichswerte. Ja, der Krake ist gefühlt 30 Mal so groß wie das U-Boot, nur, wie groß ist so ein U-Boot nochmal? Das Tier hätte man nochmal auf Ozeankreuzer oder weitere Bohrstationen prallen lassen sollen. Oder es hätte eine Stadt zerstören können – einfach für den Spektakelfaktor. Okay, okay, aber man wird ja wohl noch Wünsche äußern dürfen.

U-Boot im russischen Blockbuster

Der Krake des russischen Actionfilmes steht auf U-Boote wie dieses.

Und so wird halt gerettet und gerettet und gerettet. Erst final mischt sich der Krake ins Geschehen ein. Und das gerät reichlich unterwältigend. Zumal, wenn man ehrlich ist, außer einer hübschen Lichtshow nichts Aufregendes passiert. Dabei sieht das Ungeheuer toll aus. Die sich ewig windenden und über den Boden kriechenden Greifarme sind klasse, der Look des Tieres ist gelungen und die Effekte sitzen. Auch weil man die Dunkelheit der Tiefe effektiv nutzt, um eventuelle Probleme zu kaschieren.

Einzig eine Herde Wale, die mit dem U-Boot von Vitya und dem Kraken zusammenprallt, sieht gewöhnungsbedürftig aus. Trotzdem, dem Ungeheuer hätte man einen geileren Showdown gewünscht. Der Film ist auch abseits des Spektakels ordentlich inszeniert. Punktet mit einem wertigen Look und glaubwürdigen Sets.

Vor allem das moderne Ambiente des Befehlsstandes des U-Bootes von Vitya hat was. Die Unterwasserbilder funktionieren ebenfalls und wenn gegen Ende die Rettungsmission steigt, wirkt „Kraken“ richtig aufwändig. Ein echtes Highlight ist obendrein die orgellastige Filmmusik, die prächtig zum Sujet passt.

„Kraken“ bietet aufwändiges, leider kalt lassendes Spektakelkino

Das übergroße Creature Feature auf den Spuren von „Meg“ ist Spektakelkino pur, das ganz ordentlich zu unterhalten vermag. Technisch ist es mit Sinn für aufwändige Bilder umgesetzt und weist kaum Problemherde auf. Aber in anderen Abteilungen knarzt es hier schon mächtig gewaltig. Der menschliche Hauptdarsteller bleibt durchweg megablass und sein tierischer Gegner sieht zwar klasse aus, kommt aber so gut wie nie zum Zug. Die Story lässt einen reichlich kalt, der Film ist viel zu lang und es wird nie wirklich spannend. Final säuft „Kraken“ so zwar nicht ab, ein filmischer Torpedo sieht aber auch ganz anders aus.

Sehr knappe
06 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 26. Februar 2026 von dem Label Busch Media Group. Leider haben sich zu dem Film keinerlei Extras auf die Datenträger verirrt. „Kraken“ ist mit einer FSK 12 ungeschnitten und kann auch gestreamt werden.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Busch Media Group__Freigabe: FSK 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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Categorised in: Creature Feature, Reviews

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